Kleine Schwester

Kleine Schwester

Kleine Schwester

Originaltitel: Kleine Schwester - Regie: Sabine Derflinger - Drehbuch: Nanouk C. Wilmer - Kamera: Bernhard Pötscher - Schnitt: Dora Vajda - Musik: Ulrich Reuter - Darsteller: Maria Simon, Esther Zimmering, Benno Fürmann, Michael Gwisdek, Uwe Kockisch, André Szymanski, Peter Moltzen, Sebastian Weber, Albrecht Grötzsch, Lilli Jung, Fanny Staffa, Susanna Kraus u.a. - 2004; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Kathrin ist eine junge Frau aus Sachsen, die von ihrem Ehrgeiz in den Westen getrieben wurde und als BGS-Beamtin und Verlobte eines Hauptkommissars aus Hannover wieder zurückkommt. Als sie zufällig ihre jüngere Halbschwester Romy trifft, die den Absprung nicht geschafft hat, wird sie mit ihrer Herkunft konfrontiert ...

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Kritik

Vor dem Hintergrund von Schleusern und Neonazis, Arbeitslosigkeit und Ausländerfeindlichkeit an der sächsisch-tschechischen Grenze geht Sabine Derflinger der Frage nach, wie junge Menschen aus Ostdeutschland mit der Wende klarkommen, was Familie und Heimat für sie bedeuten: "Kleine Schwester".
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Die fünfundzwanzigjährige BGS-Beamtin Kathrin Rubakow (Maria Simon) stammt aus Sachsen, war aber von ihrem Ehrgeiz in den Westen getrieben worden. Nach vier Jahren Dienst in den alten Bundesländern wird sie zu einer von Hauptkommissar Ulf Weinhold (Benno Führmann) geleiteten BGS-Einheit an der sächsisch-tschechischen Grenze versetzt, deren Aufgabe es vor allem ist, Schleuserbanden aufzuspüren. Die Kollegen tuscheln bald, weil sie merken, dass Ulf und die Neue zusammenleben. Der Hannoveraner will Kathrin heiraten und sich mit ihr nach Berlin versetzen lassen.

Beim Einkaufen in einem Bekleidungsgeschäft trifft Kathrin zufällig ihre jüngere Halbschwester Romy (Esther Zimmering), die sie seit Jahren nicht gesehen hat, und wird durch diese Begegnung daran erinnert, wie der Vater sie und ihre Mutter verlassen hatte, als sie fünf Jahre alt gewesen war. Romy ist das Kind seiner zweiten Frau. Im Gegensatz zu Kathrin hat sie den Absprung nicht geschafft und verdient ihr Geld als Arbeiterin in einer Backwarenfabrik. Es soll eine Überraschung sein, als Romy mit ihrem Freund „Schnaubi“ (André Szymanski) und Kathrin zu ihrem Vater (Michael Gwisdek) fährt, der irgendwo auf dem Land als Kleingärtner lebt, seine Erzeugnisse in einem Verkaufswagen anbietet und seine spärliche Habe durch hohe Metallzäune sichert. Das sei nötig, erklärt er Kathrin, weil ihm sonst die Zigeuner alles stehlen würden. Er zahle jedem 1000 Euro, der ihm einen Zigeuner fange. Schnaubi wetteifert mit ihm bei der Formulierung fremdenfeindlicher Parolen. Kathrin verabscheut die rechtsradikalen Sprüche der beiden, steht abrupt auf und geht.

Weil Romy ihren Freund wegen seines Verhaltens kritisiert, verprügelt er sie. Da sucht sie bei ihrer Schwester in Ulfs Wohnung Zuflucht.

Während einer Radtour mit Ulf entdeckt Kathrin in einem Geschäft eine CD der Neonazi-Band „Sachsensturm“, auf der Schnaubi abgebildet ist. Er ist er Bandleader! Kathrin stellt ihre Schwester deshalb zur Rede, aber Romy meint: „Reden alle Scheiße in der Clique, aber Hauptsache, man gehört irgendwo dazu.“ Kathrin wirft ihr vor, dumm und verantwortungslos zu handeln.

Eines Nachts, als Kathrin mit ihrem alkoholkranken, schmuddeligen und nörgelnden Kollegen Herbert (Uwe Kockisch) den als Kontaktperson der Schleuser verdächtigen Betreiber eines Schnellimbisses observiert, lässt Ulf sich von Romy verführen. Kathrin wundert sich, weil das Bett frisch bezogen ist, lässt sich aber von Ulf mit der Lüge abspeisen, er habe etwas verschüttet.

Einen der Männer, die sich in dieser Nacht mit dem Observierten trafen, erkannte Kathrin: Schnaubi! Ist er der gesuchte Schleuser tamilischer Flüchtlinge? Um mehr über ihn herauszufinden, befragt sie ihre Schwester. Romy, die eifersüchtig auf den Erfolg Kathrins ist, keift, Ulf sei auch nicht besser als Schnaubi und im Bett ein völliger Versager.

Nach einem weiteren Streit der Schwestern taucht Romy blind vor Wut bei Kathrin in der Wohnung auf und schlägt sie mit einem Hammer nieder.

Im Krankenhaus kommt Kathrin wieder zu sich. Ulf sitzt an ihrem Bett und erzählt ihr, man habe Romy durch die Anklage wegen versuchten Mordes so unter Druck gesetzt, dass sie bereit sei, als Hauptbelastungszeugin gegen Schnaubi auszusagen. Er bereut, dass er mit Romy im Bett war, hofft zuversichtlich, dass Kathrin ihm verzeiht und freut sich darauf, mit ihr nach Berlin versetzt zu werden. Kathrin stellt klar, dass sie mit ihm nirgendwo mehr hinfahren wird.

Nicht von ihm, sondern von ihrem Kollegen Herbert lässt Kathrin sich nach ihrer Genesung zur Justizvollzugsanstalt fahren, wo sie Romy besucht. „Ich weiß, dass du mich nicht umbringen wolltest“, beruhigt sie ihre jüngere Schwester und versichert ihr, sie könne von jetzt an immer auf sie zählen.

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Das Fernsehdrama „Kleine Schwester“, eine Mischung aus Polizeifilm und psychologischer Studie, handelt von Schleusern und Neonazis, Arbeitslosigkeit und Ausländerfeindlichkeit, von den Eifersüchteleien in einer BGS-Einheit, einer scheiternden Liebe und der Beziehung zweier grundverschiedener Schwestern. Sabine Derflinger geht der Frage nach, wie junge Menschen aus Ostdeutschland mit der Wende klarkommen, was Familie und Heimat für sie bedeuten. Neben der straffen und authentisch wirkenden Inszenierung sind die Schauspieler hervorzuheben, allen voran Maria Simon und Esther Zimmering, aber auch Benno Führmann, Michael Gwisdek und Uwe Kockisch.

Beim Filmfest München 2004 wurde „Kleine Schwester“ mit dem Produzentenpreis ausgezeichnet.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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