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Sprecherin:
Die bedeutendsten Herrscher zwischen dem Absolutismus und der Französischen Revolution waren Friedrich der Große, Maria Theresia und Katharina die Große. Die drei Regenten gelangten von völlig unterschiedlichen Ausgangspositionen an die Macht; eines aber hatten sie gemeinsam – den Wahlspruch: "Alles für das Volk, nichts durch das Volk". Diesem Bonmot aus dem Munde Friedrichs des Großen stimmten sie alle zu, auch wenn sie sich sonst nicht immer einig waren. Zu jeder dieser faszinierenden Persönlichkeiten gibt es bereits zahlreiche Bücher. Bisher kam allerdings noch niemand auf die Idee, die drei Herrscher nicht nur für sich, sondern im Hinblick auf ihre sich kreuzenden Lebenswege zu betrachten. Dieter Wunderlich hat jetzt diesen Versuch unternommen.
Nun, was die Biografien der einzelnen Herrscher in Wunderlichs jüngstem Buch angeht, da erfährt der Leser nicht allzu viel Neues. Der Preußenkönig, die Zarin und auch Maria Theresia wurden schon zu oft abgehandelt, als dass sie noch für echte Überraschungen sorgen könnten.
Und über weite Strecken hinweg bleiben es drei parallel erzählte Biographien, in denen zunächst von einer "Vernetzung" nicht viel erkennbar ist. Dem Kapitel über Friedrichs harte Kindheit folgt jenes über die unbeschwerten Mädchenjahre Maria Theresias; doch bevor wir uns an ihrer Liebesheirat erfreuen dürfen, schickt uns der Autor erst wieder mit Friedrich in die Verbannung. Relativ spät bringt er Sophie von Anhalt-Zerbst ins Spiel, aus der nach ihrer Heirat Katharina die Große wird. Was es mit den vernetzten Karrieren auf sich hat, wird dem Leser erst nach einem Drittel des Buches richtig deutlich. Da folgen Friedrich II. und Maria Theresia ihren Vätern auf den Thron, und der anschließende Schlesische Krieg kettet die beiden Regenten schier unauflöslich aneinander. Auch Katharina spielt ihre Rolle in diesem lang andauernden, unglückseligen Kampf, der die drei unterschiedlichen Herrscher jedoch nicht davon abhält, ihre Staaten zu modernisieren.
Es ist eine interessante, aber auch äußerst schwierige Aufgabe, die sich der Autor mit dieser Gesamtschau gestellt hat. Zu komplex sind die historischen Zusammenhänge, zu gewichtig die einzelnen Biographien. Dieter Wunderlich versucht dies durch einen leicht lesbaren, unterhaltsamen Stil auszugleichen, was ihm auch hervorragend gelingt:
Zitat aus "Vernetzte Karrieren":
Der preußische König Friedrich Wilhelm I. reißt sich die Serviette vom Hals, unterdrückt einen Rülpser und erhebt sein mit Rheinwein gefülltes Glas: "Auf das Wohl des exzellenten Gastgebers!" General Friedrich Wilhelm von Grumbkow und seine Besucher leeren ihre Gläser und stehen schwerfällig auf. Der König wendet sich an seinen zwölfjährigen Sohn: "Fritz, denke an das, was ich dir sage." Dabei tippt er ihm mit dem Zeigefinger gegen die Brust. "Halte immer eine gute und große Armee; du kannst keinen besseren Freund finden und dich ohne sie nicht behaupten ...
Sprecherin:
Wer würde da nicht weiterlesen wollen? Der Autor vermittelt eine Fülle von Details, mit deren Hilfe er ein farbenprächtiges und spannendes Bild jener Zeit entwirft. So macht Geschichte Vergnügen. Einen schönen Einblick in die Vernetzung der einzelnen Schicksale vermittelt der Autor in dem Kapitel über "Tradition und Neuerung". Hier vergleicht er die Regierungspraktiken der jeweiligen Herrscher miteinander. Wie definierten sie ihre Alleinherrschaft, wie ihr Verständnis von Macht? Wie sah die Wirtschaftsförderung aus? Hier werden Wunderlichs Ausführungen ganz konkret. Die Idee von den vernetzten Karrieren ist ergiebig und tragfähig. Der Autor hätte es jedoch besser bei Friedrich dem Großen und Maria Theresia bewenden lassen sollen, anstatt noch eine dritte hochkarätige Persönlichkeit hinzuzunehmen. Weniger ist eben manchmal mehr ...
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