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Adolf Muschg: Der Zusenn oder das Heimat (Erzählung) |
Adolf Muschg: Der Zusenn oder das Heimat |
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Inhaltsangabe: Vielleicht ist es dem Untersuchungsgericht nicht bewusst, dass ich mit meiner Frau Elisabeth sel. 15 Jahre auf dem Fröschbrunnen gewirtschaftet habe und dabei gut beleumdet war, auch zu leben hatte, bis derselbe anno einundfünfzig aus zweifelhaften Gründen mit unserem damals zweijährigen Christian abbrannte und ich auch unser sämtliches Vieh sowie Fahrhabe verlor, weil das Feuer zu schnell um sich griff, auch der Löschzug nicht rechtzeitig zur Stelle war.
Da schreibt offenbar ein Angeklagter einen Brief an das Gericht, in dem er seine Lage zu erklären versucht. Ich wusste es ja selbst nicht, dass ich als 57-Jähriger nochmals geplagt würde, und war es auch ein kalter Morgen. Ich wollte zum Füttern und sah, dass sie [Lina] noch kein Feuer gemacht hatte, sondern die Küche leer war, und der Atem blieben Ihnen vor der Nase stehen. Ich war erschrocken, liebes Untersuchungsgericht, denn kann nur sagen, dass so etwas in 10 Jahren noch nicht passiert war, auch wenn sie Bauchweh hatte, sie schleppte sich hinunter und stellte den Kaffee auf den Herd. Alle Fenster waren gefroren und alles wie in einem Friedhof, da hätte ich Sie sehen sollen, denn so still war es seit dem Tod meiner Frau nie mehr gewesen. Das Schlimmste befürchtend, ging er hinauf zur Kammer seiner inzwischen siebenunddreißigjährigen Tochter und öffnete die Tür. Da glaubte er seine verstorbene Frau vor sich zu sehen, im Nachthemd und sich die allmählich ergrauenden Haare bürstend. [...] dass ich mich vom Schrecken her in einem abnormalen Zustand befand. Deshalb spielte sich alles so schnell ab, dass ich mich nicht mehr erinnern kann [...] Ich weiß auf Ehre und Seligkeit nur noch, dass mir plötzlich leichter wurde und das Gesicht Linas mit einem rosigen und müden Ausdruck, den sie seit Kindesbeinen nie mehr gehabt hatte, neben mir auf dem Kissen lag, und wir beide atmeten.
Am Abend konnte er selbst nach ein paar Gläsern Branntwein nicht schlafen. Da ging er wieder hinüber zu Lina. Drum musste ich sie drannehmen, und nicht, weil ich geplagt war. Nachher war Ordnung bei uns, da können Sie jeden fragen, und wenn es Sünde war und jetzt keiner mehr etwas von uns wissen will, so bitte ich Sie doch, aus dem geschl. Verkehr kein übertriebenes Wesen zu machen, welches wir auch nicht taten, sondern der Frieden war die Hauptsache, und haben wir ja keinen Menschen gestört [...]
Der Briefschreiber versichert dem Gericht, dass er "den Verkehr niemals als solchen betrieb, sondern damit die Mädchen etwas Freundliches hatten im Leben". |
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Buchbesprechung: |
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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2003
Inzest |