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Dieter Wunderlich:
Buch- und Filmtipps

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Colette

1873 – 1954 / Biografie


 


Sidonie-Gabrielle Colette wurde am 28. Januar 1873 in Saint-Sauveur-en-Puisaye als jüngste Tochter eines Offiziers a. D. und seiner eigenwilligen, später von der Tochter literarisch porträtierten Ehefrau geboren ("Claudines Mädchenjahre", 1922; "Sido", 1929). Sie verbrachte eine glückliche Kindheit in der Bourgogne.

1889 in Paris begegnete Sidonie-Gabrielle Colette dem vierzehn Jahre älteren Musikkritiker, Schriftsteller und Bonvivant Henry Gauthier-Villars. 1893 heirateten die beiden. Colette ließ sich von ihrem Mann überreden, aus ihren Jugenderinnerungen einen Roman zu machen. Dieser erschien 1900 unter dem Pseudonym "Willy" – so nannte Colette ihren Ehemann – und war so erfolgreich, dass daraus eine ganze Romanreihe über die Hauptfigur "Claudine" wurde. Dass Henry Gauthier-Villars seine Frau jeden Tag vier Stunden lang einsperrte und sie in dieser Zeit schreiben musste, ist ein Gerücht.

Mit dem 1903 veröffentlichten Roman "Claudine geht" beendete Sidonie-Gabrielle Colette die Reihe. Drei Jahre später verließ sie ihren Mann und mietete eine eigene Wohnung. Sidonie-Gabrielle Colette ließ sich von der gut zehn Jahre älteren stadtbekannten Lesbe Mathilde de Morny Marquise de Belbeuf (1862 – 1944) aushalten und versuchte sich mit ihr zusammen auf Varieté-Bühnen als Tänzerin und Pantomimin mit "Mimodramen".

"La Chair" hieß ihre erfolgreichste Pantomime, um 1910 trat sie sechshundertmal als Yulka auf und entblößte ihre Brüste, bis das selbst in der Provinz keinen Anstoß mehr erregte – und schon in den Dreißigerjahren unzeitgemäß wurde, weil eine neue Generation die erkämpfte Fleischeslust verdarb durch Hygiene, Sport und Diät. (Karl Markus Michel, FAZ, 6. Oktober 1998)

In dem Roman "Renée Néré" (1910) reflektierte Colette ihre eigene Situation: Er handelt von der Suche einer Frau nach sich selbst und dem Konflikt zwischen Sehnsucht nach Liebe und Unabhängigkeit.

Von 1912 bis 1924 war Sidonie-Gabrielle Colette die Ehefrau des drei Jahre jüngeren Journalisten Baron Henry de Jouvenel des Ursins, dem Chefredakteur der Tageszeitung "Le Matin", für die Colette inzwischen Artikel schrieb und später als Feuilleton-Redakteurin arbeitete. Ihre 1913 geborene Tochter schickte sie mit einem Kindermädchen aufs Land und besuchte sie mitunter jahrelang nicht.

Colettes Leben. Skandal auf Skandal. (Jean Cocteau)

Lesbisch und zugleich männerfressend, sperrig unzugänglich und gleichzeitig für aparte Liebesspiele offen, dem pur et l'impur in gleicher Weise zugeneigt, galt sie als frühfeministische Belegfigur für souveräne erotische Nonchalance. Dass ihr umfangreiches erzählerisches Werk in all seiner musikalisch umspielten lucidité mehr als nur gefällige Unterhaltung war, geruhte man selbst in Frankreich erst nach ihrem Tod 1954 wahrzunehmen. (Ute Stempel, Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 1997)

Mit zweiundsechzig heiratete Colette den sechzehn Jahre jüngeren Maurice Goudeket. Wegen seiner jüdischen Abstammung war er in der Zeit der deutschen Besatzung Frankreichs gefährdet, aber Colette holte ihn aus der Haft und half ihm unterzutauchen.

Als erste Frau wurde Colette 1944 in die Académie Goncourt gewählt.

Sidonie-Gabrielle Colette starb am 3. August 1954 in Paris. Sie erhielt ein Staatsbegräbnis. Das war vor ihr noch nie einer Frau zuteilgeworden.


Bücher von Dieter Wunderlich


Colette: Bibliografie (Auswahl)

  • Claudine-Romanreihe (1900 – 1903)
  • La vagabonde (1910; Renée Néré)
  • Mitsou ou Comment l'ésprit vient aux filles (1919; Mitsou)
  • Chéri (1920; Chéri)
  • La maison de Claudine (1922; Claudines Mädchenjahre)
  • La blé en l'herbe (1923; Erwachende Herzen)
  • La fin de Chéri (1926; Chéris Ende)
  • Sido (1929; Sido)
  • La chatte (1933; Eifersucht)
  • Duo (1934; Duett)
  • De ma fenêtre (1941; Paris durch mein Fenster)
  • Gigi (1945; Gigi)

Verfilmungen:

  • Gigi (Regie: Jacqueline Audry, 1948 – Gigi)
  • Minne, l'inguène libertine (Regie: Jacqueline Audry, 1950 – Die naive Sünderin)
  • Le blé en l'herbe (Regie: Claude Autant-Lara, 1954 – Erwachende Herzen)
  • Mitsou (Regie: Jacqueline Audry, 1956 – Mitsou und die Männer)
  • Claudine à l'école (Regie: Edouard Molinaro, 1977 – Claudine in der Schule)
  • Claudine s'en va (Regie: Edouard Molinaro, 1977 – Claudine geht)
  • Claudine en menage (Regie: Edouard Molinaro, 1977 – Claudines Eheleben)
  • Claudine à Paris (Regie: Edouard Molinaro, 1977 – Claudine in Paris)
  • Le blé en l'herbe (Regie: Serge Meynard, 1989 – Erwachende Herzen)
  • Bella Vista (Regie: Alfredo Arias, 1991 – Bella Vista)

Literatur über Colette:

  • Claude Francis und Fernande Gontier: Colette. Biografie (Übersetzung: Linda Gränz, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1998)
  • Herbert Lottman: Colette. Eine Biografie (Übersetzung: Roselie und Saskia Bontjes van Beek, Zsolnay, Wien 1991)
  • Yvonne Mitchell: Colette. Eine Biografie (Übersetzung: Hanna Lux; Fischer,
    Frankfurt/M. 1979)
  • Joanna Richardson: Colette. Leidenschaft und Sensibilität (Übersetzung: Renate Zeschitz, Heyne, München 1985)
  • Judith Thurman: Colette. Roman ihres Lebens (Übersetzung: Brigitte Flickinger, Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin 2003)

© Dieter Wunderlich 2007

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Sidonie-Gabrielle Colette: Mitsou



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