Guildford Four


Am 5. Oktober 1974 verübte die Provisional Irish Republican Army (IRA) Sprengstoffanschläge auf die beiden Pubs „Seven Stars“ und „Horse and Groom“ in Guildford, der Hauptstadt der englischen Grafschaft Surrey. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben und weitere 65 wurden verletzt, einige davon schwer. Die Polizei von Surrey geriet unter enormen Druck, die Terroranschläge aufzuklären.

Ende Oktober wurden vier junge Nordiren festgenommen: Gerry Conlon, Paul Hill, Patrick („Paddy“) Armstrong und Carole Richardson – „the Guildford Four“.

Bei der Gerichtsverhandlung wurden die „Guildford Four“ von den Geschworenen für schuldig befunden und am 22. Oktober 1975 zu lebenslanger Haft verurteilt – wobei John Donaldson, der Vorsitzende Richter, ausdrücklich bedauerte, nicht die Todesstrafe verhängen zu können. Parallel dazu verurteilte das Gericht sieben weitere Personen aus dem Umfeld der „Guildford Four“ – die „Maguire Seven“ – wegen Beihilfe zum Mord zu langjährigen Freiheitsstrafen. Einer von ihnen war Gerry Conlons Vater Guiseppe Conlon, der am 23. Januar 1980 im Gefängnis starb.

Obwohl Mitglieder einer inzwischen wegen mehrerer Bombenanschläge verurteilten Einheit der IRA – die „Balcombe Street Gang“ – die Attentate in Guildford gestanden hatten, wurde die Berufung der „Guildford Four“ 1977 zurückgewiesen.

Mitte der Achtzigerjahre begann sich die Medien erneut für die „Guildford Four“ zu interessieren. Schließlich setzten sich auch Prominente für die Überprüfung der Gerichtsurteile ein. In einem 1987 erstellten Gutachten des britischen Innenministerium wurden Zweifel an den Urteilen geäußert.

Als der Fall 1989 erneut aufgerollt wurde, stellte sich heraus, dass die Polizei die Geständnisse der „Guildford Four“ mit tagelanger Folter erpresst hatte. Dass

die Angeklagten ihre Geständnisse widerrufen und schwere Vorwürfe gegen die Vernehmungsbeamten erhoben hatten, war vom Gericht nicht weiter beachtet worden. Außerdem gab es einen Zeugen, der im Januar 1975 bestätigt hatte, zur Tatzeit mit Gerry Conlon und Paul Hill im Park gewesen zu sein, aber das Protokoll dieser Aussage war von der Polizei mit dem Vermerk „Not to be shown to defence“ versehen und dem Gericht nicht vorgelegt worden.

Am 19. Oktober 1989 – fast auf den Tag genau vierzehn Jahre nach den Schuldsprüchen – wurden die Urteile gegen die „Guildford Four“ aufgehoben.

Von den Polizisten, die Gerry Conlon, Paddy Armstrong, Paul Hill und Carole Richardson verhört hatten, wurde keiner zur Rechenschaft gezogen.

Premierminister Tony Blair entschuldigte sich am 9. Februar 2005 öffentlich bei den „Guildford Four“ und ihren Familien.

Gerry Conlon verfasste die Autobiografie „Proved Innocent. The Story of Gerry Conlon of the Guildford Four“ (1990), die 1993 von Jim Sheridan verfilmt wurde: „Im Namen des Vaters“.

Literatur über die Guildford Four

  • Ronan Bennett: Double jeopardy. The retrial of the Guildford Four (1993)
  • Gerry Conlon: Proved Innocent. The Story of Gerry Conlon of the Guildford Four (1990)
  • Annie Maguire und Jim Gallagher: Why Me? One Woman’s Fight for Justice and Dignity (1994)

© Dieter Wunderlich 2009

Jim Sheridan: Im Namen des Vaters

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