Die Reise der Pinguine

Die Reise der Pinguine

Die Reise der Pinguine

Die Reise der Pinguine - Originaltitel: La marche de l'empereur - Regie: Luc Jacquet - Drehbuch: Luc Jacquet - Kamera: Laurent Chalet und Jérôme Maison - Schnitt: Sabine Emiliani - Musik: Emilie Simon - 2005; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Im März tauchen die Kaiserpinguine in der Antarktis aus dem Meer auf und sammeln sich zu Tausenden in einer Brutkolonie auf dem Eis. Nachdem die Weibchen im Mai ihre Eier abgelegt und den Männchen zum Brüten überlassen haben, kehren sie zum Fressen ins Meer zurück, sind aber wieder zur Stelle, wenn die Küken nach zwei Monaten schlüpfen. Dann endet auch für die Männchen das monatelange Hungern bei bis zu -40° ...
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Kritik

Die Aufnahmen von Laurent Chalet und Jérôme Maison in "Die Reise der Pinguine" sind eindrucksvoll. Beeinträchtigt wird das grandiose Naturschauspiel durch den Ton, v.a. weil Luc Jacquet eine Pinguin-Familie als vermenschlichte Erzähler auftreten lässt.
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Mit ihrem Körperbau sind die Kaiserpinguine dem Tauchen im Meer ideal angepasst. Geschickt jagen sie sardinengroße Fische, Tintenfische und Krill. Dabei stoßen sie mitten in einen Schwarm hinein, bewegen sich im Zickzack und schnappen alles, was sie vor den Schnabel bekommen.

Im März tauchen die Kaiserpinguine am Rand der Antarktis aus dem Meer auf und katapultieren sich zwischen den Eisschollen aus dem Wasser. Eine Karawane, die aus zehntausend und mehr Tieren bestehen kann, watschelt aufrecht bis zu hundert Kilometer über das Eis zu den Brutplätzen. („Marsch des Kaisers“ – „La marche de l’empereur“ – heißt denn auch der Originaltitel des Films von Luc Jacquet.) Über Abhänge rutschen die Pinguine auf dem Bauch hinunter.

Bis Ende Mai dauert die Paarungszeit, in der die Pinguine nichts als Schnee zu fressen bekommen, also lediglich ihren Flüssigkeitsverlust ausgleichen können. Ungeachtet der fehlenden Nahrung balzen die Männchen: Sie tanzen und „singen“, bis sie ein Weibchen gefunden haben, mit dem sie für die Saison zusammenbleiben.

Wenige Tage nach der Befruchtung legt das Pinguin-Weibchen ein einziges, etwa zehn Zentimeter großes Ei. Da es in der antarktischen Eiswüste kein Nistmaterial gibt, können die Kaiserpinguine keine Nester bauen. Stattdessen schiebt sich das Männchen das Ei mit dem Schnabel auf die Füße und wärmt es unter einer Bauchfalte. Rollt das Ei dabei übers Eis, tötet die Kälte das Leben darin in wenigen Sekunden. Während die Männchen brüten, marschieren die Weibchen zurück zum Meer, um endlich wieder fressen zu können.

Die fast bewegungslos auf dem Eis ausharrenden Pinguin-Männchen berühren den gefrorenen Boden nur mit der dicken Hornhaut ihrer Fersen. Sie erfrieren auch bei 40 Grad Kälte nicht, weil das dachziegelartig angeordete dichte Federkleid und eine dicke Fettschicht so gut isolieren, dass ihre Körpertemperatur bei 39 Grad bleibt. Füße und Flügel werden allerdings nur mit so wenig Blut versorgt, dass frisch gefallener Schnee erst einmal darauf liegen bleibt. Besonders wenn Schneestürme mit 250 Stundenkilometern über das Eis fegen, drängen sich die Kaiserpinguine in der Kolonie zusammen, und die Tiere, die an den Rand geraten, werden bald wieder im Inneren geschützt.

Zwei Monate dauert es, bis die Küken schlüpfen. Zur gleichen Zeit kehren die Weibchen zurück, erkennen in dem Lärm und Gewusel ihre Partner und lösen sie ab: Sie wärmen den Nachwuchs und füttern ihn mit unverdauter, ausgewürgter Nahrung. Die Männchen brechen nach vier Monaten Hungern zum Meer auf und müssen erst noch kilometerweit laufen, bis sie ins krill- und fischreiche Wasser gelangen.

Männchen und Weibchen wechseln sich in der Aufzucht der Jungen ab, bis diese nach der Mauser im Januar des folgenden Jahres flügge sind und mit ihnen die Brutkolonie verlassen können.

Zwei Monate später tauchen die geschlechtsreifen Kaiserpinguine wieder aus dem Meer auf, und ein neuer Zyklus beginnt.

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Nach den Regie- und Drehbuchanweisungen von Luc Jacquet filmten Laurent Chalet und Jérôme Maison vierzehn Monate lang Kaiserpinguine in der Antarktis. Als Base-Camp nutzten sie die Dumont-D’Urville-Station. Aus 120 Stunden Filmmaterial schnitt Sabine Emiliani dann den fertigen Film zusammen.

„Die Reise der Pinguine“ beginnt mit dem Auftauchen der Kaiserpinguine aus dem Meer und endet zehn Monate später mit ihrer Rückkehr in die Tiefe. Die Bilder – darunter auch viele Nah- und Detailaufnahmen – sind eindrucksvoll. Um das grandiose Naturschauspiel, das hier zu sehen ist, wirklich genießen zu können, müsste man sich im Kino die Ohren zuhalten, denn die Geräusch- und Musikuntermalung nervt. Schlimmer noch ist, dass Luc Jacquet eine Pinguin-Familie als vermenschlichte Erzähler über ihre Erlebnisse und Empfindungen berichten lässt. Beispielsweise verabschiedet ein Männchen sein Weibchen mit den Worten: „Genieße das Festessen im Ozean. Aber komm rechtzeitig zurück; wir warten auf dich.“ Und das zur Brutkolonie – zur „Oase der Liebe“ – zurückkehrende Weibchen denkt: „Wen werde ich vorfinden? Ist mein Kleines geboren? Lebt es noch?“ – Dadurch gleitet „Die Reise der Pinguine“ in kitschiges Infotainment ab.

„Wir haben uns Liebe geschworen.“
„Immer wieder singen wir unser zauberhaftes Lied.“
„Die Kälte liegt auf der Lauer.“
„Wir trotzen dem Sturmgott.“
„Wer wird gewinnen? Wir oder der Sturmgott?“

Für „Die Reise der Pinguine“ erhielt Luc Jacquet 2006 einen „Oscar“ in der Kategorie „bester Dokumentarfilm“.

Luc Jacquet arbeitete übrigens bereits an dem Film „Der Kongress der Pinguine“ (1994) von Hans-Ulrich Schlumpf mit.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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