Die Legende von Paul und Paula

Die Legende von Paul und Paula

Die Legende von Paul und Paula

Originaltitel: Die Legende von Paul und Paula - Regie: Heiner Carow - Drehbuch: Heiner Carow und Ulrich Plenzdorf - Kamera: Jürgen Brauer - Schnitt: Evelyn Carow - Musik: Peter Gotthardt - Darsteller: Angelica Domröse, Winfried Glatzeder, Heidemarie Wenzel, Fred Delmare, Dietmar Richter-Reinick, Frank Schenk, Peter Gotthardt, Hans Hardt-Hardtloff, Käthe Reichel, Christian Steyer, Jürgen Frohriep u.a. - 1973; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Zu Beginn der 70er-Jahre verlieben sich in Ostberlin die allein erziehende Mutter Paula und ein von seiner Frau betrogener Familienvater. Während Paula sich unbekümmert in das Liebesglück stürzt, macht Paul sich Sorgen wegen der möglichen Konsequenzen. Erst als Paula nach dem Unfalltod eines ihrer Kinder aus Vernunftgründen einen doppelt so alten Reifenhändler heiraten will, ändert Paul seine Einstellung und kämpft für die Liebe.
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Kritik

Mit der heiteren und ironischen, am Schluss auch tragischen Komödie "Die Legende von Paul und Paula" kritisierte Heiner Carow eine Gesellschaft, in der nicht das persönliche Glück zählte, sondern jeder Einzelne vorgegebenen Zielen des Staats zu dienen hatte.
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Ostberlin zu Beginn der Siebzigerjahre. Paula (Angelica Domröse) hat eine kleine uneheliche Tochter und verdient ihren Lebensunterhalt als Kassiererin in einer Kaufhalle. Als die lebenslustige Dreiundzwanzigjährige mit ein paar Freundinnen auf einen Rummelplatz geht und ausgelassen Karussell fährt, verliebt sie sich in einen Schaukelburschen (Christian Steyer) und nimmt ihn bei sich auf. Sie kriegt von ihm ein zweites Kind, aber der Gynäkologe (Rolf Ludwig) ermahnt sie, von jetzt an unbedingt zu verhüten, denn die Geburt eines dritten Kindes werde sie kaum überleben. Als sie vom Krankenhaus nach Hause kommt, überrascht sie ihren Freund in der Umarmung mit einem halbnackten Mädchen. Aufgebracht wirft sie ihn aus der Wohnung.

Auf dem Jahrmarkt war auch der Student Paul (Winfried Glatzeder). Der verliebte sich dort in Ines (Heidemarie Wenzel), die hübsche Tochter eines Schießbudenbesitzers und dessen Frau (Hans Hardt-Hardtloff, Käthe Reichel). Paul und Ines heiraten und kriegen bald darauf einen Sohn, doch als Paul bei der Armee ist und unerwartet zu einem Kurzurlaub heimkehrt, ertappt er Ines mit einem anderen Mann im Bett.

Weil es Paula nicht leicht fällt, abends nach der Arbeit noch die angelieferten Briketts in den Keller zum schleppen und für ihre beiden Kinder zu sorgen, überlegt sie, ob sie nicht doch dem Werben des Reifenhändlers Saft (Fred Delmare) nachgeben sollte. Er ist zwar doppelt so alt wie sie, aber dann hätten die Kinder wenigstens einen Vater und sie wäre versorgt. Vorher möchte sie aber noch „ein Fass aufmachen“: Sie geht tanzen.

In der Diskothek sind zufällig auch Paul und Ines. Ein Gast namens Martin (Jürgen Frohriep) macht sich an Paula heran, aber während Paul mit Ines und Paula mit Martin tanzen, haben sie nur noch Augen füreinander. Sie wohnen in zwei benachbarten Häuserblocks. In einer Wellblechgarage, die Paul gemietet hat, um einen Oldtimer herzurichten, verbringen sie eine stürmische Liebesnacht. Paula glaubt, endlich den Mann ihres Lebens gefunden zu haben und singt während der Arbeit albern vor Glück. Paul macht sich dagegen Sorgen, weil Ines nur auf einen Grund lauert, um sich von ihm scheiden lassen zu können. Er will aber seinen Sohn nicht aufgeben und kann sich wegen seiner Stellung als persönlicher Referent eines hohen Parteifunktionärs keinen Skandal leisten. Zwar begehrt er Paula, aber die Leidenschaft irritiert ihn, und er beschließt, „vernünftig“ zu sein.

Frustriert über Pauls Ausbleiben putzt Paula ihre Wohnung. Die quengelnden Kinder geben ihr den Rest. Um sie loszuwerden, gibt sie ihnen Geld fürs Kino. Die beiden Kleinen stürmen aus dem Haus und über die Straße. Dabei gerät der Junge unter ein Auto und stirbt.

Paul klingelt bei Paula, aber sie gibt sich die Schuld am Tod ihres Sohnes und bittet ihn, nicht wiederzukommen: „Was ich will, geht nicht.“

Aufgrund des Schocks ist es jetzt Paula, die „vernünftig“ handeln will. Sie geht mit ihrer Tochter Birgit zu Saft, lässt sich seinen Kleinbetrieb zeigen und will seine Frau werden. Paul randaliert vor ihrer Wohnungstür, und weil sie ihm nicht öffnet, legt er sich im Treppenhaus zum Schlafen hin. Als Saft kommt, um Paula und ihre Tochter zu einem Wochenendausflug in seine halbfertige Datsche abzuholen, setzt Paul sich ungebeten mit ins Auto.

Nachdem Paul eine Woche lang in seinem Büro unentschuldigt gefehlt hat, holen ihn zwei Kollegen aus seiner Garage und nehmen ihn mit. Als er zurückkehrt, entdeckt er im Schlafzimmerschrank einen Liebhaber seiner Frau. Jetzt gibt es für ihn kein Halten mehr: Er rennt über die Straße, bittet Paulas Nachbarin höflich um eine Axt, schlägt damit Paulas Tür ein und nimmt sie unter dem Beifall der anderen Mieter in die Arme.

Bei einer gynäkologischen Untersuchung im dritten Monat der neuen Schwangerschaft rät ihr der Arzt noch einmal dringend zu einer Abtreibung, denn das Risiko sei zu groß. Aber Paula besteht darauf, das Kind auszutragen.

Sie stirbt bei der Geburt. Paul bleibt mit ihren beiden Kindern und dem Sohn, den er mit Ines gezeugt hatte, allein zurück.

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Ungeachtet der gesellschaftlichen Konventionen und der Erwartungen des sozialistischen Staates versucht Paula, ihr persönliches Glück mit Paul zu verwirklichen. Aber das gelingt ihr nur zeitweise. Mit der heiteren und ironischen, am Schluss auch tragischen Komödie „Die Legende von Paul und Paula“ kritisierte Heiner Carow (1929 – 1997) eine Gesellschaft, in der nicht das persönliche Glück zählte, sondern jeder Einzelne vorgegebenen Zielen des Staats zu dienen hatte. Obwohl die Figuren lebensnah sind, mutet die Handlung teilweise surreal an, aber das ist sehr geschickt kombiniert. Besonders gelungen ist auch die Spiegelung der Verhaltensweisen: Zuerst stürzt Paula sich bedenkenlos in das Liebesglück, während Paul zögert, weil er an die Konsequenzen denkt, und nach dem Tod ihres Sohnes will Paula „vernünftig“ sein, während Paul jetzt entschlossen für die Liebe kämpft. Angelica Domröse und Winfried Glatzeder spielen das sehr überzeugend.

Die Songs von Peter Gotthardt wurden von den „Puhdys“ gesungen.

Ulrich Plenzdorf (1934 – 2007), der die Erstfassung des Drehbuchs geschrieben hatte, veröffentlichte 1979 als Fortsetzung den Roman „Legende vom Glück ohne Ende“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Ulrich Plenzdorf: Legende vom Glück ohne Ende

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