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Petra wurde am 29. November 1947 in Günzburg an der Donau geboren. Wegen der Schwangerschaft hatten ihre Eltern, Siegfried und Marianne Lehmann, heiraten müssen. Da war Marianne noch nicht einmal 18 Jahre alt. Nachdem Siegfried Lehmann seine Familie Anfang der Fünfzigerjahre im Stich gelassen hatte, wurde die Ehe 1954 geschieden.
Marianne Lehmann fand eine Stelle als deutsch-amerikanische Dolmetscherin. Um das Kind kümmerte sich ihre verwitwete Mutter Kunigunde Birle, in deren Haus sie ohnehin wohnten.
Wegen eines Nierenleidens musste Petra im Alter von neun Jahren operiert werden. Das zarte und kränkliche Kind lernte leicht, galt in der Schule als Streberin und tat sich schwer, Freundschaften zu schließen.
1957 stellte Marianne Lehmann ihrer Mutter und ihrer Tochter den US-Soldaten John E. Kelly als festen Freund vor, und im Dezember 1958 heiratete sie ihn. Bald darauf wurde sie von einer Tochter entbunden, die sie Grace nannte. Mit ihren beiden Kindern folgte sie im Dezember 1959 ihrem Mann nach Columbus in West-Georgia, während Kunigunde Birle nach Nürnberg zog.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der High School immatrikulierte Petra Kelly sich in Washington D. C. für ein Studium der Politikwissenschaften. Kurze Zeit später wurde bei ihrer Schwester, die inzwischen mit den Eltern wieder nach Deutschland gezogen war, Augenkrebs diagnostiziert. Um trotz fehlenden Geldes Weihnachten 1967 mit ihrer Familie in Würzburg feiern zu können, schrieb Petra Kelly einen Bittbrief an Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger -- und erhielt das Flugtickett bezahlt.
Kurz vor dem Ende ihres Studiums erfuhr sie, dass ihre Schwester am 17. Februar 1970 im Alter von zehneinhalb Jahren gestorben war. (Als Reaktion auf das erschütternde Ereignis gründete Petra Kelly 1973 die "Grace W. Kelly-Vereinigung zur Unterstützung der Krebsforschung für Kinder e. V.".) Während ihre Familie 1970 erneut in die USA übersiedelte, zog Petra Kelly mit einem Stipendium zunächst nach Amsterdam und dann als Praktikantin bei der Europäischen Kommission nach Brüssel. Am 1. Oktober 1973 wurde sie Verwaltungsrätin beim Wirtschafts- und Sozialausschuss der Europäischen Gemeinschaft.
Mit 24 begann sie eine Beziehung mit dem 64 Jahre alten EG-Präsidenten Sicco Mansholt, der schon 16 Jahre lang verheiratet war, als Petra Kelly geboren wurde. Aber nach der ersten Begeisterung merkte Sicco Mansholt, dass seine Geliebte nicht nur extrem egoistisch war, sondern in ihm eine Art Hausmann sah, der ihr lästige Alltagsarbeiten wie Kochen und Einkaufen abnehmen sollte. Deshalb kehrte er bald reumütig zu seiner Ehefrau zurück.
Petra Kelly dagegen verliebte sich in den ebenfalls wesentlich älteren und verheirateten irischen Gewerkschaftsführer John Carroll. Als sie schwanger wurde, ließ sie abtreiben.
Am 17. Januar 1979 löste die nordrhein-westfälische Landesregierung den ersten Smog-Alarm in der Bundesrepublik aus. Wegen der vom Warschauer Pakt stationierten SS20-Raketen beschlossen die NATO-Staaten am 12. Dezember 1979, von 1983 an nuklear nachzurüsten, amerikanische Pershing-II-Raketen in der Bundesrepublik aufzustellen und Cruise Missiles in Italien, Belgien und den Niederlanden zu stationieren.
Gleichzeitig bot man der UdSSR Verhandlungen über Rüstungsbeschränkungen an. Weil Bundeskanzler Helmut Schmidt maßgeblich an diesem "NATO-Doppelbeschluss" mitgewirkt hatte, trat Petra Kelly aus der SPD aus. Gegen die ökologischen Sünden, die Nutzung der Kernkraft und den Rüstungswettlauf schlossen sich im März 1979 einige Bürgerinitiativen, Umweltschutzorganisationen und linke Gruppen politischen Vereinigung "Die Grünen" zusammen, die bei den Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 1979 kandidierten, und zwar mit Petra Kelly als Spitzenkandidatin. Die Grünen errangen mit 3,2% der Stimmen immerhin einen Achtungserfolg.
Daraufhin entstand am 13. Januar 1980 aus der politischen Vereinigung die Partei "Die Grünen". Petra Kelly wurde in den Bundesvorstand gewählt. Neben ihrer Arbeit in Brüssel stürzte sie sich in die Parteiarbeit. Aber die Grünen schafften es bei der Bundestagswahl am 5. Oktober 1980 nicht, die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. Erst nach der Wahl am 6. März 1983 zogen die Grünen in den Bundestag ein, und Petra Kelly wurde neben Otto Schily und Marie Luise Beck-Oberdorf Fraktionssprecherin.
Im Oktober 1980 war Petra Kelly bei einer Podiumsdiskussion in München dem vorzeitig in den Ruhestand getretenen General Gert Bastian begegnet, der sich als Gegner des NATO-Doppelbeschlusses auch den Grünen angeschlossen hatte. Obwohl er in München eine Familie hatte, zog er mit Petra Kelly in ein Reihenhaus in Bonn-Tannenbusch.
Aufgrund des "Rotationsprinzips" der Grünen musste sie das Amt der Fraktionssprecherin 1984 wieder abgeben. Im selben Jahr trat Gert Bastian aufgrund von Meinungsverschiedenheiten aus der grünen Partei aus.
Petra Kelly wurde zunehmend häufiger von Panikattacken gequält und klammerte sich ängstlich an Gert Bastian. Ohne ihn wagte sie sich schließlich weder zum Einkaufen noch zum Friseur. Für Gert Bastian bedeutete das eine enorme Belastung, aber er wagte es nicht, sie zu verlassen, auch nicht, als sie 1989 eine kurze Affäre mit dem tibetischen Arzt Palden Tawo hatte.
Zum 87. Geburtstag am 1. Oktober 1992 schickte Petra Kelly ihrer Großmutter Kunigunde Birle eine Blumenschale. Als Bastians Ehefrau am 19. Oktober aus einem mehrwöchigen Urlaub nach München zurückkehrte und ihn telefonisch nicht erreichte, bat sie Nachbarn, von denen sie wusste, dass sie einen Schlüssel zum Haus von Gert Bastian und Petra Kelly hatten, doch einmal nachzusehen. Gert Bastian lag im Flur, und Petra Kelly in ihrem Bett. Sie waren bereits seit fast drei Wochen tot. Wahrscheinlich hatte Gert Bastian zuerst Petra Kelly im Schlaf und dann sich selbst erschossen.
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