Drachenläufer

Drachenläufer

Drachenläufer

Drachenläufer – Originaltitel: The Kite Runner – Regie: Marc Forster – Drehbuch: David Benioff, nach dem Roman "Drachenläufer" von Khaled Hosseini – Kamera: Roberto Schaefer – Schnitt: Matt Chesse – Musik: Alberto Iglesias – Darsteller: Khalid Abdalla, Atossa Leoni, Shaun Toub, Sayed Jafar Masihullah Gharibzada, Zekeria Ebrahimi, Ahmad Khan Mahmidzada, Homayoun Ershadi, Nabi Tanha, Elham Ehsas, Abdul Salam Yusoufzai u.a. – 2007; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Amir und Hassan wachsen zusammen in Kabul auf und verbringen viel Zeit miteinander. Sie sind eng befreundet, obwohl Amirs Vater ein reicher Paschtune ist und Hassans Vater dessen Diener. Als Amir beobachtet, wie Hassan zusammengeschlagen und vergewaltigt wird, läuft er weg, statt ihm beizustehen. Weil er dessen Nähe aufgrund seiner Schuldgefühle nicht länger erträgt, beschuldigt er ihn eines Diebstahls ...
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Kritik

Die Verfilmung des Romans "Drachenläufer" ist kein gesellschaftskritischer Politthriller, sondern ein farbiges, dramatisches, spannendes und nicht ganz kitschfreies Filmdrama von Marc Forster.
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Kabul 1978. Amir (Zekeria Ebrahimi), ein zwölfjähriger Paschtune, lebt mit seinem Vater Baba in einer Villa. Seine Mutter war bei seiner Geburt verblutet. Bedient werden Baba (Homayoun Ershadi) und Amir von Ali (Nabi Tanha) und dessen Sohn Hassan (Ahmad Khan Mahmoodzada), die zur Volksgruppe der Hazara gehören.

Amir und Hassan verbringen viel Zeit miteinander, doch abends trennen sich ihre Wege: Während Amir ins Herrenhaus geht, verschwindet Hassan in der Lehmhütte, in der er mit seinem Vater wohnt. Hassan ist zwar Analphabet, lässt sich aber gern von Amir aus Büchern vorlesen und selbst erfundene Geschichte erzählen.

Assef (Elham Ehsas), der einige Jahre älter ist, terrorisiert mit seinen beiden Kumpanen Wal (Bahram Ehsas) und Kamal (Tamim Nawabi) das Stadtviertel. Weil er ein Paschtune ist, hält er sich für einen Angehörigen einer Herrenrasse und hasst vor allem Hazara wie Hassan. Als Amir und Hassan wieder einmal auf Assef, Wal und Kamal treffen, droht eine Prügelei, aber Hassan hält plötzlich seine Steinschleuder in der Hand und zielt auf Assefs Gesicht, bis dieser zurückweicht. Diese Schmach vergisst Assef nicht.

Baba macht sich Sorgen, weil sein Sohn sich nicht wehrt, wenn andere Kinder ihn hänseln. Immer muss Hassan ihn verteidigen.

Um endlich die Achtung seines Vaters zu gewinnen, will Amir beim Drachenturnier unbedingt gewinnen. Am Ende ist außer seinem Drachen nur noch einer am Himmel, und es gelingt Amir, die Schnur auch des letzten Gegners durchzutrennen, sodass dessen Drachen zu Boden trudelt. Hassan, der als einer der besten Drachenläufer im Stadtviertel gilt, rennt los, um Amir den kaputten Drachen zu bringen. Nachdem Amir seinen eigenen Drachen eingeholt und die Schnur aufgewickelt hat, sucht er Hassan. In einer Seitengasse entdeckt er ihn. Assef steht mit seinen Kumpanen drohend vor ihm und verlangt die Herausgabe des eroberten Drachens, aber Hassan weigert sich, ihm die Amir versprochene Trophäe zu überlassen. Daraufhin wirft Assef Hassan zu Boden, lässt ihn festhalten und vergewaltigt ihn. Statt ihm beizustehen, sieht Amir zunächst wie versteinert zu und rennt dann fort.

Etwas später bringt ihm Hassan den Drachen, und Amir lässt sich feiern.

Von da an geht er Hassan aus dem Weg. Weil er dessen Nähe aufgrund seiner Schuldgefühle nicht länger erträgt, versteckt er seine neue Armbanduhr unter Hassans Matratze und schwärzt den loyalen Diener bei seinem Vater an. Hassan gibt den gar nicht begangenen Diebstahl sofort zu, denn er weiß, dass Amir sonst endgültig die Achtung seines Vaters verlieren würde. Baba versichert, er verzeihe Hassan, aber Ali erklärt ihm, er werde mit seinem Sohn fortgehen und lässt sich von Baba nicht zurückhalten.

Im Dezember 1979 beginnt mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan ein zehn Jahre dauernder Stellvertreterkrieg zwischen der UdSSR und den USA.

Baba und Amir verlassen Kabul mit weiteren Flüchtlingen auf einem Kleinlastwagen. Sie wollen nach Pakistan. Unterwegs werden sie von einem russischen Soldaten (Vsevolod Sevanchos) angehalten. Als dieser eine junge Frau (Murina Abudukelimu) auf der Ladefläche entdeckt, verlangt er eine halbe Stunde mit ihr. Amirs Vater protestiert dagegen und riskiert sein Leben, um die Frau zu beschützen. Der Russe zieht seine Pistole und richtet sie auf Baba. Im letzten Augenblick ruft ein Offizier (Igor Radchenko) den Soldaten zur Ordnung. – So mutig wie sein Vater wäre Amir gern auch gewesen, als Hassan seine Hilfe benötigte.

In Fremont, Kalifornien, findet Baba Arbeit an einer Tankstelle.

Amir (ab jetzt: Khalid Abdalla) schließt 1988 das College ab. Sein Vater ist stolz auf ihn. Nur dass Amir Schriftsteller werden möchte statt Arzt, missfällt ihm.

Einige Zeit später wird bei Baba ein weit fortgeschrittenes, nicht mehr operierbares Karzinom diagnostiziert.

Amir verliebt sich in Soraya (Atossa Leoni), die Tochter des ebenfalls aus Afghanistan emigrierten Generals Iqbal Taheri (Abdul Qadir Farookh) und dessen Ehefrau Jamila (Maimoona Ghizal). Baba hält für seinen Sohn bei General Taheri um Sorayas Hand an. Die junge Frau gibt Amir zu bedenken, dass sie keinen guten Ruf habe, weil sie als Achtzehnjährige von zu Hause weglief, einen Monat mit einem Mann zusammenlebte und Drogen nahm. Es schmerzt Amir, dass Soraya im Gegensatz zu ihm nicht sexuell unerfahren in die Ehe gehen wird, aber er liebt sie.

Kurz nach der Hochzeit von Amir und Soraya stirbt Baba.

Das Paar zieht nach San Francisco. Während Amir sich als Schriftsteller etabliert, wird Soraya Lehrerin. Kinder bekommen sie keine.

Im Jahr 2000 erhält Amir überraschend einen Anruf von Rahim Khan (Shaun Toub) – einem engen Freund und Geschäftspartner seines verstorbenen Vaters. Amir soll zu ihm nach Pakistan kommen. Er ahnt, dass Rahim Khan über seinen Verrat an Hassan Bescheid weiß. Er fliegt nach Peschawar.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Rahim Khan erzählt ihm, er habe nach der Flucht seines Freundes Baba auf dessen verwaistes Haus in Kabul aufgepasst. Nach einem Jahr holte er den inzwischen mit einer Frau namens Farzana verheirateten Diener Hassan zurück.

Während Rahim Khan wegen einer Krankheit in Peschawar behandelt wurde, wollten die Taliban die Hazara-Familie von dem prächtigen Anwesen vertreiben, das Amirs Vater gehört hatte. Weil Hassan sich nicht fügte, zerrten sie ihn ins Freie und befahlen ihm, sich hinzuknien, und als Farzana daraufhin schreiend herausgelaufen kam, erschossen sie nicht nur ihn, sondern auch sie. Den verwaisten kleinen Sohn Suhrab brachten sie in ein Waisenhaus.

Erst jetzt erfährt Amir von Rahim Khan, dass es sich bei Hassan um seinen Halbbruder handelte. Nicht Ali, sondern Baba war der Vater.

Nachdem er sich einen künstlichen Vollbart besorgt hat, lässt Amir sich von dem Tadschiken Farid (Saïd Taghmaoui) nach Kabul fahren.

Zaman (Nasser Memarzia), der Leiter des überfüllten Waisenhauses in Kabul, misstraut Amir zunächst, aber dann gesteht er zögernd, dass er einflussreichen, mit den Taliban kooperierenden Paschtunen von Zeit zu Zeit eines der Kinder überlassen müsse, um das Waisenhaus weiterführen zu können. Ein einziges Kind zu retten und im Wohlstand aufzuziehen, wie es Amir vorhat, würde die Lage der übrigen nicht verbessern.

Am nächsten Tag mischen sich Amir und Farid unter die Zuhörer eines Taliban-Sprechers (Mohamad Amin Rahimi) im Fußballstadion und beobachten, wie ein weiß gekleideter Mann mit Sonnenbrille die Steinigung einer Ehebrecherin überwacht.

Ein Adjutant des offensichtlich wichtigen Mannes gibt Amir einen Termin.

Der Mann mit der Sonnenbrille lässt sich nicht täuschen: Er reißt Amir den künstlichen Bart ab. Eingeschüchtert fragt Amir nach Suhrab (Ali Danish Bakhtyari). Man führt den Elfjährigen herein, und er muss tanzen. Erst jetzt erkennt Amir den Paschtunen: Es handelt sich um Assef (jetzt: Abdul Salam Yusoufzai)! Der hat sich sofort an ihn erinnert. Er befiehlt den Wachen, den Raum zu verlassen, draußen zu warten und dreht die Musik lauter. Dann schlägt er Amir zusammen. Suhrab zielt mit einer Steinschleuder auf ihn und schießt ihm ein Auge aus. Assef schreit um Hilfe, aber die Musik übertönt ihn. Deshalb gelingt Amir und Suhrab die Flucht zum Auto, wo Farid auf sie wartet.

Amir fliegt mit Suhrab nach San Francisco, wo Soraya die beiden vom Flughafen abholt.

General Iqbal Taheri kritisiert die Anwesenheit eines Hazara in der Familie. Unerschrocken klärt Amir seinen Schwiegervater darüber auf, dass es sich bei Suhrab um seinen Neffen handelt.

Als afghanische Einwanderer im Lake Elizabeth Park in Fremont einen Drachenwettbewerb veranstalten, kauft Amir einen Drachen, und weil Suhrab kein Interesse daran zeigt, lässt er ihn selbst steigen. Als es ihm gelungen ist, die Schnur eines Gegners durchzutrennen, fragt er Suhrab, ob er ihm den besiegten Drachen holen soll. Voller Hoffnung rennt der Drachenläufer los.

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Bei der Verfilmung des Romans „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini hielten sich David Benioff (Drehbuch) und Marc Forster (Regie) eng an die literarische Vorlage und ließen nur einige Passagen aus.

Der Film beginnt 2000 in San Francisco. In drei Abschnitten – Kabul 1978, Sowjetische Invasion Dezember 1979, Freemont 1988) – wird die Vergangenheit nachgeholt. Dann fahren David Benioff und Marc Forster mit den Ereignissen in der Gegenwart fort.

Es geht um Freundschaft, Treue und Verrat, Schuld und Verantwortung, Korruption, Opportunismus und Rassismus. Die politischen Zusammenhänge werden nur angedeutet, aber „Drachenläufer“ ist ja auch kein gesellschaftskritischer Politthriller, sondern ein farbiges, dramatisches und spannendes Filmdrama. Vor allem gegen Ende zu überschreiten David Benioff und Marc Forster mehrmals die Grenze zum Kitsch.

Aufgrund der Sicherheitslage in Afghanistan konnte „Drachenläufer“ nicht dort gedreht werden. So entstanden die Landschaftsaufnahmen in China.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

Khaled Hosseini: Drachenläufer

Marc Forster: Monster’s Ball
Marc Forster: Stay

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Wilhelm Genazino erzählt die Geschichte in der Ich-Form als flow of consciousness. Die Stimmung ist zugleich komisch und melancholisch, die Sprache ein feines Parlando, und die Komposition wirkt leicht und unverkrampft.
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