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Dieter Wunderlich:
Buchtipps & Filmtipps

Hintergrundinformationen zu Buchtipps & Filmtipps von Dieter Wunderlich

 
   
 

Elke Heidenreich: Lesen!


 



Von Elke Heidenreich oder ihren Gästen empfohlene Bücher


Elke Heidenreich wurde 1943 als Tochter eines Tankstellenbesitzers in der Nähe von Kassel geboren. Nach dem Abitur in Bonn (1963) studierte sie in München, Hamburg und Berlin Germanistik, Theatergeschichte, Religionswissenschaft und Publizistik. Bekannt wurde Elke Heidenreich ab 1976 im Hörfunk durch die Figur der Metzgersgattin Else Stratmann aus Wanne-Eickel, die sie auch selbst verkörperte. Die Schriftstellerin, Journalistin und Moderatorin erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen, darunter den Adolf-Grimme-Preis (1985 / 2006) und einen "Bambi" für die Sendung "Lesen!" (2003).

Seit ihrer Kindheit liest Elke Heidenreich viel. In einem am 13. Dezember 1998 in Berlin gehaltenen Vortrag sagte Sie: "Wer nicht liest, ist doof."

Die Lust an der Literatur ist auch die Lust am Leben. Die Kunst, zu lesen, in ein Buch hineinzufallen, darin zu versinken, kaum noch auftauchen zu können, ist ein Stück Lebenskunst [...]
Nicht jeder kann lesen. Man muss für das Lesen eine Begabung haben wie für das Malen und das Klavierspielen – sonst wird nichts Rechtes daraus. Es gibt Menschen, die macht die stille Konfrontation mit dem Buch kribbelig [...] Wir können diese Menschen ein wenig bedauern, wir möchten auch nicht unbedingt lange Abende mit ihnen verbringen, wir müssen sie aber nicht verachten. Verachtungswert hingegen sind die Bildungskoketteure, die in ihrer Kindheit gelesen haben und jetzt seufzen: "Ach, wie ich Sie beneide, weil Sie so viel lesen!" Und auf die, nur auf die, trifft die Behauptung zu, dass, wer nicht (mehr) liest, auch irgendwie doof ist [...] Sie strampeln für Ihre Karriere [...] Sie trainieren sich fit und sitzen vorm Fernseher, um das Literarische Quarett zu ertragen, und dann kaufen Sie die dort wie auch immer "besprochenen" Bücher, stapeln sie auf Ihrem Nachttisch, aber zum Lesen kommen sie nicht? Wer es braucht, tut's auch, so einfach ist das [...]
Lesen ist gefährlich. Es hat eine unterwandernde Wirkung, es trägt uns weg aus dem gewohnten Umfeld, es stellt Lebensumstände in Frage, weckt Sehnsüchte, schürt Aufstand und Widerstand [...]
Zum Teufel mit den Literaturtheorien und ihren Langweilern auf Universitäten, Bildschirmen und in Zeitungen. Die Schriftsteller – die guten – scheren sich ohnehin nicht um Theorien, sie erzählen eine Geschichte. (Elke Heidenreich: Wörter aus 30 Jahren. 30 Jahre Bücher, Menschen und Ereignisse. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 2003)

Vom 29. April 2003 bis 5. September 2008 war Elke Heidenreich im ZDF mit ihrer erfolgreichen Literatursendung "Lesen!" zu sehen. 2,5 Millionen Zuschauer verfolgten den Auftakt. Drehort war die Bühne der Kölner Kinderoper am Offenbach-Platz.

Plötzlich ist sie die mächtigste Frau im deutschen Literaturbetrieb. Mit nur zweimal dreißig ZDF-Minuten hat sie mehr als vier Millionen Zuschauer erreicht und sechs Buchtitel auf die ersten Plätze der Bestsellerlisten katapultiert. (Evelyn Roll in "Süddeutsche Zeitung", 5. Juli 2003)

Elke Heidenreich sagte über ihre Sendung "Lesen!": "Ich will gerade die Leute ans Lesen kriegen, die Angst haben vor zu dicken Büchern, oder davor, dass sie den Namen des Autors falsch aussprechen."

Elke Heidenreich: Ich werde oft gefragt, ob es nur nach meinem Geschmack geht, bei den Büchern, die ich vorstelle. Natürlich geht es nur nach meinem Geschmack. Nach was denn sonst?
SZ: Nun, es geht nach dem Geschmack eines einzelnen Menschen. In der populärsten Fernsehsendung über Bücher!
Elke Heidenreich: Ich sage nicht, mein Geschmack ist der einzig richtige. Aber das ZDF hat mit diese Sendung übertragen, und darum geht es nach meinen Richtlinien. Und nicht nach denen von Rudi Carrell [...]
SZ: [...] Ihr Geschmack setzt jedoch Maßstäbe und prägt Geschmack [...] Sie machen enorme Werbung für die Bücher, die nach Ihrem Geschmack sind. Ist Ihnen das nicht zu viel Verantwortung?
Elke Heidenreich: Gar nicht, das finde ich ganz wunderbar. Wenn die Leute Geld für Bücher ausgeben, dann nehme ich an, lesen sie sie auch.
SZ: Und Sie finden, diese Bücher haben diesen Erfolg immer verdient?
Elke Heidenreich: Ja, es sind gute Bücher. Nicht alles, was ich da empfehle, ist das, was ich tolle Bücher nennen würde [...] Ich mag daran, dass es einfach und klar geschriebene Bücher sind, die niemanden verarschen. Bücher, die Leute ans Lesen bringen, die noch nie gelesen haben. (Aus einem Interview von Harald Hordych mit Elke Heidenreich, "Süddeutsche Zeitung", 11. März 2006)


Bücher von Dieter Wunderlich


Elke Heidenreich äußerte Verständnis für Marcel Reich-Ranicki, der sich am 11. Oktober 2008 geweigert hatte, den Deutschen Fernsehpreis anzunehmen:

Ich dachte, was für eine Zumutung diese armselige, grottendumme Veranstaltung für ihn sein müsse. In jeder Hinsicht – einen so alten Mann lässt man nicht derart lange warten, und man mutet einem so intelligenten Mann nicht einen solchen stundenlangen Schwachsinn in hässlicher Kulisse zu.

Besonders erbost zeigte sich Elke Heidenreich darüber, dass die Show nach der Medienschelte Marcel Reich-Ranickis einfach weiterging

Klar. Der Kritiker, der Spielverderber ist weg, nun ziehen wir unsere hirnlose Scheiße durch bis zum Schluss. Wo waren die Programmdirektoren und Intendanten in diesem Augenblick, warum kam keiner von ihnen auf die Bühne, um etwas zu sagen? Weil es verknöcherte Bürokarrieristen sind, die das Spontane längst verlernt haben, das Menschliche auch, Kultur schon sowieso [...] Man schämt sich, in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten. Von mir aus schmeißt mich jetzt raus.

Das ZDF folgte der Aufforderung, kündigte Elke Heidenreich, nahm die für 31. Oktober und 5. Dezember geplanten Sendungen aus dem Programm und setzte "Lesen!" ab.


Von Elke Heidenreich oder ihren Gästen empfohlene Bücher


© Dieter Wunderlich 2003 / 2008

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