Zarte Parasiten

Zarte Parasiten

Zarte Parasiten

Originaltitel: Zarte Parasiten – Regie: Christian Becker, Oliver Schwabe – Drehbuch: Christian Becker, Oliver Schwabe – Kamera: Oliver Schwabe – Schnitt: Florian Miosge– Musik: Aurelio Valle – Darsteller: Robert Stadlober, Sylvester Groth, Maja Schöne, Corinna Kirchhoff, Gerda Böken, Max Timm, Rainer Laupichler, Paul Nickel, Ludo Schotte, Tom Schilling u.a. – 2009; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Manu und Jakob verweigern sich der bürgerlichen Gesellschaft. Sie hausen im Wald, gehen keiner Berufstätigkeit nach, melden sich aber auch nicht arbeitslos. Um Geld für Einkäufe zu beschaffen, nisten sie sich bei einsamen Menschen ein und lassen sich für ihre Zuneigung bezahlen. So verbringt Manu ihre Tage bei einer bettlägerigen Greisin. Jakob macht sich an den Segelflieger Martin heran, der nicht über den Unfalltod seines Sohnes hinweggekommen ist ...
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Kritik

Der Ansatz ist interessant. Allerdings gelingt es Christian Becker und Oliver Schwabe nicht, den Plot mit Leben zu füllen. "Zarte Parasiten" bleibt eine blutleere Parabel, ein Lehrstück.
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Jakob (Robert Stadlober) ist fünfundzwanzig Jahre alt. Er übt weder eine Berufstätigkeit aus, noch meldet er sich arbeitslos. Stattdessen haust er mit seiner ebenfalls obdachlosen Freundin Manu (Maja Schöne) in einem Zelt im Wald. Zum Duschen gehen die beiden in eine Badeanstalt. Um Geld für Einkäufe zu beschaffen, nisten sie sich immer wieder bei einsamen Menschen ein und lassen sich für ihre Zuneigung bezahlen.

So verbringt Manu ihre Tage seit einiger Zeit bei einer bettlägerigen Greisin. Dabei handelt es sich um ein Tauschgeschäft: Emotionen gegen Geld. Frau Katz (Gerda Böken) freut sich, wenn Manu ihr Gesellschaft leistet, Platten auflegt und ihr etwas vortanzt. Als sie sich an die körperliche Liebe erinnern möchte, holt Manu ihren Freund, und die beiden zeigen Frau Katz auf dem Bettvorleger, wie es ist, wenn zwei nackte Menschen Sex miteinander haben.

Jakob macht sich an den passionierten Segelflieger Martin (Sylvester Groth) heran. Der ist über den Unfalltod seines Sohnes Benjamin (Paul Nickel) nicht hinweggekommen und hat nach zwanzig Jahren seine Anstellung als Manager aufgegeben, um sich ganz dem Fliegen bzw. dem Zusammenbau eines eigenen Segelflugzeuges zu widmen. Jakob will ihm für einige Zeit den verlorenen Sohn ersetzen. Martins Ehefrau Claudia (Corinna Kirchhoff) sträubt sich dagegen, dass der Fremde sich bei ihnen im Haus einnistet, aber Jakob bringt Martin geschickt dazu, ihm das verwaiste Kinderzimmer zu überlassen.

Während Jakob sich bei Martin und Claudia aufhält, wird Manu auf dem Lagerplatz im Wald von einem jungen Mann namens Constantin (Max Timm) bedroht, mit dem sie in einer Diskothek getanzt hatte. Er will sich dafür rächen, dass sie ihn anschließend wegschickte. Mit einer Schaufel in der Hand verjagt Manu ihn. Aufgeregt versucht sie, Jakob mit dem Handy anzurufen. Obwohl sie vereinbart hatten, dass er immer für sie erreichbar sein sollte, meldet er sich nicht.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Unerwartet stirbt Frau Katz. Manu holt Jakob. Die Polizei verständigen sie nicht. Während Manu weiterziehen will, drängt Jakob sie, ein paar Tage bei der Toten auszuharren. Ohne sich dessen voll bewusst zu sein, erfüllt Jakob nicht nur Martins Sehnsucht nach dem verlorenen Sohn, sondern auch seine eigene nach einem Vater, den er nie hatte.

Manu bleibt nicht verborgen, dass Jakob sich bei Martin und Claudia wohlfühlt. Sie klingelt überraschend und gibt sich als seine Schwester aus. Nachdem sie den Abend mit Jakob und dem Ehepaar verbrachte, als seien sie eine Familie, geht sie wieder, ohne sich zu verabschieden. Gerade als Jakob damit anfängt, die Wahrheit zu gestehen, kommen zwei Polizisten an die Türe. Sie zeigen Martin ein Foto, das sie bei einer Toten in der Wohnung fanden. Darauf sind Frau Katz, Manu und Jakob abgebildet. Martin beteuert, keine der Personen jemals gesehen zu haben.

Sobald die Beamten weg sind, stellt er Jakob zur Rede. Der nimmt die Autoschlüssel und holt Manu im Wald ab. Nach ein paar Kilometern lässt er den Wagen stehen, damit Martin ihn leichter finden kann.

Nach diesen aufwühlenden Tagen räumen Martin und Claudia endlich das Zimmer ihres toten Sohnes aus.

Zufällig treffen Martin, Manu und Jakob sich einige Zeit später in einem Küstenort wieder. Manu arbeitet dort als Kellnerin in einem Strandcafé und hat sich mit einem einsamen Stammgast namens Alfred (Ludo Schotte) angefreundet. Martin fragt Jakob, ob es ihm nur ums Geld gegangen sei, und der junge Mann schüttelt den Kopf.

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Mit dem Beziehungsdrama „Zarte Parasiten“ liefern Christian Becker und Oliver Schwabe einen Beitrag über die moderne Industriegesellschaft, in der alles zur Ware geworden ist und selbst Liebe oder Zuneigung gegen Geld zu haben sind. Manu und Jakob verweigern sich der bürgerlichen Gesellschaft, aber sie nutzen unerfüllte Sehnsüchte von Bürgern zur Vermarktung von Gefühlen.

Dieser Ansatz ist interessant. Allerdings gelingt es Christian Becker und Oliver Schwabe nicht, den Plot mit Leben zu füllen. „Zarte Parasiten“ bleibt eine blutleere Parabel, ein Lehrstück. Das betrifft die eindimensionalen Figuren, über deren Biografien und Beweggründe wir kaum etwas erfahren, die schematische Handlung und die Dramaturgie, der es an Dynamik fehlt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

 

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