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Arnon Grünberg: Phantomschmerz (Roman) |
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Kritik: Arnon Grünberg springt zwischen verschiedenen Orten und Zeiten hin und her und baut die Geschichte auch noch in eine Rahmenhandlung ein. Der tragikomische Roman "Phantomschmerz" ist kein besonders tiefschürfendes Buch, aber eine recht unterhaltsame Satire. |
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Arnon Grünberg: |
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Inhalt: Der Schriftsteller Robert G. Mehlman ist Mitte 30, als sein Abstieg einsetzt und die ersten seiner Kreditkarten gesperrt werden. Über seine Lage versucht er sich und andere mit Lügen und Galgenhumor hinwegzutäuschen. Obwohl er sich längst von seiner Ehefrau trennen möchte, bezeichnet er sie als Märchenprinzessin, und seiner langjährigen Geliebten Rebecca spielt er den reichen Erfolgsmenschen vor, dem es nichts ausmacht, im Kasino 5000 Dollar zu verspielen ... |
Originalausgabe: |
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Arnon Grünberg: Phantomschmerz |
Inhaltsangabe:Der Schriftsteller Robert G. Mehlman ist Mitte dreißig. Den Durchbruch erzielte er mit dem Roman "Platz 268 der Weltrangliste". Der Titel bezog sich auf seinen Vater Aron, von dem Robert geglaubt hatte, er sei ein berühmter Tennisspieler gewesen – bis er dahintergekommen war, dass er es nur auf Platz 268 auf der Weltrangliste geschafft hatte. Schreiben war natürlich das Mittel par excellence, nicht leben zu müssen und doch die Illusion zu wahren, mittendrin zu stehen, im Leben meine ich, in all seiner Wildheit daran teilzunehmen. (Seite 54)
Seine Ehefrau – die er "Märchenprinzessin" nennt – hatte Robert G. Mehlman kennen gelernt, als er in einem nachts geöffneten Laden in Amsterdam angestellt gewesen war. Als sie ihr Studium und ihre Ausbildung zur Psychotherapeutin beendet hatte, nahm sie ein Angebot in einer Tagesklinik für psychisch Gestörte in New York an, und Robert ging mit ihr mit. Sie heirateten in Miami im engsten Familienkreis; nur Roberts Mutter, eine seiner Tanten, seine Schwiegereltern und sein Zahnarzt, der zufällig gerade im selben Hotel wohnte, nahmen daran teil. Mein Vater arbeitete an seinem Opus magnum, meine Mutter in einer Tagesklinik für psychisch Gestörte. Ihr berühmtester Patient war ein Mann, der mit der Wand redete, in der Annahme, dem Geheimdienst auf diesem Wege Nachrichten zu übermitteln. Als der Geheimdienst nicht auf seine Berichte einging, wurde er destruktiv. So landete er bei meiner Mutter. Über diesen Mann hat sie promoviert. Dank meiner Mutter erkannte er, dass er zwanzig Jahre lang umsonst mit einer Wand geredet hatte. Diese Erkenntnis war zuviel für ihn, und er stürzte sich in einen Fahrstuhlschacht. Das war ein Wermutstropfen in der Promotionsfeier meiner Mutter, schließlich war er dort als Ehrengast geladen geworden. (Seite 14) Eine Affäre hat Robert G. Mehlman mit Evelyn, einer Bedienung des Cafés, in dem er mit seiner Frau zu frühstücken pflegt. Evelyn stammt aus Puerto Rico, ist in zweiter Ehe mit einem Busfahrer verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von neun bzw. eineinhalb Jahren.
In einer anderen, vollkommenen Welt hätten wir vielleicht Käsefondue zusammen gegessen, in dieser etwas weniger vollkommenen Welt jedoch vögelten wir zusammen. (Seite 153) Robert und Evelyn treiben es in der winzigen Toilette des Cafés. Einmal sagt sie dabei zu ihm:
"Mein Mann [...] Wenn er uns findet, ermordet er zuerst mich und dann dich." [...]
Nach einer Weile schläft die Affäre ein. Evelyn taucht auch nicht mehr im Café auf. Später erfährt Robert, dass sie sich von ihrem Mann trennte, nach Puerto Rico zurückging und dort als Dienstmädchen arbeitet. Seit dem Tag, an dem die Bücherschränke gekommen waren, hoffte ich, dass meine Frau mich verlassen würde. (Seite 175)
Inzwischen bleiben die Erfolge aus. Sein niederländischer Lektor Frederik van der Kamp ruft an und teilt mit, dass Roberts Tantiemen fürs letzte Quartal nicht mehr als 137 Gulden und 54 Cent betragen. Danach dauert es nicht lang, bis ihn
Capano hatte einmal viel Geld im Kunsthandel verdient, doch der Marktwert der Künstler, die er vertrat, war unerwartet in den Keller gegangen, und damit hatte sich auch sein eigenes Vermögen in Luft aufgelöst. Danach war er in die Dienste einer steinreichen, älteren Schauspielerin getreten, die der Meinung war, dass ein Leben ohne Sekretär ein nutzloses, auf jeden Fall ein unvollständiges Leben sei. Als die Schauspielerin wegen eines Leberleidens ins Krankenhaus musste, begann Capano für mich zu arbeiten [...]
Begleitet wird Robert auf der Fahrt nach Atlantic City von Rebecca, einer Frau, die er keine vierundzwanzig Stunden zuvor im Museum of Natural History zum ersten Mal gesehen hatte. Mit 5000 Dollar, die er sich nach einem Telefongespräch mit Mastercard im Spielkasino in bar ausbezahlen lässt, versucht er sein Glück. Als nach knapp zwei Stunden nur noch 500 Dollar übrig sind, ruft er seine Mutter in Amsterdam an und fragt sie nach der Nummer, die sie in Auschwitz getragen hatte, aber die bringt ihm auch kein Glück. Wir brauchten einen Robert G. Mehlman, um zu erkennen, dass Juden und Deutsche sich tatsächlich wiederbegegnen können, und zwar in der polnisch-jüdischen Küche, aus deren Öfen, trotz aller Schrecknisse der Vergangenheit, sich immer noch köstliche Speisen hervorzaubern lassen. (Seite 326)
Das Kochbuch wird ein Bestseller. Rebecca – die von Roberts Frau für eine "hohle Nuss" gehalten wird – begleitet den Erfolgsautor auf seinen Lesereisen nach Europa und Australien. – – –
Soweit der Roman "Die hohle Nuss und andere Juwelen" von Robert G. Mehlman, den sein Sohn Harpo Saul Mehlman hier erstmals veröffentlicht. |
Buchbesprechung:
Arnon Grünberg springt in seinem Roman "Phantomschmerz" mitunter absatzweise zwischen verschiedenen Orten und Zeiten hin und her und baut die Geschichte auch noch in eine Rahmenhandlung ein. Aus der Ehe von Robert G. Mehlman mit seiner "Märchenprinzessin", seinem langjährigen Verhältnis mit Rebecca und seiner Affäre mit Evelyn macht Arnon Grünberg drei parallele Erzählstränge. "Phantomschmerz" weist keinen komplexen Plot auf, sondern besteht aus einem Episoden-Kaleidoskop. Während die Rahmengeschichte von Harpo Saul Mehlman in der Ich-Form erzählt wird, handelt es sich bei der eigentlichen Geschichte um einen ebenfalls in der ersten Person Singular geschriebenen Roman im Roman: "Die hohle Nuss und andere Juwelen" von Robert G. Mehlman. |
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009
Arnon Grünberg: Der Vogel ist krank |