Tod in Venedig

Tod in Venedig

Tod in Venedig

Tod in Venedig - Originaltitel: Morte a Venezia - Regie: Luchino Visconti - Drehbuch: Luchino Visconti und Nicola Badalucco, nach der Novelle "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann - Kamera: Pasquale de Santis - Musik: Gustav Mahler (3. / 5. Sinfonie) - Darsteller: Dirk Bogarde, Björn Andresen, Silvana Mangano, Romolo Valli, Mark Burns u.a. - 1970; 130 Minuten

Inhaltsangabe

Der alternde, in München lebende Komponist Gustav von Aschenbach reist nach Venedig, um sich in einem Hotel am Lido zu erholen. Dort begegnet er dem engelsgleichen Sohn einer jungen polnischen Witwe, der für ihn das klassische Schönheitsideal verkörpert ...
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Kritik

Musik aus Gustav Mahlers 3. und 5. Sinfonie untermalt die ästhetischen Bilder des elegischen Films "Tod in Venedig", der die morbide Atmosphäre der Novelle Thomas Manns kongenial wiedergibt.
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Der alternde, in München lebende Komponist Gustav von Aschenbach (Dirk Bogarde) reist – einer plötzlichen Versuchung folgend – nach Venedig. Das Schiff, mit dem er zu der Lagunenstadt übersetzt, heißt „Esmeralda“ – wie die junge Prostituierte, die den jugendlichen Aschenbach in Erotik und Sexualität eingeführt hatte. Bei der Ankunft irritiert ihn ein alter Geck, der sich mit Perücke, falschen Zähnen, Schminke und Kleidung wie ein Jüngling gibt.

Wähend er seine Koffer im Grand Hotel les Bains auspackt, nimmt er Fotografien seiner offenbar verstorbenen Frau und seiner Tochter in die Hand und erinnert sich an gemeinsame Ferien in den Alpen.

Im selben Hotel verbringt auch eine junge polnische Witwe (Silvana Mangano) mit ihren Kindern die Sommerferien. Ihren blonden, femininen Sohn Tadzio (Björn Andresen) hält Gustav von Aschenbach für den

Inbegriff klassischer Schönheit. Er nutzt jede Gelegenheit im Hotel und am Strand, um Tadzio anzuschauen.

Nach ein paar Tagen bereitet der Künstler überstürzt seine Abreise vor. Doch als er am Bahnhof feststellt, dass seine Koffer vertauscht wurden, atmet er auf und kehrt in das Hotel zurück, angeblich nur, um dort auf sein Gepäck zu warten. Auch als es zwei Tage später eintrifft, bleibt er.

Am Bahnhof sah er, wie ein Mann hustend zusammenbrach. Die Anzeichen, dass eine Seuche in Venedig grassiert, mehren sich. Tatsächlich wird die Stadt von einer Cholera-Epidemie heimgesucht, aber die Hoteliers und Stadtväter vertuschen das, um die Feriengäste nicht zu vertreiben.

Wehmütig betrachtet Gustav von Aschenbach den Jungen. Er begnügt sich nicht mehr damit, Tadzio im Hotel und am Strand zu beobachten, sondern er stellt ihm und seiner Familie nach, folgt ihnen zum Beispiel durch die Gassen der Innenstadt, bis er sie aus den Augen verliert und erschöpft zurückbleibt.

Von einem Friseur lässt er sich die grauen Haare schwarz färben und das Gesicht schminken.

Schließlich merkt er, dass die Abreise der polnischen Witwe mit ihren Kindern bevorsteht. Ein letztes Mal schaut er Tadzio von seinem Liegestuhl am Strand aus zu. Der Knabe watet im flachen Wasser, dreht sich unvermittelt um und es ist, als ob er hinausdeuten würde übers Meer. Gustav Aschenbach bricht kalter Schweiß aus, und über die weiße Schminke rinnt schwarze Farbe aus den Haaren. Er sinkt tot zusammen.

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Kritik:

Luchino Visconti interessierte an Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ vor allem „das menschliche Drama eines Künstlers, die Geschichte seiner Einsamkeit und seiner Verzweiflung“. Es geht um Altern, Verfall und Tod, um das Sterben eines tief verunsicherten Menschen und den Zusammenbruch der Wertmaßstäbe einer degenerierten Gesellschaft. Das Dionysische siegt über das Apollinische, das Rauschhafte über die Vernunft.

Thomas Mann hat als Schauplatz mit Bedacht Venedig gewählt, einen Ort, der nicht nur als Stadt der Liebe gilt, sondern auch als Symbol der Schönheit und des Verfalls.

Musik aus Gustav Mahlers 3. und 5. Sinfonie untermalt die ästhetischen Bilder des elegischen Films „Tod in Venedig“, der die morbide Atmosphäre der Novelle kongenial wiedergibt, auch wenn Luchino Visconti aus dem berühmten Schriftsteller einen gescheiterten Komponisten macht und an einigen weiteren Stellen von der literarischen Vorlage abweicht. (Die Episode mit der Prostituierten Esmeralda stammt aus Thomas Manns Roman „Doktor Faustus“.)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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