Nichts ist vergessen

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Nichts ist vergessen

Originaltitel: Nichts ist vergessen – Regie: Nils Willbrandt – Drehbuch: Nils Willbrandt – Kamera: Eva Fleig – Schnitt: Vessela Martschewski – Musik: Michael Dübe – Darsteller: Jörg Schüttauf, Inka Friedrich, Volker Bruch, Noemi Slawinski, Peter Franke, Sebastian Kroehnert, Annika Blendl, Christian Tasche, Isolda Dychauk u.a. – 2007; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Vor neun Jahren vergewaltigte und erwürgte Olaf die Nachbarstochter. Paulas Eltern zogen zwar fort, aber nach der Verbüßung seiner Haftstrafe macht Olaf sie ausfindig und mietet in ihrer Nähe eine Wohnung. Kai und Maria Wagner wissen nicht, was er vorhat, fürchten um das Leben ihrer zweiten Tochter, können sich nicht gegen seine Nähe wehren und erleben ihre Ohnmacht als Albtraum ...
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Kritik

Nils Willbrandt konzentriert sich in "Nichts ist vergessen" darauf, was Olafs Verhalten bei Kai und Maria Wagner auslöst. Äußerlich geschieht wenig, aber was in den Personen vorgeht, vermitteln die hervorragenden Darsteller mit großer Intensität.
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1997. Beim Herumtollen in einem Maisfeld fällt der junge Tennislehrer Olaf Stahmann (Volker Bruch) plötzlich über Paula Wagner (Isolda Dychauk) her. Nachdem er das Nachbarmädchen vergewaltigt hat, erwürgt er es.

Olaf wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Seine mit Paulas Eltern befreundete Mutter Charlotte erhängt sich; sein Vater Friedrich, ein ehrgeiziger Raumfahrttechniker, will nichts mehr von ihm wissen und zieht nach Paris. Auch Kai und Maria Wagner (Jörg Schüttauf, Inka Friedrich) wechseln nach dem Tod ihrer Tochter den Wohnort, um ein neues Leben anzufangen. Bewusst erzählen sie dort niemandem von dem Mord. Einige Zeit später kommt Maria mit einer zweiten Tochter nieder, die den Namen Lilli erhält.

Neun Jahre später fühlt Kai sich eines Abends von einem Mann verfolgt, und als er sich umdreht und ihn genauer ansieht, erkennt er ihn wieder: Es ist Olaf Stahmann. Kai fällt mitten auf der Straße in Ohnmacht und wird kurz darauf von seinem Freund Bernd gefunden.

Olaf Stahmann hat seine Gefängnisstrafe verbüßt und wurde vor einem Jahr ohne Auflagen entlassen. Einige Tage wohnt er in einem Hotel, dann mietet er eine möblierte Wohnung, die gerade einmal einen Kilometer vom Haus der Wagners entfernt ist. Was hat er vor? Warum sucht er die Nähe der Familie seines Opfers?

Kai und Maria, die um das Leben Lillis (Noemi Slawinski) fürchten, wenden sich an die Polizei. Die sieht sich jedoch außerstande, etwas gegen Olaf zu unternehmen: „Ohne Straftat keine Polizei!“ Nur der ohnehin kurz vor der Pensionierung stehende Kommissar Jan Bösche (Peter Franke), der damals Paulas Leiche fand, kümmert sich um die Angelegenheit.

Lilly, die nichts von ihrer toten Schwester weiß, kann sich nicht erklären, warum sie das Haus plötzlich nicht mehr allein verlassen und nicht einmal zur Geburtstagsfeier ihrer Schulfreundin Tamara gehen darf.

Obwohl es für Kai gerade um einen für den Bestand seines Unternehmens entscheidenden Auslandsauftrag geht, verbringt er so viel Zeit wie möglich zu Hause, weil er es nicht wagt, Maria und Lilli allein zu lassen.

Nach einigen Tagen erhält Olaf Besuch von seiner älteren Schwester Sabine (Annika Blendl), die am Max-Planck-Institut in Berlin beschäftigt ist und erfahren hat, dass er den Wagners nachgezogen ist. Sie schlägt ein Gespräch zwischen Olaf und Paulas Eltern vor. Maria wäre dazu bereit, aber Kai lehnt es kategorisch ab: Seine Besorgnis schlägt allmählich in Wut um, und er besorgt sich von seinem Freund und Kollegen Stefan, einem Sportschützen, eine Pistole.

Maria begegnet Olaf im Supermarkt. Anders als Kai, der bei seinem Anblick umsank, geht sie nach einer Schrecksekunde auf ihn zu und herrscht ihn an: „Du machst uns keine Angst!“

Kurz darauf entdeckt Maria den Mörder ihrer Tochter in der Nähe des Hauses und findet vor der Tür einen Brief von ihm, in dem er um Vergebung bittet.

Die Besitzerin einer Imbissbude erkennt Olaf wieder und macht ihren Sohn auf ihn aufmerksam. Der tut sich mit zwei Freunden zusammen, und als Olaf wieder einmal in den Imbiss kommt, fallen sie zu dritt über ihn her. Sie schlagen und treten ihn halb tot.

Einmal, als Kai auf dem Sofa eingenickt ist, nutzt Lilli die Gelegenheit für einen kleinen Ausflug auf ihren Inlineskates – und begegnet Olaf. Der erzählt ihr von ihrer toten Schwester, doch als Bösche auftaucht, läuft er davon.

Gerade als Kai die Pistole hervorholt und sich damit auf den Weg zu Olafs Wohnung machen will, trifft die Nachricht ein, dass dieser sich aufgrund eines Gerichtsbeschlusses den Mitgliedern der Familie Wagner nicht mehr nähern darf.

Bösche sucht Olaf auf, um ihn darüber in Kenntnis zu setzen. Außerdem hat er mit der Therapeutin telefoniert, die Olaf im Gefängnis betreute. Sie wird am nächsten Morgen eintreffen und versuchen, dem Mann zu helfen. Der greift unmittelt den Polizisten an, schlägt ihn nieder, entreißt ihm die Dienstpistole und verlässt die Wohnung.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Im Imbiss bedroht er einen der drei jungen Männer, die ihn zusammenschlugen, mit der Waffe und hält sie ihm dann wortlos hin.

Kurz darauf finden Kai und Maria den durch eine Schusswunde schwer verletzten Olaf in einem Schuppen. Noch einmal bittet er Maria um Verzeihung. Sie ruft einen Krankenwagen, aber Olaf ist nicht mehr zu retten: Er stirbt in der Klinik im Beisein seiner Schwester.

Kai und Maria können Lilli nicht länger verschweigen, dass sie eine ältere Schwester gehabt hätte, wenn diese nicht ermordet worden wäre, und sie zeigen dem Kind Paulas Grab.

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Olaf, ein Mörder, der seine Strafe verbüßt hat, sucht die Nähe der Eltern seines Opfers. Nils Willbrandt verzichtet in seinem Debütfilm „Nichts ist vergessen“ darauf, Olafs Motive zu erforschen. Vermutlich handelt es sich um den verzweifelten Wunsch, in die Gesellschaft zurückzukehren und Vergebung zu erlangen. Als Olaf einsieht, dass ihm dies nicht gelingen wird, sehnt er sich nach dem Tod. Nils Willbrandt konzentriert sich ganz auf die Frage, was Olafs Verhalten bei Kai und Maria Wagner auslöst. Sie wissen nicht, was er vorhat, fürchten um das Leben ihrer zweiten Tochter, können sich nicht gegen seine Nähe wehren und erleben ihre Ohnmacht als Albtraum. Maria wäre bereit, mit Olaf zu reden und tritt ihm bei einer zufälligen Begegnung mutig entgegen. Kai dagegen, der beim Anblick des Mörders seiner Tochter das Bewusstsein verliert, lehnt jede Kontaktaufnahme ab und greift in seiner Frustration am Ende zur Waffe.

Äußerlich geschieht wenig in „Nichts ist vergessen“, aber was in den Personen vorgeht, vermitteln die hervorragenden Darsteller Jörg Schüttauf, Inka Friedrich und Volker Bruch mit großer Intensität.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

Per Olov Enquist - Das Buch der Gleichnisse
Die fragmentarische Darstellung und das Fehlen jeglicher Linearität und Chronologie erschweren es beim Lesen, die Zusammenhänge zu erkennen, aber gerade die kunstvoll gebrochene Komposition ist das Entscheidende am "Buch der Gleichnisse".
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