Suzhou River

Suzhou River

Suzhou River

Suzhou River - Originaltitel: Suzhou he - Regie: Lou Ye - Drehbuch: Lou Ye - Kamera: Yu Wang - Schnitt: Karl Riedl - Musik: Jörg Lemberg - Darsteller: Zhou Xun, Hongsheng Jia, Zhongkai Hua, Anlian Yao, An Nai u.a. - 2000; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Die 16-jährige Moudan und Mardar, ein Motorrad-Kurier in Schanghai, verlieben sich. Als Mardar sich überreden lässt, Moudan festzuhalten, bis eine kriminelle Bande Lösegeld von ihrem Vater erpresst hat, bricht ihr das Herz und sie stürzt sich von einer Brücke in den Suzhou. Verzweifelt beginnt Mardar, sie zu suchen und stößt dabei auf die GoGo-Tänzerin Meimei, die er für Moudan hält ...
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Kritik

Bewusst haben die Filmemacher auf "schöne" Bilder verzichtet. Optisch wirkt "Suzhou River" so hässlich wie der Fluss und die schäbigen Gebäude am Ufer. Die Ästhetik des Films besteht in der formalen Komposition und in der zauberhaften Geschichte.
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Der Suzhou (suzhou he; Suzhou River) fließt mitten durch Schanghai. Am Ufer des schmutzigen Flusses stehen Baracken und verwahrloste Fabrikgebäude. Der Erzähler, durch dessen Videokamera wir schauen, verdient sein Geld mit kleinen Auftragsarbeiten. Beispielsweise soll er für den Besitzer eines Nachtklubs („Happy Bar“) einen Werbefilm drehen und dabei die GoGo-Tänzerin Meimei (Zhou Xun) aufnehmen, die als besondere Attraktion in einem Aquarium als Meerjungfrau herumplantscht. Der Erzähler verliebt sich auf den ersten Blick in das Mädchen. Sie wird seine Geliebte und zieht zu ihm in seine Wohnung, aber sie verschwindet mitunter für einige Tage, und dann wartet er traurig auf ihre Rückkehr, voller Angst, dass sie nicht wiederkommt.

Mardar (Hongshen Jia) hat die Schule abgebrochen, verkehrt mit Kleinkriminellen, arbeitet jedoch selbst als Motorradkurier in Schanghai. Dabei transportiert er nicht nur Päckchen, sondern auch Personen wie die sechzehnjährige Moudan (Zhou Xun), die der Vater alle paar Tage, wenn er ungestört sein will, zu ihrer Tante schickt. Moudan und Mardar verlieben sich während dieser Motorradfahrten.

Dann lässt Mardar sich von seinen Freunden dazu anstiften, das Mädchen betrunken zu machen und in einer Bauruine festzuhalten, bis die Bande von Moudans Vater ein Lösegeld erpresst hat. Als Moudan merkt, dass Mardar sie verrät, bricht ihr das Herz. Sobald er sie freilässt, rennt sie davon und springt von einer der Brücken in den Suzhou.

Die Bandenchefin (Anlian Yao) wird nach der Geldübergabe von ihrem noch geldgierigeren Stellvertreter (Zhongkai Hua) erstochen. Als die Polizei den Mörder stellt, springt er von einem Hochhausdach. Mardar verbüßt eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Danach kennt er nur noch eines: Er sucht Moudan. Ihre Leiche wurde nicht gefunden, und Mardar glaubt fest daran, dass sie den selbstmörderischen Sprung von der Brücke überlebt hat.

Zufällig stößt er in einer Tür mit Meimei zusammen. Sie sieht aus wie Moudan. Mardar geht ihr in den Nachtklub nach, beobachtet sie heimlich beim Anziehen des Meerjungfrauen-Kostüms und betrachtet sie im Aquarium. Er wartet, bis Meimei den Nachtklub verlässt und folgt ihr zu ihrer Behausung auf dem Wasser des Suzhou. In der Überzeugung, Moudan vor sich zu haben, beteuert er, dass er sie seit damals kein einziges Mal betrog. Meimei wirft ihn hinaus, aber er observiert sie weiter und gelangt so zu ihrem Geliebten, dem Erzähler mit der Videokamera. Dem vertraut er schließlich seine Geschichte an.

Endlich hört auch Meimei sich an, was Mardar ihr von Moudan erzählt, und als er das Rosentattoo auf Moudans linkem Oberschenkel erwähnt, zeigt sie ihm, dass sie da auch eines hat. Sie geht mit Mardar ins Bett – und gerät mit dem Videofilmer in Streit.

Kurz darauf wird Mardar von Unbekannten auf der Straße zusammengeschlagen. Wütend zertrümmert er anschließend die Leuchtreklame der „Happy Bar“ durch Steinwürfe. Am nächsten Tag wird der Nachtklub ohnehin aus unbekannten Gründen von der Polizei geschlossen.

Mardar sucht den Videofilmer auf, den er verdächtigt, die Schläger auf ihn gehetzt zu haben. Damit Mardar Meimei in Ruhe lässt, hilft deren Freund ihm bei der Suche nach Moudan – und durch seine Kontakte gelingt es ihm tatsächlich, herauszufinden, wo sie ist: Moudan arbeitet in einem Laden am Stadtrand, wo geschmuggelter Whisky verkauft wird. Mardar macht sich auf den Weg.

Stunden später wird der Erzähler von der Polizei abgeholt: Er soll die Leiche eines Mannes identifizieren, der seine Adresse dabeihatte. In der Nähe der Brücke, von der Moudan ins Wasser gesprungen war, liegen zwei Tote: bei dem Mann handelt es sich um Mardar; das Mädchen neben ihm muss Moudan sein, denn sie sieht Meimei sehr ähnlich. Die beiden feierten wohl ihr Wiedersehen mit zu viel Whisky und verunglückten dann mit dem Motorrad auf der Brücke.

Erschrocken über die Ähnlichkeit der Toten mit Meimei, vergewissert der Erzähler sich unverzüglich, dass seine Geliebte zu Hause ist und lebt. Meimei läuft auf die Nachricht hin aufgeregt zur Unfallstelle: Sie hat Mardars Geschichte nie geglaubt, aber als sie vor den Leichen steht, begreift sie, dass es Moudan tatsächlich gab.

Meimei und der Erzähler verbringen die Nacht zusammen. Ob er sie auch suchen würde, wie Mardar Moudan, fragt Meimei. Am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Der Erzähler macht sich jedoch nicht auf die Suche, denn nichts sei ewig, erklärt er den Zuschauern; lieber schließe er die Augen und warte auf die nächste Liebe.

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Lou Ye erzählt von dem verzweifelten Versuch der Männer, die mysteriöse, sich ihnen ständig entziehende Weiblichkeit zu fassen. „Suzhou River“ ist ein geheimnisvoller, märchenhafter und melancholischer Film.

In „Citizen Kane“ war der über Charles Foster Kane recherchierende Reporter immer nur von hinten zu sehen. Lou Ye geht noch einen Schritt weiter und zeigt uns den Film gewissermaßen durch die Videokamera bzw. Augen des Erzählers, von dem allenfalls mal ein Fuß oder die Hände zu sehen sind. Die verwackelte Handkamera mit ihren verwischten Schwenks und jump cuts steht in diesem Fall für eine subjektive Perspektive.

Bewusst haben die Filmemacher auf „schöne“ Bilder verzichtet. Optisch wirkt „Suzhou River“ so hässlich wie der Fluss und die heruntergekommenen Gebäude am Ufer. Die Ästhetik des Films besteht in der formalen Komposition und in der zauberhaften Geschichte.

Bis auf Xun Zhou und Hongshen Jia wirkten nur Laiendarsteller mit. Gedreht wurde in Schanghai, geschnitten in Berlin. Obwohl Lou Ye sich das Drehbuch und die Dreharbeiten hatte genehmigen lassen, verboten die chinesischen Zensurbehörden am Ende die Aufführung des Films.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Siegfried Sommer - Und keiner weint mir nach
In "Und keiner weint mir nach" erzählt Sigi Sommer Geschichten über die Mieter im Haus Mondstraße 46 in München. Er hat gut beobachtet, wie sich einfache Leute im Alltag verhalten, und obwohl einige der Schicksale tragisch enden, bleibt der Grundtenor launig und humorvoll.
Und keiner weint mir nach

Siegfried Sommer

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