Das Tagebuch der Anne Frank
      Kritik:
"Das Tagebuch der Anne Frank" ist ein ergreifendes Dokument über das Schicksal einer von den Nationalsozialisten verfolgten Familie, aus dem wir zugleich einiges über das Seelenleben eines klugen, frühreifen und sensiblen Mädchens in der Pubertät erfahren. Buchkritik
 

Das Tagebuch der Anne Frank

 
 
Inhalt:
Während sie 25 Monate mit den Eltern, der Schwester Margot und vier weiteren Juden in einem Versteck zusammengepfercht war, führte Anne Frank ein Tagebuch. Die letzte Eintragung stammt vom 1. August 1944. Drei Tage später wurden die Untergetauchten entdeckt, festgenommen und nach Auschwitz deportiert. Inhaltsangabe

Originaldokumente: Reichsinstitut für Kriegsdokumentation, Amsterdam
© Anne-Frank-Fond, Basel
Erstausgabe: "Het Achterhuis", 1946
Das Tagebuch der Anne Frank
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Das Tagebuch der Anne Frank

Inhaltsangabe:

Am Freitag wurde ich schon um 6 Uhr wach. Das war begreiflich, denn ich hatte Geburtstag. Aber so früh durfte ich nicht aufstehen und musste meine Neugier noch bezähmen bis dreiviertel sieben. Dann hielt ich es aber nicht mehr länger aus. Ich lief ins Esszimmer, wo Mohrchen, unser kleiner Kater, mich mit heftigen Liebkosungen begrüßte. Nach sieben Uhr ging ich zu den Eltern und dann mit ihnen ins Wohnzimmer, um meine Geschenke anzusehen und auszupacken. Dich, mein Tagebuch, sah ich zuerst, und das war sicher das schönste Geschenk [...]

Anneliese Marie ("Anne") Frank führte von ihrem 13. Geburtstag am 12. Juni 1942 an ein Tagebuch in holländischer Sprache. Weil es ihr an einer Freundin fehlte, personifizierte sie ihr Tagebuch und schrieb: "Um nun die Idee von der lang ersehnten Freundin in meiner Fantasie noch zu steigern, will ich nicht, wie jeder andere, nur Tatsachen in mein Tagebuch schreiben, sondern dieses Tagebuch meine Freundin selbst sein lassen, und diese Freundin heißt: Kitty!"

Zu Beginn stellte sie ihre Familie vor: "Als meine Eltern heirateten, war mein Vater [Otto] 36, meine Mutter [Edith] 25 Jahre alt. Meine Schwester Margot ist im Jahre 1926 in Frankfurt am Main geboren, am 12. Juni 1929 folgte ich. Als Juden emigrierten wir im Jahre 1933 nach Holland, wo mein Vater Direktor bei der Travis A.-G. wurde."

Otto Frank, der in Frankfurt in der Bank seiner Familie gearbeitet hatte, gründete in Amsterdam ein Handelsunternehmen, denn er war zuversichtlich, dass Hitler nur vorübergehend an der Macht war und die Briten ihm Einhalt gebieten würden. Doch am 1. September 1939 löste Hitler, der längst der uneingeschränkte "Führer" des Deutschen Reichs war, mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus. Im Mai 1940 marschierten die Deutschen in Holland ein. Die Deportationen aus Holland begannen im Jahr darauf. Als Margot Frank im Juli 1942 aufgefordert wurde, sich "für einen eventuellen Arbeitseinsatz im Ausland" zu melden, Bücher von Dieter Wunderlich war die Familie alarmiert und versteckte sich im Hinterhaus des von Otto Franks Firma benützten Büro- und Lagergebäudes an der Prinsengracht 263. Ein drehbarer Aktenschrank tarnte den einzigen Zugang im Hauptgebäude. Das Ehepaar Hermann und Auguste van Pels (im Tagebuch: Hans und Petronella van Daan) mit dem sechzehnjährigen Sohn Peter und der Zahnarzt Dr. Fritz Pfeffer kamen dazu. Geholfen wurde ihnen von Otto Franks Angestellten, vor allem von Johannes Kleimann (im Tagebuch: Simon Koophuis), Victor Kugler (Harry Kraler) und Miep Gies. (Anne Frank nannte Miep im Tagebuch Anne van Santen. Eigentlich hieß sie Hermine Santrouschitz. Sie wurde 1920 unterernährt von Wien nach Holland geschickt und dort fünf Jahre später adoptiert. 1941 heiratete sie Jan Gies. Sie starb 2010 im Alter von 100 Jahren.) Fünfundzwanzig Monate lang blieb das Versteck unentdeckt – bis zum 4. August 1944. An diesem Tag verhaftete der Wiener SS-Unteroffizier Karl Josef Silberbauer die Familien Frank und van Pels, Fritz Pfeffer sowie Johannes Kleimann und Victor Kugler. Das Versteck war wohl verraten worden, aber bis heute weiß man nicht, von wem.

Johannes Kleimann wurde am 18. September 1944 aus gesundheitlichen Gründen freigelassen; Victor Kugler gelang am 28. März 1945 die Flucht. Die Menschen aus dem Versteck deportierte man am 3. September 1944 mit dem letzten Transport vom Durchgangslager Westerbork ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo sie drei Tage später eintrafen. Herman van Pels wurde Anfang Oktober 1944 vergast; seine Frau Auguste kam im April 1945 auf dem Transport ins Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben; ihr Sohn Peter starb am 5. Mai 1945 mit achtzehn in Mauthausen – drei Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers. Fritz Pfeffer kam am 20. Dezember 1944 im Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg ums Leben. Edith Frank starb am 6. Januar 1945 in Auschwitz an Unterernährung. Ihre beiden Töchter, die im Spätherbst 1944 nach Bergen-Belsen gebracht worden waren, erlagen dort im Februar oder März 1945 einer Typhus-Erkrankung. Als Einziger aus dem Versteck überlebte Otto Frank den Holocaust. (Er starb 1980 im Alter von einundneunzig Jahren.)

Buchbesprechung:

Nach der Verhaftung der acht Untergetauchten am 4. August 1944 fand Miep Gies zwischen Büchern und Zeitungen Anne Franks Aufzeichnungen. Diese Dokumente erhielt Otto Frank von ihr, als er aus Auschwitz zurückkehrte, und er ließ sie mit einigen Streichungen 1946 veröffentlichen. (Es gibt auch Spekulationen darüber, dass Otto Frank den Text nicht nur zensiert, sondern ihn ganz oder teilweise gefälscht hat.) Schätzungsweise 30 Millionen Exemplare in etwa 60 Sprachen wurden von dem Tagebuch verkauft.

Es handelt sich um ein ergreifendes Dokument über das Schicksal einer von den Nationalsozialisten verfolgten Familie, aus dem wir zugleich einiges erfahren über das Denken und die Empfindungen eines klugen, frühreifen und sensiblen Mädchens in der Pubertät, das zwei Jahre lang mit sieben anderen Menschen in einem Versteck zusammengepfercht und von der Umwelt weitgehend isoliert ist.

Zur Vorbereitung ihrer Biografie ("Das Mädchen Anne Frank. Die Biographie", Claassen Verlag 1998) durfte die Journalistin Melissa Müller drei unveröffentlichte Seiten aus Anne Franks Tagebuch einsehen, die deren Vater 1980 seinem Freund Cornelius Suijk anvertraut hatte. Es soll sich u. a. um kritische Äußerungen des Mädchens über die Ehe ihrer Eltern gehandelt haben.

In ihrem Tagebuch erwähnte Anne Frank eine enge Freundin namens Jopie. 1941 hatten sie sich auf dem Jüdischen Lyzeum kennen gelernt. Erst Jahrzehnte später gab sich die Frau – sie heißt Jacqueline ("Jacque") van Maarsen – zu erkennen. 2004 veröffentlichte sie unter dem Titel "Ich heiße Anne, sagte sie" ihre Autobiografie (Übersetzung: Stefanie Schäfer, S. Fischer Verlag, Frankfurt/M 2004).

Die deutsche Übersetzung der Erstausgabe erschien 1950 im Verlag Lambert Schneider, Heidelberg unter dem Titel "Das Tagebuch der Anne Frank" (Übersetzung: Anneliese Schütz). 1986 wurde in Amsterdam unter dem Titel "De Dagboeken van Anne Frank" eine textkritische, kommentierte Ausgabe veröffentlicht. Die Übersetzung von Mirjam Pressler publizierte der S. Fischer Verlag in Frankfurt/M 1988 unter dem Titel "Die Tagebücher der Anne Frank".

George Stevens verfilmte Anne Franks Tagebuch 1959: "Das Tagebuch der Anne Frank".

Originaltitel: The Diary of Anne Frank; Drehbuch: Frances Goodrich und Albert Hackett; Kamera: William C. Mellor und Jack Cardiff; Darsteller: Millie Perkins (Anne Frank), Joseph Schildkraut (Otto Frank) u. a.

2001 folgte eine Verfilmung von Robert Dornhelm: "Anne Frank".

Originaltitel: Anne Frank. The Whole Story; Drehbuch: Kirk Ellis, nach der Biografie "Das Mädchen Anne Frank" von Melissa Müller; Kamera: Elemér Ragályi; Darsteller: Ben Kingsley (Otto Frank), Hannah Taylor Gordon (Anne Frank) u. a.

Anfang 2007 tauchten in New York Briefe von Otto Franck u. a. an seinen früheren Kommilitonen Nathan Staus jr. auf, aus denen hervorgeht, wie er sich 1941 um ein Einreisevisum für die USA bemühte. Als er einsehen musste, dass es aussichtslos war, versuchte er, stattdessen von Kuba die Erlaubnis zur Einreise zu bekommen, doch auch diese Hoffnung zerschlug sich nach der deutschen Kriegserklärung an die USA.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002-2010
Textauszüge: © Anne-Frank-Fond, Basel

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