Kein Sterbenswort

Kein Sterbenswort

Kein Sterbenswort

Kein Sterbenswort – Originaltitel: Ne le dis à personne – Regie: Guillaume Canet – Drehbuch: Guillaume Canet und Philippe Lefebvre, nach dem Roman "Kein Sterbenswort" von Harlan Coben – Kamera: Christophe Offenstein – Schnitt: Hervé de Luze – Musik: Mathieu Chedid – Darsteller: François Cluzet, Marie-Josée Croze, André Dussollier, Kristin Scott Thomas, François Berléand, Nathalie Baye, Jean Rochefort, Marina Hands, Gilles Lellouche, Philippe Lefebvre, Florence Thomassin, Olivier Marchal, Guillaume Canet u.a. – 2006; 130 Minuten

Inhaltsangabe

An einem abgelegenen See hört der Kinderarzt Alexandre Beck einen Schrei seiner Ehefrau Margot. Er eilt hin, verliert jedoch durch einen Hieb das Bewusstsein und kommt erst im Krankenhaus wieder zu sich. Sein Schwiegervater Jacques Laurentin identifiziert eine schlimm zugerichtete Leiche als die seiner Tochter. 8 Jahre später erhält Alexandre ein Video von seiner Frau. In einem Park möchte sie sich mit ihm treffen ...
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Kritik

Der Thriller "Kein Sterbenswort" – die Verfilmung eines Romans von Harlan Coben – ist ein Vexierspiel. Nach und nach erkennt der Zuschauer die Zusammenhänge, aber bis zum Schluss wird er von neuen Wendungen überrascht.
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Der Kinderarzt Alexandre Beck (François Cluzet) und seine Ehefrau Margot (Marie-Josée Croze) aus Marseille verbringen einen Nachmittag an einem Waldsee, der zu ihrem Privatbesitz gehört. Die beiden kannten sich schon als Kinder (Robin Marmisse, Marie Martin) und sind seither unzertrennlich. Es ist schon dunkel, als Margot von einer kleinen Holzplattform im See zum Ufer schwimmt. Alexandre hört einen Schrei von ihr. So schnell er kann folgt er ihr. Als er aus dem Wasser steigt, bekommt er einen Hieb mit einem Baseballschläger und kippt bewusstlos zurück in den See.

Im Krankenhaus kommt er wieder zu sich. Man fand ihn nach einem anonymen Anruf auf dem Bootssteg. Wie er dort hinkam, ist ein Rätsel.

Ein paar Tage später identifiziert sein Schwiegervater Jacques Laurentin (André Dussollier), der selbst Polizist ist, eine schrecklich zugerichtete Frauenleiche als die seiner Tochter Margot. Vorübergehend gerät Alexandre unter Mordverdacht, weil er von der Lebensversicherung seiner Frau 200 000 Francs bekommt. Dann nimmt man an, dass Margot zu den Opfern eines bald darauf gefassten Serienmörders zählt.

Acht Jahre später werden in der Nähe des Waldsees zwei männliche Leichen gefunden. Bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung ergibt sich, dass sie vor Jahren ermordet wurden. Einer der Männer hatte einen Baseballschläger bei sich, an dem die Polizei Blutspuren sicherstellt, die von Alexandre stammen. Die Ermittlungen im Fall Margot Beck werden daraufhin neu aufgenommen.

Kommissar Eric Levkowitch (François Berléand) zeigt Alexandre Fotos, die in einem Schließfach lagen, zu dem einer der Toten den Schlüssel bei sich hatte. Darauf ist Margot mit massiven Hämatomen und Verletzungen im Gesicht zu sehen. Ob Alexandre seine Frau geschlagen habe? Entrüstet weist er den Verdacht von sich. Er kennt zwar die Fotos nicht, aber Margot erklärte ihm damals die Verletzungen mit einem Verkehrsunfall, den sie mit dem Wagen einer Freundin gehabt hatte, während er bei einem Ärztekongress in Bordeaux gewesen war.

Weil die Polizei bezweifelt, dass Margot bei einem Unfall verletzt wurde, wird erneut gegen Alexandre ermittelt. Hélène Perkins (Kristin Scott Thomas), die reiche Lebensgefährtin seiner lesbischen Schwester Anne (Marina Hands), engagiert die Rechtsanwältin Elysabeth Feldman (Nathalie Baye) für ihn.

Unvermittelt erhält Alexandre auf seinem Computer ein Video, auf dem eine Frau, die wie Margot aussieht, in einer U-Bahn-Station in die Kamera blickt und dann wieder in der Menge verschwindet. Sie will sich mit ihm in einem Park treffen.

Charlotte Bertaud (Florence Thomassin), Margots beste Freundin, wird grausam ermordet. Offenbar hat man sie vor ihrem Tod gefoltert. Als Zuschauer wissen wir, dass der Verbrecher Bernard Valenti (Olivier Marchal) von ihr erfahren wollte, wo Margot sich aufhält. Die Tatwaffe wird bei einer polizeilichen Durchsuchung in Alexandres Haus gefunden. Elysabeth Feldman warnt ihren Mandanten telefonisch vor der unmittelbar bevorstehenden Verhaftung. Er springt aus dem Fenster seiner Praxis und rennt fort, wird aber sofort von Polizisten verfolgt.

Der Gangster Bruno (Gilles Lellouche), der dankbar ist, weil Alexandre sich um sein verletztes Kind kümmerte, rettet ihn vor dem Zugriff der Polizei.

Zum in der E-Mail angegebenen Zeitpunkt wartet Alexandre auf einer Bank im Park auf Margot oder deren Doppelgängerin. Sie nähert sich, merkt jedoch, dass er beschattet wird und verschwindet sofort wieder. Als Alexandre das Warten aufgibt, lässt ihn Valenti von zwei Komplizen in einem Lieferwagen entführen. Bruno hat jedoch weiterhin ein Auge auf den Kinderarzt und befreit ihn. Weil er dabei die für Valenti arbeitende Kampfsportlerin Zak (Mikaela Fisher) auf offener Straße erschießt, muss er sich selbst für eine Weile ins Ausland absetzen.

Elysabeth Feldman weist nach, dass ihr Mandant Charlotte nicht ermordet haben kann, weil er für die Tatzeit ein Alibi hat. Kommissar Eric Levkowitch entschuldigt sich bei Alexandre.

Anne Beck gesteht Alexandre, die Fotos von den Hämatomen und Verletzungen ihrer Schwägerin gemacht zu haben. Philippe Neuville (Guillaume Canet), der Sohn des reichen, einflussreichen Pferdezüchters Gilbert Neuville (Jean Rochefort), habe Margot so zugerichtet, als sie ihn wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zur Rede stellte. Margot ließ damals die Fotos als Beweismaterial machen, ging jedoch nicht zur Polizei und erzählte selbst ihrem Ehemann die Lüge von dem Verkehrsunfall. Anne musste ihr versprechen, niemandem die Wahrheit zu verraten.

Alexandre fordert den acht Jahre alten Autopsiebericht an. Darin steht, die Tote sei heroinsüchtig gewesen. Die angegebene Körpergröße passt nicht zu Margot. Alexandre will die Fotos sehen, die von der Leiche gemacht worden waren, aber die hat jemand aus der Akte gestohlen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Alexandres inzwischen pensionierter Schwiegervater war damals noch bei der Polizei. Er könnte die Fotos genommen haben. Hatte er auch mit Margots Verschwinden zu tun? Alexandre sucht ihn auf. Jacques Laurentin empfängt ihn mit einem Revolver in der Hand. Seine Frau Martine (Martine Chevallier) ist nicht zu Hause. Während er seinen aufgebrachten Schwiegersohn mit der Waffe auf Distanz hält, legt er ein Geständnis ab.

Vor acht Jahren erfuhr Margot von einem Kind, das sie im Rahmen eines Sozialprojekts betreute, dass es von Philippe Neuville missbraucht worden war. Sie stellte ihn zur Rede. Er geriet in Wut und schlug sie brutal zusammen. Da kam Laurentin dazu und erschoss ihn mit einem Jagdgewehr, das Alexandres Vater François (Philippe Canet) gehörte. Die Leiche ließ er verschwinden.

Weil Laurentin ahnte, dass Philippes Vater den Tod seines Sohnes rächen würde, beschattete er Margot und Alexandre auch an dem Abend am See und beobachtete, wie die beiden nacheinander von zwei Kriminellen offenbar im Auftrag des Gutsbesitzers zusammengeschlagen wurden. Er zog seinen bewusstlosen Schwiegersohn aus dem Wasser, legte ihn auf den Bootssteg und verständigte anonym die Polizei. Margot nahm er mit und schickte sie nach Madrid, wo er sie in Sicherheit wähnte. Weil sie sonst nicht nach Spanien gereist wäre, erzählte er ihr, Gilbert Neuville habe Alexandre von zwei Profikillern ermorden lassen.

Kurz darauf stieß er bei seiner Polizeiarbeit auf die Leiche einer heroinsüchtigen Prostituierten und identifizierte sie wider besseren Wissens als die seiner Tochter, um deren Tod vorzutäuschen.

Durch die Medienberichte über die Wiederaufnahme der Ermittlungen habe Margot in Madrid erfahren, dass ihr Mann lebt, meint Laurentin. Daraufhin kam sie zurück und nahm Kontakt mit Alexandre auf. Weil Gilbert Neuville inzwischen Laurentins Täuschungsmanöver durchschaute und Bernard Valenti nach ihr suchen ließ, wagte Margot es allerdings nicht, sich offen zu zeigen.

Jacques Laurentin klärt Alexandre auch darüber auf, dass dessen Vater nicht bei einem Jagdunfall starb, sondern von Gilbert Neuville ermordet wurde, weil er Philippe mit einem kleinen Mädchen im Pferdestall ertappt und ihn deshalb angezeigt hatte. Laurentin ließ damals die Anzeige verschwinden und half dem Gutsbesitzer dabei, einen Jagdunfall vorzutäuschen, obwohl er es besser wusste.

Während der ganzen Zeit hört die Polizei mit, denn Alexandre trägt unter dem Hemd ein Mikrofon und einen Sender. Laurentins Geständnis wird aufgezeichnet. Kommissar Levkowitch und seine Männer haben Laurentins Haus umstellt. Alexandre kommt entsetzt heraus. Er steht noch vor der Tür, als ein Schuss zu hören ist: Jacques Laurentin hat sich selbst gerichtet [Suizid].

Im Auto denkt Alexandre noch einmal über das Gehörte nach. Sein Schwiegervater wusste offenbar, dass die Polizei sein Geständnis mithörte. Alexandre vermutet, dass Philippe Neuville nicht von ihm, sondern von Margot erschossen worden war. Jacques Laurentin, der als korrupter Polizist schwere Schuld auf sich geladen hatte, nahm den Mord auf sich, damit Margot und Alexandre zusammen weiterleben können.

Gilbert Neuville wird während eines Springreitturniers verhaftet.

Alexandre fährt zu dem Waldsee, an dem alles begann. Kurz nach ihm tritt Margot aus dem Rhododendron-Hain am Ufer.

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Das Drehbuch basiert auf dem 2001 von dem amerikanischen Schriftsteller Harlan Coben (* 1962) veröffentlichten Roman „Tell No One“ („Kein Sterbenswort“, Übersetzung: Gunnar Kwisinski, Goldmann Verlag, München 2004).

Wie in „Vertigo“ taucht auch in „Kein Sterbenswort“ eine tot geglaubte Frau auf rätselhafte Weise wieder auf. Guillaume Canet lässt sich Zeit, das Vexierspiel zu entwickeln. In gut durchdachten Dosen zeigt er aufschlussreiche Details; geschickt baut er Rückblenden ein und überrascht die Zuschauer mit neuen Wendungen, bis er am Ende (fast) alles aufklärt und eine letzte Volte schlägt.

Die Besetzung von „Kein Sterbenswort“ ist bis in die Nebenrollen hochkarätig.

Bei der Verleihung des „César“, des bedeutendsten französischen Filmpreises, am 24. Februar 2007 im Théâtre du Châtelet in Paris wurde „Kein Sterbenswort“ mit vier Trophäen ausgezeichnet, und zwar in den Kategorien Regie (Guillaume Canet), Hauptdarsteller (François Cluzet), Schnitt (Hervé de Luze) und Musik (Mathieu Chedid). Nominiert hatte man auch André Dussollier (Nebenrolle), Christophe Offenstein (Kamera), Pierre Gamet, Jean Goudier und Gérard Lamps (Ton).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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