Fickende Fische

Fickende Fische

Fickende Fische

Originaltitel: Fickende Fische - Regie: Almut Getto - Drehbuch: Almut Getto - Kamera: Andreas Höfer - Schnitt: Ingo Ehrlich - Musik: Tom Deininger und Sten Stervaes - Darsteller: Tino Mewes, Sophie Rogall, Annette Uhlen, Hans-Martin Stier, Ferdinand Dux, Ellen ten Damme, Angelika Milster, Jürgen Tonkel, Thomas Feist, Suzanne Vogdt, Adrian Zwicker, Veit Stübner u.a. - 2001; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Seit Jan durch eine Blutkonserve mit HIV-Viren infiziert wurde, muss er jeden Tag eine Handvoll Tabletten schlucken und regelmäßig den Arzt aufsuchen. Als der von seinen Eltern umsorgte, introvertierte und vereinsamte Junge 16 ist, verliebt er sich in eine lebhafte 15-Jährige, aber er weiß, dass er Nina wegen der Ansteckungsgefahr nicht einmal küssen darf ...
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Kritik

Originell und unverkrampft, sensibel und ohne Rührseligkeit erzählt Almut Getto in "Fickende Fische" die Geschichte über das Gefühlschaos der beiden Jugendlichen, die von Sophie Rogall und Tino Mewes überzeugend dargestellt werden.
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Nach einem Verkehrsunfall, den er als Kind hatte, erhielt Jan (Tino Mewes) – ein in Dortmund lebender Junge – eine Blutinfusion aus einer verseuchten Konserve und wurde dadurch mit HIV-Viren infiziert. Seither muss er regelmäßig den Arzt (Veit Stübner) aufsuchen und Tag für Tag eine Handvoll Tabletten schlucken. Seine hilflosen Eltern Lena und Hanno Borcherts (Annette Uhlen, Hans Martin Stier) sind besorgt und merken nicht, dass Jan sich durch die Fürsorge seiner Mutter beinahe erdrückt fühlt. Zur Unterstützung seiner schwer arbeitenden „Körperpolizisten“ kocht sie ihm jeden Tag etwas Besonderes, aber Jan kann das gesunde Essen nicht mehr riechen und will nicht unentwegt an seine Krankheit erinnert werden. Nur bei seinem Großvater (Ferdinand Dux) findet er Verständnis, denn der Kauz, der sich von seinem Enkel immer mal wieder „wegen seines trockenen Halses“ ein Glas Cognac einschenken lässt, hat als Einziger in der Familie nicht seinen Humor und seine Freude am Abenteuer verloren. Von ihm hat Jan wohl auch seine Liebe für die Unterwasserwelt. Am liebsten taucht er in einem nahen See oder er beobachtet die neununddreißig Fische in seinen Aquarien. Nach dem Unfall versuchte er einmal, sich zu ertränken, aber die Atemnot zwang ihn zum Auftauchen. Seither trainiert er das Luftanhalten in der Badewanne.

Jan ist einsam und verzweifelt. Wenn er zur medizinischen Untersuchung ins Krankenhaus muss, besucht er dort seinen aidskranken Freund Jonas (Adrian Zwicker). Mit geschlossenen Augen überquert der inzwischen sechzehnjährige Einzelgänger eine stark befahrene Straße in Dortmund. Ein Autofahrer bremst im letzten Augenblick, und als Jan die Augen öffnet, sieht er den unhörbar schimpfenden Mann durch die Windschutzscheibe. Unverletzt erreicht er die andere Straßenseite, doch auf dem Gehsteig wird er von einem Mädchen auf Inline-Skates umgefahren, schlägt mit dem Hinterkopf aufs Pflaster und verliert vorübergehend das Bewusstsein.

Bald darauf stößt das Mädchen auf einer Brücke erneut mit ihm zusammen. Diesmal reißt sie zwar Jan nicht zu Boden, aber er lässt die mit Wasser gefüllte Plastiktüte fallen, und der Fisch, den er nach Hause tragen wollte, überlebt den Aufprall nicht.

Nina (Sophie Rogall), so heißt die fünfzehnjährige Skaterin, ist ganz anders als der stille, introvertierte Jan: Sie ist spontan und neugierig, frech, energisch, unternehmungslustig und selbstständig. Ihre Mutter Eva (Suzanne Vogdt) hat die Familie verlassen und lebt jetzt in Kenia. Mit Caro (Ellen Ten Damme), der neuen Freundin ihres Vaters Wolf (Jürgen Tonkel), lebt Nina auf Kriegsfuß. Ihr Bruder Roger (Thomas Feist) geht seine eigenen Wege. Reden kann sie nur mit Angel (Angelika Milster), einer mehr als doppelt so alten Frau, die von einem schlecht laufenden Erotik-Versandhandel lebt und nicht darüber hinwegkommt, dass ihre Tochter Silvia sie verlassen hat.

Zuerst kann Jan mit dem lebhaften Mädchen nichts anfangen, aber Nina schleust ihn eines Abends in das bereits geschlossene öffentliche Aquarium. Begeistert steht Jan vor den riesigen Glasscheiben und beobachtet die Fische. Nina weiß zwar, dass Wale, Delphine und andere Meeresbewohner lebend gebären, aber sie möchte gern wissen: „Ficken Fische?“ Jan kann ihr die Frage nicht beantworten. In der Nacht werden die beiden von einem Wachmann aufgestöbert. „Kommen Sie nicht näher“, schreit Jan. „Ich habe AIDS, und wenn es sein muss, beiße ich zu!“ Ängstlich weicht der Mann zurück, und die beiden Jugendlichen können fliehen. Nina ist beeindruckt von Jans Schlagfertigkeit. Dass er tatsächlich HIV-Viren im Körper hat, ahnt sie nicht.

Jan nimmt seine neue Freundin mit zum See und taucht mit ihr. Wie Fische umkreisen sie sich unter Wasser. Gemeinsam brechen sie aus dem Alltagsleben aus. Beide merken, dass sie sich zum ersten Mal verliebt haben, aber sie reden nicht darüber. Einmal sitzt Jan unbeholfen neben Nina auf der Couch in ihrem Zimmer. Sie fordert ihn zum Tanzen auf, und gerade als sie sich mit ihren Lippen seinem Mund nähert, reißt Caro die Tür auf. Verstört läuft Jan davon.

Er weiß, dass er Nina wegen der Ansteckungsgefahr nicht einmal küssen darf, aber er bringt es nicht fertig, ihr die Wahrheit zu sagen.

Zum Entsetzen seiner Eltern färbt Jan sich die Haare blau. Heimlich geht er zu einem Fast-Food-Restaurant, wählt ein richtig ungesundes Essen und schnorrt von zwei Mädchen am Nachbartisch eine Zigarette. Dann räumt er zusammen mit Nina sein Zimmer bis auf das Bett und die Aquarien aus, tüncht die Wände wasserblau und verziert sie mit Fischen. Als die Eltern einmal ausgegangen sind, malen Jan und Nina sich blau an und fotografieren sich in dem blauen Zimmer. Schließlich waschen sie sich in der Badewanne die Farbe wieder ab, wickeln sich in Handtücher und kuscheln sich in Jans Bett. Nina liebkost Jan im Gesicht, bis er sich auf die Seite rollt und sie in die Arme nimmt. Doch als er beim zärtlichen Streicheln kommt, springt er mit einem Satz auf, schlüpft in seine Hose, schreit sie an, das Sperma sofort abzuwischen und kauert sich dann in eine Ecke, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Verwirrt und frustriert geht Nina nach Hause.

Als sie am nächsten Tag wiederkommt und wie immer durchs Fenster in sein Zimmer klettert, behauptet Jan, dass sie nicht zusammenpassen und schickt sie fort.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Trotzig geht Jan in eine Diskothek und tanzt mit einem Mädchen. Als er jedoch Nina mit einem Begleiter entdeckt, lässt er seine Partnerin stehen und prügelt verzweifelt auf den anderen Jungen ein, obwohl dieser sehr viel stärker ist und ihn nach der ersten Verblüffung mit einem einzigen Schlag auf die Nase zu Boden schickt. Nina versteht nun gar nichts mehr. Jan sagt, er sei HIV-positiv und rennt davon. Entsetzt bleibt Nina stehen.

Ihre Mutter, die aus Kenia kommt, um die Scheidung zu regeln, rät ihr dringend, sich nicht mit jemand abzugeben, der sie mit HIV anstecken könnte. Das sei viel zu gefährlich. Aber Nina läuft einige Tage später wieder zu Jan. In seinem Zimmer ist er nicht, und aufs Klingeln an der Wohnungstür öffnet niemand. Eine Nachbarin ruft Nina zu, die Familie sei im Krematorium. Voller Angst um Jan rennt Nina zum Friedhof. Jan hatte sich zwar von einer Brücke ins Wasser gestürzt, es jedoch wieder nicht geschafft, sich zu ertränken. Nicht er ist tot, sondern sein Großvater ist gestorben. Und weil der sich gewünscht hatte, dass seine Asche ins Meer gestreut wird, schütten Jan und Nina nach der Trauerfeier den Inhalt der Urne unbemerkt in eine Plastiktüte und verabreden sich für den nächsten Tag.

Nina nimmt von ihrem Vater, der eine Autowerkstatt betreibt, einen Wagen. Mit der Asche von Jans Großvater in der Plastiktüte auf dem Rücksitz fahren sie und Jan in Richtung Meer. Ob alle Flüsse ins Meer fließen, fragt Nina, bevor sie auf einer Brücke das Steuer herumreißt, sodass sie durchs Geländer brechen und ins Wasser stürzen. Jan hat einmal gesagt, sein Paradies sei dunkel, still, nass und voller Fische.

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„Ich wollte eine romantische Liebesgeschichte mit tragischem Hintergrund erzählen, über die man ab und zu auch lachen kann“, sagt Almut Getto in einem Interview. In ihrem ersten abendfüllenden Kinofilm – „Fickende Fische“ – beschäftigt sie sich mit zwei Jugendlichen, die erstmals die Liebe erleben. Der Junge befürchtet jedoch, dass er seine Freundin nicht einmal küssen dürfe, weil er durch eine verseuchte Blutkonserve mit HIV-Viren infiziert wurde.

Originell und unverkrampft, sensibel und ohne Rührseligkeit erzählt Almut Getto die Geschichte über das Gefühlschaos der beiden Jugendlichen, die von Sophie Rogall und Tino Mewes überzeugend dargestellt werden.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Aids

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