Andy Warhol's Frankenstein

Andy Warhol’s Frankenstein

Andy Warhol's Frankenstein

Originaltitel: Andy Warhol's Frankenstein / Flesh for Frankenstein - Regie: Paul Morrissey, Antonio Margheriti - Drehbuch: Paul Morrissey und Tonino Guerra, nach Motiven aus dem Roman "Frankenstein oder Der moderne Prometheus" von Mary Shelley - Kamera: Luigi Kuveiller - Schnitt: Jed Johnson, Franca Silvi - Musik: Claudio Gizzi - Darsteller: Joe Dallesandro, Monique van Vooren, Udo Kier, Arno Juerging, Dalila Di Lazzaro, Srdjan Zelenovic, Nicoletta Elmi, Liv Bosisio, Cristina Galoni, Marco Liofredi, Carla Mancini, Fiorella Masselli, Rosita Torosh, Imelde Marani u.a. - 1973; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Mit seinem Assistenten arbeitet Baron Frankenstein daran, ein perfektes Paar zu schaffen: die Eltern einer neuen, höheren Menschenrasse. Für den künstlichen Mann fehlt ihm noch ein passender Kopf. Den schneidet er versehentlich nicht dem heterosexuell aktiven Landarbeiter Nicholas ab, sondern dessen Freund Sacha, der sich nichts aus Frauen macht ...
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Kritik

Die Handlung des 1818 veröffentlichten Schauerromans "Frankenstein oder Der moderne Prometheus" von Mary Shelley diente Paul Morrissey nur als Grundidee. Davon ausgehend entwickelte er eine Fülle abstruser Einfälle und bizarrer Effekte.
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Unterstützt von seinem Assistenten Otto (Arno Juerging) arbeitet Baron Frankenstein (Udo Kier) in einem Schloss auf dem Balkan daran, aus Leichenteilen einen perfekten Mann und eine ebenso vollendete Frau zu schaffen, die schließlich die Eltern einer neuen, höheren Menschenrasse werden sollen. Die Frau (Dalila di Lazzaro) braucht nur noch zum Leben erweckt zu werden, aber für den Mann fehlt Baron Frankenstein noch ein passender Kopf.

Katrin (Monique van Vooren), die Ehefrau und Schwester des Barons, langweilt sich und fühlt sich vernachlässigt. Als der Nymphomanin auffällt, dass der neue junge Landarbeiter Nicholas (Joe Dallesandro) es unermüdlich mit den Mägden treibt, bestellt sie ihn aufs Schloss …

Am Abend vor dem Termin bei der Baronin zieht es Nicholas ins Bordell, und er überredet seinen noch jungfräulichen Freund Sacha (Srdjan Zelenovic), ihn zu begleiten. Sacha, der eigentlich Mönch werden möchte, kann mit den aufreizenden Prostituierten nichts anfangen, aber die beiden Freunde sprechen dem Alkohol zu und sind betrunken, als sie nachts das Bordell verlassen. Draußen lauern Baron Frankenstein und Otto. Nicht zuletzt wegen Nicholas enormer Potenz halten sie seinen Kopf für geeignet, denn das von ihnen geschaffene Paar soll sich ja eifrig vermehren. Kurzerhand überfallen sie die beiden Betrunkenen – verwechseln sie jedoch im Dunkeln und schneiden versehentlich Sacha mit einer Gartenschere den Kopf ab.

Am nächsten Morgen, als Nicholas aus seinem Rausch erwacht, erschrickt er über die kopflose Leiche seines Freundes. Nachdem er sie vergraben hat, sucht er die Baronin auf, die ihn zu ihrem Diener macht und gleich mit ins Bett nimmt.

Inzwischen hat Baron Frankenstein mit Ottos Hilfe der männlichen Kreatur Sachas Kopf angenäht. Mit elektrischem Strom erweckt er das künstliche Paar zum Leben, aber das männliche Wesen zeigt keinerlei sexuelles Interesse an dem makellosen Körper der Frau.

Als Baron Frankenstein seine Kreaturen beim Abendessen vorstellt, erkennt Nicholas den Kopf des Monsters und nimmt sich vor, mehr über die Experimente Frankensteins herauszufinden. Während er im Schloss herumspioniert, bringt das männliche Monster die Baronin und den Baron um. Im Laboratorium wird Nicholas schließlich von den schweigsamen, inzwischen verwaisten Kindern Erik und Monica (Marco Liofredi, Nicoletta Elmi) überrascht, die ihrem Vater nacheifern. In ihren Händen funkeln Skalpelle …

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Die Handlung des Romans „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ von Mary Shelley diente Paul Morrissey nur als Grundidee. Davon ausgehend entwickelte er eine Fülle abstruser, bizarrer Einfälle, die seinem Film auch eine starke sexuelle Komponente gaben. „Andy Warhol’s Frankenstein“ / „Flesh for Frankenstein“ sah ich Mitte der Siebzigerjahre zum einzigen Mal, aber ich erinnere mich noch gut daran. Es handelt sich um eine schrille Groteske mit Effekten, die sich aus zwei Gründen ins Gedächtnis prägten: Sie waren technisch unbegreiflich und von seltener, allerdings durch Selbstironie gebrochener Brutalität. „Andy Warhol’s Frankenstein“ ist ein witziger Film mit zynischen Dialogen und einer maliziösen Schlusspointe. Im Kontrast zu einzelnen bestialischen Szenen wirken Bildersprache und Musikuntermaltung besonders ästhetisch.

Während der Film – USA: „Andy Warhol’s Frankenstein“; UK: „Flesh for Frankenstein“ – in den angelsächsischen Staaten als Pornografie verboten wurde, nahmen ihn deutsche Kinos unter dem Titel „Andy Warhols Frankenstein“ ins Programm.

Gedreht hatte man den Film in einer „Spacevision“ genannten 3D-Technik.

Das Original gilt inzwischen als verschollen, und es existieren angeblich überhaupt nur noch zwei „Spacevision“-Kopien von „Andy Warhol’s Frankenstein“ bzw. „Flesh for Frankenstein“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005/2006

Mary Shelley: Frankenstein oder Der moderne Prometheus

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