Koma, Wachkoma


Unter einem Koma versteht man in der Medizin die schwerste Form einer Bewusstseinsstörung, bei der ein Patient selbst durch schmerzhafte Stimulierungen nicht wieder zu sich kommt. Im schlimmsten Fall fällt sogar der Pupillenreflex aus. Das Symptom kann sehr verschiedene Ursachen haben und

beispielsweise durch Gehirnerkrankungen (Tumor, Enzephalitis, Meningitis, Apoplexie, Hirnblutung, Stoffwechselstörung, Sauerstoffmangel) oder durch einen Unfall bzw. Gewalteinwirkung ausgelöst werden. Auch bei Vergiftungen oder nach dem Missbrauch von Drogen bzw. Alkohol kann jemand ins Koma fallen. Von einem urämischen Koma spricht man im Zusammenhang mit einer Niereninsuffizienz und von einem hepatischen Koma, wenn der Bewusstseinsverlust auf eine Leberinsuffizienz zurückzuführen ist. In bestimmten Fällen werden Patienten auch aus therapeutischen Gründen in ein künstliches Koma versetzt.

Ein Wachkoma (Coma vigile, apallisches Syndrom, persistent vegetative state, PVS) liegt vor, wenn aufgrund einer Erkrankung oder Verletzung mit der Großhirnrinde (Pallium) die kognitiven Funktionen ausgefallen sind (Hirntod) und nur noch physiologische Grundfunktionen vom Hirnstamm aufrechterhalten werden. Zumeist sind die Patienten auf künstliche Ernährung und Beatmung angewiesen. Sie liegen mit offenen Augen im Bett, sind wach, nehmen ihre Umwelt jedoch vermutlich nicht wahr. Erstmals beschrieben wurde das Wachkoma 1940 von Ernst Kretschmer.

Aus ethischen Gründen ist es heftig umstritten, ob die künstliche Beatmung und Ernährung eines im Wachkoma liegenden Patienten abgeschaltet werden soll (Sterbehilfe). Ärzte und Angehörige stehen in diesem Fall vor einer schwierigen ethischen Entscheidung (Beispiel: Terri Schiavo ).

„Beim Wachkoma handelt es sich lediglich um eine Ausschlussdiagnose“, beklagt die Psychologin Andrea Kübler, die an der Universität Würzburg über schwere Hirnschädigungen forscht. Wenn bei einem Patienten jede Form von Geit ausgeschlossen wird – also die Fähigkeit des Gehirns, mit der Umwelt zu interagieren und eine Idee von Identität zu haben –, dann wird ihm ein Wachkoma attestiert. Doch die Diagnose ziehen Experten zunehmend in Zweifel. Manche der vermeintlich Bewusstlosen registrieren sich und ihre Umwelt durchaus, wie moderne Diagnostik zeigt. „In der Routine werden solche Methoden allerdings nicht genutzt“, moniert Andrea Kübler. Das habe tragische Folgen. So vermutet der belgische Neurologe und Koma-Spezialist Steven Laurey, dass 40 Prozent aller Wachkoma-Diagnosen nicht stimmen. (Friedrich Pkus: Aufflackerndes Bewusstsein, Süddeutsche Zeitung, 16. März 2011)

Anfang 2010 wurde berichtet, dass es Neurologen der Universitäten Liège und Cambridge gelungen sei, mit Wachkoma-Patienten zu kommunizieren. Sie untersuchten vierundfünfzig Patienten und stellten fest, dass fünf von ihnen nach einiger Übung in der Lage waren, ihre Gehirnaktivität so zu steuern, dass in der Kernspin-Tomografie Äquivalente für „ja“ und „nein“ sichtbar wurden. „Ein wichtiges Ergebnis ist, dass lediglich drei der fünf erfolgreich kommunizierenden Wachkoma-Patienten auch mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden als „bei Bewusstsein“ eingestuft worden wären.“ (Süddeutsche Zeitung, 5. Februar 2010). Bei einem ähnlichen Experiment, ebenfalls in Liège und Cambridge, wurde den Wachkoma-Patienten gesagt, sie sollten sich vorstellen, eine Faust zu machen. Bei drei von sechzehn Testpersonen konnten die Wissenschaftler daraufhin im EEG entsprechende Gehirnaktivitäten nachweisen. (Süddeutsche Zeitung, 10. November 2011).

© Dieter Wunderlich 2006 / 2011

Terri Schiavo
Sterbehilfe
Locked-In-Syndrom

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