Der aus dem Regen kam

Der aus dem Regen kam

Der aus dem Regen kam

Der aus dem Regen kam – Originaltitel: Le Passager de la pluie – Regie: René Clément – Drehbuch: Sébastien Japrisot – Kamera: Andréas Winding – Schnitt: Françoise Javet – Musik: Francis Lai – Darsteller: Charles Bronson, Marlène Jobert, Gabriele Tinti, Jill Ireland, Jean Gaven, Jean Piat, Corinne Marchand, Annie Cordy, Ellen Bahl, Marc Mazza u.a. – 1970; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Während ihr Ehemann Tony als Flug­navigator unterwegs ist, wird Mellie von einem am selben Tag mit dem Bus ange­kommenen Fremden in ihrem Haus über­fallen und vergewaltigt. Als er danach droht, sie erneut anzugreifen, erschießt sie ihn und bringt die Leiche im Kofferraum weg. Um peinliche Vernehmungen zu vermeiden, schweigt sie. Aber dann taucht ein Amerikaner auf, der nach dem Getöteten sucht und Mellie beschuldigt, ihn umgebracht zu haben ...
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Kritik

Sébastien Japrisot und René Clément konzentrieren sich in dem kühlen Thriller "Der aus dem Regen kam" auf das Psycho-Duell der beiden von Charles Bronson und Marlène Jobert gespielten Hauptpersonen.
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Mélancolie („Mellie“) Mau (Marlène Jobert) ist mit dem Air-France-Navigator Tony Mau (Gabriele Tinti) verheiratet und wohnt mit ihm in einem Haus an der Riviera, unweit der von ihrer Mutter Juliette (Annie Cordy) betriebenen Bowling-Bahn. Mellies Vater verließ die Familie vor langer Zeit, nachdem das Kind die Mutter mit einem Liebhaber im Bett ertappt hatte.

Am 10. Oktober, einem verregneten Dienstag, fällt Mellie auf, dass der Bus aus Marseille hält – was ungewöhnlich ist – und einen Fremden (Marc Mazza) aussteigen lässt. Der Mann hat eine rote TWA-Flugtasche bei sich. Etwas später kauft Mellie sich in der Boutique ihrer Freundin Nicole (Jill Ireland) ein weißes Kleid, denn sie und Tony sind für den nächsten Tag zu einer Hochzeit eingeladen. Während sie, nur mit Slip und BH bekleidet, im Laden steht, schaut der Fremde durchs Schaufenster herein.

Abends wird sie von dem Mann in ihrem Haus überfallen, niedergeschlagen, gefesselt und vergewaltigt. Als sie wieder zu sich kommt, liegt sie nackt und ohne Fesseln auf dem Bett. Sie greift zum Telefon und ruft die Polizei an, aber bevor sie durchgestellt wird, malt sie sich die peinlichen Vernehmungen aus und legt wieder auf.

Zunächst sieht es so aus, als habe der Einbrecher das Haus verlassen, aber dann hört Mellie ein Geräusch aus dem Keller. Sie lädt eine doppelläufige Flinte und scheucht den Verbrecher auf, der sich zu verstecken versucht. Als er damit droht, sie erneut anzugreifen, schießt sie ihn nieder und schlägt ihn mit einem Paddel tot.

Mit der Leiche im Kofferraum gerät sie in eine Polizeikontrolle. Man sucht nach einem Verbrecher. Weil Mellie den Beamten bekannt ist, darf sie ungehindert weiterfahren. Sie rollt den Toten über die Kante eines Kliffs, und er fällt ins Meer.

Tony, der inzwischen aus London gekommen ist, fragt eifersüchtig, wo sie gewesen sei und warum an ihrem Kleid ein Knopf fehle. Mellie lügt zunächst, sie sei bei ihrr Mutter gewesen und behauptet dann, eine Autopanne habe sie aufgehalten. Sie verschweigt die Vergewaltigung und die Folgen. Die Brieftasche und die Uhr des Toten wirft sie ins Ofenfeuer.

Nach der Hochzeitszeremonie am Mittwoch wird Mellie von einem ihr unbekannten Amerikaner angesprochen, der sich als Harry Dobbs (Charles Bronson) vorstellt und ihr vielsagend die Zeitung mit der Meldung über einen Leichenfund am Meer gibt. Angeblich wohnt Harry Dobbs im Palm Hotel, aber das ist geschlossen.

Tony muss noch am selben Tag zu einer Reihe von Langstreckenflügen aufbrechen. Mellie wundert sich darüber, wie viel Bargeld er im Koffer versteckt.

Später gesteht Nicole ihr, dass sie zweimal mit Tony geschlafen habe.

Am Donnerstag trifft Mellie in der eigentlich geschlossenen Bowling-Bahn ihrer Mutter auf Harry Dobbs. Er verblüfft Mellie mit seinem Wissen über sie und den Mann, „der aus dem Regen kam“. Den habe er eine Woche lang durch Deutschland und Frankreich verfolgt, sagt er. Dobbs beschuldigt sie, den Fremden ermordet zu haben und fragt sie nach der roten TWA-Tasche. Die trug der Einbrecher nicht mehr bei sich, als sie ihn erschoss. Dobbs lässt sich nicht mehr abschütteln: Er begleitet Mellie nach Hause, versucht sie betrunken zu machen und setzt sie psychisch unter Druck.

Mellie findet die mit Banknoten-Bündeln gefüllte TWA-Tasche des Toten am Freitag. Um mehr über den geheimnisvollen Amerikaner herauszufinden, fährt sie zum Palm Hotel. Es ist zwar niemand da, aber sie entdeckt Dobbs Sachen in einem Zimmer. Im Schrank hängt die Uniform eines Colonels der US-Army. Als er ins Hotel kommt, und sie ihn nach der Uniform fragt, gibt er zu, amerikanischer Offizier zu sein. Er hat den Befehl, den ehemaligen Boxer Bruno Sackie aufzuspüren, einen dreimal wegen Vergewaltigung verurteilten Schizophrenen, der aus einem Militärlazarett in Deutschland geflohen ist und das Geld aus der Kasse mitgenommen hat.

Im Zusammenhang mit dem Leichenfund am Meer nimmt Inspector Toussaint (Jean Gaven) Madeleine Legauff (Ellen Bahl) fest. Sie soll ihren Ehemann Bruno Sackie ermordet haben. Die Nachricht verwirrt Mellie. Als sie erfährt, dass Madeleine Legauff als Hostess auf dem Eiffelturm gearbeitet hat, schiebt sie die 60 000 Dollar aus der TWA-Tasche in ein Kuvert und flüchtet vor Harry Dobbs, der gerade ins Haus gekommen ist.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Mellie fährt mit dem Wagen nach Marseille und fliegt von dort nach Paris. Nachdem sie das an sich selbst adressierte Kuvert mit dem Geld in einen Briefkasten geworfen hat, ruft sie Madeleines Schwester Tania ( Corinne Marchand) an und verabredet sich mit ihr. Bei der Adresse handelt es sich um ein Edelbordell. Mellie wird von einer der hier beschäftigten Prostituierten (Marika Green) empfangen und zur Chefin geführt. Tania erklärt der Besucherin, ihre Schwester sei am Dienstag hier gewesen. Aufgeregt meint Mellie, das müsse sie der Polizei mitteilen, denn Madeleine Legauff sei unschuldig und habe dann für die Tatzeit ein Alibi. Aber mit der Polizei will Tania nichts zu tun haben. Das Edelbordell wird von einer kriminellen Bande betrieben, deren Boss, Monsieur Armand (Jean Piat), nun wissen will, wo Mellie die 60 000 Dollar hat.

Harry Dobbs folgt Mellie nach Paris und befreit sie aus der Gewalt der Verbrecherbande.

Am Samstag – Mellie ist wieder zu Hause – bringt der Briefträger das Kuvert mit dem Geld.

Madeleine Legauff gesteht, ihren Ehemann ermordet zu haben. Aber das geschah bereits vor einem Jahr. Inzwischen weiß der Colonel, dass Bruno Sackie nicht der Mann war, nach dem er suchte. Der mit dem Geld aus dem Militärlazarett Geflohene und nach Dobbs‘ Überzeugung von Mellie in Notwehr Getötete hieß Mac Guffin. Er veranlasst, dass die Polizei Taucher anfordert. Die finden Mac Guffins Leiche. Von den anderen unbemerkt, windet Dobbs den von Mellies Kleid abgerissenen Knopf aus der starren Hand des Toten.

Tony ist für einen Flug nach London eingeteilt, und Mellie besteht darauf, ihn zu begleiten. Sie sitzt bereits im Auto, als Harry Dobbs ihr den Knopf übergibt. Dadurch sorgt er dafür, dass sie von der Polizei unbehelligt bleibt. Er hat sich längst in die Frau verliebt, die sehr viel stärker ist, als es den Anschein hat.

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„Der aus dem Regen kam“ ist ein von René Clément gedrehter Psycho-Thriller. Das Drehbuch schrieb Sébastien Japrisot (bürgerlich: Jean-Baptiste Rossi, 1931 – 2003), einer der bedeutendsten französischen Autoren von Kriminalromanen, der auch als Regisseur und Übersetzer arbeitete. Sébastien Japrisot und René Clément konzentrieren sich auf das Psycho-Duell der beiden von Charles Bronson und Marlène Jobert gespielten Hauptpersonen. Zugleich porträtieren sie in „Der aus dem Regen kam“ eine junge Frau, die naiv und verletzlich wirkt, sich jedoch als charakterstark erweist.

Im Vorspann lesen wir als Motto ein Zitat aus „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll:

Entweder musste der Brunnen sehr tief sein, oder sie fiel sehr langsam; denn sie hatte Zeit genug, sich beim Fallen umzusehen und sich zu wundern, was nun wohl geschehen würde.

Dass der Einbrecher Mac Guffin heißt, ist ein Gag, denn unter einem MacGuffin bzw. McGuffin versteht man eine Figur, ein Objekt oder einen Namen wie zum Beispiel „Rosebud“ in „Citizen Kane“, etwas, das wie ein Katalysator auf die Handlung wirkt und Spannung erzeugt, ohne dass mehr darüber enthüllt wird. Der Begriff stammt von Alfred Hitchcock. Und „Der aus dem Regen kam“ lässt sich durchaus als Hommage an den Altmeister verstehen.

Im vorletzten Teil, als Mellie nach Paris fliegt und dort von Harry Dobbs gerettet wird, bleiben die Zusammenhänge unklar und es sieht aus, als fehlten Teile des Films. Mellie erfragt Tanias Adresse augen­scheinlich am Telefon, aber woher hat sie die Nummer? Wie kommt es, dass die Bande über die 60 000 Dollar Bescheid weiß, die Mac Gaffin bei sich hatte?

René Clément erzählt zwar betont kühl, aber im Vergleich zur heute üblichen Zurückhaltung der Schauspieler wirken Mimik und Gestik der Darsteller in „Der aus dem Regen kam“ wie Overacting.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

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