Julia

Julia

Julia

Originaltitel: Julia – Regie: Erick Zonca – Drehbuch: Aude Py, Erick Zonca, Roger Bohbot, Michael Collins – Kamera: Yorick Le Saux – Schnitt: Philippe Kotlarski – Darsteller: Tilda Swinton, Saul Rubinek, Kate del Castillo, Aidan Gould, Jude Ciccolella, Bruno Bichir, Horacio Garcia Rojas, Mauricio Moreno, Gastón Manuel Peterson, Kevin Kilner, John Bellucci, Ezra Buzzington, Roger Cudney, Eugene Byrd, Sandro Kopp u.a. – 2008; 135 Minuten

Inhaltsangabe

Los Angeles. Julia verliert wegen ihrer Alkoholkrankheit ihren Arbeitsplatz. Eines Morgens wacht sie in der Wohnung ihrer Nachbarin Elena aus dem Rausch auf. Die Mexikanerin hat einen achtjährigen Sohn, der jedoch bei seinem steinreichen Großvater aufwächst, weil Elena psychisch gestört ist. Durch eine Entführung will sie ihn zurückgewinnen. Julia soll ihr dabei helfen, aber stattdessen kidnappt Julia den Jungen selbst und versucht von seinem Großvater Lösegeld zu erpressen ...
mehr erfahren

Kritik

"Julia" beginnt als Trinkerdrama und Charakterstudie und wird dann zum Thriller und Roadmovie. Zusammengehalten wird das alles durch eine schauspielerische Bravourleistung von Tilda Swinton.
mehr erfahren

Julia (Tilda Swinton), eine Immobilienmaklerin in Los Angeles, wird wegen ihrer Alkoholkrankheit von ihrem Chef Frank (Roger Cudney) entlassen. Mitch (Saul Rubinek), der selbst früher Alkoholiker war und nun versucht, auch Julia von der Sucht zu befreien, kann es nicht verhindern.

Abends takelt Julia sich auf, besucht Diskotheken und schnappt sich den Nächstbesten. So führt sie auch einen Mann namens Phillip (John Bellucci), den sie gerade erst kennengelernt hat, an der Krawatte über die Tanzfläche – und am nächsten Morgen erwacht sie neben ihm auf der Rücksitzbank seines Autos. Mit trockenem Mund klettert sie ins Freie, lässt sich ihre Handtasche geben und stöckelt ohne ein Wort des Abschieds davon.

An einem anderen Morgen wacht sie in der Wohnung ihrer mexikanischen Nachbarin Elena (Kate del Castillo) aus einem Rausch auf. Elena war mit einem US-Amerikaner verheiratet und hat einen achtjährigen Sohn. Der wächst bei seinem steinreichen Großvater Mr Whittaker auf. Warum man Elena den Sohn wegnahm, ist leicht zu erkennen: Sie ist psychisch schwer gestört. Aber sie sehnt sich nach Tom (Aidan Gould) und beabsichtigt, ihn zu entführen. Julia soll ihr dabei helfen. Um sie für das Vorhaben zu gewinnen, verspricht Elena ihr 50 000 Dollar. Es stellt sich zwar rasch heraus, dass Elena gar nicht so viel Geld besitzt, aber Julia hat längst einen eigenen Plan: Sie will Tom selbst entführen und von seinem Großvater Lösegeld erpressen.

Ihrer früherer Liebhaber Nick Costello (Jude Ciccolella) will nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt kommen, um sein Eheglück mit der Asiatin Kitty (Hiep Thi Le) nicht aufs Spiel zu setzen. Aber ein Bekannter namens Leon (Eugene Byrd) besorgt Julia wenigstens eine Pistole und zeigt ihr, wie man damit umgeht.

Als Marcus (Sandro Kopp), ein Angestellter Whittakers, mit Tom einen Ausflug unternimmt, fährt Julia den beiden nach. Oberhalb des Picknickplatzes am Fluss, wo Tom unter der Aufsicht des Bodyguards spielt, setzt sie eine Maske auf und lädt die Pistole. Da kommt Marcus unerwartet zur Straße herauf. Rasch nimmt sie die Maske wieder ab und versteckt die Waffe. Marcus hat einen platten Reifen und möchte sich von der fremden Autofahrerin einen Wagenheber ausleihen, weil er selbst keinen dabei hat. Nach dem Reifenwechsel bringt er den Wagenheber zurück und legt ihn Julia in den Kofferraum. In diesem Augenblick legt sie den Rückwärtsgang ein und gibt Gas. Sie wirft den Mann um und überrollt ihn dann noch ein weiteres Mal, als sie nach vorn fährt. Mit vorgehaltener Pistole zwingt sie Tom, sich in den Kofferraum zu legen und rast davon.

In einem Motel bringt sie das verängstigte Kind dazu, zwei Schlaftaletten zu schlucken. Sobald Tom eingeschlafen ist, versteckt sie ihn gefesselt und geknebelt hinter der Couch.

Sie ruft Whittaker an und behauptet, gesehen zu haben, wie Elena ihren Sohn entführte. Für die Information, wo die beiden zu finden sind, verlangt sie 2 Millionen Dollar.

Am nächsten Morgen öffnet das Zimmermädchen die Tür. Julia wirft sie hinaus, weiß aber, dass sie sowohl die Pistole als auch die Beine des Jungen gesehen hat. Deshalb fährt sie mit Tom in die Wüste und wartet dort, bis es Zeit ist, das Lösegeld zu holen.

Während sie Tom mit einem Kanister Wasser in der Wüste zurücklässt, fährt sie zu einem Bahnhof. Dort zog sie bereits den Schlüssel eines Schließfaches ab und legte ihn oben auf die Anlage. Aufgeregt beobachtet sie, was geschieht. Zur vereinbarten Zeit stellt jemand einen Koffer in das Schließfach und legt den Schlüssel wieder zurück. Julia umschleicht die Schließfächer, aber sie spürt die Gefahr, verlässt schließlich das Gebäude, springt in einen Bus, raubt kurz darauf ein Auto und fährt damit zurück in die Wüste. Telefonisch beschwert sie sich bei Whittaker darüber, dass ihr im Bahnhof Polizisten in Zivil auflauerten.

Trotz der Hitze lief Tom fort. Nach längerer Suche findet Julia ihn halb verdurstet im Sand und bringt ihn mit Wasser wieder zu sich. Die Nacht will sie mit ihm im Auto verbringen. Plötzlich nähert sich ein Hubschrauber mit eingeschaltetem Suchscheinwerfer. Die Besatzung verfolgt eine Gruppe von Mexikanern, die über die nahe Grenze geflüchtet sind und entdeckt auch das Auto. Julia rast los und hält auch nicht an, als sie über Lautsprecher dazu aufgefordert wird. Sie schafft es über die Grenze.

In Tijuana wird sie von einem Mexikaner namens Diego (Bruno Bichir) angesprochen. Er warnt sie vor Taschendieben und will ihr ein billiges Hotel zeigen, aber sie weist ihn ab.

Am Telefon macht Whittaker ihr einen neuen Vorschlag: Ein Mittelsmann, dem sie vertraut, soll ihr die 2 Millionen Dollar bringen. Mitch ist bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Julia verabredet sich mit ihm am Flughafen von Tijuana.

Julia versichert Tom, sie werde ihn am nächsten Tag zu seiner Mutter bringen. Als sie mit ihm essen geht, taucht Diego wieder auf. In ihrem Übermut gibt Julia sich als reiche Amerikanerin aus und behauptet, Tom sei ihr Sohn. Sie lässt sich von Diego dazu überreden, mit Tom bei ihm zu übernachten und schläft mit dem Mexikaner.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Am nächsten Vormittag verschwindet Tom. Verzweifelt sucht Julia nach ihm. Ein Taxifahrer namens Miguel (Gastón Manuel Peterson) kommt zu ihr und behauptet, ihr Sohn sei von zwei Männern entführt worden. Sie hätten ihn angerufen. Er soll ihr ausrichten, dass sie den Jungen gegen ein Lösegeld von 50 000 Dollar zurückbekomme.

Julia beschattet Miguel, und nachdem sie sich vergewissert hat, dass er nicht nur als Bote in das Kidnapping verwickelt ist, dringt sie mit der Pistole in der Hand bei ihm ein. Er greift zum Telefon. Dadurch gerät Julia in Panik und drückt ab. Der Schuss ist tödlich. Kurz darauf klingelt eine alte Frau an der Tür. Julia folgt ihr und beobachtet, dass sie mit einem Handy telefoniert, Einkaufstüten in einen Aufzug stellt und weggeht. Unbemerkt von der Mexikanerin springt Julia in den Aufzug – und gelangt so in das Versteck der Entführer.

Santos (Horacio Garcia Rojas) und José (Mauricio Moreno) überwältigen sie und sperren sie in einen Raum, in dem sie auch Tom gefangen halten. Einige Zeit später taucht Diego auf. Als die Kleinganoven wissen wollen, wer Julia das Versteck verriet, deutet sie auf Diego. Damit löst sie einen heftigen Streit aus, bei dem Diego erschossen wird.

Mitch ruft vom Flughafen aus an, und Santos hört, dass er 2 Millionen Dollar Lösegeld bei sich hat. Während Julia zum Flughafen fährt, behalten die Entführer Tom als Geisel. Nachdem sie den Geldkoffer übernommen hat, füllt sie die Hälfte der Geldbündel in einen Plastikbeutel um und trifft sich mit den Gangstern an einer stark befahrenen Ausfallstraße. Während Santos zu ihr ins Auto steigt, hält auf der anderen Straßenseite sein Komplize mit Tom.

Julia erklärt Santos, sie sei nicht die Mutter des Jungen. Deshalb könne er mit ihm machen, was er wolle. Um sich selbst freizukaufen, bietet sie Santos die Million im Beutel an. Er glaubt ihr nicht, aber die Million ist ein Mehrfaches dessen, was er durch die Entführung des Kindes erpressen wollte. Mit dem Geld läuft er zwischen den Autos hindurch auf die andere Straßenseite. Julia folgt ihm, um Tom zu holen, aber als ihr die Pistole aus der Hand fällt, hebt Santos sie auf und bedroht sie und das Kind damit. In ihrer Not verrät Julia, dass die zweite Million im Kofferraum liegt. Santos überzeugt sich davon und ruft: „Ich wusste, dass du die Mutter bist!“ Jauchzend fährt er mit dem ganzen Geld davon.

„Ich bringe dich zu deiner Mutter“, sagt Julia zu Tom.

nach oben

„Julia“ beginnt als Trinkerdrama und Charakterstudie. Mit Mut zur Hässlichkeit stellt Tilda Swinton eindrucksvoll eine heruntergekommene Endvierzigerin dar, die sich nachts in Diskotheken betrinkt und den nächstbesten Mann aufreißt. Wenn sie am Morgen neben irgendeinem Kerl aufwacht, spüren wir als Zuschauer regelrecht den widerlichen Geschmack in ihrem trockenen Mund und riechen die Alkoholfahne. Doch als sie ein Kind entführt, um Geld zu erpressen, schränkt sie ihren Alkoholkonsum drastisch ein, um nicht die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren. An dieser Stelle wird „Julia“ zum hektischen Thriller und Roadmovie. Die Reise führt von Los Angeles nach Tijuana. Dort kommt es zu einer unerwarteten Wendung, und Julia läutert sich in einer harten Bewährungsprobe. Das Ende bleibt offen. Zusammengehalten wird das alles durch eine schauspielerische Bravourleistung von Tilda Swinton.

Inspiriert wurde Erick Zonca zu dem Film durch „Gloria, die Gangsterbraut“ von John Cassavetes mit Gena Rowlands bzw. dem Remake dazu von Sidney Lumet mit Sharon Stone in der Hauptrolle.

Gloria, die Gangsterbraut – Originaltitel: Gloria – Regie: John Cassavetes – Drehbuch: John Cassavetes – Kamera: Fred Schuler – Schnitt: George C. Villaseñor – Musik: Bill Conti – Darsteller: Gena Rowlands, Julie Carmen, John Adames u.a. – 1980; 120 Minuten

Gloria – Originaltitel: Gloria – Regie: Sidney Lumet – Drehbuch: Steven Antin, nach einem Drehbuch von John Cassavetes – Kamera: David Watkin – Schnitt: Tom Swartwout – Musik: Howard Shore – Darsteller: Sharon Stone, Jean-Luke Figueroa, Jeremy Northam u.a. – 1999; 105 Minuten

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

Erick Zonca: Liebe das Leben

B. S. Johnson - Albert Angelo
"Albert Angelo" ist eine originelle Satire von B. S. Johnson auf die Gesellschaft. Das Lesevergnügen resultiert hier nicht aus einer spannenden Geschichte, sondern aus der eigenwilligen Art der Darstellung, einer Art Collage.
Albert Angelo

B. S. Johnson

Albert Angelo

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Sommer durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.