Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

Three Burials. Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada – Originaltitel: The Three Burials of Melquiades Estrada – Regie: Tommy Lee Jones – Drehbuch: Guillermo Arriaga – Kamera: Chris Menges – Schnitt: Roberto Silvi – Musik: Marco Beltrami – Darsteller: Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Mel Rodriguez u.a. – 2005; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Der Grenzpolizist Mike Norton erschießt in Texas versehentlich den hier seit Jahren illegal arbeitenden mexikanischen Ziegenhirten Melquiades Estrada. Sein Vorgesetzter und der zuständige Sheriff wollen den Zwischenfall vertuschen, aber der Cowboy Pete Perkins, der mit Estrada befreundet war, forscht nach, bis er Norton gefunden hat. Er zwingt ihn, den Toten auszugraben und reitet mit ihm und der Leiche nach Mexiko ...
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Kritik

In grandiosen Bildern, wortkarg und unaufgeregt erzählt Tommy Lee Jones von Menschen, die in Scheinwelten flüchten. Das gleichnishafte Drama dreht sich um Schuld, Sühne, Läuterung und Vergebung.
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Mike Norton (Barry Pepper), ein junger, brutaler Beamter der U. S. Border Patrol, wird von Cincinatti, Ohio, in eine texanische Kleinstadt versetzt und kauft dort mit seiner Ehefrau Lou Ann (January Jones) ein mobiles Haus. Dass Lou Ann sich in der Abgeschiedenheit des neuen Wohnorts langweilt, interessiert Mike nicht. Umgekehrt ist die Empathie auch nicht stärker: Wenn er ihr in der Küche ohne den geringsten Ansatz von Zärtlichkeiten den Slip herunterzieht, beugt sie sich nur teilnahmslos nach vorn, und während er sie von hinten nimmt, schaut sie weiter eine Seifenoper im Fernsehen an.

Als Mike allein auf Patrouille ist, ein Hustler-Magazin aufschlägt und masturbiert, hört er Schüsse. Mike reißt sich die Hose hoch, rennt zu seinem Wagen, nimmt das Gewehr und erschießt den etwa dreihundert Meter entfernten neben einer Ziegenherde stehenden Mann, von dem er annimmt, er habe auf ihn geschossen. Er beobachtet, wie der Mann von einem Schuss umgeworfen wird. Vorsichtig nähert er sich. In der Nähe jault ein verletzter Kojote. Da begreift Mike, dass er einen Ziegenhirten tötete, der nicht auf ihn, sondern auf Kojoten geschossen hatte. Er zerrt die Leiche fort und verscharrt sie notdürftig.

Eine Woche später finden Grenzpolizisten die halb verweste und von Kojoten angefressene Leiche.

Bei dem Toten handelt es sich um den mexikanischen Landarbeiter Melquiades Estrada (Julio César Cedillo), der sich seit mehr als fünf Jahren illegal in den USA aufhielt. Mikes Vorgesetzter, Captain Gomez (Mel Rodriguez), unterrichtet Frank Belmont (Dwight Yoakam), den zuständigen Sheriff, über den Vorfall, behauptet aber, Estrada habe zuerst auf den Grenzpolizisten geschossen. Belmont verspricht Gomez, die Sache zu vertuschen und lässt Melquiades Estrada rasch begraben.

Der Cowboy Pete Perkins (Tommy Lee Jones), der mit Melquiades Estrada befreundet war, beginnt jedoch mit eigenen Nachforschungen. Sein Verdacht, dass Estrada von einem Grenzpolizisten erschossen wurde, erhärtet sich, als Rachel (Melissa Leo) ihm von dem Gespräch zwischen Gomez und Belmont berichtet, das sie belauschte. Rachel betreibt mit ihrem Ehemann Bob (Richard Jones) zusammen ein Schnellrestaurant und geht aus Langeweile zwischendurch sowohl mit Pete als auch mit dem Sheriff ins Bett.

Pete fordert Belmont auf, Mike Norton zu verhaften, aber der Sheriff unternimmt nichts. Daraufhin greift Pete zur Selbsthilfe. Er überfällt das Ehepaar Norton, fesselt Lou Ann auf einen Stuhl, legt ihr eine Decke um und schaltet ihr das Fernsehgerät ein. Dann nimmt er Mike, der sich selbst Handschellen anlegen musste, in seinem Pick-up mit zu Estradas Grab und zwingt ihn, den Toten auszugraben.

Melquiades Estrada hatte Pete vor einiger Zeit das Foto einer Frau und ihrer beiden Kinder gezeigt. Er habe Emilia und die Kinder seit fünf Jahren nicht mehr gesehen, erzählte er. Für den Fall, dass Estrada etwas zustoßen sollte, musste Pete ihm versprechen, seine Leiche nach Mexiko zu bringen, zu seiner Frau Emilia in dem Dorf Jiménez.

Pete und Mike binden die Leiche auf ein Maultier und machen sich mit einem weiteren Maultier und zwei Pferden auf den Weg.

Am nächsten Morgen wird Lou Ann gefunden und befreit. Sheriff Belmont, Captain Gomez und ihre Männer machen sich auf die Suche nach Pete und Mike.

Die beiden treffen unterwegs auf einen blinden Greis (Levon Helm), der im Radio eine mexikanische Sendung anhört, obwohl er kein Spanisch versteht. Einsam lebt er in seinem abgelegenen Haus. Sein Sohn brachte ihm jede Woche Lebensmittel vorbei, aber seit einem halben Jahr hat der Alte nichts mehr von ihm gehört. Da der Sohn an Krebs erkrankt war, nimmt er an, dass er tot ist. Aus religiösen Gründen scheut der Greis vor einem Suizid zurück. Pete soll ihn erschießen. Aber das bringt der Cowboy nicht fertig.

Mike versucht zu fliehen. In einer Höhle, in der er Zuflucht sucht, wird er von einer Klapperschlange gebissen. Eine Gruppe illegaler Grenzgänger entdeckt ihn. Pete lässt sich, den Bewusstlosen und die Leiche von einem der Latinos (Ignacio Guadalupe) über die Grenze nach Mexiko bringen, zu einer jungen Frau, die sich mit Heilkräutern auskennt. Es handelt sich ausgerechnet um Mariana (Vanessa Bauche), die vor kurzem versucht hatte, illegal in die USA zu kommen und dabei von Mike aufgegriffen und brutal zusammengeschlagen worden war. Ihre gebrochene Nase ist noch verbunden. Dennoch lässt sie sich von Pete überreden, Mike das Leben zu retten. Sobald es dem Grenzpolizisten jedoch besser geht, rächt sie sich an ihm und verbrüht ihn mit kochend heißem Kaffee.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Endlich erreichen Pete und Mike eine mexikanische Kleinstadt, in deren Nähe sich Jimenéz befinden soll. Aber die Leute, die Pete fragt, versichern ihm, nie von dem Ort gehört zu haben. Auch den Namen Melquiades Estrada kennt hier niemand. Nur die Frau auf dem Foto ist bekannt. Sie heißt allerdings nicht Emilia, sondern Rosa (Cecilia Suárez). Pete sucht sie auf. Die Frau, die hier mit ihrem Ehemann und ihren Kindern wohnt, weiß nichts von einem Melquiades Estrada und wundert sich, wie ihr Foto in die Hände des Fremden gekommen ist.

Obwohl Pete klar wird, dass er einem Wunschtraum Estradas aufgesessen ist, sucht er weiter nach Jimenéz, bis er mit Mike zur Ruine eines Hauses in einem Tal kommt. Die beiden Männer setzen das Dach und die Mauern wieder instand und begraben Melquiades Estrada zum dritten Mal. Dann verlangt Pete von Mike, vor dem Foto, das angeblich Estradas Familie zeigt, auf die Knie zu gehen und um Vergebung zu bitten. Das tut Mike aus ganzem Herzen; er bereut inzwischen zutiefst, den Mexikaner erschossen zu haben.

Am anderen Morgen überlässt Pete dem Geläuterten eines der Pferde und reitet davon.

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Am 20. Mai 1997, sechs Tage nach seinem 18. Geburtstag, wurde der amerikanische Schüler Esequiel Hernandez jr. von einem Soldaten der U. S. Marines in Redford, Texas, erschossen. Er hatte etwa eine Meile von der mexikanischen Grenze entfernt eine Ziegenherde gehütet, war aber von Corporal Clemente Bañuelos für einen Drogenschmuggler gehalten worden. Die Familie erhielt 1,9 Millionen Dollar von der US-Regierung, aber es kam nie zu einer Anklage gegen Clemente Bañuelos, geschweige denn zu einer Verurteilung.

Dieser Fall inspirierte Guillermo Arriaga (Drehbuch) und Tommy Lee Jones (Produktion, Regie, Hauptrolle) zu dem Film „Three Burials. Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“. Obwohl es sich um eine Mischung aus Roadmovie und Neo-Western handelt, geht es nicht um die Mythen des Wilden Westens, sondern um den schmutzigen Alltag nördlich der mexikanischen Grenze, wo illegale Einwanderer rücksichtsloser als anderswo verfolgt werden. Tommy Lee Jones erweist den Betroffenen mit „Three Burials. Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ Respekt.

Die Menschen flüchten sich in Scheinwelten: Lou Ann Norton schlägt die Zeit tot, indem sie Seifenopern verfolgt. Ihr Ehemann Mike masturbiert beim Anblick der Bilder in einem Männermagazin. Und der Mexikaner Melquiades Estrada, ein illegaler Landarbeiter in Texas, stellt sich vor, er habe eine Familie und eine Heimat. Das gleichnishafte Drama dreht sich um Schuld, Sühne und Vergebung. Dabei ist der Weg zur Läuterung zunehmend absurd.

Tommy Lee Jones erzählt die Geschichte wortkarg und unaufgeregt in grandiosen Bildern (Kamera: Chris Menges). Die Kapitelüberschriften – Das erste Begräbnis, Das zweite Begräbnis, Die Reise, Das dritte Begräbnis – lassen eine chronologische Entwicklung der Handlung erwarten. Tatsächlich wechselt Tommy Lee Jones jedoch ruhig zwischen der Gegenwart und Erinnerungen der Figur Pete Perkins hin und her.

Gedreht wurde „Three Burials. Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ von Ende September bis Anfang Dezember 2004 in Texas.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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