Der Tiger

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Der Tiger – Originaltitel: The Enforcer – Regie: Bretaigne Windust, Raoul Walsh – Drehbuch: Martin Rackin – Kamera: Robert Burks – Schnitt: Fred Allen – Musik: David Buttolph – Darsteller: Humphrey Bogart, Zero Mostel, Ted de Corsia, Everett Sloane, Roy Roberts, King Donovan, Lawrence Tolan, Patricia Joiner, Susan Cabot, Michael Tolan, Adelaide Klein u.a. – 1951; 80 Minuten

Inhaltsangabe

Staatsanwalt Martin Ferguson glaubt, Albert Mendoza endlich als Mörder überführen zu können, denn der Augenzeuge Joseph Rico ist bereit, vor Gericht gegen den Angeklagten auszusagen. In der Nacht vor dem Prozess klettert Rico aus Furcht vor einem Mordanschlag aus einem Fenster, rutscht an der Hausfassade ab und stürzt in die Tiefe. In den sieben Stunden, die Ferguson noch verbleiben, sucht er verzweifelt nach einem anderen Ansatzpunkt, um Mendozas Verurteilung trotz Ricos Tod zu erreichen.
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Kritik

"Der Tiger" ist ein raffiniert aufgebauter, straff und nüchtern inszenierter, spannender Thriller mit einer geschickt eingesetzten Rahmenhandlung. Die dokumentarisch wirkende Erzählweise ist mit Stilelementen des film noir durchsetzt.
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Nach jahrelanger Ermittlungsarbeit glauben Staatsanwalt Martin Ferguson (Humphrey Bogart) und Captain Frank Nelson (Roy Roberts), dass sie Albert Mendoza (Everett Sloane) als Mörder überführen können, denn der Augenzeuge Joseph Rico (Ted de Corsia) ist bereit, vor Gericht gegen Mendoza auszusagen. Obwohl Mendoza in einer Gefängniszelle sitzt und die Polizei den Zeugen zu seinem Schutz bereits am Abend vor dem Beginn des Mordprozesses ins Gerichtsgebäude holt, bekommt Rico panische Angst. Nicht ohne Grund: Ein Scharfschütze schießt vom gegenüberliegenden Gebäude durchs Fenster auf ihn, verfehlt ihn allerdings. In der Nacht überwältigt er den von Ferguson zu seinem Schutz abgestellten Sergeant Whitlow (King Donovan) und flieht durch ein Fenster. Er rutscht jedoch an der Hausfassade ab und stürzt in die Tiefe.

Auf diese Weise verliert Ferguson sieben Stunden vor der Gerichtsverhandlung seinen einzigen Zeugen gegen Mendoza. Ohne Ricos Aussage – darüber machen Ferguson und Nelson sich keine Illusionen – wird Mendoza freigesprochen. Verzweifelt nehmen sie sich noch einmal die Ermittlungsakten vor. Vielleicht haben sie etwas übersehen, was sie gegen Mendoza verwenden könnten.

Vor zehn Jahren lernten Mendoza und Rico sich kennen. Mendoza erzählte Rico in Webb’s Cafe von dem Plan, eine Organisation mit Profikillern aufzubauen, um mit Auftragsmorden im großen Stil Geld zu verdienen. Den ersten Auftrag erledigte Mendoza noch selbst: Vor Ricos Augen erstach er den Wirt, in dessen Kneipe sie saßen, mit einem Eispickel. Unmittelbar danach betraten Tony Vetto (Tito Vuolo) und dessen Tochter Angela (Karen Kester) das Lokal und sahen nicht nur die Leiche auf dem Boden liegen, sondern auch Mendoza und Rico. Die beiden Gangster entkamen, aber Tony und Angela Vetto meldeten den Mord bei der Polizei.

Mendoza verwirklichte seinen Plan. Außer Rico wusste niemand, wer der Chef des Verbrechersyndikats war. Mendoza gab Rico die Aufträge telefonisch durch, und Rico teilte die Leute im Hinterzimmer des Tabakladens von Olga Kirshen (Adelaide Klein) dafür ein. Eines der ersten Opfer war Tony Vetto. Dessen Tochter nahm eine andere Identität an, um sich vor den Mördern zu schützen. Thomas O’Hara (Don Beddoe) erhielt den Auftrag, sie aufzuspüren. O’Hara zeigte die Zielperson mit Namen Nina Lombardo (Susan Cabot) schließlich James („Duke“) Malloy (Michael Tolan), der sie töten sollte. Malloy verliebte sich jedoch in die attraktive junge Frau und brachte es nicht fertig, sie zu ermorden. Stattdessen zwang er O’Hara, der Organisation die Erledigung des Auftrags durchzugeben. Mendoza ließ sich nicht täuschen. Shorty (Alan Foster), Philadelphia Tom Zaca (Jack Lambert) und Big Babe Lazich (Zero Mostel) brachten das Liebespaar in ihre Gewalt und zwangen Malloy, das Mädchen zu töten. Malloy zeigte sich danach selbst bei der Polizei an – und erhängte sich in der Gefängniszelle. Aufgrund dieser Ereignisse befahl Mendoza einer anderen, ebenfalls für ihn arbeitenden Mörderbande, Rico und dessen Männer zu töten. Nur Rico, der rechtzeitig Verdacht geschöpft hatte, entging dem Massaker. Danach meldete er sich als Belastungszeuge bei der Polizei: Er war nicht nur der Einzige, der wusste, woher die Aufträge gekommen waren, sondern er konnte auch einen eigenhändigen Mord Mendozas bezeugen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Ferguson und Nelson finden in den Akten nichts, wo sie neu ansetzen könnten. Frustriert geht Ferguson am Morgen ins Gefängnis hinüber und wirft Mendoza Fotos einiger seiner Opfer auf die Pritsche. Er hofft, dass der Verbrecher beim Anblick einer in seinem Auftrag ermordeten schönen jungen Frau wie Nina Lombardo doch noch von seinem Gewissen geplagt wird.

Wieder zurück in seinem Büro fällt ihm plötzlich auf, dass Nina Lombardo braune Augen hatte, Angela Vetto jedoch blaue. Die Gangster haben die falsche Frau umgebracht! Angela Vetto lebt. Es gibt doch noch eine Zeugin gegen Mendoza! Ferguson vermutet, dass es sich um Ninas Freundin und Mitbewohnerin Teresa Davis (Patricia Joiner) handelt. Teresa Davis ist nicht zu Hause. Von der Vermieterin erfahren Ferguson und Nelson, dass kurz vor ihnen zwei andere Herren nach ihr fragten. Da weiß der Staatsanwalt, dass Mendoza den Irrtum beim Betrachten des Fotos von Nina Lombardo ebenfalls erkannt und über seinen Rechtsanwalt aus der Zelle heraus einen neuen Mordauftrag erteilt hat. In dem Geschäftsviertel, in dem er Angela Vetto alias Teresa Davis beim Einkaufen vermutet, warnt er sie über Lautsprecher und fordet sie auf, ihn von der nächsten Telefonzelle aus anzurufen. Um den Killer zu täuschen, schickt Ferguson eine Polizeieinheit nach Angelas Anruf in die falsche Richtung und geht kurz darauf allein los. Der eiskalte Auftragsmörder lässt sich jedoch nicht in die Irre führen und folgt Ferguson. Der geht zu der Telefonzelle, öffnet die Tür so, dass sich im Glas spiegelt, was hinter ihm geschieht – und erschießt den Killer, als dieser mit seinem Revolver auf die Zeugin zielt.

Mit Angela Vetto als Belastungszeugin wird es Martin Ferguson bei der gleich beginnenden Gerichtsverhandlung gelingen, eine Verurteilung Albert Mendozas als Mörder zu erreichen.

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„Der Tiger“ ist ein raffiniert aufgebauter, straff und nüchtern inszenierter, spannender Thriller mit einer geschickt eingesetzten Rahmenhandlung. Die dokumentarisch wirkende Erzählweise ist mit Stilelementen des film noir durchsetzt.

Wenige Tage nach dem Beginn der Dreharbeiten erkrankte der ehemalige Theaterregisseur Bretaigne Windust und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. In der Annahme, dass Bretaigne Windust bald wieder gesund sei, wandte sich Humphrey Bogart an Raoul Walsh und bat ihn, für den Erkrankten einzuspringen. Obwohl Bretaigne Windust monatelang ausfiel und sich erst wieder erholte, als der Film bereits fertiggestellt war, verzichtete Raoul Walsh darauf, dass im Vorspann von „The Enforcer“ („Der Tiger“) sein Name als Regisseur genannt wurde.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

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