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Dieter Wunderlich:
Buch- und Filmtipps

Hintergrundinformationen zu Buch- und Filmtipps von Dieter Wunderlich

 
   
 

Marieluise Fleißer

1901 – 1974 / Biografie, Bibliografie


 


23. November 1901: Marieluise (eigentlich: Luise Marie) Fleißer wurde in Ingolstadt als Tochter des Werkzeugschmieds Heinrich Fleißer (1868 – 1946) und dessen Ehefrau Anna (1874 – 1918) geboren. In der Geburtsurkunde trug der Standesbeamte irrtümlich den 22. November ein.

Zwei Jahre vor Marieluise hatte die Mutter die Zwillinge Anna Theresa (»Anni«) und Heinrich geboren, aber der Junge war inzwischen an Rachitis gestorben. Anna Fleißer brachte später noch zwei Töchter und einen Sohn zur Welt.

Das Geburtshaus von Marieluise Fleißer stand in der Kupferstraße in Ingolstadt. Heinrich Fleißer hatte das Gebäude, in dem sich auch seine Werkstatt und seine Eisenwarenhandlung befanden, von seinem Vater geerbt.

Über ihre Kindheit in der Kupferstraße schrieb Marieluise Fleißer später: »Ich konnte zum Hafner Bleimeier hinauflaufen, den Gesellen zuschaun, wie auf der Drehscheibe die weichen Lehmtöpfe wuchsen. Ich konnte im Bäckerhof drüben aufpassen, was der Bäcker mit seinem Teig machte. Wir hatten einen Schlosser, einen Schreiner, einen Schuster, einen Sattler in der Straße, einen Metzger, seine Schweine schrien mörderisch in aller Früh, wenn sie auf den Viehwagen hinaufgezerrt wurden, der sie zum Schlachthof brachte, einen Stadtbauern, zwei Bäcker, die Tandler-Meierin, eine Bettfedernreinigungsanstalt und verschiedene Geschäfte, vom Pfarrhaus und den Schulen gar nicht zu reden, überall konnte man stillschweigend hineinschlüpfen und eine Zeitlang zuschaun, wenn man dem Fleißer gehörte, bis man dann doch im Weg herumstand und auf sanfte Art hinausgeschafft wurde.«

Heinrich Fleißer war nicht nur ein gut ausgebildeter, selbstbewusster Handwerker, sondern auch kulturell interessiert. Als junger Mensch soll er für Oscar Wilde geschwärmt haben. »Mein Vater Heinrich [...] nannte sich einen Philosophen«, erzählte Marieluise Fleißer später. Sie beschrieb ihn als einen geselligen Herrn: »Nachdem er seinen Vater beerbt hatte, wurde er ein leidenschaftlicher Münchenfahrer und war in München überall dort anzutreffen wo es einen guten Wein gab; ich war als junges Mädchen mehr wie einmal dabei, wenn er bei vorgerückter Stunde der Blumenfrau ihren ganzen Korb abkaufte und ihn an die anwesenden Damen verteilen ließ.«

1907: »Die Luis« wurde eingeschult.

1911: Marieluise Fleißer wechselte auf die Töchterschule des Klosters St. Johann im Gnadenthal in der Johannesstraße.

1914: Weil es damals in Ingolstadt noch keine zum Abitur führende Schule für Mädchen gab (obwohl Mädchen im Königreich Bayern seit 1903 zur Immatrikulation an den Universitäten zugelassen waren), schickte Heinrich Fleißer Marieluise in das mit einem Internat der Englischen Fräulein verbundene Mädchenrealgymnasium in Regensburg.

»Marieluise Fleißer verdankte diesem Privileg eine glänzende Schulbildung, Fremdsprachenkenntnisse wie naturwissenschaftliches Grundlagenwissen, sie verdankte ihm eine Erweiterung und Vertiefung ihrer Lektüre weit über den schon beachtlichen Bestand des elterlichen Bücherschranks hinaus. All dies freilich Bücher von Dieter Wunderlich musste sie teuer bezahlen: mit einem rigiden Alltagsreglement, ja mit einschneidender Beschränkung der Freiheit, etwa Briefzensur, mit ständiger Beaufsichtigung, mit einem Korsett katholisch-moralischer Anweisungen, mit der Umleitung sexueller Gefühle in den Gefühlsstrom bigotter Schwärmerei.« (Hiltrud Häntzschel) – Wegen des gerade begonnenen Krieges wurde ein Teil des Gebäudes als Lazarett verwendet, aber die Nonnen achteten streng darauf, dass ihre Zöglinge nicht vom Pausenhof zu den Fenstern der Soldaten hinaufsahen, geschweige denn in deren Nähe kamen. Angeblich wurde eines der Mädchen relegiert, weil es einer Mitschülerin den Inhalt der Novelle »Die Marquise von O.« von Heinrich von Kleist erzählt hatte. (Hiltrud Häntzschel bezweifelt allerdings, dass es tatsächlich so war.

November 1918: Als Marieluise Fleißer ihren siebzehnten Geburtstag feierte, litt ihre durch die kriegsbedingten Ernährungsmängel geschwächte Mutter an einer Lungenentzündung.

14. Dezember 1918: Die Vierundvierzigjährige starb.

Sommer 1920: Mit dem Abitur erwarb Marieluise Fleißer die Hochschulreife.

15. Oktober 1920: Marieluise Fleißer immatrikulierte sich unter dem Namen »Aloysia Fleißer« an der Philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit der Absicht, Theaterwissenschaft zu studieren.

Winter 1920/21: Marieluise Fleißer lernte Alexander Weicker (1893 – 1983) kennen und wurde seine Geliebte. Er war acht Jahre älter als sie und stammte aus Luxemburg. Obwohl er in München Staatswissenschaften studierte, verstand er sich als Dichter. »Unentwegt entwirft er, verwirft, sprudelt von literarischen Plänen, die allesamt unter dem Fanal stehen, nicht den gängigen Kulturbetrieb zu bedienen, sondern alles Ordentliche, Gediegene, Pausbäckige (und darunter fällt fast alles bei ihm) zu zerfetzen.« (Hiltrud Häntzschel)

Später schrieb Marieluise Fleißer über Alexander Weicker: »Ich habe seitdem keinen Menschen gesehen, der im Vitalen so groß angelegt war [...] Kraft für sieben auf einmal [...] Mit einer wilden Gewalttätigkeit und plötzlichen Bösartigkeit verband er in sich die feinfühligste Zartheit und eine kindliche Freude am Leben.«

»Er eröffnet die Reihe auffällig exzentrischer, starker, gewaltsamer, gewalttätiger und – ihrer späteren Beschreibung zufolge – zugleich ungewöhnlich zärtlicher Männer, auf die sie sich kühn und lustvoll einlässt. Die Spielart von Sexualität, in der Lust und Gewalt untrennbar sind – wie wir es aus ihrem Werk kennen –, die hat sie möglicherweise bei Weicker zum ersten Mal erlebt [...] Mit Alexander Weicker ist sie in der Tat an einen Vulkan geraten.« (Hiltrud Häntzschel) – Hiltrud Häntzschel meint, »dass es Marieluise Fleißer, entgegen ihrem Auftreten und ihrem äußeren Habitus, immer zum Ungewöhnlichen, zu den Abweichlern hingezogen hat«.

Februar 1921: Der Vater, der glaubte, sie wolle Lehrerin werden, hatte sie in einer Pension der Englischen Fräulein in Nymphenburg untergebracht, aber die Neunzehnjährige, die sich von Freunden jetzt »Lu« statt »Luis« nennen ließ und von einer Karriere als Literatin träumte, zog es in das Künstlerviertel Schwabing, wo sie nach einiger Zeit ein möbliertes Zimmer bei der Witwe Elisabeth Beraz in der Ainmillerstraße mietete.

1921: Der Verlag Georg Müller veröffentlichte Alexander Weickers ersten Roman unter dem Titel »Fetzen. Aus der abenteuerlichen Chronika eines Überflüssigen«.

Der Witwer Heinrich Fleißer heiratete sein früheres Dienstmädchen. Maria war ein halbes Jahr älter als Marieluise.

Frühjahr 1922: Auf einem Künstlerfest im Fasching lernte Marieluise Fleißer den Schriftsteller Bruno Frank (1887 – 1945) kennen. »Und der Bruno Frank, der hat mich auf seinen Schultern im Reitsitz durch den Saal getragen und hat mich dann zum Lion [Feuchtwanger] hingetragen und hat gesagt: Lion, hier stell ich dir eine Frau vor, die hat den – wie hot er gesagt? – die hat den schönsten Busen von Mitteleuropa [...] Und der Lion hat dann schnell angesprungen, nicht, und dann blieb ich eigentlich beim Lion hängen, nicht beim Bruno Frank.«

Lion Feuchtwanger war zwar seit zehn Jahren verheiratet, wurde aber für die angehende Schriftstellerin aus Ingolstadt mehr als ein Freund und Förderer. »Praktisch habe ich aber dann den Lion immer allein gesehen da in der Wohnung, die Marta war immer in einem anderen Zimmer, die Marta war immer nicht da. Und der Lion, der hatte es ziemlich dick hinter den Ohren.«

Lion Feuchtwanger riet ihr, sich nicht länger Lu, sondern »Marieluise Fleißer« zu nennen und forderte sie auf, ihm ihre Gedichte zu zeigen. »Da hat der Lion gesagt, das ist ja lauter Expressionismus, das ist so verkrampft [...], aber so schreibt man nicht heute, man schreibt neue Sachlichkeit.« Aufgrund der Kritik warf Marieluise Fleißer angeblich alles ins Feuer, was sie bis dahin geschrieben hatte. Hiltrud Häntzschel bezweifelt Marieluise Fleißers Darstellung allerdings in ihrer Biografie und weist darauf hin, dass der Begriff »neue Sachlichkeit« erst 1925 in den allgemeinen Wortschatz einging.

September 1922: Alexander Weicker meldete sich aus München ab und zog nach Paris. (Im Dezember 1934 kehrte er nach München zurück, und dort heiratete er auch 1936.)

18. Januar 1923: Marieluise Fleißer und ihre vier Geschwister bekamen eine Stiefschwester: Hildegard.

3. März 1923: Durch Feuchtwangers Vermittlung konnte sie ihre Erzählung »Meine Zwillingsschwester Olga« in der von Stefan Großmann in Berlin herausgegebenen Wochenschrift »Das Tage-Buch« veröffentlichen.

»Und es ist wahrlich eine ungewöhnliche Geschichte, dergleichen hat man noch nicht gelesen: Was eine übliche Erzählung ausmacht, die Einführung der Protagonisten und eine Klärung ihres Verhältnisses zueinander, die Vorbereitung auf einen Plot, auf einen Konflikt – nichts dergleichen. Der erste Lektüreeindruck: chaotisch, diffus, die Sprache unscharf, manchmal unbeholfen. Es knistert nur so von pubertär-sexueller Erregung und Gewalt. Die Dreizehnjährigen (so wird die Autorin die Erzählung später betiteln) stehen unter einer kaum erträglichen Spannung [...] Der Überdruck ihres erwachenden Begehrens kann sich nur entladen in Aggression, in Verführen und Verletzen [...] Sexualität als Verdacht, als unbekannte, erst recht unbegreifliche Körpererfahrung, für die die Protagonisten, Jugendliche in der Provinz, in der der Teufel noch drohend mächtig ist, noch keine Sprache besitzen, keine Artikulationsmöglichkeit kennen jenseits von Körpergesten und Gewalt [...] In diffuser Rede, abgerissenen Beobachtungen, halbfertigen Anspielungen und Körpersignalen entsteht kein Bild, schon gar kein Weltbild, vielmehr ein Chaos aus Wahrnehmungs- und Gefühlssplittern, die sich scharf und verletzend aneinander reiben.« (Hiltrud Häntzschel)

1924: Zwei Jahre brauchte Marieluise Fleißer, um an Lion Feuchtwangers Freund Bertolt Brecht heranzukommen, den sie seit dem Besuch einer Aufführung seines Dramas »Trommeln in der Nacht« in den Münchner Kammerspielen im Herbst 1922 als Genie verehrte.

25. April 1924: Marieluise Fleißer meldete sich fürs Sommersemester an, brach jedoch Anfang Mai ihr Studium ab.

1924: Marieluise Fleißer gab ihr Schauspiel »Die Fußwaschung« zuerst Lion Feuchtwanger zu lesen. Der reichte es Bertolt Brecht weiter. Dann lag es erst einmal herum.

Das Theaterstück zeigt »die Ausweglosigkeit von Jugendlichen in dem beklemmend dumpfen Mief aus Kleinstadtenge, unkanalisierter Sexualität, verquerer Bigotterie. Wie ist das in eine dramatische Handlung zu bringen? Die Jungen sind schon am Anfang so kaputt wie am Ende [...] Theaterkritiker werden später einwenden, das Stück sei ein Bilderbogen. Wer eine dramatische Fieberkurve, eine Entwicklung der Figuren zum Guten oder Schlechten und ein zwingendes Ende erwartet, sieht sich enttäuscht.« (Hiltrud Häntzschel)

September 1924: Marieluise Fleißer gab ihr Zimmer in der Ainmillerstraße auf, wohnte zwei Wochen lang in der Kurfürstenstraße und dann in der Neureutherstraße.

Oktober 1924: Bertolt Brecht zog nach Berlin.

Ende 1924: Marieluise Fleißer kehrte nach Ingolstadt zurück.

18. Juni 1925: Der »Berliner Börsen-Courier« veröffentlichte die Erzählung »Der Apfel« von Marieluise Fleißer.

26. Juli 1925: Der »Berliner Börsen-Courier« veröffentlichte die Erzählung »Die Stunde der Magd« von Marieluise Fleißer.

2. August 1925: Der »Berliner Börsen-Courier« veröffentlichte die Erzählung »Zwischen Schlaf und Schlaf« von Marieluise Fleißer.

11. September 1925: Der Dramaturg, Regisseur und Theaterkritiker Herbert Ihering (1888 – 1977) stellte Marieluise Fleißer im »Berliner Börsen-Courier« vor: »Von Marieluise Fleißer sind bisher nur einige kurze Novellen erschienen, in Buchform noch nichts. Alles andere, darunter ein Drama, ist Manuskript. Wer auch nur einen flüchtigen Einblick in einen Teil dieser Arbeiten gewonnen hat, empfindet sofort das Ungewöhnliche. Die Frage der Begabung ist schon ausgeschaltet. Das literarische Talent steht nicht mehr zur Debatte. Marieluise Fleißer ist eine schöpferische Frau (in der deutschen Dichtung der letzten Jahre die erste wieder seit Else Lasker-Schüler). Marieluise Fleißer wohnt in Ingolstadt. Eine katholische Kleinstadt ist der Nährboden ihrer Phantasie. Es wird zur Realität nichts hinzugetan [...] Ohne Willen zur Phantastik, schreibt Marieluise Fleißer scheinbar sachliche, trockene Berichte, aber von dieser Berichterstattung geht eine seltene Suggestion aus. Das Wort selbst ist wieder Bild geworden. Nicht der Vergleich hebt die Darstellung. Die Darstellung ist das Gleichnis. Marieluise Fleißer hat die entscheidende Begabung der dichterischen Erzählerin: die Mitteilung sofort als Ausdruck zu geben [...] So erscheinen die Menschen und die Ereignisse gleichzeitig tragisch und humoristisch, nicht durch Kommentare oder durch Ironie, sondern durch die unheimliche Bannkraft des Blicks mit dem sie gesehen, und der Sprache, mit der sie gestaltet sind.«

24. Januar 1926: In einem Brief an Marieluise Fleißer versprach der seit dem Vorjahr in Berlin lebende Lion Feuchtwanger, sich bei Verlagen wie Rowohlt und Kiepenheuer für sie einzusetzen. »Ich lege dir ein bisschen Geld bei, übermäßig viel habe ich selber nicht. Beiß die Zähne zusammen. Es wäre schade um dich, wenn du dich nicht oben hieltest.«

18. März 1926: Der Berliner Regisseur Moriz Seeler, der im Winter 1921/22 die »Junge Bühne« gegründet hatte, ein Theater ohne eigenes Haus und festes Ensemble, teilte Marieluise Fleißer in einem Telegramm mit, er werde ihr Stück »Die Fußwaschung« aufführen.

Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger hatten Moriz Seeler (1896 – 1942) auf Marieluise Fleißer aufmerksam gemacht. Statt das Stück eines jungen Dramatikers wollte Moriz Seeler nun »Die Fußwaschung« inszenieren. (Der abgelehnte Autor schoss sich aus Verzweiflung in die Brust, überlebte aber den Suizid-Versuch.)

25. April 1926: Unter dem Titel »Fegefeuer in Ingolstadt« wurde das Bühnenstück von Marieluise Fleißer in einer Matinee im Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt.

26. April 1926: Die Kritiker bemängelten strukturelle Unzulänglichkeiten; es fehle an Handlungsdynamik, hieß es, und »Fegefeuer in Ingolstadt« sei deshalb mehr ein Bilderbogen als eine Tragödie. Aber sogar der einflussreiche Kritiker Alfred Kerr (1867 – 1948) lobte die Begabung der jungen Dramatikerin im »Berliner Tageblatt«, stellte aber die Frage, ob sie das Stück nicht in Wirklichkeit mit Bertolt Brecht zusammen geschrieben habe. »Falls die Fleißerin existiert, ist sie wirklich eine Hoffnung.« Durch Kerrs Kritik und den Titel des Stücks wurde der Name Marieluise Fleißer fortan mit Bertolt Brecht und Ingolstadt assoziiert.

Stefan Großmann kommentierte in »Das Tage-Buch«: »Das Beste aber ist die Art, wie Marieluise Fleißer in ein paar Figuren die ganze bayerische Kleinstadt eingefangen hat, die Stickluft, die enge, den Terrorismus der Nachbarschaft, die durch Sündenbewusstsein unheiter gewordenen Seelen, die bajuwarische Brutalität, die dicht neben der Religion daheim ist, der Cynismus, welcher die Kehrseite der Ekstase ist. Das ist nicht Naturalismus, das ist intuitives Seelenschauen. Diese Dichterin, weit entfernt (wenigstens vorläufig) von Bildungsbemühungen, ist aus einem Guss, nicht geschnitzt, sondern geboren. Ihr Stück ist zuweilen etwas langatmig, aber es ist von der ersten bis zur letzten Zeile selbsterlebt.«

Marieluise Fleißer, die zur Uraufführung nach Berlin gereist war, kam in der Wohnung der wegen eines Gastspiels verreisten, mit ihr befreundeten Schauspielerin Helene Weigel (1900 – 1971) unter. In dieser Zeit könnte sie eine Affäre mit Bertolt Brecht gehabt haben, der in diesem Monat (April 1926) die Scheidung von seiner Ehefrau Marianne einreichte. Der Mann sei »eine Potenz« gewesen, meinte Marieluise Fleißer später, und er habe sie sofort »gebrochen«.

1. Mai 1926: Der Ullstein-Verlag nahm Marieluise Fleißer unter Vertrag.


Dieter Wunderlich: AußerOrdentliche Frauen. © Piper Verlag 2009

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"AußerOrdentliche Frauen. 18 Porträts" von Dieter Wunderlich.
Piper Verlag, München 2009 – Leseprobe


1926: Zurück in Ingolstadt, begann Marieluise Fleißer an einem Lustspiel zu arbeiten: »Pioniere in Ingolstadt«.

5. Juni 1926: Die »Magdeburger Zeitung« druckte in ihrer von Bernard Guillemin und Walther Petry redigierten Literaturbeilage die Erzählung »Der Apfel« von Marieluise Fleißer nach und brachte von da an insgesamt sechzehn Prosaarbeiten von ihr.

Juni bis September 1926: Bertolt Brecht hielt sich wieder in Augsburg auf. Marieluise Fleißer besuchte ihn dort mindestens einmal und sprach später von »ihre[r] schönste[n] Zeit mit Brecht«.

November 1926: Ernst Deutsch las Marieluise Fleißers Erzählungen »Der Apfel« und »Das Märchen vom Asphalt« im Hörfunk.

12. Dezember 1926: Die Münchner Kammerspiele bekamen vertraglich das exklusive Recht zur Uraufführung des neuen Stücks von Marieluise Fleißer.

17. Dezember 1926: Der Ullstein-Verlag bestätigte ihr die Übernahme von »Pioniere in Ingolstadt« in den Bühnenvertrieb Arcadia.

5. Januar 1927: Marieluise Fleißer meldete sich in Berlin-Wilmersdorf an und mietete ein Zimmer in der Nähe der Mansarde, die Helene Weigel Bertolt Brecht überlassen hatte.

Ostern 1927: Das »Berliner Tageblatt" veröffentlichte die 1925 von Marieluise Fleißer verfasste Erzählung »Abenteuer aus dem Englischen Garten«.

Frühjahr 1927: Marieluise Fleißer freundete sich mit dem vier Jahre älteren Schauspieler und Schriftsteller Hannes Küpper an, der ihr Stück »Pioniere in Ingolstadt« mit nach Essen nahm, um es dort im Februar 1928 auf die Bühne zu bringen. (Die Münchner Kammerspiele hatten inzwischen auf die Rechte verzichtet.)

Juni 1927: Marieluise Fleißer verließ Berlin und hielt sich bis Anfang November im Ostseebad Kolberg auf.

November 1927: Sie kehrte nach Ingolstadt zurück und begann dort ein Verhältnis mit ihrem drei Jahre älteren Jugendfreund Josef (»Bepp«) Haindl. Außerdem freundete sie sich mit dem Schriftsteller Bodo Uhse (1904 – 1963) an, der drei Jahre jünger war als sie. Er hatte sich im November 1923 am Marsch der Nationalsozialisten auf die Feldherrnhalle beteiligt und war im September 1927 in die NSDAP eingetreten.

6. Dezember 1927: Ein Essay von Marieluise Fleißer über Buster Keaton erschien im »Berliner Börsen-Courier«. (Abdrucke in der »Mageburgischen Zeitung« und in der Zeitung »Germania« folgten am 11. Dezember 1927 bzw. 9. August 1930.)

19. März 1928: Marieluise Fleißer fuhr nach Dresden.

25. März 1928: Nachdem sich die Pläne einer Uraufführung des Stücks »Pioniere in Ingolstadt« sowohl in München als auch in Essen zerschlagen hatten, kam es in der Komödie Dresden unter der Regie von Renato Mardo auf die Bühne.

Wichtigste Figur ist das junge Dienstmädchen Berta. Ihr steigt zwar der siebzehnjährige Fabian Unertl nach, der Sohn der Familie, bei der sie angestellt ist, aber sie zieht ihm Korl Lettner vor, einen der Pioniere aus Küstrin, die nach Ingolstadt gekommen sind, um eine Brücke zu bauen. Korl, der nur an sexuellen Kontakten interessiert ist, warnt sie: Wer ihn liebe, müsse leiden. Kurz vor der Fertigstellung der Brücke lässt Berta sich von Korl deflorieren. Danach klagt sie: »Wir haben was ausgelassen, was wichtig ist. Die Liebe haben wir ausgelassen.« Als sie erfährt, dass Korl auch noch andere Frauen hat und Vater ist, begreift sie, dass er ihre Gefühle nicht erwidert.

Nach wenigen Vorstellungen wurde das Stück »Pioniere in Ingolstadt« abgesetzt.

August bis Oktober 1928: Marieluise Fleißer hielt sich in München auf.

Spätherbst 1928: Bepp Haindl richtet nach einem kurzen Urlaub mit Marieluise Fleißer in Pörtschach am Wörthersee – die beiden waren inzwischen verlobt – in Ingolstadt einen Tabakwaren-Laden ein.

25. Februar 1929: Der Preußische Landtag in Berlin beschloss schärfere gesetzliche Maßnahmen zum Schutz der »Deutschen Kultur«.

2. März 1929: Der Arcadia-Verlag unterrichtete Marieluise Fleißer darüber, dass das Theater am Schiffbauerdamm in Berlin die Aufführungsrechte an »Pioniere in Ingolstadt« erworben hatte.

5. März 1929: Nach der »Dreigroschenoper« wurde im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin die Satire »Giftgas über Berlin« von Martin Lampel uraufgeführt und sofort verboten, weil es dabei um Putschpläne der Reichswehr ging.

Bertolt Brecht empfahl die »Pioniere in Ingolstadt« als Ersatz. Brecht, der die Fäden zog, auch wenn es offiziell hieß, sein Freund Jacob Geis führe Regie, sorgte für deutliche Veränderungen des Stücks: »Der Text schrumpft um etwa ein Drittel, die Handlung wird gerafft, vereinfacht, lange Dialoge stark gestrafft, die Personen werden schärfer karikiert. Das nette Happy End [...] entfällt.« (Hiltrud Häntzschel) Marieluise Fleißer, die kurz vor der Uraufführung nach Berlin kam, musste während der Proben hektisch Passagen umschreiben und zuspitzen. Als sie unter der Belastung zusammenbrach, machte Brecht ohne sie weiter, fügte eine provozierende Sexszene auf einem Friedhof hinzu und inszenierte die Defloration Bertas, die man in Dresden hinter den Kulissen angedeutet hatte, in einer auf der Bühne hin- und hergestoßenen Kiste.

30. März 1929: Premiere der »Pioniere in Ingolstadt« am Schiffbauerdamm-Theater in Berlin mit Hilde Körber als Berta, Lotte Lenya als Alma, Albert Hoerrmann als Korl, Peter Lorre als Fabian. Bühnenbild: Caspar Neher.

31. März 1929: Der Berliner Polizeipräsident Bernhard Weiß verlangte Änderungen und drohte mit einem Aufführungsverbot.

1. April 1929: Nach der Aufführung der entschärften Fassung gab es sechzehn Vorhänge.

4. April 1929: Eric Krünes schrieb in der »Berliner Illustrierten Nachtausgabe« einen offenen Brief an den Bürgermeister von Ingolstadt: »Ein junges Mädchen Ihrer Stadt, der die Kochschule nichts Interessantes bot, hat zu dichten begonnen [...] Pornodramatisches zwischen Kulissen [...] Verspottung der Provinz; Ingolstadt als idiotisches Nest; Soldaten als Schweinehunde [...] Rufen Sie doch die Dichterin zurück! Verheiraten Sie das Mädel, vielleicht gibt sie dann das Stückeschreiben, das eine Folge ungelöster Komplexe zu sein scheint, auf!«

6. April 1929: Darauf antwortete der Bürgermeister Friedrich Gruber ebenfalls in einem offenen Brief: »Gegen das gemeine Machwerk der Schriftstellerin Marieluise Fleißer Pioniere in Ingolstadt, wodurch Ingolstadt und seine Einwohnerschaft und die ehemalige Pioniergarnison aufs schwerste beleidigt und verhöhnt wird, erheben wir feierlichst Protest. Ebenso protestieren wir gegen die weitere Aufführung dieses Schmähstückes.«

16. April 1929: Der Ullstein-Verlag verlängerte den Vertrag mit Marieluise Fleißer und erhöhte die monatliche Anweisung auf 300 Reichsmark.

17. April 1929: Marieluise Fleißer wehrte sich in einem offenen Brief im »Berliner Tageblatt« gegen die Verunglimpfungen durch die Ingolstädter: »Sie haben gegen mein Stück Pioniere in Ingolstadt protestiert und es ein gemeines Machwerk, ein Schmähstück, ein Schandstück genannt. Warum denn gleich so hitzig? Sie haben ja die Aufführung nicht einmal gesehen, auch das Stück nicht gelesen, da es niemand zugänglich war.«

Wie von Bertolt Brecht erwünscht, löste die Aufführung der »Pioniere in Ingolstadt« einen Theaterskandal aus. Gerade deshalb fand die Komödie große Beachtung. Marieluise Fleißer, die gar nicht geahnt hatte, welcher Sprengstoff in ihrem Stück steckte, wurde dadurch berühmt, aber von den Militaristen angefeindet, von den Konservativen im »dicksten sexuellen Ur- und Affenwald« verortet und in ihrer Heimatstadt als Nestbeschmutzerin verfemt. »Das Skandalöse an dem seither so genannten Pioniere-Skandal waren ja weder die Qualität des Stücks noch die Gesinnung der Autorin, noch Brechts Regie«, meint Hiltrud Häntzschel, »skandalös verhielten sich allein die rechte Presse und die Mehrheit der Ingolstädter Bürgerschaft«.

In dieser schwierigen Zeit überwarf sich Marieluise Fleißer mit Bertolt Brecht, der sie mit den Folgen des Skandals »wie mit einem Besenkammer-Balg« (Carl-Ludwig Reichert) allein gelassen hatte. »Nicht nur wegen dem Skandal«, erklärte sie später in einem Interview, »sondern weil ich das einfach nicht mehr ausgehalten hab', die vielen Frauen um ihn, die Weigel, die Elisabeth Hauptmann, die Carola Neher.«

8. Mai 1929: Nach vierzig Abenden endeten die Aufführungen des Stücks »Pioniere in Ingolstadt« am Theater am Schiffbauerdamm planmäßig.

Mai 1929: Marieluise Fleißer verklagte Bürgermeister Friedrich Gruber wegen Beleidigung und bekam am 14. Februar 1931 in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte Recht: Gruber wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Darüber empörte man sich in Ingolstadt aufs Neue.

Nur Bepp Haindl hielt zu ihr und verteidigte sie, wenn die Kameraden in seinem Schwimmverein über sie herzogen. Marieluise Fleißer fand allerdings die Briefe, die er ihr nach Berlin schickte, besitzergreifend.

Mitte Mai 1929: Deshalb ließ sie ihn – einen Rat Lion Feuchtwangers befolgend – in die Reichshauptstadt kommen, um mit ihm Schluss zu machen. Aufgrund der 1963 veröffentlichten Erzählung »Avantgarde« von Marieluise Fleißer wurde angenommen, Bepp Haindl habe seine Braut mit einem Messer bedroht.

12. Juni 1929: Das erste Buch von Marieluise Fleißer wurde im »Börsenblatt des deutschen Buchhandels« angekündigt: »Ein Pfund Orangen und 9 andere Erzählungen«. Es handelte sich ausschließlich um Erzählungen, die bereits in Zeitungen veröffentlicht worden waren.

20. Juni 1929: Marieluise Fleißer kündigte ihrem Vater in einem Brief die Absicht an, nach Ingolstadt zu kommen.

27. Juni 1929: Heinrich Fleißer riet seiner Tochter davon ab und gab ihr zu verstehen, in welchen Schwierigkeiten er sich durch ihre Schuld befand. »[...] ich würde an deiner Stelle lieber als Zigarrenladnerin in Berlin leben oder sein, wie hier als Dichterin, denn noch oft genug kann ich über dich abfällige Urteile hören, auch von ins Gesicht spucken u. dergleichen, so schnell sind die Wogen noch nicht glatt u. dann die Sache mit dem Haindl Josef wie leicht kann da aus dem Lustspiel eine Tragödie werden, u. wenn dich der Mann umbringen will, wie du mir schreibst, wenn du das riskieren willst?« Marieluise Fleißer interpretierte den Brief als Hausverbot.

Juli 1929: Marieluise Fleißer fuhr nach Ingolstadt, um sich von Bepp Haindl zu trennen.

Juli bis September 1929: Auf einer Schwedenreise verlobten sich Marieluise Fleißer und der drei Jahre jüngere Journalist Hellmut Draws-Tychsen, der sie seit der Berliner Premiere der »Pioniere von Ingolstadt« umwarb.

Bei Hellmut Draws-Tychsen handelte es sich um einen aus Westpreußen stammenden Außenseiter, der seinen Mangel an inneren Werten mit exzentrischem Auftreten kompensierte, aber nie über genügend Geld für seinen Lebensstil verfügte. »Selber hält er sich für zweifelsfrei genial, verachtet um so mehr weibliche Intellektualität; schöpferische Begabungen spricht er den Frauen rundheraus ab.« (Hiltrud Häntzschel) Hellmut Draws-Tychsen scheint alkoholkrank gewesen zu sein und im Gegensatz zu Marieluise Fleißer kein Interesse am Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Hiltrud Häntzschel spricht »von der zerstörerischen Gewalt in den sexuellen Spannungen dieses Paares, von gegensätzlichsten Bedürfnissen, unbefriedigten Wünschen, von masochistischer Lust an Bestrafung und Unterwerfung bis zu völliger Selbstaufgabe«. Es könnte so gewesen sein, wie es Marieluise Fleißer in ihrem Stück »Der Tiefseefisch« schilderte: »Er immer offensiv, diktatorisch, Hörigkeit fordernd, bitter kränkend, sie ausschleßlich in der Defensive; aber sie liefert sich ihm und seinem Terror freiwillig aus.« (Hiltrud Häntzschel)

Winter 1929/30: Marieluise Fleißer zog bei der Vermieterin von Hellmut Draws-Tychsen in Berlin in ein möbliertes Zimmer.

14. Februar 1930: Der Arcadia-Verlag teilte Marieluise Fleißer mit, dass zahlreiche Theater nach ihrem neuen Stück »Der Tiefseefisch« gefragt hatten und erkundigte sich nach dem Stand ihrer Arbeiten daran. Ähnliche Anfragen vom Arcadia-Verlag erhielt Marieluise Fleißer am 29. Mai und am 5. Juli 1930.

April 1930: Marieluise Fleißer und Hellmut Draws-Tychsen reisten über Paris nach Andorra.

September 1930: Marieluise Fleißer erhielt das Manuskript »Der Tiefseefisch« vom Arcadia-Verlag zurück: Man wollte es nicht ins Programm nehmen.

2. Dezember 1930: Aufgrund der Einmischung von Hellmut Draws-Tychsen kündigte der Ullstein-Verlag den Vertrag mit Marieluise Fleißer.

9. Dezember 1930: Der Gustav Kiepenheuer Verlag nahm Marieluise Fleißer unter Vertrag.

März 1931: Marieluise Fleißer wurde in den Verband deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten aufgenommen.

5. November 1931: In einem Brief an Hellmut Draws-Tychsen schrieb Marieluise Fleißer von ihrem Verdacht, dass Bertolt Brecht gegen sie intrigiere.

19. November 1931: Im Gustav Kiepenheuer Verlag erschien Marieluise Fleißers einziger Roman »Die Mehlreisende Frieda Geier«.

Zeitungsredaktionen zeigten sich zwar weiterhin an Beiträgen von ihr interessiert, schickten die eingesandten Arbeiten jedoch meistens zurück, ohne sie zu veröffentlichten. »Draws hat noch viel weniger Einnahmen als sie, er lebt auf ihre Kosten und unterstützt aus ihrem Portmonnaie auch noch seine Familie.« (Hiltrud Häntzschel) In der Erwartung, von den Einkünften seiner Braut profitieren zu können, entwickelte sich Hellmut Draws-Tychsen zu einem »Zuhälter in litteris« (Hiltrud Häntzschel). Je länger er auf einen weiteren Erfolg der Schriftstellerin warten musste, desto tyrannischer gebärdete er sich. »Er ist, auch wenn er schläft, ein Diktator«, klagte Marieluise Fleißer. »Das ist die kaum zu fassende Tragödie in Fleißers Leben, dass sie sich diesem Mann in abgöttischer Liebe ausgeliefert hat, sich ökonomisch ausbeuten ließ, bis rein nichts mehr da war, und zugleich – und das ist noch ungleich katastrophaler –, dass sie ihre Begabung, ihren Verstand, ihre Kunst, ihre Urteilsfähigkeit für ihn prostituiert hat.« (Hiltrud Häntzschel)

27. November 1931: Marieluise Fleißer trat aus dem Schutzverband deutscher Schriftsteller aus.

Ende September 1932: Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch kehrte Marieluise Fleißer allein und mittellos nach Ingolstadt zurück, wo sich zwar die Wogen inzwischen geglättet hatten. Die finanzielle Lage der Familie war angespannt, denn das Eisenwarengeschäft lief nicht mehr gut, und Marieluises älterer Bruder Heinrich, der Ingenieurwissenschaften studiert hatte, war arbeitslos. Außerdem sorgte sich der Vater um seine beiden jüngeren Töchter Ella und Hilde und beschwor Marieluise, sie nicht ungut zu beeinflussen.

Herbst 1932: Bepp Haindl versöhnte sich mit Marieluise Fleißer.

Januar / Februar 1933: Marieluise Fleißer rückte von Hellmut Draws-Tychsen ab. Sie teilte ihm mit, dass sie sich kein Papier mehr leisten könne und es nicht wage, nach Einbruch der Dunkelheit zu lesen, weil sie keinen Strom verbrauchen wolle. In dieser Situation verlangte sie 5000 Mark von Hellmut Draws-Tychsen zurück.

24. April 1933: In einem weiteren Brief an Hellmut Draws-Tychsen löste Marieluise Fleißer die Verlobung: »Hemmungslos deinen Wünschen und Bedürfnissen folgend, bereits vor der offiziellen Eheschließung ohne Scheu deine finanziellen Sorgen auf mich abwälzend, ja durch den Verbrauch meiner Gelder die Möglichkeit der Eheschließung immer wieder hinausschiebend und sie verweigernd, hast du mich stets aufs neue eingekreist [...] Im letzten Jahr in Berlin erkannte ich, dass der Weg neben dir für mich kerzengerade ins Irrenhaus führt.«

Hellmut Draws-Tychsen akzeptierte die Lösung der Verlobung nicht und forderte sie auf, sofort zu ihm nach Berlin zurückzukehren.

16. Mai 1933: Marieluise Fleißer reiste für ein paar Wochen nach Berlin.

Dort wurde ihr klar, dass sie von den inzwischen an die Macht gekommenen Nationalsozialisten wegen ihrer Stücke und ihrer früheren Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht nichts Gutes zu erwarten hatte. (Dass sie mit einem Schreibverbot belegt wurde, stimmt allerdings nicht.)

11. Dezember 1933: Marieluise Fleißer bewarb sich um die Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer. Der Aufnahmeantrag wurde am 14. Dezember angenommen.

Mai 1934: Marieluise Fleißer ließ sich auf eine monatelange Affäre mit dem zwei Jahre jüngeren fränkischen Maler Georg Hetzelein ein, der ihr um die hundert mit erotischen Zeichnungen versehene Briefe schickte, obwohl er mit ihrer Freundin Maria Hirscheider verlobt war.

Juli 1934: Hellmut Draws-Tychsen schrieb ihr: »Merk dir: eine Frau ist ohne den formenden Willen des Mannes nichts. Ohne mich wird dein Werk keine Existenzberechtigung mehr haben [...] Mit einem ungeheuerlichen Vampirtum hast du alle deine Männer verwüstet und obendrein literarisch gefleddert [...] Du hättest körperlich rechtzeitig und kräftig befriedigt werden müssen und alle musischen Extravaganzen wären spurlos vorübergegangen.« Ultimativ verlangte er von ihr »blindes Vertrauen und die notwendige Achtung«.

September 1934: Marieluise Fleißer und Georg Hetzelein besuchten den Kirchenmaler Franz Xaver Lindl mehrere Tage in Berching im Altmühltal. Dabei scheint es zu sexuellen Übergriffen gekommen zu sein.

Ende 1934 / Anfang 1935: Marieluise Fleißer trennte sich sowohl von Georg Hetzelein als auch endgültig von Hellmut Draws-Tychsen.

25. April 1935: Nachdem das Stück »Pioniere in Ingolstadt« und der Roman »Mehlreisende Frieda Geier« bereits im Vorjahr im inoffiziellen «Verzeichnis der polizeilich beschlagnahmten und eingezogenen, sowie der für Leihbüchereien verbotenen Druckschriften« aufgetaucht waren, standen die beiden Werke von Marieluise Fleißer nun auf der offiziellen »Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums«.

September 1935: Marieluise Fleißer heiratete trotz ihrer Bedenken Bepp Haindl. »Man vermutete, wohl mit Recht, dass sie nur versorgt sein wollte. Bepp galt als äußerst schwach, gutmütig bis zum Törichten. Marieluise war ihm intellektuell himmelhoch überlegen, sie hatten sich nichts zu sagen [...] Aber er liebt sie abgöttisch, ist ihr wider alle Vernunft in Hörigkeit ergeben.« (Hiltrud Häntzschel)

Gegen ihren Willen musste sie nicht nur den Haushalt führen, sondern auch in dem Tabakladen mithelfen, den er inzwischen in Ingolstadt betrieb. Das Schreiben kam dabei zu kurz.

August 1938: Marieluise Fleißer ließ sich von Bepp Haindl für drei Monate in die Heil- und Pflegeanstalt für Gemütskranke in München-Neufriedenheim bringen.

Januar 1943: Marieluise Fleißer wurde in einer Munitionsfabrik dienstverpflichtet.

Juni 1945: Marieluise Fleißer wurde beschuldigt, zwei Stangen Zigaretten nicht angemeldet zu haben und deshalb in Untersuchungshaft genommen. Bepp Haindl, der gerade von einem kurzen Kriegseinsatz in Pommern nach Ingolstadt zurückkehrte, setzte sich erfolgreich dafür ein, dass sie freigelassen wurde.

1946: Der Verlag Kurt Desch in München veröffentlichte das Theaterstück »Karl Stuart«, von dem Marieluise Fleißer seit 1938 sechs Fassungen geschrieben hatte.

Marieluise Fleißer beantragte die Aufnahme in den Schutzverband Deutscher Schriftsteller.

September 1948: Sie schrieb Bertolt Brecht, der sich in Zürich aufhielt, eine versöhnliche Nachricht. Aber: »Der Abstand ist groß geworden zwischen dem von Theater zu Theater jettenden Stückeschreiber und der in Ingolstadt quasi eingesperrten Fleißerin.« (Hiltrud Häntzschel)

Frühjahr 1949: Marieluise Fleißer schickte Bertolt Brecht zwei Stücke.

Mai 1949: Sie mahnte eine Antwort von ihm an. Bertolt Brecht schrieb Lion Feuchtwanger nach Kalifornien: »Die Fleißer, die einen Kramladen in Ingolstadt geheiratet haben soll, schickte mir zwei Stücke, die nicht besonders gut sind, wie mir scheint.«

Ende September 1950: In den Münchner Kammerspielen traf Marieluise Fleißer nach zwanzig Jahren Bertolt Brecht wieder, der zu den Proben für »Mutter Courage und ihre Kinder« nach München gekommen war. Er machte sie mit der Hauptdarstellerin Therese Giehse bekannt.

7. November 1950: Uraufführung des Volksstücks »Der starke Stamm« von Marieluise Fleißer in den Münchner Kammerspielen. Es stieß auf Ablehnung.

Marieluise Fleißer schrieb Helene Weigel: »Ich bin immer noch ziemlich verstört von meiner Münchener Aufführung und bin, obwohl die Presse im ganzen wohlwollend war, rein aus dem heraus, was ich spürte, jetzt davon überzeugt, dass ich nicht fürs Theater schreiben kann, nie bringe ich eine tragfähige Handlung her, und die Handlung ist fast das Einzige, was auf der Bühne wirklich kommt, alles andere ist für die Katz.«

Oktober 1951: Eine Inszenierung von »Der starke Stamm« in Ingolstadt wurde rasch wieder abgesetzt.

7. Juli 1954: Marieluise Fleißer gratulierte Lion Feuchtwanger in Los Angeles zum 70. Geburtstag und nutzte die Gelegenheit, an die alte Freundschaft wieder anzuknüpfen.

28. Dezember 1954: »So lebe ich hoffnungslos, angefeindet, trostlos und immer bedroht«, schrieb Marieluise Fleißer an Max Stefl.

Herbst 1955: Marieluise Fleißer bat Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger, sich für sie einzusetzen, denn um sich von Bepp Haindl trennen zu können, benötigte sie ein regelmäßiges Einkommen.

Januar 1956: Auf einem Schriftstellerkongress in Berlin wurde Marieluise Fleißer von Bertolt Brecht zur Zusammenarbeit in Ostberlin eingeladen, aber sie zog es vor, in Ingolstadt zu bleiben.

1956: Marieluise Fleißer arbeitete nicht mehr im Geschäft mit, sondern kümmerte sich nur noch halbtags um den Haushalt und zog sich dann in ihr eigens angemietetes Arbeitszimmer zurück. Der Bayerische Rundfunk bezahlte sie für die Prüfung von Hörspielmanuskripten (aber der Vertrag wurde 1957 nicht verlängert).

15. Januar 1958: Bepp Haindl starb. Marieluise Fleißer, die noch in derselben Nacht einen Herzinfarkt erlitt, musste für drei Monate ins Krankenhaus.

1959: Sie verkaufte das Tabakgeschäft.

Mai 1959: Der Carl Hanser Verlag bot Marieluise Fleißer eine Zusammenarbeit an.

1962: Marieluise Fleißer zog in eine kleine Eigentumswohnung in Ingolstadt.

1963: Unter dem Titel »Avantgarde« druckte der Hanser Verlag einen Band mit Erzählungen von Marieluise Fleißer. Neu war nur die Erzählung, die den Titel des Buches lieferte. Sie handelt von der Studentin Cilly Ostermeier, die in den Zwanzigerjahren aus der Provinz nach Berlin kommt und als Dichterin zur Avantgarde gehören möchte, die sich jedoch von einem Genie verbiegen lässt und dadurch beinahe zugrundegeht. Ob Bertolt Brecht mit dem Genie gemeint war, ist umstritten. Therese Giehse soll allerdings gesagt haben, es gebe kein gültigeres Porträt von ihm.

5. Februar 1966: Neuinszenierung des Stücks »Der starke Stamm« von Marieluise Fleißer auf der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin.

Mai 1968: Marieluise Fleißer war bei der Hochzeitsfeier von Martin und Monika Sperr zu Gast. Martin Sperr hatte »Der starke Stamm« in Berlin gesehen und war davon sehr beeindruckt. Ruth Drexel hatte die beiden Schriftsteller miteinander bekannt gemacht.

1967: Weil sozialkritische, antimilitaristische Theaterstücke wieder dem Zeitgeist entsprachen, beabsichtigte Helene Weigel, »Pioniere in Ingolstadt« neu zu inszenieren. Marieluise Fleißer wollte das Stück aber zuvor selbst überarbeiten.

15. Februar 1968: Aus der Zeitung erfuhr Marieluise Fleißer, dass am 18. Februar im »Action Theater« in München unter dem Titel »Zum Beispiel Ingolstadt« eine szenische Collage von Rainer Werner Fassbinder aus »Pioniere in Ingolstadt« mit Hanna Schygulla als Berta, Irm Hermann als Alma und Franz Xaver Kroetz als Feldwebel aufgeführt werden sollte. Sie erwirkte zunächst ein Aufführungsverbot, aber die Theaterleute überredeten sie, es zurückzuziehen und luden sie nach München ein.

Rainer Werner Fassbinder, Martin Sperr und Franz Xaver Kroetz schätzten an Marieluise Fleißer, dass sie das Volksstück vom Kitsch befreit und für Gesellschaftskritik erschlossen hatte und leiteten eine Renaissance ihrer Werke ein. Marieluise Fleißer schrieb nicht Dialekt, sondern einer Mundart imitierenden Kunstsprache. Inhaltlich bewegten sich ihre Stücke in einem »Magnetfeld von Sexualität, Gewalt, Begehren und Selbstbehauptung« bzw. einem »Kräftefeld von Begehren, Gewalt und Unterwerfung« (Hiltrud Häntzschel)

1. März 1970: Marieluise Fleißers Neufassung der »Pioniere in Ingolstadt« wurde unter der Regie von Niels-Peter Rudolph im Münchner Residenztheater uraufgeführt.

3. März 1970: Joachim Kaiser schrieb darüber in der »Süddeutschen Zeitung«: »Der Berliner Skandal wiederholt sich. Mords-Buhs ertönten gleichermaßen gegen den Regisseur und die Autorin [...] ein Abend, der eine Versöhnung zwischen einer bayerischen Autorin und einem bayerischen Theaterpublikum darstellen sollte, endete schroff dissonant.«

Januar 1971: Rainer Werner Fassbinder inszenierrte »Pioniere in Ingolstadt« in Bremen.

Am 30. April 1971 zeigten die Wuppertaler Bühnen erstmals die Neufassung des Stücks »Fegefeuer in Ingolstadt«

19. Mai 1971: Das ZDF strahlte die von Rainer Werner Fassbinder mit Hanna Schygulla in der Hauptrolle inszenierte Verfilmung des Stücks »Pioniere in Ingolstadt« aus. (Marieluise Fleißer mochte allerdings weder Rainer Werner Fassbinder noch den Film.)

Originaltitel: Pioniere in Ingolstadt – Regie: Rainer Werner Fassbinder – Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder, nach dem Bühnenstück »Pioniere in Ingolstadt« von Marieluise Fleißer – Kamera: Dietrich Lohmann – Schnitt: Thea Eymèsz – Musik: Peer Raben – Darsteller: Hanna Schygulla, Harry Baer, Irm Hermann, Rudolf Waldemar Brem, Walter Sedlmayr, Klaus Löwitsch, Günter Kaufmann, Carla Aulaulu, Elga Sorbas, Burghard Schlicht, Gunter Krää u. a. – 1970; 85 Minuten

30. Oktober 1971: Premiere einer Neuinszenierung von »Fegefeuer in Ingolstadt« am Stadttheater in Ingolstadt.

7. Januar 1972: Siegfried Unseld teilte Marieluise Fleißer mit, er habe sich entschlossen, eine von Günther Rühle editierte Gesamtausgabe ihrer Werke zu publizieren. »Sie arbeitet wie in Panik, schreibt ab, schreibt um. Die beiden frühen Stücke liegen in Neufassungen vor, für den Karl Stuart lässt sie die letzte, die Desch-Fassung gelten, Der starke Sturm erfährt noch einmal eine Umarbeitung [...] Es bleiben Der Tiefseefisch, die frühen Erzählungen, die Essays, die Feuilletons, der Roman, das Reisebuch. Nur wenige der frühen Arbeiten lässt Fleißer unangetastet, wie Abenteuer aus dem Englischen Garten, die war von Anfang an aus einem Guss. Die Eingriffe in die frühen Erzählungen gelten einer Verschärfung der Gewalt, der Gnadenlosigkeit im Umgang von Männern und Frauen, der Hoffnungslosigkeit im Verlangen nach Glück.« (Hiltrud Häntzschel)

30. November 1972: Siegfried Unseld schickte Marieluise Fleißer die drei Bände der Gesamtausgabe. (Ein vierter Band mit dem Nachlass erschien 1989.)

7. Januar 1973: Hellmut Draws-Tychsen starb in Gabersee bei Wasserburg.

Frühjahr 1973: Die Berliner Akademie der Künste wählte Marieluise Fleißer zum ordentlichen Mitglied.

Mai 1973: Weil Marieluise Fleißer im Krankenhaus lag, konnte sie den Bayerischen Verdienstorden nicht selbst entgegennehmen.

Ihre Absicht, das 1930 im Berliner »Börsen-Courier« unter dem Titel »Jonnys Dichtfabrik« auszugsweise veröffentlichte, aber auf Betreiben Bertolt Brechts – der sich darin wiedererkannt hatte – nie aufgeführte Theaterstück »Tiefseefisch« umzuarbeiten und endlich auf die Bühne zu bringen, konnte Marieluise Fleißer nicht mehr verwirklichen.

21. Januar 1974: Nach einer Schweiz-Reise musste Marieluise Fleißer erneut ins Krankenhaus.

2. Februar 1974: Marieluise Fleißer starb im Alter von zweiundsiebzig Jahren.

Marieluise Fleißer: Bibliografie (Auswahl)

  • Meine Zwillingsschwester Olga (Erzählung 1923 – Die Dreizehnjährigen)
  • Stunde der Magd (Erzählung 1925)
  • Fegefeuer in Ingolstadt (ursprünglich: Die Fußwaschung; Theaterstück 1926)
  • Abenteuer aus dem Englischen Garten (Erzählung, 1927)
  • Des Staates gute Bürgerin (ursprünglich: Das kleine Leben; 1928)
  • Pioniere in Ingolstadt (Theaterstück 1928)
  • Gassenbesen in Ingolstadt (1929/30)
  • Als wir auf das Christkind warteten (1930)
  • Tiefseefisch (Theaterstück, Vorabdruck 1930 unter dem Titel »Jonnys Dichtfabrik« / Uraufführung 1980)
  • Mehlreisende Frieda Geier (Roman, 1931 –
    später umgearbeitet: Eine Zierde für den Verein)
  • Andorranische Abenteuer (Reisetagebuch 1932)
  • Radfahren wider Willen (1933)
  • Karl Stuart (Drama 1944)
  • Das Pferd und die Jungfer (1949)
  • Der starke Stamm (Theaterstück 1950)
  • Kinderland (1950)
  • Die letzten Tage und die ersten (1963/64)
  • Avantgarde (Erzählung 1963)
  • Der Rauch (1964)
  • Die im Dunkeln (1965)
  • Der Venusberg (1966)
  • Eine ganz gewöhnliche Vorhölle (1972)

Literatur über Marieluise Fleißer

  • Ina Brueckel: »Ich ahnte den Sprengstoff nicht«. Leben und Schreiben der Marieluise Fleißer (Freiburg i. B., 1996)
  • Elke Brüns: Außenstehend, ungelenk, kopfüber weiblich.
    Psychosexuelle Autorpositionen bei Marlen Haushofer, Marieluise Fleißer und Ingeborg Bachmann (Stuttgart / Weimar 1998)
  • Angelika Döpper-Henrich: »Entfremdung« in den dramatischen Schriften von Marieluise Fleißer (Magisterarbeit, Frankfurt/M 1996)
  • Carmel Finnan: Eine Untersuchung des Schreibverfahrens Marieluise Fleißers anhand ihrer Prosatexte (Frankfurt/M 2003)
  • Sabine Göttel: »Natürlich sind es Bruchstücke«. Zum Verhältnis von Biographie und literarischer Produktion bei Marieluise Fleißer (St. Ingbert 1997)
  • Hiltrud Häntzschel: Marieluise Fleißer. Eine Biographie (Frankfurt/M 2007)
  • Elfi Hartenstein und Annette Hülsenbeck: Leben im Spagat.
    Eine biografische und literarische Collage mit Texten, Bildern und Fotografien von Marieluise Fleißer (Berlin 2001)
  • Annette Hülsenbeck: Die Stoffe der Marieluise Fleißer.
    Visuelle Anmerkungen (Ingolstadt 2003)
  • Maria E. Müller und Ulrike Vedder (Hg.): Reflexive Naivität.
    Zum Werk Marieluise Fleißers (Berlin 2000)
  • Carl-Ludwig Reichert: Marieluise Fleißer (München 2001)
  • Günther Rühle (Hg.): Marieluise Fleißer. Briefwechsel 1925 - 1974 (Frankfurt/M 2001)
  • Dieter Wunderlich: AußerOrdentliche Frauen. 18 Porträts (München 2009)

© Dieter Wunderlich 2008
Hauptquellen:
Hiltrud Häntzschel: Marieluise Fleißer. Eine Biographie
Carl-Ludwig Reichert: Marieluise Fleißer

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Carl-Ludwig Reichert: Marieluise Fleißer



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