Philippe Claudel : Die grauen Seelen

Die grauen Seelen
Originalausgabe: Les âmes grises Éditions Stock, Paris 2003 Die grauen Seelen Übersetzung: Christiane Seiler Rowohlt Verlag, Reinbek 2004 ISBN: 3-498-00930-3, 239 Seiten Rowohlt Taschenbuch, Reinbek 2006 ISBN: 978-3-499-23779-9, 252 Seiten
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

In einem französischen Dorf in der Nähe der Front trauert Staatsanwalt Destinat um seine verstorbene Frau. Die junge Lehrerin, die 1914 bei ihm einquartiert wurde, nimmt sich 1917 das Leben. Kurz darauf wird die Leiche der zehnjährigen Wirtstochter entdeckt. Man hat das Mädchen stranguliert. Der skrupellose Richter ignoriert die Aussage einer Zeugin, die den Staatsanwalt mit dem Kind gesehen haben will und bringt zwei gerade verhaftete Deserteure dazu, den Mord zu gestehen ...
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Kritik

Obwohl es in "Die grauen Seelen" um die Aufklärung eines Mordfalls geht, handelt es sich nicht um einen Thriller, sondern um vier verknüpfte Tragödien vor dem Hintergrund des Krieges, um einen düsteren Roman, in dem Tod und Schuld allgegenwärtig sind.
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Kurz nach der Schlacht von Sedan (1870) lässt der alte Destinat in einem Park eine Villa errichten, die von den Dorfbewohnern als „Schloss“ bezeichnet wird. Er zeugt zwar eine Reihe unehelicher Kinder, aber mit seiner Ehefrau nur einen Sohn, Pierre-Ange, um den sich englische Kindermädchen kümmern, bis er groß genug ist, um in ein Internat aufgenommen zu werden. Während Pierre-Ange Destinat in Paris Jura studiert, stirbt seine Mutter, und der Witwer kommt acht Jahre später bei einem Überfall ums Leben. Pierre-Ange Destinat wird Staatsanwalt und heiratet Clélis de Vincey, die jedoch ein halbes Jahr nach der Hochzeit stirbt. Daraufhin entlässt er die Bediensteten bis auf die Köchin Barbe und deren Mann.

Ende der Achtzigerjahre des 19. Jahrhunderts wird gegenüber dem Schloss eine Fabrik für Sodiumkarbonat errichtet. Im Lauf der Zeit geben die meisten Männer aus dem Dorf ihre Felder bzw. Weinberge auf und fangen in dem Betrieb zu arbeiten an. Auf dem Brachland werden Reihenhäuser gebaut. Um leitenden Angestellten eine angemessene Unterkunft bieten zu können, mietet die Direktion Ende der Neunzigerjahre ein leer stehendes Nebengebäude des Schlosses von Pierre-Ange Destinat.

Als 1914 der Krieg beginnt, kündigt die Firmenleitung den Mietvertrag, und das Haus im Park des Schlosses steht wieder leer, allerdings nur für kurze Zeit. Am 13. Dezember 1914 trifft nämlich die Lehrerin Lysia Verhareine mit dem Postauto ein. Die Zwanzigjährige soll die Schüler unterrichten. Der Lehrer Fracasse wurde zum Kriegsdienst eingezogen und sein Nachfolger „Le Contre“ ins Irrenhaus gebracht. Weil Le Contre die Lehrerwohnung über den Schulräumen verwüstet und mit seinem Kot beschmiert hat, überredet der Bürgermeister den Staatsanwalt, Lysia Verhareine im Nebengebäude seines Schlosses wohnen zu lassen.

Pierre-Ange Destinat beobachtet die junge Frau durchs Fenster und legt es darauf an, ihr im Park zu begegnen. Am 14. April 1915 lädt er sie förmlich zu einem Abendessen ein, das er von Bourrache, dem Wirt des Restaurants Rébillon in der 20 Kilometer entfernten Stadt V., zubereiten und von dessen achtjährigen Tochter servieren lässt.

Im Rébillon hat nicht nur der Staatsanwalt seinen Stammplatz, sondern auch der Richter Mierck, aber die beiden Juristen sitzen an getrennten Tischen, denn sie können sich nicht ausstehen. Es bedienen Aline und Rose, die beiden älteren Töchter Bourraches, und deren Schwester, die von allen nur „Belle de jour“ gerufen wird.

Der Dorfpolizist, von dem wir nur den Kosenamen Dadais erfahren, trifft bei einem Spaziergang zufällig auf Lysia Verhareine. Sie sitzt im Gras und schreibt in ein rotes Moleskine-Notizbuch. Offenbar fühlt sie sich gestört, und ihm ist die Situation peinlich. Am 4. August 1917 sieht er sie zum letzten Mal lebend. Kurz darauf wird er ins Schloss gerufen. Dort liegt die Lehrerin tot auf dem Bett. Pierre-Ange Destinat berichtet, er habe sie durchs Fenster gesehen und sie von dem Strick abgeschnitten, mit dem sie sich erhängte [Suizid]. Der Sechzigjährige bezahlt den Sarg, die Beerdigung und das Grabmal.

Ende November entdeckt Brechut, ein Schreiber des Hafenamts, die Leiche der zehnjährigen Belle de jour im Kanal. Man bringt sie ans Ufer. Richter Mierck lässt sich während der Spurensicherung am Fundort weich gekochte Eier bringen, die er neben der Toten verzehrt, weil er gerade Appetit darauf hat. Der Arzt Victor Desharet bestätigt, dass Belle de jour stranguliert wurde. Ganz in der Nähe befindet sich ein Tor in der Mauer des Schlossparkes und gegenüber steht das Labor der Fabrik.

Die Leitung der Ermittlungen übernimmt Oberst Isidore Matziev, der erst kürzlich ins Dorf kam und sich bei dem fünfzigjährigen Junggesellen Bassepin einquartierte, weil das einzige Hotel wegen Gästemangels geschlossen ist. (1894 hatte Matziev – damals war er Leutnant – ohne Rücksicht auf seine Karriere öffentlich zum Ausdruck gebracht, dass er Hauptmann Alfred Dreyfus für unschuldig hielt.)

Es stellt sich heraus, dass Belle de jour von einem ihrer regelmäßigen Besuche bei ihrer fast achtzigjährigen Patentante Adélaide Siffert nicht mehr nach Hause kam. Bourrache hatte seine Tochter jeden Sonntag hingeschickt und ihr anschließend das 5-Franc-Stück abgenommen, das ihr von der Tante jedes Mal zum Abschied in die Hand gedrückt worden war.

Drei Tage nachdem die Mädchenleiche geborgen wurde, sucht Joséphine Maulpas den Dorfpolizisten auf. Sie war mit dreizehn ins Dorf gekommen und hatte als Hausmädchen gearbeitet, bis sie wegen ihrer Alkoholkrankheit keine Anstellung mehr fand. Inzwischen handelt sie mit Fellen von Kaninchen, Maulwürfen, Wieseln, Frettchen und Füchsen. Die sind noch blutig, wenn Joséphine sie dem Gerber Elphège Crochemort verkauft. Seit zwanzig Jahren wohnt sie in einer Hütte am Dorfrand.

Joséphine sah den Staatsanwalt mit Belle de jour am Abend vor dem Leichenfund am Kanalufer. Die beiden sprachen miteinander, aber Joséphine, die einiges getrunken hatte, kümmerte sich nicht weiter darum. Der Polizist lässt Joséphine bei sich und seiner hochschwangeren Frau Clémence übernachten und fährt am nächsten Morgen mit ihr nach V., damit sie ihre Aussage vor dem Richter wiederholt.

Matziev ist bei Mierck im Büro. Die beiden lassen sich zunächst vom Polizisten Bericht erstatten, dann treiben sie Joséphine Maulpas mit Fragen und Unterstellungen in die Enge, bis sie zugibt, betrunken gewesen zu sein, als sie glaubte, den Staatsanwalt mit dem Mordopfer zusammen zu sehen. Mierck lässt die Zeugin eine Woche lang einsperren und wendet sich an den Polizisten:

„Es ist nichts passiert“, sagte er leise, „verstehen Sie mich? Die Verückte hat sich was eingebildet … Spinnerei, dummes Zeug, Alkoholdelirium, Halluzinationen. Nichts, sage ich. Und selbstverständlich untersage ich Ihnen, den Herrn Staatsanwalt zu belästigen, das verbiete ich Ihnen.“

Der Polizist isst danach im Rébillon. Als er in sein Dorf zurückfahren will, erfährt er, dass die Straße gesperrt ist, weil zwei Regimenter an die nahe Front verlegt werden. Pater Lurant nimmt ihn mit in sein Zimmer im bischöflichen Palais. Der Polizist will beim Bürgermeister seines Dorfes anrufen, damit dieser sein Hausmädchen Louisette mit der Nachricht zu Clémence schickt, dass deren Ehemann erst am nächsten Tag zurückkommen kann. Aber die Leitungen sind tot. Am nächsten Morgen, es ist der 3. Dezember 1917, macht der Polizist sich zu Fuß auf den Weg. Clémence liegt im Koma. Sie hat sehr viel Blut verloren. Der Arzt Hippolyte Lucy bringt sie mit der Kutsche ins Krankenhaus. Das Kind kann gerettet werden, aber Clémence stirbt im Beisein ihres Mannes, ohne noch einmal aufgewacht zu sein.

Am 3. Dezember 1917 verhaftet die Gendarmerie zwei Deserteure der Infanterie: den zweiundzwanzigjährigen Drucker Maurice Rifolon aus Paris und den zwei Jahre jüngeren Bauernsohn Yann Le Floc aus der Bretagne. Die Menge hält die beiden für die Mörder von Belle de jour und droht sie zu lynchen. Die Gendarmen retten sich mit ihnen ins Bürgermeisteramt von V.

Einige Stunden später treffen Mierck und Matziev dort ein. Sie machen es sich neben dem Kamin bequem, lassen Holz nachlegen und bestellen bei Louisette ein mehrgängiges Menü mit Wein. Dann nehmen sie sich die Festgenommenen vor. Mit Rifolon hat der Richter leichtes Spiel:

„Ich hab sie ermordet. Ich war’s. Ich hab sie gesehen. Ich bin ihr gefolgt. Ich hab ihr mit dem Messer dreimal in den Rücken gestochen.“
„Nein, du hast sie erwürgt.“
„Ja, stimmt, ich hab sie erwürgt mit diesen Händen. Sie haben Recht, ich hatte ja gar kein Messer dabei.“
„Am Ufer des kleinen Kanals.“
„Genau.“

Der Bürgermeister soll das Geständnis bezeugen. Dabei ist allen Anwesenden klar, dass Rifolon nur deshalb gesteht, weil er die Vernehmung schnell hinter sich bringen will. Le Floc weint dagegen. Während Rifolon in eine Besenkammer gesperrt wird, bringt der zweiundzwanzigjährige Gendarm Louis Despiaux den Bretonen in den Keller. Als Louisette den Häftlingen etwas zu essen bringen will, prallt sie nach dem Öffnen der Besenkammer zurück: Rifolon hat sich erhängt.

Nun versucht Matziev, auch Le Floc ein Geständnis abzuringen, und als ihm dies nicht ohne weiteres gelingt, beauftragt er Despiaux, den Beschuldigten bei 10 oder 12 Grad minus an den Stamm einer Kastanie zu binden. Gegen Mitternacht haben Mierck und Matziev sechs Flaschen Wein geleert und sind mit dem Essen fast fertig. Weil Le Floc noch immer nicht gesteht, zerfetzt ihm der Oberst mit einem Messer die Kleidung und die Unterwäsche und lässt ihn splitternackt in der Kälte liegen. Dann kehren er und der Richter rasch wieder ins Warme zurück, lassen sich Apfelcrêpes schmecken und trinken dazu Kaffee und Mirabellengeist. Schließlich geht Matziev noch einmal hinaus und tritt dem halb erfrorenen Häftling ins Gesicht, bis dieser endlich gesteht, das Mädchen zusammen mit Rifolon ermordet zu haben.

Eineinhalb Monate später spricht ein Militärgericht Yann Le Floc wegen Mordes und Fahnenflucht schuldig, und er wird standrechtlich erschossen.

Der Polizist, dessen Frau bei der Geburt des Kindes starb, beginnt zu trinken und will niemanden sehen. Nach einiger Zeit bringt ihm eine Krankenschwester den Säugling.

Pierre-Ange Destinat lässt sich 1918 pensionieren. Er stirbt am 28. September 1921. Der einzige Verwandte, ein entfernter Cousin, lebt angeblich in den USA.

Einen Tag vor dem Tod des Staatsanwalts wird der Dorfpolizist von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Er erholt sich zwar im Krankenhaus, bleibt jedoch gehbehindert.

Die Witwe Agathe Blanchard, deren Mann bei einem Unfall in der Fabrik ums Leben gekommen war und die im Krieg die Beine sowohl für Soldaten als auch für Zivilisten gegen Bezahlung breit machte, schließt 1923 die Fensterläden ihres Hauses, steigt mit einem Koffer ins Postauto und fährt nach V. Von dort reist sie mit dem Zug über Châlons und Paris nach Le Havre, wo sie sich auf der „Boréal“ nach Australien einschifft.

Dem Dorfpolizisten lässt der Mordfall keine Ruhe. Er befragt seinen Kollegen Louis Despiaux, der 1918 seinen Dienst quittierte, einige Zeit bei einem Schwager in Südfrankreich lebte und in Algerien in einem Handelshaus für Schiffsbedarf arbeitete, bis er 1921 nach V. zurückkehrte und Hilfsbuchhalter im Kaufhaus wurde. Von Bourrache erfährt der Polizist, dass Pierre-Ange Destinat unbedingt ein Foto von Belle de jour haben wollte. Schließlich gab der Wirt dem Staatsanwalt einen der drei Abzüge von einer Studioaufnahme seiner Töchter. Schließlich sieht der Polizist sich im Schloss um. Dort wundert er sich darüber, dass Destinat ein Gemälde seiner verstorbenen Frau Clélis aufgehängt hatte, denn er könnte es nicht ertragen, jeden Tag ein Bild von Clémence zu sehen. Er bricht eine Schreibtischschublade auf und findet darin das in rotes Maroquin-Leder gebundene Notizbuch, das er bei der Lehrerin gesehen hatte. Lysia Verhareine schrieb die Briefe ab, die sie ihrem Geliebten Sébastian Francœur an die Front schickte. Der letzte war vom 3. August 1917. Dahinter klemmt ein Brief, in dem ihr der Hauptmann Charles-Louis Brandieu mitteilte, dass der Gefreite Sébastian Francœur gefallen war. Außerdem wurden – vermutlich von Destinat – drei Fotos eingeklebt: Sie zeigen Clélis im Alter von schätzungsweise siebzehn Jahren, Lysia und Belle de jour. Beim Bild des ermordeten Mädchens handelt es sich offenbar um die Aufnahme, die der Staatsanwalt von Bourrache bekommen hatte. Allerdings zerschnitt er sie und warf den Teil mit den Schwestern Aline und Rose weg. Dem Polizisten fällt die erstaunliche Ähnlichkeit der drei jungen Frauen auf, es scheinen „drei Inkarnationen derselben Seele“ gewesen zu sein. Hat Destinat die Wirtstochter erwürgt, um sich von der quälenden Erinnerung an seine verstorbene Frau zu befreien?

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

1925 erhält der Polizist einen am 23. März 1919 in Rennes aufgegebenen Brief von einem Kollegen namens Alfred Vignot. Warum es sechs Jahre dauerte, bis das Schreiben zugestellt wurde, lässt sich nicht feststellen. Jedenfalls fragte Vignot nach einem Mann, der im Mai 1916 das zehnjährige Mädchen Blanche Fen’vech erwürgt hatte und der kurz darauf verschwunden war, bevor man ihn hatte verhaften können: Yann Le Floc.

Statt darauf zu antworten, hält der Dorfpolizist zwanzig Jahre nach den Ereignissen in Notizheften fest, was er herausgefunden hat. Ob die Hefte erhalten bleiben oder nicht, ist ihm gleichgültig. Zwei oder drei davon findet er schon jetzt nicht mehr, sucht sie aber auch nicht wirklich.

Ich habe Jahre gebraucht, um die Fäden zu verknüpfen und alle Wörter, Wege, Fragen und Antworten zusammenzuführen. Es ist so gut wie die Wahrheit. Nichts ist erfunden. Warum sollte ich auch etwas erfinden.

Der Polizist beendet die Aufzeichnungen mit dem Geständnis, er habe seinen Sohn mit einem Kissen erstickt, unmittelbar nachdem ihm eine Krankenschwester das Kind gebracht hatte. Für ihn trug der Säugling die Schuld am Tod seiner Frau. Der Arzt Hippolyte Lucy durchschaute, was geschehen war, schwieg jedoch.

Nachdem der Polizist das letzte Notizheft zugeklappt hat, nimmt er seinen Karabiner von der Wand, reinigt ihn sorgfältig und lädt ihn. Er hat alles aufgeschrieben. Nun wird er sich erschießen.

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Oberflächlich betrachtet, handelt es sich bei „Die grauen Seelen“ um einen Kriminalroman. Aber die Aufklärung des Mordes bildet nur einen roten Faden. Philippe Claudel geht es um ein Bild der verrohten Gesellschaft vor dem Hintergrund des Krieges (in diesem Fall des Ersten Weltkriegs). Auch wenn er uns nicht direkt mit Kriegsgräueln konfrontiert, wissen wir stets, dass die Front in unmittelbarer Nähe ist; wir sehen Truppenbewegungen und Verwundete. Indem der skrupellose, selbstgefällige und fresssüchtige Richter zwei Deserteure für die Ermordung der zehnjährigen Wirtstochter verantwortlich macht, verknüpfen sich die beiden Handlungsebenen. Wir blicken in Abgründe. Vier Tragödien entwickeln sich parallel; sie betreffen die Wirtstochter, die Lehrerin, den Dorfpolizisten und den Staatsanwalt.

Eine Alkoholkranke sagt in „Die grauen Seelen“ zum Polizisten:

„Ich kenne keine Schweine und keine Heiligen. Nichts ist ganz schwarz oder ganz weiß; das Grau setzt sich durch. So ist es auch bei den Menschen und ihren Seelen. Du bist eine graue Seele, hübsch grau, wie wir alle.“

Erzählt wird aus der Perspektive des Dorfpolizisten, der sich zwanzig Jahre nach den Ereignissen daran erinnert, und zwar nicht chronologisch, sondern im fortwährenden Hin und Her der Zeiten. Beispielsweise verlässt er den neben der Mädchenleiche Eier essenden Richter auf Seite 23 und setzt die Szene auf Seite 92 fort.

Trotz der nüchternen Sprache handelt es sich bei „Die grauen Seelen“ um einen düster-melancholischen Roman, in dem Tod und Schuld allgegenwärtig sind.

Mit „Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung“ und „Brodecks Bericht“ zusammen bildet „Die grauen Seelen“ eine Romantrilogie von Philippe Claudel.

Den Roman „Die grauen Seelen“ von Philippe Claudel gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Christian Brückner (Regie: Peter König, Saarbrücken 2006, 6 CDs, ISBN 978-3-935125-59-8).

 

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011
Textauszüge: © Rowohlt Verlag

Philippe Claudel: So viele Jahre liebe ich dich
Philippe Claudel: Brodecks Bericht

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