Blue Valentine

Blue Valentine

Blue Valentine

Blue Valentine – Originaltitel: Blue Valentine – Regie: Derek Cianfrance – Drehbuch: Derek Cianfrance, Joey Curtis, Cami Delavigne – Kamera: Andrij Parekh – Schnitt: Jim Helton, Ron Patane – Musik: Grizzly Bear – Darsteller: Ryan Gosling, Michelle Williams, Faith Wladyka, Mike Vogel, Jen Jones, u.a. – 2010; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Cindy studiert Medizin und strebt eine Karriere als Ärztin an. Dean, der keinen Highschool-Abschluss hat und als Möbelpacker arbeitet, verliebt sich in sie. Als Cindy von einem anderen Mann ungewollt schwanger wird und es nicht fertig bringt, das Kind abtreiben zu lassen, fängt Dean sie auf. Sie heiraten und bilden eine Familie. Sechs Jahre später zerbricht die Ehe an den von Anfang an vorhandenen Gegensätzen ...
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Kritik

Die erschütternde Geschichte wird wie eine Collage im ständigen Wechsel zwischen den Zeitebenen entwickelt. Durch die raffinierte Verschachtelung stehen Ende und Anfang der Liebesbeziehung in "Blue Valentine" nebeneinander.
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Dean (Ryan Gosling) hat keinen Highschool-Abschluss. Er arbeitet als Möbelpacker in New York City. Eines Tages transportieren er und seine Kollegen die Habseligkeiten eines senilen Greises (Melvin Jurdem) von dessen Haus in ein Seniorenheim. Trotz des Zeitdrucks beschränkt Dean sich nicht darauf, die Möbel aufzustellen, sondern hängt auch noch Bilder und Lichterketten auf, damit sich der alte Mann in der neuen Umgebung heimisch fühlen kann. Zufrieden verabschiedet er sich, während die Kollegen schon ungeduldig im Möbelwagen auf ihn warten. Da fällt sein Blick auf eine junge Frau in der gegenüberliegenden Türe. Dean spricht sie an. Sie geht nicht auf ihn ein, aber er schreibt „Gib mir eine Chance“ auf eine Geschäftskarte der Spedition und drückt sie ihr in die Hand. Dort könne sie anrufen und nach ihm fragen, sagt er.

Cindy (Michelle Williams), so heißt die Frau, ist zu Besuch bei ihrer Großmutter (Jen Jones). Sie schaut oft nach ihr und entflieht auf diese Weise auch ihren Eltern, die sich fortwährend streiten. Die Karte, die Dean ihr aufgedrängt hat, behält sie zwar, aber sie ruft die angegebene Telefonnummer nicht an, denn die Medizinstudentin ist mit ihrem sportlichen Kommilitonen Bobby (Mike Vogel) liiert.

Einen Monat lang wartet Dean vergeblich auf ihren Anruf. Dann befolgt er den Rat eines Kollegen und fährt zum Seniorenheim, um sich bei der alten Dame, bei der die Unbekannte zu Besuch war, nach ihr zu erkundigen. Das von ihm eingerichtete Zimmer ist leer; der Greis ist inzwischen gestorben. Cindys Großmutter verspricht, ihre Enkelin zu bitten, Kontakt mit ihm aufzunehmen.

Aber dann trifft Dean Cindy zufällig im Bus, setzt sich neben sie und redet mit ihr. Die beiden kommen sich näher, und bald darauf stellt Cindy ihren Eltern den neuen Freund vor. Ihr Vater (John Doman) lässt Dean deutlich spüren, dass er der ehrgeizigen Studentin Cindy, die Ärztin werden möchte, keinen Möbelpacker ohne Highschool-Abschluss als Ehemann wünscht. Davon lässt Dean sich allerdings nicht entmutigen. Und Cindy beendet ihre Beziehung mit Bobby.

Der entreißt ihr die Geschäftskarte der Spedition. Mit zwei Kumpanen zusammen sucht er Dean im Lagerhaus des Unternehmens auf und schlägt ihn zusammen.

Nach einiger Zeit stellt Cindy fest, dass sie schwanger ist. Weil das Kind offenbar noch von Bobby gezeugt wurde, verschweigt sie es Dean, aber er merkt, dass etwas sie belastet und lässt ihr keine Ruhe, bis sie ihm sagt, was los ist.

Cindy beschließt, das ungewollte Kind abtreiben zu lassen, und Dean begleitet sie in die Klinik. Der Gynäkologie bereitet den Eingriff vor. Cindy liegt mit gespreizten Beinen auf dem gynäkologischen Stuhl und lässt sich ein Spekulum einführen. Doch als der Arzt ihr eine Betäubungsspritze geben will, fordert sie ihn unvermittelt auf, die Prozedur abzubrechen. „Ich kann das nicht“, schluchzt sie. Im letzten Augenblick hat sie es sich anders überlegt.

Draußen nimmt Dean sie liebevoll in die Arme und sagt: „Lass uns eine Familie sein.“

Cindy ist hochschwanger, als sie und Dean heiraten.

Sechs Jahre vergehen. Dean und Cindy sind mit ihrer Tochter Frankie (Faith Wladyka) von New York nach Pennsylvania gezogen, wo sie ein Haus bewohnen. Wegen des Kindes gab Cindy ihre Karrierepläne auf. Statt als Ärztin arbeitet sie als Krankenschwester in einer Klinik. Weil sie ehrgeizig ist, leidet sie unter dem unerfüllten Berufswunsch, und sie fühlt sich durch ihre Aufgaben in der Klinik und zu Hause überlastet. Dean hingegen ist mit seiner Arbeit als Anstreicher zufrieden. Da könne er wenigstens schon am Morgen ein Bier trinken, entgegnet er Cindy, als sie ihm vorwirft, seine Talente zu verschwenden. Das Fehlen von Ambitionen und die brachliegende Kreativität treiben Cindy zur Verzweiflung. Dass Dean sie liebt und für Frankie ein ebenso aufmerksamer wie verständnisvoller Vater ist, ändert daran nichts.

In der Hoffnung, die Ehe mit einem romantischen Wochenende retten zu können, bucht Dean gegen den Willen seiner Frau in einem Love Hotel das „Zukunftszimmer“. Nachdem Dean und Cindy ihre Tochter zum verwitweten, schwer kranken Großvater gebracht haben, fahren sie los. Unterwegs halten sie an, um Spirituosen zu kaufen. In dem Laden trifft Cindy zufällig Bobby, und sie wechselt verlegen ein paar Worte mit ihm. Als sie Dean anschließend davon erzählt, wird er zornig.

Das in Blau gehaltene Zukunftszimmer ist fensterlos und wirkt auf Cindy so klaustrophobisch wie ihre Ehe. Die beiden betrinken sich. Dean, der nicht mehr sicher auf den Beinen steht, stürzt im Bad. Auf dem Fußboden liegend, zieht er Cindy zu sich herunter und schlägt ihr vor, noch ein Kind zu machen. Anfangs sträubt Cindy sich, dann streift sie entschlossen ihr Höschen ab und lässt alles mit sich geschehen. Da richtet Dean sich wieder auf: Ein Koitus mit einer passiv unter ihm liegenden Frau wäre ihm zuwider.

Während er auf dem Boden im Bad schläft, erhält Cindy einen Anruf. Sie soll für eine erkrankte Kollegin einspringen. Ohne Dean zu wecken, fährt sie los.

Als er verkatert aufwacht, sucht er vergeblich nach ihr. Er wählt Cindys Telefonnummer und beschimpft sie auf der Mailbox. Dann erkundigt er sich nach der nächsten Bushaltestelle.

Im Krankenhaus stellt er Cindy zur Rede. Deren Kollegin Mimi (Eileen Rosen) versucht vergeblich, ihn zu beruhigen. Und als der Arzt Dr. Feinberg (Ben Shenkman) dazukommt, schlägt Dean ihn nieder.

Damit ist die Ehe endgültig zerbrochen. Cindy verlangt die Scheidung. Frustriert zerrt Dean den Ehering vom Finger. Der Ring sitzt so straff, dass es nicht ohne Spucke als Gleitmittel geht. Dean wirft ihn weg, aber dann sucht er ihn wieder. Vergeblich.

Zu Hause entschuldigt Dean sich und verspricht verzweifelt, er werde sich ändern, aber Cindy erklärt ihm, sie ertrage ihn nicht länger.

Dean verlässt das Haus. Frankie läuft ihm nach. Das Kind will nicht auf den liebevollen Vater verzichten. Traurig fordert er Frankie auf, zu ihrer Mutter zurückzukehren. Dann geht er weiter, während das Feuerwerk zur Feier des Unabhängigkeitstages der USA beginnt.

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„Ich glaube, Männer sind romantischer als Frauen“, sagt Dean in „Blue Valentine“ einmal zu einem anderen Möbelpacker. „Wenn wir heiraten, tun wir das, weil wir uns die ganze Zeit dagegen wehren, bis wir ein Mädchen treffen, das so toll ist, dass wir denken: Ich wäre saublöd, wenn ich dieses Mädchen nicht heirate. Aber Frauen scheinen irgendwann an einen Punkt zu kommen, wo es für sie entscheidend ist, dass er einen guten Job hat. Die verbringen ihr ganzes Leben damit, nach Prince Charming zu suchen, und heiraten dann den Typen, der einen guten Job hat und bei ihnen bleibt.“

Dean hat keinen guten Job, aber in einer gegebenen Situation glaubt Cindy, er sei der richtige Mann für sie, denn er fängt sie auf, als sie von einem anderen ungewollt schwanger ist. In dem erschütternden Beziehungsdrama „Blue Valentine“ erzählen Derek Cianfrance, Joey Curtis und Cami Delavigne von diesem Paar. Dean und Cindy verlieben sich, sie heiraten, bilden eine Familie, und dann zerbricht die Ehe. Es sind keine dramatischen Augenblicke, die das Scheitern der Ehe verursachen, sondern unüberbrückbare Gegensätze, die von Anfang an vorhanden waren, im Gefühlsüberschwang jedoch ignoriert wurden. Dafür sind beide Partner gleichermaßen verantwortlich.

„Blue Valentine“ ist keine psychologische Analyse, sondern das differenzierte Porträt einer Ehe.

Die beiden Hauptdarsteller sind hervorragend – Michelle Williams wurde für einen „Oscar“ nominiert –, aber das ganz Besondere an „Blue Valentine“ ist die Struktur des Films. Erst allmählich begreift man, dass sich die Handlung auf zwei verschiedenen Zeitebenen abspielt: in der Gegenwart und sechs Jahre zuvor. In „5 x 2“ nimmt François Ozon das Ende einer gescheiterten Liebesbeziehung vorweg, aber während er die Geschichte in umgekehrter Chronologie entwickelt, springt Derek Cianfrance in „Blue Valentine“ ständig vor und zurück. Durch die raffinierte, souverän gemeisterte Verschachtelung stehen das Ende und der Anfang der Liebesbeziehung nebeneinander, etwa in einer eindrucksvollen Parallelmontage der Eheschließung und des letzten gescheiterten Versöhnungsversuches in der Küche.

Derek Cianfrance ließ Ryan Gosling und Michelle Williams in vielen Szenen improvisieren und drehte meistens nur eine einzige Einstellung. Gerade dadurch wirken die Dialoge in „Blue Valentine“ realistisch.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

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