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Dieter Wunderlich:
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Ilse Aichinger

* 192 / Biografie


 


Ilse Aichinger und ihre Zwillingsschwester Helga wurden am 1. November 1921 als Töchter einer jüdischen Ärztin und eines nichtjüdischen Lehrers in Wien geboren. Sie wuchsen jedoch nicht in Wien, sondern in Linz auf. Erst als der Vater sich von der Familie trennte und sich scheiden ließ, um seine berufliche Karriere nicht zu gefährden, zog die Mutter mit den Kindern wieder nach Wien, wo Ilse Aichinger meistens bei ihrer jüdischen Großmutter bzw. in Internaten lebte. Im März 1938 marschierten die Nationalsozialisten in Österreich ein. Ilses Mutter musste ihre Wohnung verlassen und durfte ihren Beruf nicht mehr ausüben. Helga emigrierte im Juli 1939 nach England; die übrigen Familienmitglieder wollten ihr folgen, aber der Kriegsbeginn am 1. September vereitelte ihr Vorhaben.

Da eine Halbjüdin in der Regel nicht in ein Konzentrationslager gesperrt wurde, solange sie für ein unmündiges Kind sorgte, blieb Ilses Mutter bis 1942 unbehelligt. In diesem Jahr deportierten die Nationalsozialisten Ilses jüdische Großmutter und die Geschwister ihrer Mutter in ein Vernichtungslager. Ihre Mutter versteckte sich in Wien. Das nach dem Abitur angestrebte Medizinstudium blieb Ilse Aichinger aus "rassischen" Gründen verwehrt. Bücher von Dieter Wunderlich Erst nach dem Krieg begann sie damit, brach aber das Studium nach fünf Semestern ab, wurde Lektorin beim S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main und engagierte sich beim Aufbau der Hochschule für Gestaltung in Ulm. 1948 hatte sie ihren einzigen Roman veröffentlicht: "Die größere Hoffnung". 1951 nahm Ilse Aichinger erstmals an einer Tagung der "Gruppe 47" teil, zu der auch der Lyriker und Hörspielautor Günter Eich (1907 - 1972) gehörte. Zwei Jahre später vermählten sich die beiden Schriftsteller. Ihre beiden Kinder wurden 1954 (Clemens) bzw. 1957 (Mirjam) geboren. Günter Eich starb am 20. Dezember 1972. Ilse Aichinger zog nach dem Tod ihrer Mutter 1984 von Großgmain bei Salzburg nach Frankfurt am Main und fünf Jahre später wieder nach Wien.

© Dieter Wunderlich 2005

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Ilse Aichinger: Die größere Hoffnung



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