Vierzig Gewehre

Vierzig Gewehre

Vierzig Gewehre

Vierzig Gewehre - Originaltitel: Forty Guns - Regie: Samuel Fuller - Drehbuch: Samuel Fuller - Kamera: Joseph F. Biroc - Schnitt: Gene Fowler jr. - Musik: Harry Sukman - Darsteller: Barbara Stanwyck, Barry Sullivan, Dean Jagger, John Ericson, Gene Barry, Robert Dix, Jidge Carroll, Paul Dubov, Gerald Milton, Ziva Rodann, Hank Worden, Neyle Morrow, Chuck Roberson, Chuck Hayward, Sandra Wirth, Eve Brent u.a. - 1957; 75 Minuten

Inhaltsangabe

In Tombstone, Arizona, treffen Marshall Griff Bonnell und seine beiden Brüder Wes und Chico auf Brockie Drummond, der glaubt, die Kleinstadt terrorisieren zu können, weil seine ältere Schwester, die Viehbaronin Jessica Drummond, mit ihren vierzig gun men im Cochise County herrscht. Griff verliebt sich in die starke Frau, und sie erwidert seine Gefühle. Aber gibt es für die Liebe eines Marshalls und einer gesetzlosen Rancherin eine Zukunft?
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Kritik

"Vierzig Gewehre" war zwar kein Kassenschlager, aber inzwischen gilt der Film von Samuel Fuller als inhaltlich und stilistisch eigenwilliger Klassiker und "großes Requiem auf den Wildwestmythos".
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Um einen Postkutschenräuber zu verhaften, fährt Marshall Griff Bonnell (Barry Sullivan) mit seinen beiden Brüdern Wes (Gene Barry) und Chico (Robert Dix) 1881 mit einem Pferdegespann nach Tombstone, Arizona.

Unweit der Kleinstadt müssen sie auf offener Strecke anhalten, weil ihnen eine Frau auf einem Schimmel an der Spitze von vierzig Reitern entgegenkommt. Der Boden dröhnt. Staub wirbelt auf. Wie die Wilde Jagd galoppiert die Kavalkade vorbei, ohne sich um die drei Männer und deren scheuende Pferde zu kümmern.

In Tombstone erfahren die Bonnell-Brüder, dass es sich um Jessica Drummond (Barbara Stanwyck) und ihre „vierzig Gewehre“ handelte. Die herrschsüchtige Viehbaronin scheint im Cochise County alles unter Kontrolle zu haben, einschließlich des Sheriffs Ned Logan (Dean Jagger). Ihr jüngerer Bruder Brockie (John Ericson) glaubt deshalb, die Bewohner der Stadt terrorisieren zu können, und nachdem er den sehbehinderten alten Marshal John Chisum (Hank Worden) niedergeschossen hat, stellt er sich auch dem Marshall in den Weg, doch der geht – gedeckt von Wes – mutig auf ihn zu, schlägt ihn nieder und lässt ihn einsperren. Jessica sorgt mit ihren Beziehungen dafür, dass ihr Bruder rasch wieder freikommt.

Mit einem Haftbefehl taucht Griff Bonnell auf Jessicas Ranch auf und nimmt Hilfssheriff Howard Swain (Chuck Roberson) fest, der zusammen mit Sheriff Logan, Richter Macy (Paul Dubov) und anderen Honoratioren der Stadt bei der stolzen Rancherin am Tisch sitzt. Swain soll eine Postkutsche überfallen und ausgeraubt haben.

Logan will Swain zur Flucht verhelfen, aber der ahnt, dass er dabei erschossen werden soll und zieht es vor, in seiner Zelle zu bleiben. Der korrupte Sheriff, der befürchtet, dass Swain bei seiner Vernehmung Jessica und ihrem Netzwerk gefährlich werden könnte, sorgt dafür, dass Charlie Savage (Chuck Hayward), einer von Jessicas vierzig Männern, den Häftling im Gefängnis erschießt.

Auf der Suche nach Charlie Savage trifft Griff auf Jessica, und sie geraten beide in einen Tornado. Während sie sich hinter einer Hütte auf den Boden werfen und sich vor den herumfliegenden Trümmern schützen, verlieben sich die beiden starken Persönlichkeiten. Als der Sturm vorbei ist, erzählt Jessica, dass ihre Mutter bei Brockies Geburt starb. Ihr Vater kam ums Leben, als sie fünfzehn war und er sie gegen einen Vergewaltiger beschützen wollte.

Nachdem Griff und Wes ihren jüngeren Bruder Chico zur Postkutsche gebracht haben, mit der er nach Hause reisen soll, gerät der Marshall in eine vom Sheriff gestellte Falle: Ein debiler Stadtbewohner namens Wiley (Neyle Morrow) versteckt sich und täuscht vor, Charlie Savage zu sein. Auf diese Weise lockt er Griff von der Hauswand weg, damit der gesuchte Mörder ihn von einem Fenster aus erschießen kann. Chico, der heimlich wieder ausgestiegen und zurückgekehrt ist, durchschaut den Plan gerade noch rechtzeitig und erschießt Charlie Savage in dem Augenblick, als dieser auf Griff anlegt.

Während Griff bei Jessica zu Besuch ist, feuert jemand durchs Fenster auf ihn, verfehlt ihn aber. Griff erwischt den Täter. Es ist der Sheriff. Logan, der selbst in Jessica verliebt ist und vergeblich auf eine Erwiderung seiner Gefühle hoffte, handelte nun vor allem aus Eifersucht. Griff lässt ihn laufen, aber Logan erhängt sich draußen.

Wes hat sich in die selbstbewusste Büchsenmacherin Louvenia Spanger (Eve Brent) verliebt und beschlossen, bei ihr in Tombstone zu bleiben. Die beiden heiraten. Während der Hochzeitsfeier wird der Bräutigam von Brockie erschossen.

Jessica kann den Marshall nicht daran hindern, ihren Bruder auf der Ranch zu verhaften, aber sie opfert ihr gesamtes Vermögen, um ihn vor der Hinrichtung zu bewahren.

Als sie Brockie im Gefängnis besucht, überwältig dieser einen Hilfssheriff, nimmt ihm den Revolver ab und flieht mit seiner Schwester als Geisel. Griff stellt ihn. Da hält Brockie seine Schwester als Schutzschild vor sich. Er rechnet nicht mit Griffs Kaltblütigkeit: Ungeachtet seiner Liebe schießt der Marshall Jessica nieder und tötet dann ihren Bruder.

Jessica erholt sich bald von der Schussverletzung. Sie sucht Wes‘ Witwe auf und spricht ihr das Beileid aus: Sie haben beide einen geliebten Menschen verloren.

Als Griff die Stadt verlassen will, ohne Jessica wiedergesehen zu haben, läuft sie ihm nach, und er hält an …

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Eine fulminante Einstiegsszene symbolisiert die gesetzlose Herrschaft einer Rancherin in Arizona, dreißig Jahre, bevor das territory Bundesstaat wurde. Nachdem der zuständige Marshall für Gesetz und Ordnung gesorgt hat, läuft nur noch ein verirrtes Fohlen durch die Stadt. Die Zähmung der Viehbaronin ist als Metapher für die Zivilisierung des Wilden Westens zu verstehen.

„Vierzig Gewehre“ ist ein großes Requiem auf den Wildwestmythos. (Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung, 4. April 2006)

In der ersten Fassung von „Vierzig Gewehre“ stirbt Jessica Drummond beim Showdown zwischen ihrem Bruder Brockie und Marshall Griff Bonnell. Weil die Produzenten das für zu brutal hielten und sie deshalb um ihre Einnahmen fürchteten, zwangen sie Samuel Fuller ein Happyend auf, das allerdings inkonsequent wirkt.

„Vierzig Gewehre“ war zwar kein Kassenschlager, aber inzwischen gilt der Film als inhaltlich und stilistisch eigenwilliger Klassiker.

Außer der Filmmusik von Harry Sukman mit dem Song „High Ridin‘ Woman“ ist „God Has His Arms Around Me“ von Victor Young zu hören.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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