Frank Schätzing: Limit
(Roman)
      Kritik:
Der Plot des SF-Thrillers "Limit" von Frank Schätzing ist trivialer und weniger komplex, als man aufgrund der aufgeblähten Darstellung zunächst glaubt, und das rund 100 Figuren umfassende Personal des Romans besteht mehr aus Klischees als aus differenzierten Charakteren. Rezension, Buchbesprechung, Buchkritik, Kritik
 

Frank Schätzing:
Limit

 
  Inhalt:
Die Ölkonzerne verlieren ihre Bedeutung, als der Brite Julian Orley einen Fusions-reaktor entwickelt und eine Methode, das dafür benötigte Helium-3 kostengünstig mit einem Weltraumfahrstuhl vom Mond zu holen. Während Orley 2025 eine Gruppe potenzieller Investoren in sein Mondhotel "Gaia" einlädt, erhält der Cyber-Cop Owen Jericho in Shanghai den Auftrag, die vermisste junge Dissidentin Chen ("Yoyo") Yuyun zu suchen – und gerät dadurch der globalen Verschwörergruppe "Hydra" auf die Spur ... Inhalt, Inhaltsangabe, Zusammenfassung, Handlung







Limit
Originalausgabe:
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009
ISBN: 978-3-462-03704-3, 1320 Seiten, 26 € (D)

   



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Frank Schätzing: Limit

Inhaltsangabe



Buchbesprechung:

Wer den Science-Fiction-Thriller "Limit" von Frank Schätzing lesen möchte, muss einiges an Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen. Das liegt nicht nur am Umfang des Buches (1320 Seiten), sondern vor allem auch an der Art der Darstellung. Auf den ersten 300 Seiten von "Limit" geschieht nichts weiter, als dass eine Gruppe im Mai 2025 zum Mond reist und in China die Tochter eines Autohändlers vermisst wird. Statt in die Handlung einzusteigen, beschreibt Frank Schätzing das Szenario und verliert sich dabei in zu viele Erläuterungen. Die Bildungshuberei endet auch nicht, als die Handlung endlich in Gang kommt. Beispielsweise referiert Schätzing auf den Seiten 659 bis 685 eine teils reale, teils fiktive Geschichte Äquatorial-Guineas. Durch solche Einschübe wird die Spannung immer wieder zurückgenommen.

Überhaupt baut Frank Schätzing in "Limit" weniger auf Suspense als auf Action-Szenen, bei denen er offenbar bereits an eine Verfilmung dachte. Allerdings wirkt eine auf dreiundzwanzig Seiten (508 bis 530) dargestellte Verfolgungsjagd im Roman weniger spektakulär als im Kino. Eindruck schinden will Frank Schätzing auch mit Gewaltexzessen, Cybersex-Szenen, zotigen Beschreibungen der weiblichen Figuren und bildhaften Darstellungen von Vorgängen, die mit menschlichen Ausscheidungen zu tun haben.

Sofort sah er die Leichen, den Jungen mit dem weggeschossenen Gesicht, das sterbende, sich drehende Mädchen, aus dessen zerfetzer Schulterarterie hellrote Fontänen schossen, ihren abgetrennten Arm [...] (Seite 531)

Ihre Brüste zwängten sich unwillig in ein Kleid, das mit knapper Not die planetare Wölbung ihres Hinterns bedeckte. (Seite 53)

"Wer unterwegs ein gewisses Bedürfnis verspürt – einfach laufen lassen. Ihr geschätztes Pipi wird in einer dicken Schicht Polyacrylat gebunden, niemand muss befürchten, dass es die Beine herabplätschert." (Seite 171)

Offenbar strengte sich Frank Schätzing an, mit "Limit" den Erfolg seines Bestsellers "Der Schwarm" zu übertreffen. Dabei schoss er weit übers Ziel hinaus.

Der Plot von "Limit" ist trivialer und weniger komplex, als man aufgrund der aufgeblähten Darstellung zunächst glaubt, und das rund hundert Figuren umfassende Personal des Romans besteht mehr aus Klischees als aus differenzierten Charakteren. Einige technische Ideen und Erläuerungen sind interessant, aber es gibt auch unplausible und unwahrscheinliche Zusammenhänge, etwa wenn die chinesische Dissidentin Chen ("Yoyo") Yuyun wahllos eine E-Mail abfängt und dabei ausgerechnet eine von der verbrecherischen Organisation "Hydra" manipulierte erwischt.

Die Sprache des auktorialen Erzählers in "Limit" ist betont salopp:

Zu guter Letzt hatte DeLucas jede Rücksichtnahme fahren lassen, Lynn [...] Prügel für den Fall angedroht, dass sie nicht unverzüglich in die Puschen kam. (Seite 1192)

Sie warf die Ögis aus den Betten, beide gottlob unkompliziert und schnell von Kapee. (Seite 1192)

Mit dieser Ausdrucksweise biedert sich Frank Schätzing jungen Leserinnen und Leser an. Die Sprachkultur fördert er damit nicht, und überzogene Metaphern passen nicht dazu:

[...] während die Nacht ihre Röcke rafft [...] (Seite 148)

Bei einem Satz wie dem folgenden weiß man nicht, ob Frank Schätzing witzig sein wollte oder einfach nur verkehrt gedacht hat:

Wangs Großmutter behauptete, ihre Erblindung sei mit einer Reihe von Vorteilen einhergegangen, deren erfreulichster sei, nicht länger dem Anblick ihrer Familienmitglieder ausgesetzt zu sein. (Seite 271)

Ein Zeichen mangelnder Sorgfalt ist es, wenn eine der Figuren im Text Lars Gudmundsson und im Personenverzeichnis Lars Gutmansson heißt.

Inhaltsangabe

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009
Textauszüge: © Kiepenheuer & Witsch

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