Liebe Amelie

Liebe Amelie

Liebe Amelie

Originaltitel: Liebe Amelie - Regie: Maris Pfeiffer - Drehbuch: Hannah Hollinger - Kamera: Torsten Breuer - Schnitt: Monika Abspacher - Musik: Franco Tortora - Darsteller: Maria Kwiatkowsky, Gabriela Maria Schmeide, Oliver Stokowski, Jule Romstedt u.a. - 2005; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz zieht der arbeitslose Bauingenieur Bernd Rowohlt mit seiner Frau Kristin und seiner 17-jährigen Tochter Amelie nach München. Kurz darauf unternimmt Amelie einen Selbstmordversuch. Statt auf die Ärzte zu hören und ihre manisch-depressive Tochter einer psychiatrischen Anstalt anzuvertrauen, sind Bernd und Kristin überzeugt, ihr mit viel Liebe und Zuwendung selbst helfen zu können ...
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Kritik

In dem realistischen, unprätentiösen Familiendrama "Liebe Amelie" wird auf eindringliche Weise veranschaulicht, dass manisch-depressive Menschen ärztliche Hilfe benötigen und es in der Regel nicht möglich ist, sie in der Familie zu heilen.

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Der seit einiger Zeit arbeitslose Ingenieur Bernd Rowohlt (Oliver Stokowski) zieht mit seiner Frau Kristin (Gabriela Maria Schmeide) und der siebzehnjährigen Tochter Amelie (Maria Kwiatkowsky) nach München, wo er bei einem Bauunternehmen eine neue Stelle gefunden hat. Kristin fängt bei der Sozialhilfe an und gewöhnt sich ebenso rasch ein wie ihr Mann.

Nur Amelie fühlt sich in der neuen Umgebung einsam. Sie schließt sich im Chemieraum ihres Gymnasiums ein und schluckt Zyankali. Weil sie gerade noch rechtzeitig gefunden und ins Krankenhaus gebracht wird, führt die Vergiftung nicht zu bleibenden Schäden. Die Eltern sind schockiert, zumal sie sich eingestehen müssen, dass der Suizidversuch keine Kurzschlusshandlung war. Wieso ahnten sie nichts von Amelies Selbstmordgedanken? Die behandelnde Ärztin rät Kristin dringend zu einer Gesprächstherapie für ihre Tochter, aber davon will die verstörte Mutter nichts wissen, denn sie ist überzeugt, ein gutes Verhältnis mit Amelie zu haben und selbst mit ihr reden zu können. Obwohl das Personal in der Sozialhilfe zu knapp ist, nimmt Kristin sich einige Tage frei, um sich ganz ihrer Tochter widmen zu können.

Als Amelie in der ersten Nacht zu Hause aufsteht und zur Toilette geht, wacht Bernd durch die Geräusche auf und schaut besorgt nach, was sie tut.

Beim Frühstück überfällt Kristin ihre Tochter mit Ideen, was sie an diesem Tag gemeinsam unternehmen könnten, doch Amelie sträubt sich gegen die Bemutterung und setzt sich aufs Dach, bis eine Nachbarin sie entdeckt und die Polizei alarmiert.

Als Amelie sich so weit erholt hat, dass sie wieder zur Schule gehen kann, will Kristin sie in ein Privatgymnasium bringen. Unterwegs läuft ihr jedoch ein betrunkener Obdachloser vors Auto. Amelie, die den Mann angeblickt hatte und sich einbildet, deshalb schuld an dem Unfall zu sein, lässt sich nicht davon abhalten, im Sanitätsauto mitzufahren. Als Kristin ins Krankenhaus kommt, erfährt sie, dass der Obdachlose nur leicht verletzt ist und aufgrund seiner Trunkenheit kaum etwas mitbekam, während Amelie unter Schock steht.

Obwohl Bernd neu in seiner Firma ist, vertraut man ihm die Projektleitung für den Umbau einer von einem Kosmetikunternehmen gekauften Fabrikhalle an. Rasch wird ihm klar, dass es sich um Labors für Tierversuche handelt, aber er schweigt dazu, denn er muss sich bewähren, wenn er seinen Arbeitsplatz behalten will.

Amelie liest in der Zeitung, dass das Bauunternehmen, in dem ihr Vater beschäftigt ist, für eine Kosmetikfirma arbeitet, die Tierversuche durchführt. Um dagegen zu protestieren, kettet sie sich nackt an das Tor des Bauunternehmens. Ihr Vater sieht sie durchs Bürofenster, läuft hin und hüllt sie in einen Mantel. Die Polizei will Amelie zunächst wegen Hausfriedensbruchs und Erregung öffentlichen Ärgernisses mit aufs Revier nehmen, aber Bernd, der sich Sorgen wegen der Labilität seiner Tochter macht, redet so lange auf die Beamten ein, bis sie bereit sind, Amelie stattdessen in ein Krankenhaus zu bringen. Dabei ahnt er nicht, dass es sich um eine Zwangseinweisung in eine geschlossene psychiatrische Anstalt handelt. Hilflos muss er zusehen, wie Amelie sich schreiend gegen die Pfleger wehrt, die sie einsperren.

Erst am nächsten Morgen dürfen Bernd und Kristin zu ihrer Tochter. Die Psychiaterin Dr. Funk erklärt ihnen, dass die Patientin manisch-depressiv sei und dringend professioneller Behandlung bedürfe, aber Kristin besteht darauf, Amelie mitzunehmen. Sie will nicht wahrhaben, dass ihre Tochter krank ist und hält den Selbstmordversuch inzwischen für einen „Ausrutscher“. Als Zugeständnis verspricht sie, mit Amelie zu einem Gespräch vorbeizukommen.

Wegen des spektakulären Protests seiner Tochter gegen Tierversuche gerät Bernd in seiner Firma in Schwierigkeiten. Als Kristin beobachtet, wie Bernd sich von seiner Kollegin Karla mit einem Wangenkuss verabschiedet, erinnert sie sich an einen früheren Seitensprung ihres Mannes und drängt ihn, wenigstens für ein paar Tage in eine Pension zu ziehen.

Eigentlich will Kristin ihre Tochter zu Dr. Funk begleiten, doch Amelie besteht darauf, allein hinzufahren. Als man ihr in der Klinik mitteilt, die Ärztin sei nicht zu sprechen, kehrt sie nach Hause zurück, schließt sich in ihrem Zimmer ein und wirft aus Zorn und Enttäuschung die Einrichtung aus dem Fenster.

Kristin ruft Bernd zu Hilfe und überredet ihn, ungeachtet seines Projekts mit ihr und Amelie in ihr Bootshaus zu fahren. Da werde Amelie auf andere Gedanken kommen, hofft sie.

Als die Eltern im Bett liegen, schleicht Amelie sich davon und fragt in einer Dorfkneipe einen jungen Mann, wo hier „etwas los“ sei. Sie verlässt dann zwar das Lokal allein, aber als er mit seinem Auto nachkommt und neben ihr hält, ersucht sie ihn, sie nach Hause zu fahren. Er heißt Gerd. Unvermittelt überlegt Amelie es sich anders und schlägt vor, schwimmen zu gehen. Am Seeufer mag Amelie sich jedoch nicht ausziehen.

Am anderen Morgen wird sie nackt am Ufer liegend gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Verletzungen im Genitalbereich deuten auf eine Vergewaltigung hin, aber Amelie schweigt.

Erst jetzt begreift Kristin, dass Amelie professioneller Hilfe bedarf und für einige Zeit in eine psychiatrische Anstalt muss.

Bernd gesteht Kristin, dass er neulich eine Nacht mit seiner Kollegin Karla verbrachte, und als die Baufirma ihm kündigt, zieht er allein nach Burghausen.

Nach ihrer Entlassung kehrt Amelie nicht zu ihrer Mutter zurück, sondern zieht mit ihrem Freund Lars, den sie während der Behandlung kennen lernte, in ein der psychiatrischen Klinik angeschlossenes Wohnhaus. Auch Bernd und Kristin stehen vor einem Neuanfang: Sie versöhnen sich und überlegen, ob sie in München, Burghausen oder vielleicht in Passau leben möchten.

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Maris Pfeiffer (Regie) und Hannah Hollinger (Drehbuch) veranschaulichen in ihrem realistischen, unprätentiösen Familiendrama „Liebe Amelie“ auf eindringliche Weise, dass manisch-depressive Menschen ärztliche Hilfe benötigen und es in der Regel nicht möglich ist, sie in der Familie zu heilen. Bernd und Kristin lieben ihre kranke Tochter Amelie und scheuen davor zurück, sie einer psychiatrischen Anstalt anzuvertrauen; sie machen sich vor, Amelies Suizidversuch sei nur ein „Ausrutscher“ gewesen und glauben zunächst, Amelies psychische Stabilität mit viel Liebe und Zuwendung selbst wieder herstellen zu können („wir kriegen das schon wieder hin“). Es dauert einige Zeit, bis sie einsehen, dass Amelie einer psychiatrischen Therapie bedarf und sie die Siebzehnjährige nicht noch enger an sich binden dürfen, sondern ihr im Gegenteil mehr Selbstständigkeit ermöglichen müssen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Nickolas Butler - Die Herzen der Männer
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Die Herzen der Männer

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