Factotum

Factotum

Factotum

Originaltitel: Factotum – Regie: Bent Hamer – Drehbuch: Bent Hamer und Jim Stark, nach dem Roman "Faktotum" von Charles Bukowski – Kamera: John Christian Rosenlund – Schnitt: Pål Gengenbach – Musik: Kristin Asbjørnsen – Darsteller: Matt Dillon, Lili Taylor, Fischer Stevens, Marisa Tomei, Didier Flamand, Adrienne Shelly, Karen Young, Thomas Lyons, Dean Brewington, James Cada, James Michael Detmar, Kurt Schweickhardt, Dee Noah, James Noah, Michael Egan, Terry Hempleman, Emily Hynnek u.a. – 2005; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Henry ("Hank") Chinaski versteht sich als Schriftsteller, obwohl noch keine seiner Kurzgeschichten veröffentlicht wurde. Wenn er Geld braucht, sucht er sich einen Gelegenheitsjob, aber keinen steht er länger als ein paar Tage durch, weil er sich nicht anpassen und schon gar nicht verbiegen will. Auch seine Affären mit Frauen sind von kurzer Dauer. Doch statt in Selbstmitleid zu schwelgen, betrinkt er sich.
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Kritik

"Factotum", die Verfilmung eines Romans von Charles Bukowski durch Bent Hamer, besticht durch die lakonische, zurückhaltende Erzählweise und die schauspielerische Leistung
von Matt Dillon.
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Henry („Hank“) Chinaski (Matt Dillon) kommt nach New Orleans und nimmt sich ein Zimmer in einer billigen Pension. Er sei Schriftsteller, antwortet er auf die entsprechende Frage der Vermieterin. Ob es ein Buch von ihm gebe, möchte sie wissen. Nein, für einen Roman fühle er sich noch nicht reif genug, erwidert Hank.

Tatsächlich schreibt er fortwährend Gedichte und Kurzgeschichten. Beinahe jeden Tag schickt er etwas an die Zeitschrift „Black Sparrow“, aber veröffentlicht wird erst einmal nichts davon.

Der Verlierer weiß längst, dass das Leben mühevoll ist. Er schwelgt nicht in Selbstmitleid oder Selbstverachtung, sondern hat sich in seinem tristen Alltag als resignierter, melancholischer Revoluzzer eingerichtet. Wenn es gar nicht anders geht, sucht er sich einen Gelegenheitsjob, aber keinen davon steht er länger als ein paar Tage durch, weil er sich nicht anpassen und schon gar nicht verbiegen will. Nur mit einer gehörigen Menge Alkohol hält er das alles aus.

Ich konnte mich nicht dazu bringen, die Stellenanzeigen zu lesen. Die Vorstellung, wieder einem Mann an seinem Schreibtisch gegenüber zu sitzen und ihm zu sagen, dass ich einen Job wollte und die nötige Qualifikation dafür mitbrachte, war einfach zu viel für mich.
Ehrlich gesagt, ich hatte einen Horror vor dem Leben; vor dem, was ein Mann alles tun musste, nur um essen und schlafen und sich was zum Anziehen kaufen zu können. Also blieb ich im Bett und trank.
Wenn man trank, war die Welt zwar immer noch da draußen, aber wenigstens hatte sie einen im Augenblick nicht an der Kehle. (Charles Bukowski: Faktotum)

Eine Zeit lang hält Hank es mit Jan (Lili Taylor) aus, die seine Sauforgien mitmacht und keine großen Ansprüche an ihn stellt. Als er mit einem anderen Mann (Fisher Stevens) zusammen durch Pferdewetten und die Unterschlagung von Wetteinsätzen zu etwas Geld kommt, sich einen Anzug kauft und Zigarren raucht, kritisiert ihn Jan und beschwert sich über ihn, weil er zwei Wochen lang nicht mit ihr geschlafen hat. Daraufhin kehrt er zwar zu seinem alten Lebensstil zurück, aber er wird ihrer überdrüssig und verlässst sie kurzerhand.

In einer Bar lernt er Laura (Marisa Tomei) kennen. Die nimmt ihn mit zu dem reichen Müßiggänger Pierre (Didier Flamand), von dem sie sich aushalten lässt. Pierre, der angeblich eine Oper komponiert, nimmt Mädchen von der Straße bei sich in seiner Villa auf, darunter Grace und Jerry (Adrienne Shelly, Karen Young). Vom Auftauchen eines anderen Mannes ist er nicht begeistert, aber am nächsten Morgen lädt er Hank zusammen mit den drei Frauen auf seine Yacht ein.

Nach dem Ende der Affäre mit Laura sucht Hank seine Eltern auf, um ein paar Nächte in seinem früheren Zimmer zu schlafen. Die Mutter (Dee Noah) freut sich über seinen Besuch nach langer Zeit, aber der Vater (James Noah) nörgelt an ihm herum und schimpft ihn einen Versager, bis Hank ihn so provoziert, dass er ihn aus dem Haus wirft.

In einem Hotel stößt Hank wieder auf Jan, die dort als Zimmermädchen arbeitet. Sie leben noch einmal zusammen, bis Hank sich endgültig von Jan verabschiedet. Sie zieht daraufhin zu einem reichen Liebhaber in dessen Villa. Hank kann die Miete nicht mehr bezahlen und verbringt die Nacht mit einem Afroamerikaner (Dean Brewington) auf der Straße.

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Dem melancholischen Episodendrama „Factotum“ von Bent Hamer liegt der gleichnamige Roman von Charles Bukowski zugrunde: „Faktotum“ (Übersetzung: Carl Weissner, dtv, München 1983, ISBN 3-423-10104-0).

Von 1970 bis 1974 hatte Charles Bukowski (1920 – 1994) an dem 1975 veröffentlichten Roman über Hank Chinaski, das Alter Ego des Schriftstellers, gearbeitet. Charles Bukowski verstand es, sein eigenes Leben als Literatur zu vermarkten. Inzwischen weiß man aus Briefen, dass Hank Chinaski zwar autobiografische Züge aufweist, aber sich von seinem Erfinder durchaus unterscheidet: Während Hank Chinaski jeden Gelegenheitsjob spätestens nach ein paar Tagen verliert, arbeitete Charles Bukowski von 1958 bis 1969 als Briefsortierer im Hauptpostamt von Los Angeles. Auch Bukowskis Liebesverhältnisse waren von längerer Dauer: Mit Jane Conney Baker (dem Vorbild von Jan in „Factotum“, Wanda in „Barfly“ und Betty in „Der Mann mit der Ledertasche“) lebte er von 1947 bis 1950 zusammen, mit Linda Lee Beighle von 1978 bis zu seinem Tod (wenn auch mit einigen Unterbrechungen).

Die Verfilmung von Bent Hamer kommt der literarischen Vorlage recht nah. „Factotum“ besteht im Grunde aus einer Aneinanderreihung von Episoden, in denen sich vier Themen wiederholen: Schreiben, Sex, Alkoholexzesse, Gelegenheitsjobs. Bent Hamer verklärt den Protagonisten nicht, unterlässt moralische Wertungen ebenso wie Gesellschaftskritik und verzichtet auf psychologische Erklärungsversuche.

Die Erzählweise ist ruhig und unprätentiös. Statt hektischer Schnitte oder rasanter Kamerafahrten gibt es in „Factotum“ lange Einstellungen. Beispielsweise filmt John Christian Rosenlund minutenlang aus der Ecke eines Schlafzimmers: Hank Chinaski steht verkatert vom Doppelbett auf, geht hinaus zur Toilette und übergibt sich bei offener Tür. Während er ins Schlafzimmer zurückkehrt, sich wortlos an die Frisierkommode setzt und ein Flasche Bier trinkt, erhebt sich auch Jan, taumelt hinaus, übergibt sich, kommt wieder herein, setzt sich auf den Bettrand und zündet sich eine Zigarette an.

„Factotum“ ist nicht melancholisch und auch tragikomisch, aber der Humor ist so lakonisch und zurückhaltend wie der ganze Film.

Während Mickey Rourke in „Barfly“ (1987, Regie: Barbet Schroeder) die selbstzerstörerischen Züge des alkoholkranken Protagonisten Chinaski betont, arbeitet Matt Dillon mit sparsamer Gestik und Mimik die Resignation des Revoluzzers heraus. Dabei überzeugt er mit jeder Bewegung und im Original auch mit den aus dem Off gesprochenen Kommentaren.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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