Hugo von Hofmannsthal: Der Rosenkavalier.
Komödie für Musik
      Kritik:
"Der Rosenkavalier" ist eine leichte Komödie von Hugo von Hofmannsthal mit einigen ernsten Andeutungen, zum Beispiel auf das Altern und den Verzicht, den Standesdünkel und die Benachteiligung der Frau. Rezension
 

Hugo von Hofmannsthal:
Der Rosenkavalier

 
 

Inhalt:
Der jugendliche Geliebte einer alternden Frau verliebt sich in die Braut eines plumpen Mitgiftjägers und verhindert durch ein Intrigenspiel die Hochzeit. Inhaltsangabe, Handlung




Der Rosenkavalier
Manuskript: 1909
Erstdruck: Adolph Fürstner, Berlin 1911
Musik: Richard Strauss
Erstaufführung: Hofoper Dresden 1911
Taschenbuch: dtv, München 2004
   


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Hugo von Hofmannsthal: Der Rosenkavalier

Inhaltsangabe:

Wien zu Beginn der Vierzigerjahre des 18. Jahrhunderts. Der 17-jährige Graf Oktavian Rofrano hat die Nacht mit seiner wesentlich älteren Geliebten verbracht. "... aber das Ich vergeht in dem Du, ich bin dein Bub – aber wenn mir dann Hören und Sehen vergeht – wo ist dann dein Bub?", fragt Octavian die Fürstin Marie Therese Werdenberg, deren Ehemann, der Feldmarschall, zu seinen Truppen gereist ist.

Früh am Morgen wird das Liebespaar gestört, weil Baron Ochs auf Lerchenau, ein Cousin der Feldmarschallin, sich von ihren Bediensteten nicht davon abhalten lässt, ins fürstliche Schlafgemach zu poltern. Oktavian versteckt sich rasch und tritt dann als Zofe verkleidet auf.

Obwohl der biedere Landedelmann Ochs auf Lerchenau zu heiraten beabsichtigt, flirtet er mit der vermeintlichen Zofe Mariandel. Er betrachtet die angestrebte Verbindung mit Sophie von Faninal zwar als Mesalliance, ist jedoch bereit dazu, weil die neureiche Familie der Braut zwölf Häuser besitzt, die früher einmal seiner eigenen Familie gehörten.

Die Marschallin möge ihm jemand nennen, der in seinem Namen der Braut eine silberne Rose überbringen würde, wie es das Brauchtum verlangt. Sie zeigt dem Mitgiftjäger ein Medaillon mit einem Porträt Octavians und erklärt sich bereit, diesen als Rosenkavalier zu entsenden. Der Baron ist einverstanden – allerdings durch die verblüffende Ähnlichkeit Octavians mit der Zofe irritiert.

Während die Marschallin sich an den Frisiertisch setzt, strömen Leute ins Schlafgemach, um ihre Aufwartung zu machen: Haushofmeister, Notar und Küchenchef, ein Küchenjunge, ein Tierhändler mit Hündchen und Äffchen, ein Tenor und ein Flötist sowie eine Bittstellerin mit ihren drei Töchtern und einige andere. Der Notar kommt dem Baron gerade recht: Mit ihm berät er sich über den Ehevertrag und besteht trotz der juristischen Bedenken des Anwalts darauf, den Grundbesitz, auf den er es abgesehen hat, als Morgengabe der Braut mit aufzunehmen.

Nachdem alle bis auf Octavian sich verabschiedet haben, denkt die Marschallin wehmütig an die Vergänglichkeit der Jugend und das Altern. Sie ahnt, dass Octavian sie über kurz oder lang wegen einer Jüngeren verlassen wird. Der will davon nichts wissen und muss von ihr getröstet werden.

Bald darauf wartet Sophie von Faninal im Stadtpalais ihres Vaters auf die Ankunft des Rosenkavaliers, und ihr Vater ist unterwegs, um den Bräutigam ins Haus zu führen. Plump und jovial versucht der Baron, seiner Braut nahezukommen. Je stärker er sie bedrängt, desto heftiger wird ihre Abneigung – und zugleich werden sich Sophie und Octavian bewusst, dass sie sich lieben.

Während der Baron im Nebenzimmer mit Herrn von Faninal und dem Notar über den Ehevertrag verhandelt, zieht Octavian Sophie an sich und küsst sie auf den Mund. Dabei werden die beiden von Valzacchi und Annina ertappt, einem intriganten italienischen Paar, das sofort den Bräutigam herbeiruft. Bücher von Dieter Wunderlich Der amüsiert sich zunächst und nimmt den Vorfall nicht ernst, weil er sich nicht vorstellen kann, dass der jugendliche Draufgänger ihm gefährlich werden könnte: "Was so ein Bub in Wien mit siebzehn Jahr schon für ein vorlaut Mundwerk hat!" Doch Octavian fordert ihn zum Duell heraus und verletzt ihn nach dem ersten missglückten Ausfall leicht am rechten Oberarm. Da gerät der Baron in Panik. Während er jammert und seine betrunkenen Bediensteten sich anschicken, den jüngeren Mägden die Hemden vom Leib zu reißen, um ihren Herrn damit zu verbinden, verkündet Sophie, dass sie den Baron niemals heiraten werde, bis ihr aufgebrachter Vater droht, sie in ein Kloster zu schicken.

Als der Baron nach einigen Gläsern Tokajer seine Verletzung fast vergessen hat, überbringt ihm Annina einen Brief, in dem sich die Zofe Mariandel zu einem Rendezvous bereit erklärt: "Den Sonntagabend hätt ich frei."

Ochs auf Lerchenau trifft sich mit dem wieder als Zofe verkleideten Octavian in einem Gasthof-Zimmer. Zuerst soll gegessen werden, aber hinter einem Vorhang steht das Bett bereit. Plötzlich stößt Annina in schwarzer Trauerkleidung das Fenster von außen auf und behauptet, die Ehefrau des Barons zu sein. Sie betritt das Zimmer mit vier Kindern zwischen vier und zehn Jahren, die fortwährend "Papa, Papa, Papa" rufen. Da beugt sich der Baron aus dem Fenster und ruft nach der Polizei. Als ein Kommissar mit zwei Gehilfen erscheint und den Baron angesichts der sich verzweifelt gebenden "Mariandel" verdächtigt, ein unschuldiges Mädchen verführt zu haben, glaubt dieser sich retten zu können, indem er die vermeintliche Zofe als seine Verlobte Sophie von Faninal ausgibt. In diesem Augenblick kommt Herr von Faninal ins Zimmer und reagiert empört auf die Falschaussage. Seiner Tochter, die ihm gefolgt ist, berichtet er zornig, er habe soeben erfahren, dass ihr Bräutigam bereits verheiratet sei. Die Marschallin, die wie eine "Dea ex Machina" auftritt, nimmt die verworrene Abgelegenheit in die Hand und schickt die Polizisten fort. Endlich durchschaut der Mitgiftjäger die Intrige, doch er kann froh sein, nur die Rechnung des Wirts begleichen zu müssen. Die lukrative Eheschließung ist geplatzt.

Die Marschallin, die längst gemerkt hat, dass Octavian und Sophie sich lieben, gibt ihren jungen Geliebten großmütig frei.

Kritik:

"Der Rosenkavalier" ist eine leichte Komödie und kein tiefschürfendes Drama. "War eine wienerische Maskerad und weiter nichts", sagt die Marschallin zu Baron Ochs auf Lerchenau. Das heißt aber nicht, dass es keine ernsten Andeutungen gibt. Beispielsweise denkt die Marschallin über das Altern und den Verzicht nach. Der poltrige Landadelige mit seinem gesellschaftlichen Dünkel glaubt Octavian raten zu müssen, wie man mit Neureichen umspringt: "Musst denen Bagatelladeligen immer zeigen, dass nicht für unseresgleichen sich ansehen dürfen, muss immer was von Herablassung dabei sein." Und Sophie klagt über ihr Los als Frau: "Freilich. Er ist ein Mann, da ist Er, was Er bleibt. Ich aber brauch erst einen Mann, dass ich was bin. Dafür bin ich dem Mann dann auch gar sehr verschuldet."

Zwar hält man inzwischen allgemein die Zusammenarbeit von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal für gewinnbringend, und die Oper "Der Rosenkavalier" erwies sich als Welterfolg, aber der Dichter befürchtete doch, der Komponist werde über sein "in sich komplettes Stück" Musik wie "Sauce über einen Braten" gießen. Und Thomas Mann schrieb Hugo von Hofmannsthal nach der erfolgreichen Münchner Opernpremiere: "Aber wie, um Gottes willen, verhalten denn Sie sich nun eigentlich zu der Art, in der Richard Strauss Ihr leichtes Gebild belastet und in die Länge gezogen hat?! Vier Stunden Getöse um einen reizenden Scherz!"

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002
Textauszüge: © Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main

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