Das wahre Leben

Das wahre Leben

Das wahre Leben

Originaltitel: Das wahre Leben – Regie: Alain Gsponer – Drehbuch: Alex Buresch, Matthias Pacht – Kamera: Matthias Fleischer – Schnitt: Melanie Werwie – Musik: Marius Lange – Darsteller: Katja Riemann, Ulrich Noethen, Hannah Herzsprung, Josef Mattes, Volker Bruch, Gerald Alexander Held, Juliane Köhler, Martin Feifel, Timo Dierkes u.a. – 2006; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Von den Sorgen und Nöten seiner Frau, einer Galeristin, und der beiden Söhne kriegt der Manager Roland Spatz nichts mit, denn er schuftet 14 Stunden am Tag im Büro. Als er entlassen wird und das Wohnzimmer renoviert, um nicht untätig herumzusitzen, flüchtet Sybille zu einer Freundin. Charles merkt bei der Bundeswehr, dass er schwul ist, und der pubertierende Linus rebelliert gegen die Vernachlässigung, indem er Bomben bastelt ...
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Kritik

In der unterhaltsamen, sehr gut besetzten Satire "Das wahre Leben" wirft der Schweizer Regisseur Alain Gsponer einen sarkastischen Blick aufs gutbürgerliche Familienleben.

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Ausgerechnet an dem Tag, an dem der Manager Roland Spatz (Ulrich Noethen) in Böblingen seinen Job verliert, weil das Unternehmen, für das er arbeitete, von einem größeren geschluckt wird, sind er und seine Frau Sybille (Katja Riemann) bei den neuen Nachbarn Happy und Katharina Krüger (Gerald Alexander Held, Juliane Köhler) eingeladen. Happy Krüger demonstriert schon allein durch die teure Einrichtung, dass er viel Geld verdient. Der Wohlstand hilft seiner Frau allerdings nicht über den Tod des Sohnes Tommy hinweg. Seit der Junge vor einem Jahr ertrank, leidet Katharina unter Depressionen. Sie hat auch nicht die Energie, sich um die achtzehnjährige Tochter Florina (Hannah Herzsprung) zu kümmern. Florina fühlt sich von den Eltern vernachlässigt, verhält sich betont aufsässig, fügt sich absichtlich Schmerzen zu und quält sich mit Selbstmordgedanken.

Auch Linus (Josef Mattes), der jüngere der beiden Söhne der Familie Spatz, fühlt sich einsam. Den Vater sah er bisher fast nur am Wochenende, denn Roland war vierzehn Stunden täglich im Büro. Sybille verbringt viel Zeit in ihrer Kunstgalerie, und der ältere, neunzehnjährige Bruder Charles (Volker Bruch) ist bei der Bundeswehr. Linus denkt zwar nicht an Selbstmord, aber er rebelliert gegen die Vernachlässigung, indem er Sprengkörper bastelt und beispielsweise das Vogelhäuschen in die Luft jagt.

Nun ist Roland auch tagsüber zu Hause. Überraschend steht ihm am Morgen nach seiner Entlassung eine fremde Frau gegenüber. Es handelt sich um die von Sybille eingestellte Putzhilfe (Susanna Fernandes-Genebra). Nicht gewohnt, untätig herumzusitzen, fällt Roland auf, was er im Wohnzimmer ändern könnte. Er beginnt, eine Wand herauszureißen und zu renovieren. Das ruhige Zuhause wird zur Baustelle.

Florina macht sich einen Spaß daraus, den pubertierenden Nachbarsohn durcheinanderzubringen, indem sie vor seinen Augen nackt im Pool schwimmt. Schließlich nimmt Linus sie mit, als er in einem Garten in der Nähe eine kitschige Nachbildung der David-Statue von Michelangelo sprengt. Obwohl der aufgebrachte Besitzer (Michael Holz) den Hund auf die beiden Jugendlichen hetzt und sie gerade noch auf Florinas Moped entkommen, macht das Abenteuer den beiden Spaß. Zaghaft kommen sie sich näher.

In Charles‘ Zimmer herumliegende Schwulen-Magazine öffnen Roland die Augen für die sexuelle Orientierung seines älteren Sohnes, von der er bis dahin nichts ahnte.

Eines Tages erhält Sybille einen Anruf aus dem Krankenhaus. Florina wurde von einem Jogger mit einer Alkoholvergiftung im Wald gefunden, und weil man bei ihr zwar keine Papiere, aber eine Visitenkarte Sybilles fand, verständigt eine Krankenschwester die Galeristin. Sybille wählt die Nummer der Nachbarn, erreicht jedoch nur den Anrufbeantworter. Daraufhin nimmt sie Florina mit nach Hause. Die Karte mit der Galerie-Adresse hatte sie ihr gegeben, weil ihr während des Besuchs bei den Nachbarn Florinas Zeichnungen aufgefallen waren. Sie überredet die Achtzehnjährige zu einer Ausstellung und beschließt, die von Stefan Kowalski (Timo Dierkes) vorzeitig zu beenden.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Sybille erträgt es nicht lange, dass ihr Mann den ganzen Tag zu Hause ist und dort eine Baustelle eröffnet hat. Nach einundzwanzig Jahren Ehe zieht sie für einige Zeit zu ihrer Freundin Claudia (Katja Gaub). Aber sie ist unschlüssig, ob sie eine Affäre mit dem Journalisten Hannes Wendling (Martin Feifel) beginnen soll, der bereits davon spricht, er wolle sich wegen ihr von seiner Frau Renate (Anna Windmüller) scheiden lassen.

In einer aggressiven Anwandlung schert Florina sich kahl, und bei der Vernissage betrinkt sie sich. Ihre Eltern hatten zwar versprochen, zu kommen, aber während der Veranstaltung ruft Happy Krüger an und erklärt seiner Tochter, Katharinas Medikamente seien nicht zur Hand. Verzweifelt zerstört Florina daraufhin vor den Augen der entsetzten Gäste eines ihrer Bilder und rennt aus der Galerie.

Roland geht zur Vernissage in der Hoffnung, sich mit seiner Frau aussprechen zu können, aber sie weist ihn ab und er kehrt nach Hause zurück.

Durchs Fenster bemerkt er, dass Linus sich bei Florina im Nachbarhaus aufhält. Er geht hinüber. Als Linus zusehen muss, wie Florina seinem Vater ein Glas Wein einschenkt, ihm das Du anbietet und ihn küsst, läuft er frustriert davon. Florina trinkt weiter, während Roland sich auszieht und ausgelassen im Pool herumplantscht.

So sieht Sybille ihn, als sie vorbeikommt.

Inzwischen hat Linus aus Eifersucht sein Zimmer verwüstet und in Brand gesteckt. Roland eilt hinüber in sein Haus und sucht unter Lebensgefahr nach seinem Sohn.

Der ist jedoch schon wieder bei den Nachbarn und rettet Florina, die ohnmächtig in den Pool gekippt ist.

„Alles bleibt immer in Bewegung“, kommentiert Roland. „Und das ist eigentlich ein beruhigender Gedanke.“

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Der Arbeitstitel lautete „Bummm! Deine Familie, dein Schlachtfeld“. Mit dem Titel „Das wahre Leben“ kam die von Alain Gsponer inszenierte Satire dann ins Kino. Es handelt sich um einen sarkastischen Blick aufs gutbürgerliche Familienleben, bei dem sich die Eltern im Allgemeinen und die Männer im Besonderen als Versager erweisen. Sehenswert ist „Das wahre Leben“ schon allein wegen der ausgezeichneten Besetzung mit Ulrich Noethen, Katja Riemann, Josef Mattes und der besonders überzeugenden Hannah Herzsprung.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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