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Dieter Wunderlich:
Buchtipps & Filmtipps

Hintergrundinformationen zu Buchtipps & Filmtipps von Dieter Wunderlich

 
   
 

Evita Perón

1919 – 1952 / Biografie


 


Eva María Ibarguren – die spätere Eva bzw. Evita Perón – wurde am 7. Mai 1919 in Los Toldos bei Buenos Aires als Tochter der ledigen Näherin Juana Ibarguren (1894 – 1971) und des mit einer anderen Frau in Chivilcoy verheirateten Großgrundbesitzers Juan Duarte (1872 – 1926) geboren. Ihre Geschwister hießen Elisa, Blanca, Erminda und Juan. Juana hatte wohl mehrere Affären, aber sie achtete darauf, dass sich ihre Kinder anständig benahmen. Um das Haushaltseinkommen aufzubessern, kochte Juana in Junín, wohin sie nach der Trennung von Juan Duarte mit den Kindern gezogen war, für Major Alfredo Arrieta, Rechtsanwalt Justo Alvarez Rodríguez und dessen Bruder Don José Alvarez Rodríguez, den Rektor des Gymnasiums. Vielleicht dachte sie dabei auch an ihre Töchter. Jedenfalls wurden der Major und der Rechtsanwalt ihre Schwiegersöhne.

In der Schule musste Evita eine Klasse wiederholen. Anders als ihre Schwestern wollte sie sich nicht anpassen, und aus Angst, so korpulent wie ihre Mutter zu werden, aß sie möglichst wenig. (Aber sie war wohl nicht krankhaft magersüchtig.) Sie bildete sich etwas darauf ein, die Tochter eines Großgrundbesitzers zu sein und träumte von einer guten Partie. Als zwei junge Männer der Oberschicht sie und eine Freundin zu einer Autofahrt einluden, sagten sie zu. Doch statt in den mondänen Badeort Mar del Plata fuhren die Männer zu einer abgelegenen Stelle, vergewaltigten sie oder versuchten es zumindest und ließen sie mit zerrissenen Kleidern am Straßenrand liegen.

Am 2. Januar 1935 nahm die Fünfzehnjährige einen Zug nach Buenos Aires. Es heißt, Evita sei mit dem Tangosänger Agustín Magaldi gereist, aber sicher ist das nicht. In der argentinischen Hauptstadt versuchte sie sich unter dem Namen Eva Duarte als Filmschauspielerin. Weil der Erfolg ausblieb, hauste sie in Absteigen und ließ sich von Männern aushalten. 1937 lernte sie den ehemaligen chilenischen Rennfahrer Emilio Kartulowicz kennen, der inzwischen das Magazin »Sintonia« redigierte und prompt ein Foto von ihr veröffentlichte.

Kleine Filmrollen wurden Eva Duarte nur hin und wieder angeboten, aber beim Hörfunk machte sie schließlich Karriere: Am 1. Mai 1939 begann die Übertragung einer Reihe von Hörspielen von Héctor P. Blomberg (1890 – 1955) mit Eva Duarte und Pascal Pelliciotta in den Hauptrollen. Eine zweite und dritte Serie folgten. Die Honorare erlaubten es Eva Duarte, sich im Mai 1942 eine eigene Wohnung in einem guten Stadtviertel zu mieten. (Dass sie von den Nationalsozialisten als Spionin bezahlt wurde, ist ein Gerücht.)

Nach offizieller Darstellung am 22. Januar 1944, möglicherweise aber auch schon etwas früher, wurde die Vierundzwanzigjährige einem doppelt so alten Mann vorgestellt: Juan Domingo Perón Sosa (1895 – 1974). Eine schicksalhafte Begegnung!

Oberstleutnant Juan Perón war von 1936 bis 1939 als argentinischer Militärattaché im Ausland gewesen, zuletzt in Berlin. Danach verbrachte der Bewunderer Mussolinis im Auftrag seiner Regierung einige Zeit in Italien, bevor er 1941 nach Argentinien zurückkehrte und sich mit anderen Offizieren, die Bücher von Dieter Wunderlich ebenfalls mit den Faschisten in Europa sympathisierten, in der Geheimorganisation »El Grupo de Oficiales Unidos« (GOU) zusammenschloss. Am 4. Juni 1943 gehörte Juan Perón zu den Putschisten, die den argentinischen Präsidenten Ramón S. Castillo Barrionuevo (1873 – 1944) stürzten. In der neuen Regierung fungierte Perón zunächst als Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, dann als Minister für Arbeit und Wohlfahrt, ab 26. Februar 1944 zugleich als Kriegsminister und schließlich auch noch als Vizepräsident.

Eine Woche nach dem Erdbeben in Mendoza am 15. Januar 1943 begegneten sich Juan Perón und Eva Duarte auf einer Benefizveranstaltung zugunsten der Opfer. Sie schliefen vermutlich miteinander. Der achtundvierzigjährige Witwer – seine erste Ehefrau Aurelia Tizón war im September 1938 an Unterleibskrebs gestorben – lebte mit einer Jugendlichen zusammen, die er zärtlich Piraña nannte, aber nach kurzer Zeit soll Evita ihre Rivalin zu deren Vater nach Mendoza zurückgeschickt haben. Jedenfalls lebte sie mit ihrem neuen Liebhaber in einer gemeinsamen Wohnung.

Es gab nicht eine Eva Duarte, sondern mehrere: »Evita, die Frivole, die Gierige, die Bestimmende, Evita, die fürchtet, sich nicht richtig zu benehmen. Evita, die ausfallende, die laut wird, um ihre Angst zu verbergen. und Evita, die sensible Protagonistin einer wunderschönen Geschichte.« (Alicia Dujovne Ortiz: Evita Perón. Die Biografie, S. 211) Von Natur aus war Eva Duarte brünett, aber auf einem Foto in der Ausgabe des Magazins »Antena« vom 1. Juli 1945 hatte sie sich zur Blondine gewandelt. Das gehörte zur Selbstinszenierung der Frau, die sich drei Jahre jünger machte als sie war, ihre uneheliche Geburt vertuschte und in einem am 7. April 1945 von der Zeitung »Radiolandia« veröffentlichten Interview log, sie habe Schauspiel studiert, liebe klassische Musik und reite gern. »Evita hat sich selbst kreiert. Sie hat alles erfunden: ihr Leben, ihre Schönheit, ihren Tod.« (Alicia Dujovne Ortiz, a. a. O., S. 38)

Als das »Dritte Reich« zusammenbrach, galt Argentinien als eines der Zufluchtsländer für Nationalsozialisten. Angeblich wurden am 7. Februar und am 18. Juli 1945 vor den Stränden von San Clemente de Tuyú bei Mar del Plata schwere Kisten mit der Aufschrift »Geheime Reichssache« aus fünf deutschen U-Booten an Land gebracht. Es soll sich um 188 Millionen Reichsmark, 55 Millionen französische Francs, 25 Millionen Schweizer Franken, 18 Millionen US-Dollar, 17 Millionen belgische Francs, 5 Millionen Pfund Sterling, weitere Devisen, dazu 2,5 Tonnen Gold und 4 638 Karat Diamanten gehandelt haben. Gerüchten zufolge wurde der Schatz von dem deutsch-argentinischen Unternehmer Ludwig Freude (1889 – 1956) bei drei Banken in Buenos Aires für Juan Domingo Perón Sosa und Eva Duarte deponiert. (Alicia Dujovne Ortiz: a. a. O., S. 128, 131, 272).

Durch ihren Einfluss sorgte Evita Duarte dafür, dass ihr alter Freund Oscar Nicolini am 5. Oktober 1945 zum Direktor des Post- und Fernmeldewesens berufen wurde. Das missfiel den Militärs. General Eduardo Avalos übernahm es, dies seinem Freund Juan Perón am 6. Oktober mitzuteilen. Er fiel in Ungnade. Daraufhin verstärkten die Offiziere den Druck auf Juan Perón, bis er am 9. Oktober zurücktrat und sich in einer der folgenden Nächte auf einer Ludwig Freude gehörenden Insel im Delta des Río Paraná versteckte. Dort wurde er am 12. Oktober festgenommen, zuerst nach Buenos Aires zurückgebracht und dann auf der Insel Martín García im Río de la Plata eingesperrt. Aus gesundheitlichen Gründen verlegte man den Häftling am 16. Oktober ins Militärkrankenhaus von Buenos Aires. Der Legende zufolge organisierte Eva Duarte am nächsten Tag zugunsten ihres Geliebten einen Protestmarsch, an dem sich mehrere hunderttausend Menschen beteiligten. Alicia Dujovne Ortiz meint in ihrer Biografie »Evita Perón«, in Wirklichkeit sei nicht Evita die Drahtzieherin gewesen, sondern Isabel Elfriede Constancia Ernst, eine Angestellte des Arbeitsministeriums, zusammen mit einigen Gewerkschaftsführern. Eva Duarte habe nur als »erotisches Banner« (Seite 165) der Revolution gewirkt. Jedenfalls ließen die Verantwortlichen Juan Perón frei, weil sie keinen Bürgerkrieg riskieren wollten.

Fünf Tage nach seiner Befreiung, am 22. Oktober 1945, heiratete Juan Perón in Junín seine vierundzwanzig Jahre jüngere Geliebte, die sich nun María Eva Duarte de Perón nannte und laut einer gefälschten Geburtsurkunde, die sie dem Standesbeamten vorgelegt hatte, am 7. Mai 1922 in Junín geboren war. Die kirchliche Trauung fand am 26. Oktober in La Plata statt.

Um die Macht zurückzugewinnen, gründete Juan Perón die »Partido Unico de la Revolucion« bzw. die »Partido Peronista«. Die Peronisten peilten zwischen Kapitalismus und Kommunismus einen dritten Weg an (»Justicialismo«). Die politischen Gegner hielten den mit Hitler, Mussolini und Franco sympathisierenden Juan Perón jedoch für einen argentinischen Faschisten. Eva Perón engagierte sich unermüdlich für die politische Karriere ihres Mannes und begleitete ihn auch auf seinen Wahlkampfreisen durchs Land. Während Juan Perón es verabscheute, wenn ihn jemand aus einer begeisterten Menschenmenge anfasste und sich deshalb nicht selten von einem Double vertreten ließ, liebte Evita den direkten Kontakt mit dem Volk und schreckte auch nicht davor zurück, ansteckend Kranke zu küssen. Bei jeder Gelegenheit betonte sie ihre Solidarität mit den Unterprivilegierten und wurde deren Idol. Weil sie selbst in Armut aufgewachsen war, hielt sie sich für besonders geeignet, die Interessen der »descamisados« (Hemdlosen) zu vertreten, auf deren Unterstützung Juan Perón im Präsidentschaftswahlkampf 1946 angewiesen war. Die Bemühungen der Peronisten führten zum Erfolg: Bei der Wahl am 24. Februar 1946 wurde Juan Perón zum Staatspräsidenten gewählt.

Er residierte mit seiner Frau im Unzué-Palast, einem Gebäude mit 283 Zimmern. Obwohl Evita Perón kein offizielles Amt bekleidete, übte sie im Regime ihres Mannes von Anfang an großen Einfluss aus. Ihr Bruder Juan Duarte wurde zum Privatsekretär des Präsidenten ernannt; ihre Schwester Blanca übernahm die Leitung der Kindergärten und Grundschulen; Evitas Schwäger Orlando Bertolini, Alfredo Arrieta, Alvarez Rodríguez wurden Zolldirektor, Senator bzw. Mitglied des Obersten Gerichtshofes. Als Beraterinnen wählte Evita Perón Isabel Ernst und die vierfache Mutter Lilian Lagomarsino de Guardo, die Ehefrau des mit Juan Perón befreundeten Zahnarztes Ricardo Guardo, der zum Präsidenten der Abgeordnetenkammer avancierte.

In seinem Büro im Arbeitsministerium war Juan Perón auch von einfachen Leuten aufgesucht worden. Als Präsident hatte er nicht mehr genügend Zeit, um sich die Sorgen seiner Anhänger anzuhören. Deshalb übertrug er diese Aufgabe seiner Frau und ließ ihr ein Büro einrichten, in dem sie Bittsteller und Arbeiterdelegationen empfangen konnte. »Es gab Arbeitergruppen, Gewerkschaftsführer, Frauen vom Land mit ihren Kindern, ausländische Journalisten; eine Gauchofamilie in Ponchos, der Mann mit riesigem schwarzen Schnauzbart; es gab Flüchtlinge aus Ländern hinter dem eisernen Vorhang, Leute aus dem Nachkriegseuropa, Intellektuelle und Leute von der Universität der baltischen Staaten, Priester und Mönche, korpulente, lebhafte, schwitzende Frauen mittleren Alters, junge Beamte und Fußballspieler, Schauspieler und Zirkusleute [... und] mitten in diesem scheinbaren Chaos, diesem lauten Durcheinander hörte Evita sich aufmerksam alle Bitten an, vom einfachen Wunsch nach Gehaltserhöhung bis hin zur Errichtung einer ganzen Fabrik und zwischendurch das Gesuch um eine Wohnung für eine ganze Familie, Möbel, einen Arbeitsplatz, eine Schule oder Essen, um die Erlaubnis, einen Film zu drehen, um finanzielle Unterstützung jeglicher Art, Klagen wegen Machtmissbrauchs [...]« (ein Augenzeuge, zitiert nach Alicia Dujovne Ortiz, a. a. O., S. 313) – Es kam vor, dass eine Frau um ein Bett bat. Evita Perón fragte, ob sie nicht auch Betten für die Kinder haben wolle, und als sie begriff, dass es dafür in der engen Behausung keinen Platz gab, ordnete sie an, der Bittstellerin eine größere Wohnung zur Verfügung zu stellen. Eine Gruppe von Sozialarbeiterinnen bearbeitete die bis zu zwölftausend Briefe, die täglich eintrafen. Evita Perón nahm sich nicht nur viel Zeit für die Menschen, die zu ihr kamen, sondern sie besuchte auch Fabriken, Schulen, Krankenhäuser und Elendsviertel. Außerdem trat sie als Rednerin auf.

Während die Oberschicht der argentinischen Gesellschaft Evita Perón wegen ihrer Herkunft und ihrer promiskuitiven Vergangenheit missachtete, wurde sie von Arbeitern und anderen Besitzlosen verehrt. Dass sie Millionen für Schmuck und Kleidung ausgab und ihren Reichtum auch nicht versteckte, begründete sie folgendermaßen: »Die Armen lieben es, mich hübsch zu sehen. Sie wollen nicht von einer schlecht gekleideten Alten beschützt werden. Sie träumen von mir, und ich darf sie nicht enttäuschen.« (zitiert nach Alicia Dujovne Ortiz, a. a. O., S. 209) Evita Perón stand im Zentrum eines außergewöhnlichen Personenkults.

Als Juan Perón von dem spanischen Diktator Francisco Franco (1892 – 1975) eingeladen wurde, flog der argentinische Präsident nicht selbst nach Europa, sondern schickte Evita. Am 6. Juni 1947 wurde sie von Menschenmassen am Flugplatz von Morón verabschiedet, zwei Tage später von General Franco, seiner Frau und Tochter in Madrid empfangen und bei ihrer Fahrt in die Stadt von dreihunderttausend Madrilenen bejubelt. Zum Leidwesen von Francos Ehefrau Carmen Polo de Franco bestand Evita Perón darauf, auch Elendsviertel zu besuchen, in die Hütten hineinzuschauen und mit den Bewohnern zu sprechen. Bis zum 26. Juni bereiste sie Spanien, dann flog sie weiter nach Rom. Am nächsten Morgen verschlief sie und kam deshalb um zwanzig Minuten zu spät zur Privataudienz bei Papst Pius XII. Auch in Rom interessierte sie sich weniger für Kunst und Baudenkmäler, als für Waisenhäuser und andere Sozialeinrichtungen. Außer der italienischen Hauptstadt besuchte sie Mailand, Venedig, Florenz und Neapel, Rapallo, Portofino, San Remo und Genua. Am 17. Juli flog sie von Rom nach Lissabon; von dort reiste sie über Paris an die Côte d'Azur, in die Schweiz und am 10. August zurück nach Portugal. Zweck ihrer fünftägigen Schweiz-Reise (Genf, Neufchâtel, Bern, Zürich, Sankt Moritz) sei es gewesen, so wird spekuliert, einen Teil des gewaltigen Vermögens, das die Nationalsozialisten nach Argentinien geschafft hatten, neu anzulegen. Wie dem auch sei, am 23. August traf Evita Perón wieder in Buenos Aires ein und beendete ihre »Regenbogentour«.

Am 23. September gab Evita Perón die Einführung des Frauenwahlrechts in Argentinien bekannt. Obwohl die Initiativen dazu bis in die Zeit vor Peróns Präsidentschaft zurückreichen, sah es so aus, als habe man es ihr allein zu verdanken, und sie bemühte sich auch nicht darum, diesen Eindruck zu korrigieren.

Evita Perón sammelte Unmengen von Kleidungsstücken und Lebensmitteln, die sie in leerstehenden Räumen des Unzué-Palastes aufstapeln ließ, bevor sie an Bedürftige verteilt wurden. Spät abends half sie persönlich mit, die Sachen zu ordnen, einzuräumen, und einzupacken. Am 8. Juli 1949 wurde die »Fundación Eva Perón« gegründet, in der auch die ein Jahr zuvor von Teresa Adelina Fiora ins Leben gerufene Krankenschwestern-Schule »María Eva Duarte de Perón« aufging. Evita Perón richtete Frauenhäuser ein, initiierte den Bau einer Studentenstadt in Buenos Aires und des Kinderdorfes Amanda Allen. Das alles tat sie nicht vom Schreibtisch aus, sondern sie kümmerte sich persönlich um Details und besuchte mitten in der Nacht Heime, um sich zu vergewissern, dass die Kinder ungestört schliefen.

Die Peronisten kauften Zeitungen, um die öffentliche Meinung kontrollieren zu können, und sie begannen, ihre politischen Gegner gewaltsam zu verfolgen. Dem Journalisten Raúl Apold, der seit Januar 1947 Direktor des Informationsministeriums war, warf die Opposition vor, einen Propagandaapparat nach dem Vorbild von Joseph Goebbels aufgebaut zu haben. Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, für eine vorteilhafte Darstellung von Eva Perón in den Medien zu sorgen und ihr soziales Engagement hervorzuheben. Wer die »Fundación Eva Perón« nicht freiwillig unterstützte, musste mit Schwierigkeiten rechnen. So zum Beispiel Arnaldo Massones, der sich 1950 weigerte, der Stiftung kostenlos Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Daraufhin wurde der Strom in seinem Labor abgeschaltet. Einige Stunden später erschien eine Prüfungskommission, und weil die Medikamente in den nicht mehr funktionierenden Kühlschränken verdorben waren, musste das Labor schließen. Arnaldo Massones floh nach Uruguay ins Exil.

Am 26. Juli 1949 gründete Evita Perón, die zu den größten Bewunderinnen ihres Mannes zählte, im Teatro Nacional Cervantes die peronistische Frauenpartei »Partido Peronista Femenino«.

Während der Eröffnung der neuen Zentrale der Taxifahrergewerkschaft am 9. Januar 1950 fiel Evita Perón in Ohnmacht, und bei einer Blinddarmoperation drei Tage später diagnostizierte Oscar Ivanissevich, ein Arzt, der auch als Erziehungsminister amtierte, Unterleibskrebs. (Durch diese Erkrankung hatte Juan Perón bereits seine erste Frau verloren.) Zunächst versuchten die Ärzte, das Karzinom mit Bestrahlungen zu bekämpfen, aber am 3. November 1951 wurde Evita Perón in die von ihrer Stiftung errichtete Klinik »Presidente Perón« eingeliefert, wo die Ärzte den Uterus und das umliegende Gewebe herausoperierten.

Am 11. November brachte man Evita Perón eine Wahlurne ans Krankenbett, damit sie sich an der Präsidentschaftswahl beteiligen konnte, bei der erstmals auch Frauen ihre Stimme abgeben durften. Juan Perón wurde wiedergewählt. Seine Frau hatte zunächst für das Amt der Vizepräsidentin kandidieren wollen, aber das war von den Militärs verhindert worden.

Als Juan Perón am 4. Juni 1952 den Amtseid für die zweite Amtszeit leistete, wog Evita nur noch 37 Kilogramm. Aus Deutschland eingeflogene Fachärzte konnten der Dreiunddreißigjährigen nicht mehr helfen. Sie starb am 26. Juli.

Juan Perón ließ die Leiche einbalsamieren und in einem Sarg mit Glasdeckel im Kongressgebäude aufbahren.

Seine zweite Amtszeit konnte er nicht zu Ende führen: Während eines Militärputsches vom 16. bis 21. September 1955 setzte er sich ins Ausland ab. Im spanischen Exil heiratete er 1961 die dreißigjährige argentinische Nachtklubtänzerin María Estela Martínez, die sich nach der Eheschließung Isabel Martinez de Perón oder kurz Isabel Perón nannte.

Weil die politischen Gegner der Peronisten in Argentinien alles zerstörten, was an Juan und Evita Perón erinnerte, wurden Evita Peróns Gebeine 1971 nach Europa gebracht, zunächst nach Mailand, dann nach Madrid.

Héctor José Cámpora trat bereits nach vier Monate nach seiner Wahl am 11. März 1973 vom Amt des argentinischen Staatspräsidenten zurück, um den Weg für Juan Perón frei zu machen. Dieser wurde im Oktober 1973 noch einmal zum Präsidenten gewählt. Am 1. Juli 1974 starb er. Isabel Perón, die bereits als Vizepräsidentin amtiert hatte, wurde daraufhin die erste Frau an der Spitze eines lateinamerikanischen Staates. Sie ließ die sterblichen Überreste von Evita Perón aus Europa zurückholen. Am 22. Oktober 1976 wurden sie im Grab der Familie Duarte auf dem Friedhof Recoleta in Buenos Aires beigesetzt.

Das am 21. Juni 1978 im Prince Edward Theatre in London uraufgeführte Musical "Evita", in dem Tim Rice und Andrew Lloyd Webber die Lebensgeschichte der legendären Argentinierin erzählen, wurde von Alan Parker mit Madonna in der Titelrolle verfilmt.

Evita – Originaltitel: Evita – Regie: Alan Parker – Drehbuch: Oliver Stone und Alan Parker, nach dem Musical "Evita" von Tim Rice (Libretto) und Andrew Lloyd Webber (Musik) – Kamera: Darius Khondji – Schnitt: Gerry Hambling – Darsteller: Madonna, Antonio Banderas, Jonathan Pryce, Jimmy Nail, Victoria Sus, Julian Littman, Olga Merediz, Laura Pallas, Julia Worsley, María Luján Hidalgo, Servando Villamil, Andrea Corr, Peter Polycarpou, Gary Brooker, Maite Yerro, Adrià Collado, Gabriel Kraisman, Martin Drogo, Venesa Weis, Veronica Ferrari Risler, Aldana García Soler, Domingo Chiofalo, Ismael Osorio, Lidia Catalano u.a. – 1996; 135 Minuten

© Dieter Wunderlich 2008

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