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Dieter Wunderlich:
Buch- und Filmtipps

Hintergrundinformationen zu Buch- und Filmtipps von Dieter Wunderlich

 
   
 

Rosemarie Nitribitt

1933 – 1957 / Biografie


 


Zwei Tage nachdem Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte, am 1. Februar 1933, wurde Rosalie Marie Auguste (»Rosemarie«) Nitribitt in Düsseldorf geboren. Ihren Vater – bei dem es sich um einen Arbeiter gehandelt haben soll – lernte sie vermutlich nie kennen. Die minderjährige, unverheiratete Mutter brachte 1935 und 1937 zwei weitere Töchter zur Welt: Irmgard und Lieselotte. Jedes der drei Kinder stammte von einem anderen Mann. Mit fünf wurde Rosemarie ebenso wie ihre zwei Jahre jüngere Halbschwester Irmgard auf Anweisung des Jugendamts in ein Kinderheim gebracht, und im Jahr darauf kam sie zu einer Pflegefamilie in Niedermendig bei Mayen in der Eifel. Der Pflegevater Nikolaus Elsen war bereits neunundsechzig, seine Ehefrau Anna Maria allerdings zwanzig Jahre jünger.

Im Alter von elf Jahren wurde Rosemarie Nitribitt von einem sieben Jahre älteren Nachbarjungen vergewaltigt. Obwohl der Vorfall nicht unbemerkt blieb, zeigte niemand den Täter an.

Zwei Jahre nach der Vergewaltigung befreundete Rosemarie Nitribitt sich mit zwei Huren und begann sich selbst zu prostituieren. Zu den ersten Freiern der aufmüpfigen Blondine gehörten französische Soldaten. Mit vierzehn soll sie sich einer Abtreibung unterzogen haben. Sicher ist, dass das Amtsgericht Mayen am 22. August 1947 ihre Unterbringung in einem Fürsorgeheim anordnete, aber Rosemarie Nitribitt setzte sich nach Frankfurt am Main ab. Sie wurde mehrmals aufgegriffen und in ein Heim gesperrt, riss jedoch ebenso häufig wieder aus. 1950 arbeitete Rosemarie Nitribitt ein halbes Jahr lang als Hausmädchen und Aushilfsbedienung bei einer Familie, die in Andernach ein Café betrieb. Am 1. Februar 1951 zog es sie wieder nach Frankfurt, wo sie bereits am nächsten Tag der Polizei im Hauptbahnhof auffiel. Wieder wechselten sich Heimunterbringungen und Fluchten ab.

Um einen Jungen aus Mayen, in den sich Rosemarie Nitribitt verliebt hatte, an sich zu binden, täuschte sie vor, von ihm schwanger zu sein. Daraufhin meldete sich der Betroffene zur Fremdenlegion und ließ nichts mehr von sich hören.

Wegen »Landstreicherei« wurde Rosemarie Nitribitt 1951 zu drei Wochen Haft verurteilt, die sie in der Jugendstrafanstalt in Frankfurt-Preungesheim verbüßte. Danach tauchte sie unter und verdiente ihr Geld als Animierdame und Prostituierte im Frankfurter Bahnhofsviertel, bis sie im April 1952 erneut aufgegriffen wurde. Weil kein anderes Heim bereit war, die renitente Neunzehnjährige aufzunehmen, sperrte man sie am 16. April für ein Jahr in die berüchtigte Arbeitsanstalt Brauweiler, wo sie unter anderem Tüten kleben musste.

Nach ihrer Freilassung zog Rosemarie Nitribitt ganz nach Frankfurt und mietete dort im Herbst 1953 ein Zimmer mit Bad. Sie lernte Englisch und Französisch, bemühte sich, Hochdeutsch zu sprechen und nahm sowohl an einem Mannequin- als auch einem Benimmkurs teil, denn sie wollte hoch hinaus und nicht mehr an das armselige Leben erinnert werden, das sie bis dahin geführt hatte. Dementsprechend suchte sie ihre Freunde und Freier aus. 1954 lernte sie beispielsweise einen sechzigjährigen in Istanbul verheirateten türkischen Unternehmer kennen, der ihr das Geld für einen Opel »Kapitän« schenkte. Während eines gemeinsamen Urlaubs in San Remo erlag er allerdings am 22. März 1955 einem Herzschlag.

Obwohl Rosemarie Nitribitt als geizig verschrien war, investierte sie in ihre Karriere: Sie kleidete sich gediegen, zog im März 1956 in eine teure Neubauwohnung am Eschenheimer Turm um und leistete sich einen Mercedes 190 SL mit roten Ledersitzen und Weißwandreifen, der am 19. Mai 1956 ausgeliefert wurde. Für den Preis – 18 000 D-Mark – Bücher von Dieter Wunderlich hätte sie vier VW-Käfer kaufen können. Sie machte das auffällige Coupé zu ihrem Markenzeichen: Bewusst oder instinktiv signalisierte Rosemarie Nitribitt, dass sie nicht für jeden zu haben war und stilisierte sich zur Edelhure. Kontakte pflegte sie vom Auto aus und vor Nobelherbergen wie dem »Frankfurter Hof« zu knüpfen. Gegen ein entsprechendes Trinkgeld erhielten Hotelgäste von dem einen oder anderen Portier Rosemarie Nitribitts Telefonnummer. Ende 1956 ergänzte sie ihre Selbstinszenierung, indem sie sich einen weißen Pudel schenken ließ. Ein paar Monate später kaufte sie einen Nerzmantel für 11 000 D-Mark und einen zweikarätigen Brillantring. Im Oktober 1957 genügte ihr der 190 SL nicht mehr, und sie bestellte ein schwarzes Mercedes-Coupé 300 S mit dunkelgrünen Ledersitzen für 34 500 D-Mark. Für so einen Betrag konnte man damals ein Haus bauen! Zur gleichen Zeit erkundigte sich die Vierundzwanzigjährige nach Geldanlage-Möglichkeiten, etwa die Beteiligung an einer Bar, einer Pension oder einem Gestüt.

»Irgendwann schlägt mir noch einer den Schädel ein«, soll Rosemarie Nitribitt einmal gesagt haben: Sie wusste, dass ihr nicht alle Bekannten wohlgesinnt waren. Immer wieder stieß sie andere Personen vor den Kopf; Homosexuelle verführte sie zum Kummer von deren Partnern, und sie scheint Freier mit angeblichen Schwangerschaften erpresst zu haben.

Am 1. November 1957 machte ihre siebenundvierzigjährige Aufwartefrau Erna Krüger einen Nachbarn darauf aufmerksam, dass sie Rosemarie Nitribitt seit Tagen nicht gesehen hatte, obwohl ihr Pudel in der Wohnung jaulte und bereits drei Tüten mit Frühstücksbrötchen vor ihrer Tür lagen. Der Nachbar alarmierte daraufhin gegen 17 Uhr die Polizei. Zwei Streifenbeamten ließen die nur zugezogene, nicht abgesperrte Tür von einem Schlosser öffnen und fanden die Vierundzwanzigjährige tot im Wohnzimmer vor. Sie war nicht geschminkt und trug ein anthrazitfarbenes Kostüm, dessen Rock bis über den Schritt hinaufgerutscht war. Nase und Mund der auf dem Teppich vor der Couch auf dem Rücken liegenden Leiche waren blutverkrustet. Rosemarie Nitribitt scheint sich den Hinterkopf während eines Kampfes durch einen Sturz gegen eine Sessellehne aufgeschlagen zu haben und dann erwürgt worden zu sein. Um das Blut aufzufangen, hatte der Mörder ein rosafarbenes Frottierhandtuch unter ihren Kopf gelegt. Weil die Beamten in dem Apartment mit voll aufgedrehter Fußbodenheizung wegen des Verwesungsgeruchs die Fenster aufrissen, ohne auf ein Zimmerthermometer geschaut zu haben, konnten die Gerichtsmediziner den genauen Todeszeitpunkt nicht mehr feststellen.

Das war nur eine von mehreren Pannen bei den Ermittlungen. Bevor beispielsweise mit der Spurensicherung begonnen wurde, hatten schätzungsweise zwanzig Personen das Apartment betreten. Polizisten und Journalisten rauchten und warfen die Kippen aus dem offenen Fenster. Sie blieben auf einem Mauervorsprung liegen. Erst nach einiger Zeit kam ein Kriminalbeamter auf die Idee, dass auch der Mörder geraucht haben könnte und die Kippen sichergestellt werden sollten. Ungehindert aß Erna Krüger einen Teil der liegen gebliebenen Frühstücksbrötchen auf und warf den Rest weg. Tagelang fahndete die Polizei nach dem Besitzer eines im Wohnzimmer sichergestellten Herrenhutes – bis sich herausstellte, dass er dem Leiter der Mordkommission gehörte, der ihn versehentlich liegen gelassen hatte. Ein Kriminalbeamter schaffte ein in einem Silberrahmen auf der Musiktruhe stehendes Foto und mehrere Liebesbriefe auf die Seite. Sie stammten von Harald von Bohlen und Halbach, dem einundvierzigjährigen Sohn von Bertha und Gustav Krupp, dessen älterer Bruder Alfred seit 1943 Chef des Krupp-Konzerns war und als reichster Mann Deutschlands galt.

Offenbar hatte Rosemarie Nitribitt mit einem unangenehmen Besuch gerechnet, denn das Tonbandgerät in ihrer Musiktruhe war eingeschaltet. Allerdings brach die Aufnahme nach kurzer Zeit ab, und die Qualität war so miserabel, dass sie für die Ermittlungen unbrauchbar war.

Der Körper Rosemarie Nitribitts wurde am 11. November auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf beigesetzt. Den in der Gerichtsmedizin abgetrennten Kopf hatte die Staatsanwaltschaft jedoch nicht freigegeben; er sollte für etwaige spätere Untersuchungen aufbewahrt werden. (Inzwischen befindet er sich in einem Schaukasten des 2002 eröffneten Kriminalmuseums in Frankfurt am Main.)

Während Rosemarie Nitribitt zu Lebzeiten nur in gewissen Kreisen bekannt gewesen war, machten die Medien sie nun über Nacht in ganz Deutschland zur Berühmtheit. Wochenlang beherrschte sie die Titelseiten, denn von dem Skandal versprach sich nicht nur die Boulevard-Presse höhere Auflagenzahlen. Heute kann man sich kaum mehr vorstellen, wie spießbürgerlich die Gesellschaft damals war. Die CDU/CSU hatte die Bundestagswahl am 15. September 1957 mit dem konservativen Wahlslogan »keine Experimente« gewonnen, und Wirtschaftsminister Ludwig Erhard versprach »Wohlstand für alle«. Die meisten Deutschen waren trotz des Wirtschaftswunders von den Entbehrungen der Nachkriegsjahre geprägt und mussten für ihr Geld hart arbeiten. Sie staunten, als sie aus der Zeitung erfuhren, wieviel Geld sich mit »Unmoral« verdienen ließ und welch ein Luxusleben eine Prostituierte führen konnte. Während der durchschnittliche Monatsverdienst in der Bundesrepublik damals um die 400 D-Mark betrug, scheint Rosemarie Nitribitt in den zehn Monaten vor ihrem Tod 90 000 D-Mark eingenommen zu haben. Die Medien wiesen auf ein in Leder gebundenes Notizbuch der Edelhure hin, in dem angeblich hundert Namen verzeichnet waren und vermittelten in der Öffentlichkeit den Eindruck, dass Rosemarie Nitribitt Beziehungen mit Prominenten gehabt hatte. War die Führungsschicht der Nachkriegsgesellschaft so dekadent? Der Fall entwickelte sich zum Skandal, und weil der Inhalt des Notizbuches unter Verschluss blieb, blühten Spekulationen.

Inzwischen ist bekannt, dass nicht nur Harald von Bohlen und Halbach eine Beziehung mit Rosemarie Nitribitt hatte, sondern auch andere Mitglieder von Industriellen-Dynastien: die Brüder Ernst-Wilhelm und Gunter Sachs ebenso wie Harald Quandt, der 1921 geborene Sohn des Konzerngründers Günther Quandt und dessen Ehefrau Magda, die sich nach der Scheidung mit Joseph Goebbels vermählt, am 1. Mai 1945 ihre sechs jüngeren Kinder Hilde, Hellmuth, Holde, Hedda und Heide vergiftet und sich dann selbst umgebracht hatte [Magda Goebbels / Suizid]. Harald Quandt und die Gebrüder Sachs wurden zwar verhört, aber wie das geschah, schilderte Gunter Sachs später in der Illustrierten »Bunte« so: »Nach zehn Routinefragen zur Person und meinem Alibi interessierten sich die Herren mehr für die Direkteinspritzung meines 300 SL Flügeltürers.«

Rosemarie Nitribitt hatte ihre Einkünfte nicht versteuert und das Geld der Freier auch nicht auf ein Konto eingezahlt, sondern in einer blauen Kassette in ihrem Wohnzimmerschrank gehortet und alles bar bezahlt. Da die Ermittler im Apartment der Toten jedoch nicht mehr als 1250 D-Mark vorfanden, gingen sie von einem Raubmord aus.

Unter dem Verdacht, Rosemarie Nitribitt ermordet zu haben, wurde am 6. Februar 1958 der siebenundunddreißigjährige, seit kurzem arbeitslose Handelsvertreter Heinz Christian Pohlmann festgenommen, der als leichtfertiger Blender galt, über seine Verhältnisse lebte und bereits dreimal wegen Betrugs bzw. Diebstahls vorbestraft war. Nach eigener Aussage hatte er seine Freundin Rosemarie Nitribitt am 29. Oktober um 13 Uhr besucht. Als gegen 14.45 Uhr ein Freier geklingelt habe, sei er in die Küche gegangen, sagte er aus. Um den Freier zu täuschen, habe ihm Rosemarie Nitribitt beim Verlassen der Wohnung nachgerufen: »Frieda, vergiss das Brot nicht!« Hatte er seine Freundin umgebracht und das Geld aus ihrem Wohnzimmerschrank geraubt? Dass er Anfang November einen Teil seiner hohen Schulden beglichen und ein 10 000 D-Mark teures Auto gekauft hatte, machte ihn besonders verdächtig.

Mit der Begründung, es bestehe kein dringender Tatverdacht gegen Heinz Pohlmann, ordnete das Landgericht Frankfurt am 29. Dezember 1958 dessen Freilassung an. Noch am selben Abend gab er eine Pressekonferenz. Die Illustrierte »Quick« setzte 50 000 D-Mark für die Ergreifung des Mörders von Rosemarie Nitribitt aus und begann im Januar 1959 mit dem Abdruck einer von Heinz Pohlmann diktierten Artikelserie. Dass ein Mordverdächtiger aus seinem Fall Kapital schlägt, war bis dahin noch nicht vorgekommen. Nach fünf Folgen stellte »Quick« die reißerische Enthüllungsstory ein – nicht etwa aufgrund der Kritik des Deutschen Presserats, sondern weil Pohlmann die Zusammenarbeit abbrach, als ihm ein Krupp-Anwalt für sein Schweigen mehr Geld in Aussicht stellte als er von der Illustrierten als Honorar bekam.

Einer der Namen in Rosemarie Nitribitts Notizbuch lautete Rolf Endler. Bei der Fahndung stieß die Polizei auf einen achtundfünfzigjährigen Mann dieses Namens, der in München ein Lebensmittelgeschäft besaß. Er wurde im Dezember 1958 mehrmals verhört und wochenlang observiert – bis ihm zwei Kriminalbeamte am 19. Februar 1959 das Ende der Ermittlungen gegen ihn mitteilten. In der Nacht erlag er einem Herzinfarkt.

Pohlmann wurde im Juni 1959 zu sechzehn Monaten Gefängnis verurteilt – nicht im Zusammenhang mit der Ermordung von Rosemarie Nitribitt, sondern wegen Unterschlagungen bei seinem letzten Arbeitgeber. Ab 20. Juni 1960 musste sich der Häftling dann doch wegen des Verdachts, Rosemarie Nitribitt ermordet und beraubt zu haben, vor Gericht verantworten. Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld, und sein Verteidiger Alfred Seidl – der spätere bayerische Innenminister (1977/78) – zweifelte im Prozess den Todeszeitpunkt an, von dem die Anklage ausging. Damit hatte er Erfolg, weil die Raumtemperatur nicht protokolliert worden war und Zeugen Rosemarie Nitribitt noch gesehen haben wollten, als sie laut Staatsanwaltschaft bereits tot gewesen sein sollte. Aus Mangel an Beweisen sprach das Gericht Heinz Pohlmann nach dreizehn Verhandlungstagen am 13. Juli 1960 frei, und die Staatsanwaltschaft akzeptierte das Urteil. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe wegen der Unterschlagung wurde Heinz Pohlmann am 14. November 1961 aus der Justizvollzugsanstalt Bernau entlassen. Er starb am 25. September 1990 in München.

Weil bei den Ermittlungen gravierende Fehler gemacht worden waren, 700 von 6000 Seiten aus den Ermittlungsakten verschwanden und der Mord nie aufgeklärt wurde, hieß es, der oder die Täter wären in einflussreichen Kreisen zu suchen gewesen. Sie verhinderten angeblich, dass die Wahrheit ans Licht kam.

In Ermangelung von Fakten spekulierten die Medien über den Tathergang sowie die Freunde und Freier der ermordeten Prostituierten. Auf diese Weise entstand ein aus Mutmaßungen bestehendes Bild, das in Büchern und Filmen »weiterentwickelt« wurde. Ein halbes Jahr nach dem Tod von Rosemarie Nitribitt erschien bereits das erste Buch über sie. Erich Kuby hatte es geschrieben, und es trug den Titel »Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind«. Dem Autor war es nicht darum gegangen, Rosemarie Nitribitt zu porträtieren, sondern er benutzte den Mordfall, um der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Fast gleichzeitig arbeitete Erich Kuby am Drehbuch für den satirischen Kinofilm »Das Mädchen Rosemarie« mit. Die Dreharbeiten begannen im April 1958. Nadja Tiller wurde gewarnt, die anrüchige Rolle zu übernehmen: »Bist du verrückt?! Du wirst dich damit ruinieren.« In der DDR beobachtete man dies alles schadenfroh, und »Das Neue Deutschland« schrieb süffisant: »In den Kreisen der Bourgeoisie und der Kapitäne des bundesdeutschen Wirtschaftswunders gehört es zum guten Ton, sich ein Mädchen, eine Prostituierte für außereheliche Amouren zu halten. Aber darüber spricht man nicht und man dreht schon gar nicht einen Film darüber.« Das Auswärtige Amt, das befürchtete, der Film könne dem Ansehen der Bundesrepublik schaden, wollte die Aufführung bei den Filmfestspielen in Venedig verhindern, aber das gelang nicht, und »Das Mädchen Rosemarie« wurde zum erfolgreichsten Kinofilm des Jahres 1958.

Originaltitel: Das Mädchen Rosemarie – Regie: Rolf Thiele – Drehbuch: Jo Herbst, Erich Kuby, Rolf Thiele, Rolf Ulrich – Kamera: Rolf von Rautenfeld – Schnitt: Elisabeth Kleinert-Neumann – Musik: Norbert Schultze – Darsteller: Nadja Tiller, Peter van Eyck, Carl Raddatz, Gert Fröbe, Hanne Wieder, Mario Adorf, Jo Herbst, Werner Peters, Karin Baal, Horst Frank, Erik von Loewis, Arno Paulsen, Tilo von Berlepsch, Hubert von Meyerinck, Helen Vita, Ruth Hausmeister u.a. – 1958; 100 Minuten

Bernd Eichinger drehte 1996 ein Remake: "Das Mädchen Rosemarie".

Literatur über Rosemarie Nitribitt:

  • Martina Keiffenheim: Edelhure Nitribitt. Die Rosemarie aus Mendig
    (Helios-Verlag Karl-Heinz Pröhuber, Aachen 1998)
  • Judith Kuckart: Kaiserstraße (DuMont, Köln 2006)
  • Erich Kuby: Das Mädchen Rosemarie.
    Liebe, Leben und Tod des Callgirls Rosemarie Nitribitt (Rowohlt, Reinbek 1958)
  • Wendelin Leweke: Gretchen und die Nitribitt. Frankfurter Kriminalfälle
    (Societäts-Verlag, Frankfurt/Main 1991)
  • Christian Steiger: Rosemarie Nitribitt. Die Autopsie eines deutschen Skandals
    (Heel-Verlag, Königswinter 2007)

© Dieter Wunderlich 2007

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Christian Steiger: Rosemarie Nitribitt. Autopsie eines deutschen Schicksals
Bernd Eichinger: Das Mädchen Rosemarie
Judith Kuckart: Kaiserstraße



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