Wenn die Gondeln Trauer tragen

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Wenn die Gondeln Trauer tragen

Originaltitel: Don't Look Now - Regie: Nicolas Roeg - Drehbuch: Allan Scott und Chris Bryant, nach der Erzählung "Dreh dich nicht um" von Daphne Du Maurier - Kamera: Anthony B. Richmond (und Nicolas Roeg) - Schnitt: Graeme Clifford - Musik: Pino Donnagio - Darsteller: Julie Christie, Donald Sutherland, Hilary Mason, Celia Metania, Massimo Serato - 1973; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Die kleine Tochter von John und Laura Baxter ist im Teich ihres englischen Landhauses ertrunken. Bei Restaurierungsarbeiten im winterlichen Venedig versucht das Künstler-Ehepaar den Schicksalsschlag zu überwinden. Doch Venedig wird zum Schreckensszenario.
mehr erfahren

Kritik

Mit sorgfältig komponierten Bildern, einer grellen Farbdramaturgie, rasanten Schnitten, raffinierten Andeutungen und genau kalkulierten Wiederholungen gestaltete Nicolas Roeg einen subtilen poetischen Horrorfilm: "Wenn die Gondeln Trauer tragen".
mehr erfahren

John und Laura Baxter (Donald Sutherland, Julie Christie) sitzen an einem Sonntag im Wohnzimmer ihres englischen Landhauses, während ihre beiden Kinder Johnny und Christine (Nicholas Salter, Sharon Williams) im Garten spielen. Plötzlich sieht John auf einem Dia, das er in der Hand hält, Blut. Er springt auf, rennt nach draußen, zum Teich. Seine kleine Tochter – im feuerroten Mantel – treibt mit dem Gesicht nach unten im Wasser. John holt sie heraus und trägt sie zum Haus, aber sie ist bereits tot.

Im winterlichen Venedig versucht das Künstler-Ehepaar den Schicksalsschlag zu überwinden. John Baxter restauriert dort im Auftrag von Bischof Barbarrigo (Massimo Serato) eine Kirche. Johnny haben die Baxters in einem Internat in England untergebracht.

In einem Restaurant zeigt Laura zwei älteren Damen aus Schottland den Weg zum Waschraum und entfernt dort Wendy (Celia Matania) einen Fremdkörper aus dem Auge. Wendys Schwester Heather (Hilary Mason) wäre dazu nicht in der Lage, denn sie ist blind. Unvermittelt sagt die Blinde: „Ich sah ihr kleines Mädchen. Es lachte.“

Sie behauptet, Christine habe in einem roten Mantel zwischen den Eltern im Restaurant gesessen. Kreidebleich kehrt Laura an den Tisch zurück und fällt dort in Ohnmacht. Als sie John im Krankenhaus von dem Vorfall mit Heather berichtet, tut er das als Unsinn ab; er glaubt nicht an übersinnliche Fähigkeiten. Laura aber findet Trost in der Vorstellung, dass es ihrer toten Tochter im Jenseits gut geht. Als sie die beiden Damen zufällig wiedersieht, erzählt sie ihnen, wie Christine starb und dass ihr Mann plötzlich aufsprang und in den Garten lief, so als habe er etwas geahnt. „Er hat die Gabe“, stellt Heather fest. Sie und ihre Schwester laden Laura zum Tee ein. Dort sieht die Blinde offenbar etwas Furchtbares, denn sie gerät außer sich, keucht und stöhnt und drängt Laura zur Abreise aus Venedig: Ihr Mann sei hier in großer Gefahr. Christine wolle ihn warnen.

John, der in einer nahen Bar auf Laura gewartet hat, ist verärgert, als er das hört, denn er glaubt, das alles sei nur ein Symptom dafür, dass Laura den Tod ihrer Tochter noch immer nicht realisiert hat. „Christine ist tot!“, beschwört er sie.

Mitten in der Nacht rufen der Internatsleiter Anthony Babbage (David Tree) und seine Frau Mandy (Ann Rye) aus England an: Johnny verunglückte bei einer Feuerwehrübung und liegt mit dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Laura fliegt am Morgen mit der ersten Maschine nach London, und John verspricht, Bischof Barbarrigo um drei Wochen Urlaub zu bitten und am Wochenende nachzukommen.

Als John im Kirchenschiff hoch hinaufsteigt, um ein zu restaurierendes Mosaik aus der Nähe anzusehen, löst sich plötzlich ein Balken und zerschlägt die Plattform, auf der John steht. Der Künstler kann sich an einem von der Decke herabhängenden Seil festhalten, bis ihn die Arbeiter retten. Beinahe wäre er in die Tiefe gestürzt.

In Venedig treibt sich ein Serienmörder herum. John beobachtet zum zweiten Mal, wie eines der Opfer tot aus dem Wasser geholt wird.

Als er von seinem Hotel in den Palast des Bischofs umzieht, sieht er unterwegs ganz deutlich ein schwarzes Schiff mit einem Sarg und dahinter Laura und die beiden Schottinnen. Ein Trauerzug! Er ruft hinüber, aber Laura hört ihn nicht. Wieso ist Laura in Venedig? Sie flog doch am Morgen nach England! Wurde sie von den beiden Frauen in eine Falle gelockt und entführt? Sind Wendy und Heather für die Morde verantwortlich? Die Pension, in der Laura bei ihnen zu Besuch war, findet er nicht mehr. John geht zur Polizei. Inspektor Longhi (Renato Scarpa) nimmt die Aussage des Engländers ernst und lässt ihn observieren.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

John läuft durch die Gassen. Einmal entdeckt er auf der anderen Seite eines Kanals etwas wie ein Kind im roten Mantel mit der Kapuze über dem Kopf. Schließlich findet er doch noch die Pension, aber dort erfährt er, dass die beiden Schottinnen am Morgen vorzeitig abreisten. Kurz darauf werden sie in einer anderen Unterkunft verhaftet, aber bei den Verhören stellt sich heraus, dass sie nichts mit den Morden zu tun haben.

Laura ruft ihren Mann aus England an: Johnny geht es gut. Sie denkt nicht mehr daran, dass John versprach, ihr nachzukommen, sondern fliegt wieder nach Venedig.

Erneut sieht John das kleine Wesen im roten Kapuzenmantel, das ihn an Christine erinnert. Es läuft vor ihm her, und er folgt ihm in die zu restaurierende Kirche. Plötzlich bemerkt er, dass es sich nicht um ein Kind, sondern um eine Zwergin (Adelina Poerio) handelt. Im nächsten Augenblick durchtrennt sie ihm mit einem Messer die Halsschlagader. Der Sterbende sieht seine Frau mit den beiden Schottinnen in Trauerkleidung auf einer Gondel. Sie fährt zu seiner Bestattung. Da begreift er, dass er über hellseherische Fähigkeiten verfügt(e) und bereits auf dem Dia sein eigenes Blut fließen sah.

nach oben

Unter dem Titel „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ verfilmte Nicolas Roeg eine 1971 von Daphne Du Maurier (1907 – 1989) veröffentlichte Erzählung. Man ahnt auch bei alltäglichen Ereignissen ein Unheil. Alles wirkt bedrohlich. Nichts ist Zufall. Mit sorgfältig komponierten Bildern, einer grellen Farbdramaturgie, rasanten Schnitten, raffinierten Andeutungen und genau kalkulierten Wiederholungen gestaltete Nicolas Roeg diesen subtilen poetischen Horrorfilm.

Die viel diskutierte Sexszene des Ehepaars Baxter – eine Parallelmontage von Vorspiel, Koitus und Ankleiden – wurde später von Steven Soderbergh in „Out of Sight“ zitiert.

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002/2005

Kerstin Decker - Lou Andreas-Salomé. Der bittersüße Funke Ich
Kerstin Decker schreibt literarisch anspruchsvoll. Das Porträt, das sie in "Lou Andreas-Salomé. Der bittersüße Funke Ich" entwirft, ist farbig und lebendig. Außerdem weist es Tiefe auf.

Lou Andreas-Salomé. Der bittersüße Funke Ich

Kerstin Decker

Lou Andreas-Salomé. Der bittersüße Funke Ich

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.