Red. Blutrot

Red. Blutrot

Red. Blutrot

Red. Blutrot – Originaltitel: Red – Regie: Trygve Allister Diesen, Lucky McKee – Drehbuch: Stephen Susco, nach dem Roman "Blutrot" von Jack Ketchum – Kamera: Harald Gunnar Paalgard – Schnitt: Jon Endre Mørk – Musik: Søren Hyldgaard – Darsteller: Brian Cox, Noel Fisher, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Marcia Bennett, Richard Riehle, Tom Sizemore, Ashley Laurence, Robert Englund, Amanda Plummer u.a. – 2008; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Als drei Jugendliche grundlos seinen Hund erschießen, sucht der einsame Witwer Avery Ludlow deren Eltern auf. Es geht ihm nicht um Geld, sondern um Gerechtigkeit: Danny, Harold und Pete sollen ihr Unrecht einsehen und sich bei ihm entschuldigen. Aber Mr McCormack, der reiche Vater des Rädelsführes Danny und seines jüngeren Bruders Harold, setzt seine Beziehungen ein, um die Jugendlichen in Schutz zu nehmen. Weil Ludlow nicht aufgibt, eskaliert die Auseinandersetzung ...
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Kritik

Bei "Red. Blutrot", der Verfilmung eines Romans von Jack Ketchum, handelt es sich um ein modernes Westerndrama. Die Geschichte wird ruhig und schnörkellos erzählt, gleitet aber gegen Ende in Kitsch ab. Brian Cox spielt hervorragend.
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Der vierundsechzigjährige Witwer Avery („Av“) Ludlow (Brian Cox) lebt allein mit seinem Hund Red in einer amerikanischen Kleinstadt. Er besitzt das Haus, in dem er wohnt, und einen Krämerladen, dessen Betrieb er seiner Mitarbeiterin Emma (Marcia Bennett) überlässt.

Mit dem Hund, den er von seiner Frau Mary kurz vor ihrem Tod vor vierzehn Jahren geschenkt bekam, sitzt er beim Angeln, als ihn drei Jugendliche ansprechen. Ohne sich umzudrehen, weiß Ludlow, dass sie eine Waffe bei sich haben, denn er riecht das Maschinenöl am Jagdgewehr des Anführers. Die jungen Kerle wollen Geld von ihm. Ludlow hat nichts bei sich, hält ihnen jedoch seine Schlüssel hin und sagt, im Handschuhfach seines Pick-ups sei seine Brieftasche mit 20 oder 30 Dollar. Das reicht ihnen nicht. Um wenigstens etwas Spaß zu haben, erschießt ihr Anführer Red. Dann gehen sie feixend und lachend weiter.

Nachdem Ludlow seinen Hund im Garten begraben hat, fährt er zu einem Waffenhändler. Er beschreibt dem Angestellten Jimmy (Tate Ellington) das Jagdgewehr, mit dem Red erschossen wurde und fragt, ob so eines in der letzten Zeit verkauft worden sei. Jimmy weigert sich, ihm Auskunft zu geben, aber als der Geschäftsinhaber (Delaney Williams) hört, dass Ludlows Hund grundlos erschossen wurde, beauftragt er seinen Mitarbeiter, im Register nachzusehen. Er zeigt Ludlow die Prothese an seinem linken Bein und erzählt ihm, wie er bei der Jagd mit einem ungesicherten Gewehr in der Hand stolperte und sich in den Fuß schoss. Das nächste Haus war eine Meile entfernt. Wegen des starken Blutverlusts drohte er immer wieder das Bewusstsein zu verlieren, aber sein Hund bellte jedes Mal, bis er sich wieder ein Stück weiterschleppte und rettete ihm auf diese Weise das Leben. – Jimmy verrät Ludlow, dass ein Gewehr der beschriebenen Art vor ein paar Tagen an Mr McCormack (Tom Sizemore) und dessen Sohn Danny (Noel Fisher) verkauft wurde.

Ludlow sucht Mr McCormack auf und berichtet von dem Vorfall. Der reiche Transportunternehmer nimmt zunächst an, dass es der Besucher auf Geld abgesehen hat, aber Ludlow geht es nur um Gerechtigkeit. Die Jugendlichen sollen ihr Unrecht einsehen und sich bei ihm entschuldigen. McCormack ruft Danny. Der Achtzehnjährige kommt mit seinem jüngeren Bruder Harold (Kyle Gallner), der bei dem Überfall ebenfalls dabei war. Danny behauptet, Ludlow noch nie gesehen zu haben und weist die Anschuldigungen als absurd zurück. Harold bestätigt die Angaben. McCormick glaubt seinen Söhnen, und Ludlow bleibt nichts anderes übrig, als sich zu verabschieden.

Sein Rechtsanwalt Sam Berry (Richard Riehle) rät ihm von einer Klage ab. Zwar hat Ludlow die Patronenhülse aufgehoben, aber er kann nicht beweisen, dass die Jugendlichen ihn bedrohten. Ein Verfahren liefe bestenfalls auf eine Anklage wegen Tierquälerei hinaus, und dafür würde kein Gericht mehr als zehn Tage Haft verhängen. Selbst das sei fraglich, meint Berry, denn der mit einer jungen Schönheitskönigin (Ashley Laurence) verheiratete Unternehmer pflege enge Beziehungen zu möglicherweise korrupten Politikern.

Immerhin findet Sam Berry heraus, dass es sich bei dem dritten Jungen um Pete Doust (Shiloh Fernandez) handelte.

Ludlow fährt zu dessen Eltern. Mr Doust (Robert Englund), ein arbeitsloser Tischler, weiß bereits von dem Fall, denn sein Sohn wurde von Danny McCormack über das Auftauchen Ludlows informiert. Pete habe beteuert, dass die Anschuldigungen frei erfunden seien, sagt Mr Doust, und seine Frau (Amanda Plummer) bestätigt es.

Weil der zuständige Staatsanwalt keine Anklage erhebt, überredet Sam Berry die Reporterin Carrie Donald (Kim Dickens), den Fall im lokalen Fernsehen aufzugreifen. Carry führt am Tatort ein Interview mit Ludlow und kritisiert in ihrem Kommentar den Staatsanwalt.

Danach bringt sie Ludlow ein Fernsehgerät, damit er sich die Sendung anschauen kann. Sie ist noch bei ihm im Haus, als eine Fensterscheibe zersplittert und ein Auto mit quietschenden Reifen wegfährt. Um den Stein, der die Scheibe zertrümmerte, ist ein anonymer Drohbrief gewickelt.

Carry sagt, sie habe von Sam Berry erfahren, dass Ludlow zwei Söhne hatte. Eigentlich wollte Ludlow nicht darüber reden, aber nun tut er es doch. Sein älterer Sohn Billy war ein notorischer Lügner; er brach die Schule ab und wurde vom Militär nach neun Monaten wegen psychischer Instabilität entlassen. Als er vor vierzehn Jahren wieder einmal von seiner Mutter Geld haben wollte, gerieten sie in Streit. Er schlug Mary und verletzte sie dabei so schwer, dass sie leblos auf dem Küchen-Fußboden liegen blieb. Weil er annahm, sie getötet zu haben, holte er einen Kanister Kerosin, übergoss damit seinen schlafenden jüngeren Bruder Timmy und zündete ihn an. Nachdem er das Gleiche mit seiner Mutter gemacht hatte, fuhr er in dem Glauben weg, dass das Haus vollständig niederbrennen würde. Hätte er Benzin verwendet, wäre das wohl auch geschehen. So aber kam Mary wegen der Schmerzen wieder zu sich, wälzte sich im nassen Gras, um die Flammen zu ersticken und alarmierte die Feuerwehr. Dann wollte sie nach ihrem jüngeren Sohn sehen, aber auf der Treppe brach sie zusammen. Sie starb nach fünf Tagen im Koma. Für Timmy kam ebenfalls jede Hilfe zu spät.

Offenbar lässt Mr McCormack seine Beziehungen spielen, denn der Chefredakteur des Lokalfernsehens untersagt Carrie weitere Recherchen über den Fall und versetzt sie.

In den nächsten Tagen beobachtet Ludlow die drei Jugendlichen, die viel Zeit miteinander verbringen. So bekommt er auch mit, wie Mrs Doust ihrem Sohn zum Auto nachläuft und ihn beschuldigt, Geld von ihr gestohlen zu haben.

Unerwartet kommt Harold zu ihm und drückt sein Bedauern über den Vorfall am See aus. Ludlow nimmt die Entschuldigung an, fordert den Jungen aber auch auf, seinem Vater und dem Sheriff die Wahrheit zu sagen. Aus Angst vor Danny und dem Vater weist Harold dieses Ansinnen von sich.

Bei einer neuerlichen Begegnung Ludlows mit den drei Jugendlichen auf einer belebten Straße wird Danny so wütend, dass er Ludlow nachläuft und von hinten mit einem Baseballschläger ausholt. Aber der Vietnamkriegs-Veteran dreht sich blitzschnell um und rammt ihm den Schläger in den Bauch. Viele Zeugen – darunter auch Rechtsanwalt Sam Berry – haben Dannys heimtückischen Angriff beobachtet.

Kurz darauf brennt Ludlows Laden bis auf die Grundmauern nieder. Die Feuerwehr findet Hinweise auf Brandstiftung. Danny, Harold und Pete haben für die Tatzeit ein Alibi: Sie waren zusammen auf einer Geburtstagsparty. Vermutlich ließ Mr McCormack das Feuer legen.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Ludlow gräbt Red wieder aus und bringt den Kadaver zu den McCormacks. Der Hausherr fordert ihn mit einem Revolver in der Hand auf, das Grundstück zu verlassen. Danny, der ebenfalls bewaffnet ist, verliert die Nerven und schießt. Das Geschoss verletzt Ludlow am Ohr, aber er überwältigt den Jungen, nimmt ihm die Waffe ab und zwingt ihn, in seinen Pick-up zu steigen: Er will ihn dem Sheriff übergeben. Aber McCormack folgt ihnen mit seinem Pick-up und rammt das vorausfahrende Fahrzeug mehrmals, bis es von der Straße abkommt. Dann stiftet er Danny dazu an, dem benommenen Gegner mit einem Baseballschläger auf den Kopf zu schlagen.

Trotz seiner Verletzungen kommt Ludlow nach einiger Zeit wieder zu sich. Vor ihm steht der Hund des Waffenhändlers, und am Boden liegt ein Revolver. Ludlow hebt die Waffe auf und geht zurück. Harold sitzt auf der Veranda und kann kaum glauben, dass er noch lebt. Sein Vater und sein Bruder sagten ihm, Ludlow sei tot. Der will seinen toten Hund abholen und fordert Harold auf, ihm zu zeigen, wo dessen Vater den Kadaver hinwarf. Plötzlich tauchen McCormack und Danny auf. Beide haben Schusswaffen in der Hand. Ludlow wird von einem Geschoss verletzt. Neben ihm bricht Harold tödlich getroffen zusammen. In Notwehr schießt Ludlow zurück. McCormack und sein älterer Sohn gehen zu Boden. McCormack überlebt, Danny hingegen stirbt an einem Bauchschuss.

Carrie hat nun eine große Story, und sie bekommt von einer bedeutenden Zeitungsredaktion in New York ein Angebot. Bevor sie losfährt, schenkt sie Ludlow einen Hundewelpen.

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Bei dem Film „Red. Blutrot“ (DVD) bzw. „Blutrot“ (TV) handelt es sich um eine Verfilmung des 1995 von Jack Ketchum (bürgerlich: Dallas Mayr, * 1946) veröffentlichten Romans „Red“ („Blutrot“, Übersetzung: Joannis Stefanidis, Heyne Verlag, München 2008, 271 Seiten, ISBN 978-3-453-67556-8). In der Regie wurde Lucky McKee während der Dreharbeiten von Trygve Allister Diesen abgelöst.

In „Red. Blutrot“ prallen zwei grundverschiedene Wertesysteme aufeinander: McCormack nutzt Geld und Einfluss, um seine Söhne gegen Anschuldigungen abzuschirmen. Ludlow, der nicht darüber hinwegkommt, dass sein älterer Sohn ein Verbrecher war, vertritt dagegen die Maxime, dass man zu seinen (Un-)Taten stehen muss. Dass sein Kampf um Gerechtigkeit eine Gewaltspirale mit tragischen Folgen auslöst, bestürzt ihn.

„Red. Blutrot“ ist ein Drama, das man auch als eine moderne Western-Version betrachten kann. Die Handlung wird ruhig, stringent und schnörkellos erzählt. Gegen Ende zu wirkt jedoch einiges überzogen und kitschig. Bewegend ist „Red. Blutrot“ vor allem wegen der schauspielerischen Leistung des Hauptdarstellers Brian Cox, der mit minimaler, nuancenreicher Mimik und Gestik überzeugt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

Trygve Allister Diesen: Kommissar Winter. Rotes Meer

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"Die Kindheit Jesu" ist Literatur auf hohem Niveau, aber nicht verkopft, sondern als intellektuelles Vergnügen. Auf einer originellen Grundidee aufbauend, entwickelt J. M. Coetzee eine Fülle von Anspielungen und Gedanken, ohne den Roman zu überfrachten.
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