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Hildegard Frieda Albertina Knef wurde am 28. Dezember 1925 in Ulm geboren. Ein halbes Jahr später starb ihr Vater, der Prokurist Hans Theodor Knef, im Alter von 28 Jahren, und die Witwe Frieda Auguste Knef kehrte daraufhin mit dem Säugling in ihre Heimatstadt Berlin zurück. Im Winter wohnten sie in einer Mietwohnung in Schöneberg; aber sobald Hilde groß genug war, durfte sie im Sommer mit ihrem Großvater Karl Gröhn in einer Laube bei Zossen hausen. Nachdem die Großmutter gestorben war, kündigte Frieda Knef ihre Stelle als Sekretärin bei Siemens, um mehr Zeit für ihre Tochter zu haben, denn sie wollte das Mädchen nicht bei einem alten Mann aufwachsen lassen. Sie kaufte zunächst einen Zigarren-, dann einen Schokoladenladen, hatte aber weder mit dem einen noch mit dem anderen Erfolg. Im Sommer 1933 heiratete sie Wilhelm Wulfestieg, der kurz darauf seine Lederwarenfabrik verlor, mit ihr und seiner Stieftochter nach Berlin-Friedenau zog und am Bahnhof Wilmersdorf eine »Schuhbesohlanstalt« eröffnete. Drei Jahre später wurde Hildegard Knefs Halbbruder Heinz geboren.
Und hübsch war ich auch nicht, weiß Gott nicht, keiner fand mich hübsch, außer Großvater [...] Mutter sagte zum Stiefvater, so nachts in die Finsternis hinein: »Ein Jammer, dass Hilde nicht hübscher ist.« Und Stiefvater murmelte gestört-verschlafen: »Na ja, aber ganz interessant sieht sie aus.« (Hildegard Knef: Der geschenkte Gaul, Seite 31)
Im Alter von fünfzehneinhalb Jahren ging Hildegard Knef mit der mittleren Reife vom Lyzeum ab. Sie hatte bereits als Kind Porträts gezeichnet, wollte Künstlerin werden und begann deshalb im Frühjahr 1942 eine Ausbildung als Trickfilm-Zeichnerin bei der »Universum Film AG« (UFA). Nachdem Anfang Juli 1943 Probeaufnahmen von ihr gemacht worden waren, wagte sie es am 13. August in der Kantine, den UFA-Chef Wolfgang Liebeneiner persönlich anzusprechen und nach dem Ergebnis zu fragen. Am Tag darauf erhielt sie einen 3-Jahres-Vertrag für den Besuch der Staatlichen Filmschule, wo sie von Karl Meixner unterrichtet wurde.
Im Mai 1944 bekam Hildegard Knef ihre erste Filmrolle (»Träumerei«; Regie: Harald Braun), aber die Nebenhandlung, in der sie mitspielte, wurde nach den Dreharbeiten herausgeschnitten. Im Juni durfte sie eine kleine Bühnenrolle an den Kammerspielen des Deutschen Theaters übernehmen. Und 1948 war sie dann auch erstmals im Kino zu sehen (»Fahrt ins Glück«; Regie: Erich Engel).
Als Ewald von Demandowsky (1906 – 1945), der nationalsozialistische Produktionschef der Filmgesellschaft »Tobis«, mit dem sie im Sommer 1944 ein Liebesverhältnis angefangen hatte, obwohl er verheiratet und doppelt so alt war, im Februar 1945 noch zum »Volkssturm« musste, wollte Hildegard Knef aus Angst vor den Russen nicht allein zurückbleiben. Stattdessen überredete sie ihn zur Fahnenflucht, verkleidete sich als Soldat und begleitete ihn. Polnische Partisanen griffen das Paar bei Friesack auf und übergaben es den Russen, die beide in ein Kriegsgefangenenlager sperrten. Nach drei Monaten gelang es Hildegard Knef, den Sowjets zu entkommen. Zurück in Berlin, nahmen der Schauspieler Victor de Kowa und dessen japanische Ehefrau Michi sie vorübergehend in ihrer Villa auf. Von Ewald von Demandowsky hörte sie nichts mehr; er blieb verschollen.
Nach dem Krieg holte der Regisseur und Intendant Boleslaw Barlog die neunzehnjährige Schauspielerin ans »Schlossparktheater« in Steglitz, und sie durfte zweimal vorübergehend für erkrankte Hauptdarstellerinnen einspringen. Nachdem Wolfgang Staudte sie auf der Bühne gesehen hatte, engagierte er sie für die Hauptrolle im ersten deutschen Nachkriegsfilm: »Die Mörder sind unter uns«, den er von März bis Juli 1946 drehte (Premiere: 15. Oktober 1946). Im Mai 1947 berichtete sogar »Life« auf vier Seiten über den »new German star Hilde Knef«.
Von dem Produzenten David O. Selznick erhielt Hildegard Knef im Herbst 1947 ihr erstes Filmangebot aus Hollywood. Im Januar 1948 flog sie mit Kurt Hirsch über London nach New York. Hildegard Knef und der US-Offizier jüdisch-tschechischer Herkunft hatten sich Ende 1945 in Berlin kennen gelernt und am 15. Dezember 1947 geheiratet.
Im April fuhr das Ehepaar mit dem Auto weiter nach Los Angeles. In den USA begann Hildegard Knef eine Reihe von langen Freundschaften, beispielsweise mit Marlene Dietrich, deren Astrologen Carroll Righter und Ludwig Marcuse, von dem sie auch »literarischen Nachhilfe-Unterricht« bekam. Da die Amerikaner »Knef« nicht aussprechen konnten und Hildegard Knef den von David O. Selznick vorgeschlagenen Künstlernamen »Gilda Christian« ablehnte, nannte man sie kurzerhand »Hildegarde Neff«. Vertragsgemäß erhielt sie zwar regelmäßig eine Gage, aber die Filmrollen blieben aus. Erst im Juni 1949 schickte man sie zu Dreharbeiten nach Berlin – wo sie kurz nach der Ankunft erfuhr, dass man ihre Rolle umbesetzt hatte. Enttäuscht kehrte sie nach Los Angeles zurück.
Im August des folgenden Jahres folgte Hildegard Knef – die inzwischen amerikanische Staatsbürgerin war – einem Ruf des österreichischen Regisseurs Willi Forst, der mit ihr als Hauptdarstellerin in Bendestorf bei Hamburg und in Positano bei Neapel den rührseligen Film »Die Sünderin« drehte. Hildegard Knef spielte eine junge Frau, Marina, die in den Wirren der Nachkriegszeit zur Prostituierten wird und erst durch die Liebe zu einem todkranken Maler (Gustav Fröhlich) wieder auf den rechten Weg findet. Weil sie in einer kurzen Einstellung nackt als Modell vor einem Künstler liegt und später Sterbehilfe leistet, wurde die Vorführung des Films in Bayern vorübergehend verboten und es kam zu einem handfesten Skandal, zumal gleichzeitig bekannt wurde, dass Hildegard Knef ein Verhältnis mit dem amerikanischen Regisseur Anatole Litvak hatte. (Ihre Ehe mit Kurt Hirsch wurde 1952 geschieden.) »Wenn solche Filme wie die Sünderin [...] gedreht und gezeigt werden können«, meinte Alois Hundhammer, der Präsident des bayerischen Landtags, »dann ist es höchste Zeit, etwas gegen die sittliche und moralische Zerstörung unserer Jugend zu unternehmen.« Obwohl oder gerade weil Kirchenvertreter zum Boykott aufriefen, strömten die Neugierigen in die Kinos, um »Die Sünderin« zu sehen.
Die Sünderin - Regie: Willi Forst - Drehbuch: Gerhard Menzel und Georg Marischka - Kamera: Vaclav Vich - Darsteller: Hildegard Knef, Gustav Fröhlich, Robert Meyn u. a. - Premiere: 18. Januar 1951
Die populäre amerikanische Klatschreporterin Hedda Hopper bezeichnete Hildegard Knef 1951 als »Sensation in Hollywood, weil sie nahezu völlig einen langen Traum der Filmleute erfüllt – nämlich eine zweite Garbo zu finden«. Am 13. Dezember 1951 wurden Hildegard Knefs Hand- und Fußabdrücke vor Hollywoods legendärem Premieren-Kino »Grauman's Chinese Theater« im Zement verewigt. Eine Woche später lief »Decision Before Dawn« an, ihr erster US-Film. Innerhalb von zwölf Monaten drehte Hildegard Knef 1951/52 sieben Filme.
Entscheidung vor Morgengrauen - Originaltitel: Decision Before Dawn - Regie: Anatole Litvak - Drehbuch: Peter Viertel, Carl Zuckmayer - Kamera: Frank Planer - Darsteller: Richard Basehart, Oskar Werner, Hildegard Knef u. a.
In dem Film »Schnee am Kilimandscharo« hatte Hildegard Knef zwei Songs von Cole Porter gesungen (»Just One of those Things«; »You Do Something to Me«), die zwar am Ende herausgeschnitten worden waren, aber den Komponisten so beeindruckt hatten, dass er dafür sorgte, dass sie in »Silk Stockings«, seiner Musical-Version des Theaterstücks und Kinofilms »Ninotschka«, die weibliche Hauptrolle bekam.
Schnee am Kilimandscharo - Originaltitel: The Snows of Kilimanjaro - Regie: Henry King - Drehbuch: Casey Robinson, nach einer Novelle von Ernest Hemingway - Kamera: Leon Shamroy - Darsteller: Gregory Peck, Susan Hayword, Ava Gardner, Hildegard Knef, Leo G. Carroll u. a. - 1952
Ninotschka - Originaltitel: Ninotschka - Regie: Ernst Lubitsch - Drehbuch: Charles Brackett, Willy Wilder, Walter Reisch - Kamera: William Daniels - Darsteller: Greta Garbo, Melvyn Douglas, Bela Lugosi u. a. - 1939
Am 22. November 1954 begannen die Aufführungen von »Silk Stockings« in Philadelphia, Boston und Detroit, bei denen die Inszenierung für die Broadway-Aufführung getestet wurde. Hildegard Knef erkrankte währenddessen an Masern, spielte aber weiter, und das Ensemble hielt trotz der Ansteckungsgefahr zusammen, um die Produktion nicht zu gefährden. Nach chaotischen Änderungen und mehrmaligen Verzögerungen war »Silk Stockings« am 24. Februar 1955 endlich im »Imperial Theater« am Broadway zu sehen. Achtmal pro Woche wurde das dreieinhalb Stunden lange Musical aufgeführt. Hildegard Knef, für die man eigens ein Penthouse über dem »Grosvenor Hotel« in der Fifth Avenue gemietet hatte, stand rund sechshundert Mal als »Ninotschka« auf der Bühne. Das hatte vor ihr noch keine Deutsche geschafft. »Ich wurde von einer Gruppe junger amerikanischer Maler zum ausdrucksvollsten Gesicht der New Yorker Theaterwelt gewählt, das American Journal beschrieb mich als Bereicherung der amerikanischen Bühne [...]; die größte Berliner Tageszeitung widmete Deckblatt, Überschrift und zwei Innenseiten der unvorstellbaren Pleite der Hildegard Knef in New York.« (Hildegard Knef: Der geschenkte Gaul, Seite 394)
Am 14. April 1956 trat Hildegard Knef zum letzten Mal als »Ninotschka« auf. Aufgrund eines ärztlichen Attests wurde sie aus dem Vertrag entlassen, der auch ihre Teilnahme an der anschließend geplanten Tournee vorgesehen hatte. Ärger gab es zudem mit ihrer Filmgesellschaft Fox, die sie nicht für die von MGM geplante Verfilmung von »Silk Stockings« freigab. Erschöpft und auf 44 kg abgemagert, kehrte Hildegard Knef mit ihrer seit 1952 zum zweiten Mal verwitweten Mutter, die seit Februar 1955 bei ihr in New York gewohnt hatte, nach Europa zurück. Ein dreiviertel Jahr lang erholte sie sich in St. Moritz und begann dort wieder zu malen. Reich war sie trotz ihrer enormen Erfolge nicht, denn aufgrund ihrer Gutgläubigkeit hatte sie sich von einem Manager um einen Großteil ihrer Einnahmen betrügen lassen.
Am 22. Januar 1957 wurde sie vom Regierenden Bürgermeister Otto Suhr in Berlin empfangen, und Hubschrauber warfen Bänder ab, auf denen stand: »Willkommen an den UFAn der Spree«. Fürs Erste bezog Hildegard Knef mit ihrer Mutter eine Mietwohnung, dann eine Villa in Dahlem. Von September bis November spielte sie die Hauptrolle in »Madeleine und der Legionär«, dem ersten Film der neu gegründeten UFA. Aber danach war sie mehrere Monate arbeitslos.
Während der Dreharbeiten zu einem britischen Fernsehfilm lernte sie am 8. Mai 1959 den sieben Jahre jüngeren, verheirateten Schauspieler David Anthony Cameron Palastanga kennen. Als sie mit »Tonio« – so nannte sie ihn – im Juli zur Verleihung des Bundesfilmpreises erschien, berichtete die »Bild«-Zeitung darüber unter der Schlagzeile »Sünderin nun auch Ehebrecherin«. Trotzdem zog David Cameron im Spätsommer bei Hildegard Knef in Berlin ein.
Im Winter 1959/60 erkrankte die Schauspielerin an Meningitis.
Am 14. August 1961, einen Tag nach dem Beginn des Mauerbaus in Berlin, zogen Hildegard Knef und David Cameron in eine Wohnung am Starnberger See. Zwei Tage vor Weihnachten, am 22. Dezember, starb Hildegards Knefs Mutter an Krebs.
Aufwärts ging es mit Hildegard Knef erst wieder, als sie mit mit Telefunken-Decca (Teldec) am 10. April 1962 einen Vertrag unterzeichnete und eine zweite Karriere als Chansonsängerin begann, am 30. Juni den seit acht Monaten geschiedenen David Cameron heiratete und mit ihm eine Villa in Percha bezog. Ihre erste Solo-Fernsehshow als Chansonsängerin wurde am 16. Mai 1963 vom ZDF ausgestrahlt. Drei Monate später veröffentlichte sie ihre erste eigene Langspielplatte: »So oder so ist das Leben«. Im Jahr darauf brachte sie auch eine LP in den USA heraus: »Germany's Hildegarde Neff«. Ein im Februar 1966 publiziertes Album, für das sie erstmals selbst getextete Chansons aufgenommen hatte, war sechzehn Wochen lang in den »Top 10«, und von Februar bis Juli trat sie über vierzig Mal im Rahmen einer Konzert-Tournee auf, unter anderem auch – nicht zuletzt aufgrund ihrer Freundschaft mit Herbert von Karajan – in der Berliner Philharmonie. Die Langspielplatte »Die neue Knef. Tournee Live« hielt sich 20 Wochen lang in den Charts und schaffte es bis auf Platz 2. Parallel zu ihrer erfolgreichen Arbeit als Sängerin wirkte sie weiterhin in Spielfilmen mit. (Insgesamt war sie an 49 Kinofilmen beteiligt.)
Brief von Hildegard Knef an Dieter Wunderlich, 11. Mai 1965, Originalgröße: DIN A 4
Als Hildegard Knef im November 1967 erfuhr, dass sie schwanger war, geriet ihre Ehe in eine Krise. Sieben Wochen vor dem errechneten Termin, am 16. Mai 1968, wurde die Zweiundvierzigjährige in einer Notoperation von einer Tochter entbunden. »Befund: Uterusatonie, Versagen der Blutgerinnung, Nierenversagen, Kreislaufzusammenbruch« (Hildegard Knef: Der geschenkte Gaul, Seite 442) Weil sie sich bei der erforderlichen Bluttransfusion auch noch mit Hepatitis infizierte, konnte sie das kleine Mädchen, das aufgrund von Sauerstoffmangel unter zerebraler Kinderlähmung litt, erst nach fünf Wochen durch eine Glasscheibe im Brutkasten sehen, und bis sie Christina Antonia (»Tinta«) anfassen durfte, musste sie noch einmal zwei Wochen warten.
Während einer weiteren erfolgreichen Konzert-Tournee mit dem Orchester Kurt Edelhagen und nach der Veröffentlichung einer Doppel-LP dazu (»knef concert«) erhielt Hildegard Knef am 13. November 1968 für 3 Millionen verkaufte LPs die »Goldene Schallplatte«. Im Monat darauf wählten Musikjournalisten sie zur »besten Interpretin des Jahres«. Ihre mit einer unverwechselbar rauchigen Stimme vorgetragenen lakonisch-ironischen Lieder erreichten Kultstatus, und Ella Fitzgerald bezeichnete Hildegard Knef als die »weltbeste Sängerin ohne Stimme«. Insgesamt veröffentlichte sie 23 Original-Alben mit 317 Titeln, von denen sie 130 selbst geschrieben hatte, zum Beispiel: »Für mich soll's rote Rosen regnen« (1968).
Im Frühjahr 1969 nahm Hildegard Knef die Arbeit an ihrer ersten Autobiografie »Der geschenkte Gaul«, die sie 1964 mit dem Kapitel »Liebeserklärung an einen Großvater« begonnen hatte, wieder auf. Den 1970 veröffentlichten »Bericht aus einem Leben« (so der Untertitel) kann man als Autobiografie oder Roman lesen. Die kluge Autorin hatte wirklich etwas zu erzählen, und das tat sie in prägnanten Szenen, ohne Sentimentalität, aber mit viel Berliner Humor. Hildegard Knef präsentierte ihr Buch auf der Frankfurter Buchmesse; eine von ihr besprochene Werbeplatte schickte der Verlag an 3000 Buchhändler, und die Anzahl der von Hildegard Knef signierten Exemplare wurde von ihrem Verleger Fritz Molden auf 60 000 geschätzt. »Der geschenkte Gaul« wurde in siebzehn Sprachen übersetzt und mit etwa 4 Millionen verkauften Exemplaren ein Weltbestseller.
Seit der Geburt ihrer Tochter, bei der sie beinahe gestorben wäre, litt Hildegard Knef unter Problemen mit ihrem Blut. Aber auch sonst war sie immer wieder krank. Im Frühjahr 1973 wurden ihr zuerst die Gebärmutter und kurz darauf ein Teil des Darms entfernt. Weil die Ärzte dann auch noch Brustkrebs diagnostizierten, unterzog sie sich im August einer entsprechenden Operation – ihrer sechsundfünfzigsten, wie sie in ihrem 1975 veröffentlichten Buch »Das Urteil« schrieb.
Am Ende einer von den Medien eifrig verfolgten Auseinandersetzung vor allem um das Sorgerecht für Christina wurde die Ehe von Hildegard Knef und David Cameron am 4. Juni 1976 geschieden.
Kurz darauf lernte sie Paul Freiherr von Schell zu Bauschlott kennen, einen 15 Jahre jüngeren Amerikaner ungarischer Herkunft. Die beiden heirateten am 1. Juni des folgenden Jahres und mieteten eine Villa in Berlin-Dahlem. Für einen Kauf der Immobilie hätte das Geld nicht gereicht.
Im Februar 1980 wurde bekannt, dass Hildegard Knef sich am 11. Dezember des Vorjahrs in einer fünfstündigen Operation das Gesicht hatte liften lassen. Das sorgte wieder für – überwiegend negative – Schlagzeilen.
Trotz eines schwachen Vorverkaufs begann Hildegard Knef am 15. September 1980 in der Berliner Philharmonie eine auf eineinhalb bis zwei Jahre angelegte »Welttournee«. Aber nach Auftritten in Deutschland, Österreich und den Niederlanden in halb leeren Sälen wurden die geplanten Konzerte in Amerika, Australien und Japan abgesagt.
Im Februar 1982 brach die sechsundfünfzigjährige Diva zusammen, möglicherweise im Zusammenhang mit einer im Frühjahr 1973 durch die Schmerzbehandlung mit Morphiuminjektionen ausgelösten Medikamentenabhängigkeit. Weil das Interesse an ihren Filmen, Konzerten, Platten und Büchern deutlich nachgelassen hatte und die Boulevardpresse keine Gelegenheit ausließ, Hildegard Knef in ein schlechtes Licht zu rücken, ließ sie sich dazu hinreißen, über die Deutschen herzuziehen. Verärgert verließ sie im Dezember 1982 Berlin und zog mit ihrem Mann und ihrer inzwischen vierzehnjährigen Tochter in eine gemietete Villa in Hollywood, in der sie im Sommer 1981 die Bücher »So nicht« und »Romy. Betrachtung eines Lebens« geschrieben hatte.
Zu Dreharbeiten, einer Tournee und einem erfolgreichen Bühnenengagement als »Fräulein Schneider« im Musical »Cabaret« von John Kanders und Fred Ebbs im »Theater des Westens« kam Hildegard Knef dann doch wieder nach Deutschland. Unter dem Titel »Los Angeles. Eindrücke zwischen Armut und Reichtum« stellte sie 1988/89 in Berlin und München vierzig Gemälde aus, die sie in den vergangenen drei Jahren gemalt hatte.
Im Winter 1989/90 kehrten Hildegard Knef und Paul von Schell für ganz nach Deutschland zurück – Christina war inzwischen in Los Angeles mit dem neunzehn Jahre älteren Medienmanager Peter Gardiner verheiratet – und zogen in eine Dachwohnung in München-Bogenhausen. Weil ihre Konten aufgrund hoher Schulden gesperrt waren, sprang die Armenhilfe des Paul-Klinger-Sozialwerks für die Umzugskosten ein.
In Berlin – wo sie seit Dezember 1994 wieder wohnte – gab Hildegard Knef während eines weiteren Krankenhausaufenthalts im Januar 1996 in einem Interview an, dass sie trotz der 35 Millionen D-Mark, die sie mit ihren Filmrollen, Theaterengagements, Konzerten, Platten und Büchern verdient habe, mit 250 000 D-Mark verschuldet sei.
1996/97 versuchte sich Hildegard Knef auch noch als Modemacherin (»Knef Fashion«). Aber die Produktionsfirma für ihre Kollektion ging nach kurzer Zeit bankrott.
Während Hildegard Knef nach einem Lungenkollaps monatelang im Krankenhaus lag, erhielt sie am 27. Juni 2001 wieder einen deutschen Pass.
Zwei Wochen nach ihrem letzten öffentlichen Auftritt in der Johannes-B.-Kerner-Show starb Hildegard Knef in der Nacht auf den 1. Februar 2002 im Alter von 76 Jahren an einer Lungenentzündung.
Hildegard Knef: Bibliografie
- Der geschenkte Gaul (1970)
- Ich brauch Tapetenwechsel (1972)
- Das Urteil (1975)
- Heimweh-Blues (1976, mit Hans Kossatz)
- Nichts als Neugier. Interviews zu Fragen der Parapsychologie (1978)
- So nicht (1982)
- Romy. Betrachtung eines Lebens (1983)
Hildegard Knef: Diskografie (Auswahl von LPs)
Cole Porter: Silk Stockings (1955), Hildegard Knef spricht Jean Cocteau: Die geliebte Stimme (1961), Die Dreigroschenoper (1963), So oder so ist das Leben (1963), Hildegard Knef (1964), Illusionen (1964), Germany's Hildegard Neff (1964), Mrs Dally (1965), Hildegard Knef spricht und singt Tucholsky (1965), Chansons mit Hildegard Knef (1965), Ich seh die Welt durch deine Augen (1966), So hat alles seinen Sinn (1966), Die große Knef (1966), Halt mich fest (1967), Hildegard Knef (1967), träume heißen du (1968), knef concert (1968), Na und ... (1968), Der Mond hatte frei (1968), Love for Sale (1969), knef (1970), Portrait in Musik (1970), Hildegard Knef liest: Der geschenkte Gaul. Bericht aus einem Leben (1970), Tapetenwechsel (1970), Hildegard Knef (1970), From Here On In It Gets Rough (1971), Worum geht's hier eigentlich? (1971), The World of Hildegard Knef (1971), Gestern – Heute (1971), Und ich dreh' mich nochmal um (1972), Texte, geschrieben und gelesen: Hildegard Knef (1972), Portrait in Gold (1973), Ich bin den weiten Weg gegangen (1974), Das Urteil. Hildegard Knef liest aus ihrem Roman (1975), Applaus (1975), Star für Millionen: Hildegard Knef (1975), Bei dir war es immer so schön (1976), Lausige Zeiten (1977), Heimweh-Blues (1978), Überall blühen Rosen (1978), Eins & Eins. Hildegard Knef, ihre großen Erfolge und das Orchester Bert Kaempfert (1979), Wereldsuccessen (1979), Profile: Hildegard Knef (1979), Da ist eine Zeit ... (1980), Tournee, Tournee (1980), The Reform Sessions (2002)
Hildegard Knef: Lieder (Auswahl)
"Aber schön war es doch", "Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen", "Eins und Eins, das macht zwei", "Er hieß nicht von Oertzen", "Er war nie ein Kavalier", "Es war beim Bal Paré", "Für mich soll's rote Rosen regnen", "Grauer Regen", "Heimweh nach dem Kurfürstendamm", "Ich bin den weiten Weg gegangen", "Ich brauch Tapetenwechsel", "Ich hab noch einen Koffer in Berlin", "Ich möchte am Montag mal Sonntag haben", "Mackie Messer", "Sag mir, wo die Blumen sind", "Von nun an ging's bergab"
Filme und Bücher über Hildegard Knef
- Axel Andree: Die Knef (München 2000)
- David Cameron: Auf die Füße gefallen (Wien 1987)
- Roman Kuhn und Marieke Schroeder (Hg.): Hildegard Knef. Mehr als eine Frau
(München 2003)
- Felix Moeller: Knef. die frühen Jahre (Fernsehfilm, WDR 2005)
- Daniela Sannwald, Kristina Jaspers und Peter Mänz (Hg.): Hildegard Knef. Eine Künstlerin aus Deutschland (Berlin 2005)
- Paul von Schell: Hilde. Meine Liebeserklärung an Hildegard Knef (Berlin 2003)
- Christian Schröder: Hildegard Knef. Mir sollten sämtliche Wunder begegnen. Biographie (Berlin 2004)
- Jürgen Trimborn: Hildegard Knef. Die Biographie (München 2005)
Einen weiterer Film über Hildegard Knef mit Heike Makatsch in der Hauptrolle drehte Kai Wessel: "Hilde".
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