Beate Uhse

Beate Uhse

Beate Uhse

Originaltitel: Beate Uhse. Das Recht auf Liebe – Regie: Hansjörg Thurn – Drehbuch: Timo Berndt – Kamera: Markus Hausen – Schnitt: Ingo Recker – Musik: Ulrich Reuter – Darsteller: Franka Potente, Hans Werner Meyer, Sylvester Groth, Henry Hübchen, Ray Fearon, Josefine Preuß, Miguel Herz-Kestranek, Bert Tischendorf, Sascha Weckwerth u.a. – 2011; 110 Minuten

Inhaltsangabe

1969 muss Beate Uhse sich wegen Unzucht vor Gericht verantworten. Außerdem läuft das Scheidungsverfahren. Die 50-Jährige erzählt ihrer neuen Eroberung, einem zehn Jahre jüngeren Afroamerikaner, ihre Lebensgeschichte, von ihrer Flucht aus Berlin 1945 bis zum gegenwärtigen Prozess. Dabei konzentriert sie sich auf ihre Verfolgung durch den Staatsanwalt Martin Volke, einen Repräsentanten der ebenso spießigen wie intoleranten Nachkriegsgesellschaft ...
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Kritik

"Beate Uhse. Das Recht auf Liebe" ist ein biederes Biopic über eine außerordentliche Frau. Bei der Darstellung hält sich Hansjörg Thurn locker an die tatsächliche Biografie.
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1969 muss Beate Uhse (Franka Potente) sich wegen Unzucht vor Gericht verantworten. Außerdem läuft das Scheidungsverfahren. Ihr Ehemann Ernst-Walter („Ewe“) Rotermund (Hans Werner Meyer) hat seine Sachen bereits in Umzugskisten verpackt und das Haus verlassen. Die Fünfzigjährige nimmt ihre neue Eroberung mit nach Hause, den zehn Jahre jüngeren Afroamerikaner Jeff (Ray Fearon), und erzählt ihm ihre Lebensgeschichte. Staunend hört er zu.

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1945 flieht Beate Uhse, deren Ehemann im Jahr zuvor als Kriegspilot tödlich verunglückte, mit ihrem knapp zwei Jahre alten Sohn Klaus in einem schrottreifen Kleinflugzeug vor den Russen aus Berlin zu den Briten nach Schleswig-Holstein. Der englische Kommandeur (Ian T. Dickinson) kann es kaum glauben, dass eine Frau aus dem Cockpit klettert. Dabei besitzt Beate Uhse bereits seit ihrem achtzehnten Lebensjahr einen Pilotenschein. Weil sie im Krieg Militärmaschinen überführte, befiehlt er, sie in ein Kriegsgefangenenlager zu sperren und ihren Sohn dem Roten Kreuz zu übergeben.

Bei einem Unfall während des Transports wird Beate Uhse jedoch schwer an den Beinen verletzt. Deshalb bringt man sie statt ins Lager in ein Lazarett. Dort lernt sie den suizidgefährdeten Rechtsanwalt Georg Tauber (Henry Hübchen) kennen, dem die linke Hand abgetrennt wurde. Als Gegenleistung für seine Armbanduhr macht eine Krankenschwester den kleinen Klaus Uhse ausfindig und holt ihn ins Lazarett. Das gibt seiner Mutter die Kraft, eisern Bewegungsübungen zu machen, bis sie die Diagnose, nie wieder gehen zu können, widerlegt. Tauber beobachtet sie und gewinnt durch ihr Vorbild neuen Lebensmut.

1946 zieht Beate Uhse mit ihrem Sohn nach Flensburg.

Am Ufer eines Badesees lernt sie im Jahr darauf Ewe Rotermund kennen, dessen Ehe gerade geschieden wurde. Die beiden Kinder sind bei der Mutter geblieben.

Ewe, Beate und Klaus werden ebenso wie andere Flüchtlinge von Pastor Wilhelm Teufer (Miguel Herz-Kestranek) im Pfarrhaus aufgenommen und in zwei benachbarten Dachkammern untergebracht.

Als eine junge Frau beim gemeinsamen Essen darüber klagt, dass sie ungewollt schwanger geworden sei und nicht wisse, wie sie den Lebensunterhalt für sich und das Kind bestreiten solle, fragt Beate Uhse, warum sie die Empfängnis nicht verhütet habe. Da stellt der Pastor klar, dass es sich bei der Verhütung um eine Sünde handele und er in seinem Haus keine Diskussionen darüber dulde. Aber er kann nicht verhindern, dass junge Frauen sich Rat bei Beate Uhse holen und sich von ihr die unfruchtbarten Tage nach Knaus-Ogino ausrechnen lassen. Dafür revanchieren sie sich beispielsweise mit einem Glas Marmelade.

Nachdem Beate Uhse ihr Fahrrad auf dem Schwarzmarkt gegen eine Schreibmaschine und Butter getauscht hat, tippt sie ihre Ratschläge zur Verhütung. Ewe hilft ihr, heimlich den Vervielfältigungsapparat des Pastors zu benutzen und verteilt mit ihr die „Schrift X“. Als Pastor Teufer das merkt, wirft er beide aus dem Haus.

1948 nutzt er eine Predigt, um die Menschen gegen Beate Uhse aufzuwiegeln, die inzwischen auch Kondome anbietet. Unter den Zuhörern befinden sich der Staatsanwalt Martin Volke (Sylvester Groth) und dessen Ehefrau Viola (Mariella Ahrens). Nach dem Kirchgang wird Volke von Vertretern eines rechtsgerichteten Bundes gedrängt, die Kirche im Kampf gegen die Unzucht zu unterstützen.

Ohne Wissen ihres Vaters bewirbt sich die Pastorentochter Susanne Teufer (Josefine Preuß) 1949 bei Beate Uhse, die inzwischen mit Unterstützung ihres Lebensgefährten Ewe einen Versandhandel mit 40 000 Adressen in der Kundenkartei betreibt. Susanne und der ebenfalls eingestellte Horst Viehbach alias Dr. Rath (Bert Tischendorf) entwickeln sich zu den beiden wichtigsten Helfern.

Obwohl Beate und Ewe nach der Knaus-Ogino-Methode verhüten, wird die Aufklärerin schwanger. Aber das Paar freut sich darüber und heiratet standesamtlich. Beates zweiter Sohn erhält den Namen Ulrich.

Der Rechtsanwalt Georg Tauber besucht Beate Uhse in Flensburg. Er bedankt sich bei ihr, weil sie ihn mit ihrem Beispiel von Selbstmordgedanken befreite. Nachdem er ihr bei der Gründung der Firma Beate Uhse geholfen hat, berät er sie auch weiterhin. Das ist auch dringend notwendig, denn immer wieder wird Beate Uhse wegen Unzucht angezeigt, und Staatsanwalt Volke wartet nur auf eine Gelegenheit, gegen sie vorgehen zu können.

1955 wird Beate Uhse vom Rektor (Klaus Peeck) der Schule einbestellt, die Klaus besucht. Der Pädagoge führt Klaus‘ schlechte schulische Leistungen auf das unmoralische Umfeld in der Familie zurück. Aufgebracht verlässt Beate mit ihrem Sohn das Rektorat.

Ewe hat von der gesellschaftlichen Ächtung und der ständigen Sorge vor juristischen Schwierigkeiten genug. Deshalb schlägt er vor, mit dem Versandhandel Schluss zu machen und die bisherigen Einnahmen beispielswiese in ein Mietshaus zu investieren. Aber davon will Beate nichts wissen. Ihr sind die Aufklärung der Menschen und die Versorgung mit Verhütungsmitteln ein Anliegen.

Tauber rät Beate Uhse, von ihrem Recht Gebrauch zu machen, bei der Vernehmung von zweiundachtzig Personen dabei zu sein, die gegen sie Anzeige erstattet haben. Tagelang fahren sie 1956 miteinander von Termin zu Termin und erreichen, dass alle Anzeigen zurückgezogen werden.

Währenddessen betrügt Ewe seine Frau mit der Hausangestellten Helga (Rike Schmidt).

1957 zieht Ewe sich aus der Firma zurück und verlässt seine Ehefrau. Beate, die längst weiß, dass er ein Verhältnis mit Helga hat, wirft daraufhin die Hausangestellte hinaus.

Weil ein Ortsbrief halb so viel Porto wie ein Fernbrief kostet, bepackt Beate Uhse ihr Auto mit zigtausend nach Städten geordneten Werbesendungen und fährt mit den Kindern durchs Land, um die Post vor Ort aufzugeben. Unterwegs schlafen sie im Zelt und bei Regen im Auto.

Ewe kehrt zurück. Beate freut sich darüber, lässt sich jedoch nicht dazu überreden, auch Helga wieder aufzunehmen und eine Beziehung zu dritt zu führen.

Pastor Teufer taucht in der Firma Beate Uhse auf, um mit seiner Tochter zu reden. Weil ihn der Kirchenvorstand unter Druck setzt, drängt er Susanne, den „Ort der Sünde“ zu verlassen. Aber die junge Frau widersetzt sich ihrem Vater.

Viola Volke gesteht ihrem Mann, sie habe alle Schriften von Beate Uhse gelesen. Sie wolle Zärtlichkeit und einen Orgasmus, schreit sie. „Damit habe ich nicht gerechnet“, stammelt der Staatsanwalt. „Diese Frau macht ja die besten Ehen kaputt!“ Entsetzt nimmt er sein Kopfkissen und zieht sich vom Ehebett aufs Sofa zurück.

Gegen Beate Uhse denkt er sich einen besonderen Schlag aus. Er lässt 350 000 bereits frankierte Katalogsendungen beschlagnahmen. Er rechnet damit, sie dadurch finanziell zu ruinieren und gleichzeitig die Zahl der Neubestellungen zu minimieren. Tauber legt Widerspruch ein, um zwei Tage Zeit zu gewinnen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion verlädt die Firmenchefin mit Ewe und den Kindern das beschlagnahmte Material auf Lastwagen. Eigentlich wollte sie nur Familienangehörige dabei haben, weil diese nicht gegeneinander auszusagen brauchen, aber Susanne Teufer und „Dr. Rath“ lassen es sich nicht nehmen, ihr zu helfen. Nach der gesetzeswidrigen Aktion wird Beate Uhse zwar festgenommen, aber sie kann sich auf einen Irrtum herausreden und kommt nach einigen Stunden wieder frei.

Als sie 1969 Reizkondome ins Sortiment aufnimmt, geht Staatsanwalt Volke erneut gegen sie vor, und sie muss sich vor Gericht verantworten. Volke hält es für Unzucht, den Orgasmus mit Hilfsmitteln zu verstärken. Aber ein Sachverständiger erklärt, dass sich die Heftigkeit, mit der eine bestimmte Person einen Orgasmus erlebt, nicht steigern lasse. Am Ende wird Beate Uhse freigesprochen.

Ewes Anwalt beabsichtigt, im Scheidungsverfahren Nutzen daraus zu ziehen, dass Beate Uhse eine Affäre mit einem zehn Jahre jüngeren Schwarzen hat. Damit will er Stimmung gegen sie machen.

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Timo Berndt (Drehbuch) und Hansjörg Thurn (Regie) verpacken Eckdaten aus Beate Uhses Biografie in eine weitgehend fiktive Spielfilmhandlung: „Beate Uhse. Das Recht auf Liebe“. Sie fokussieren auf die Verfolgung der „Orgasmuse“ Beate Uhse durch den (fiktiven) Staatsanwalt Martin Volke, der gewissermaßen die ebenso spießige wie intolerante Nachkriegsgesellschaft repräsentiert. Neben der zupackenden, erfolgreichen Unternehmerin wird auch eine Frau sichtbar, die sich nach Liebe und Familienglück sehnt. Aber das wirklich Faszinierende an der starken Persönlichkeit lässt sich in „Beate Uhse. Das Recht auf Liebe“ nur zum Teil erkennen.

Ein Film über Beate Uhse zeigt, wie das Fernsehen große Frauen klein macht. (Titel eines Artikels von Barbara Gärtner, Süddeutsche Zeitung, 8. Oktober 2011)

Bei den Helfern und Gegenspielern von Beate Uhse handelt es sich in dem Film um Schablonen mit teilweise karikaturartigen Zügen. Vor allem die Rolle des Staatsanwalts ist als die einer Knallcharge angelegt. In manchen Szenen rutscht die Darstellung ins Kitschige ab, manchmal auch ins Pathetische. Bieder und einfallslos wirken das Drehbuch und die Inszenierung. Obwohl die Protagonistin eine Ikone des unverklemmten Umgangs mit der Sexualität war, haben die Filmemacher in „Beate Uhse. Das Recht auf Liebe“ einen großen Bogen um jede Andeutung von Sex, Erotik und Nacktheit gemacht. Beispielsweise liegt Beate Uhse im Film voll angezogen am Ufer eines Badesees in Schleswig-Holstein, als Ernst-Walter („Ewe“) Rotermund sie anspricht. In Wirklichkeit fand die Begegnung im Sommer 1947 am Nacktbadestrand auf Sylt statt.

Das Leben Uhses als Abendunterhaltung: Weil die Idee offenbar schon gewagt genug ist, wurde ansonsten mit Esprit, Raffinesse und Erotik ziemlich gespart. (Barbara Gärtner, a.a.O.)

Die Einbettung der eigentlichen Handlung in einen mehrmals eingeblendeten Rahmen (Beate Uhse erzählt Jeff ihr Leben) ist auch nicht überzeugend gelungen.

„Beate Uhse. Das Recht auf Liebe“ ist kein großer Wurf. Sehenswert ist das Biopic nur, weil es von einer außerordentlichen Frau handelt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

Beate Uhse (Kurzbiografie)

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