Weitertanzen

Weitertanzen

Weitertanzen

Originaltitel: Weitertanzen – Regie: Friederike Jehn – Drehbuch: Friederike Jehn – Kamera: Sten Mende – Schnitt: Ben von Grafenstein – Musik: Thomas Mehlhorn – Darsteller: Marie-Christine Friedrich, Barnaby Metschurat, Stipe Erceg, Ingrid Caven, Annika Martens, Marija Malena, Eva-Maria Kurz, Peter Cieslinski, Thomas Hatzmann u.a. – 2009; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Maren möchte sicher sein, dass ihre Beziehung mit Arno von Dauer ist. Um es ihr zu beweisen, heiratet er sie. Bei der Hochzeitsfeier tauchen jedoch nicht nur attraktive frühere Freundinnen Arnos auf, sondern auch Marens Ex-Freund, und obwohl sie alles versucht, um das Fest zu retten, wird es für sie zunehmend zu einem klaustrophobischen Albtraum. Sie muss damit fertigwerden, dass es für Beziehungen keine Garantie gibt ...
mehr erfahren

Kritik

"Ich wollte einen Film über eine Frau machen, die durch ihr enormes Bedürfnis nach Sicherheit ihre Liebe gefährdet", sagt Friederike Jehn über ihren Debütfilm. "Weitertanzen" beginnt realistisch, entwickelt sich dann aber zunehmend zu einer grotesken Tragikomödie.
mehr erfahren

Maren und Arno (Marie-Christine Friedrich, Barnaby Metschurat) lieben sich nachts in einem Bett des Möbelgeschäftes, in dem sie beide beschäftigt sind. Wie sicher Arno sich seiner und ihrer Liebe sei, fragt Maren, und er schreibt ihr „2 000 000 %“ auf den nackten Arm. Entschlussfreudig macht er ihr einen Heiratsantrag, obwohl sie sich erst seit ein paar Monaten kennen.

Am Tag vor der Eheschließung trifft Maren nach sechs Jahren zum ersten Mal wieder ihren früheren Freund Peter (Stipe Erceg).

Auch bei der Hochzeitsfeier in einem Hotel taucht Peter als Begleiter einer von Arno eingeladenen jungen Dame wieder auf. Von Marens Seite sind nur ihre Mutter Maja (Ingrid Caven) und zwei andere Bekannte gekommen, aber für die Verwandten, Freunde und Bekannten Arnos – darunter seine Ex-Freundin Sabrina (Frederike Schinzler) und die vergnügte Italienerin Isabella (Marija Malena) – reichen die Stühle nicht.

Obwohl Maren ausdrücklich erklärte, dass sie die Farbe Rosa verabscheue, tragen die Musiker rosafarbene Anzüge und auch in der Dekoration gibt es Akzente in dieser Farbe. Dadurch will Maren sich das Fest jedoch nicht vermiesen lassen, und sie lobt Bea (Annika Martens) für die Organisation.

Im Vorraum der Damentoilette trifft Maren auf ihre schluchzende Schwiegermutter, und zwei Freundinnen, die Frau Petroff (Eva-Maria Kurz) zu trösten versuchen, fragen Maren, ob sie nicht verstehen könne, dass die alte Dame traurig über den Verlust ihres Sohnes sei.

Ihre eigene Mutter meint, Arno erinnere sie an ihren früheren Ehemann, Marens Vater. Der habe die gleiche Entschlossenheit ausgestrahlt und sei auch von vielen schönen jungen Frauen umgeben gewesen. Mit der Begründung, sie habe gehört, wie sich Arnos Gäste abschätzig über sie und Maren äußerten, verlässt Maja die Hochzeitigsfeier vorzeitig.

Um das Fest zu retten, lässt Maren den Brautwalzer spielen und tanzt mit Arno, aber nach ein paar Umdrehungen bekommt sie Nasenbluten.

Ein paar Männer versuchen, die Braut zu entführen. Maren wehrt sich verzweifelt und flieht durch die labyrinthartigen Korridore des Hotels.

Peter wettet mir ihr, dass sie ihr Ja-Wort noch vor dem Dessert bereuen werde. Daraufhin zwingt Maren den entsetzten Koch (Ernst Konarek), die Nachspeise vor dem Hauptgang zu servieren. Als die Kellner damit hereinkommen, flieht sie mit Peter ins Freie. Er will mit ihr nach Südfrankreich, aber nach ein paar hundert Metern überlegt Maren es sich anders: Sie steigt aus, verabschiedet sich von Peter und kehrt zu Fuß zur Hochzeitsgesellschaft zurück.

Die Gäste sind inzwischen fort. Durch die Scheibe einer Türe sieht Maren, wie Arno in einer Rumpelkammer des Hotels Stühle zertrümmert. Er weigert sich, ihr die Türe zu öffnen, aber sie nimmt den umgekehrten Weg wie bei der Flucht vor den Brautentführern und gelangt so zu ihm.

nach oben

Maren möchte sicher sein, dass ihre Beziehung mit Arno von Dauer ist. Um es ihr zu beweisen, heiratet er sie. Bei der Hochzeitsfeier tauchen jedoch nicht nur attraktive frühere Freundinnen Arnos auf, sondern auch Marens Ex-Freund, und obwohl sie alles versucht, um das Fest zu retten, wird es für sie zunehmend zu einem klaustrophobischen Albtraum. Sie muss damit fertigwerden, dass es für Beziehungen keine Garantie gibt.

Ich wollte einen Film über eine Frau machen, die durch ihr enormes Bedürfnis nach Sicherheit ihre Liebe gefährdet. Eigentlich ein Paradoxon: Je mehr sie etwas festhalten möchte, desto mehr zerrinnt es ihr zwischen den Fingern […] Es war nicht meine Absicht, einen Film über eine Hochzeit zu machen: „Weitertanzen“ ist für mich ein Beziehungsfilm, ein Liebesfilm, der zum Großteil auf einer Hochzeit spielt […] Wer liebt, ist verletzbar. „Weitertanzen“ ist ein Plädoyer für die emotionale Echtheit, für den Mut zur Verletzlichkeit. (Friederike Jehn)

Als Maren das Brautkleid anprobiert, setzt sie einen Motorradhelm auf. So gekleidet sehen wir sie zwar auch am nächsten Morgen hinter Arno auf dem Motorrad, mit dem sie zum Standesamt fahren, aber der Helm symbolisiert auch Marens Angst vor Verletzungen. Friederike Jehn zeigt in „Weitertanzen“ eine junge Frau, die sich in ihrer neuen Beziehung nach Sicherheit sehnt – und von Ängsten und Zweifeln umgetrieben wird. Dementsprechend weist das Hotel, in dem die Hochzeitsfeier stattfindet, labyrinthartige Korridore und Rumpelkammern auf.

„Weitertanzen“ beginnt realistisch, entwickelt sich dann aber zunehmend zu einer grotesken Tragikomödie.

Es handelt sich um den ersten abendfüllenden Film von Friederike Jehn (* 1977), die von 1999 bis 2005 an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg studierte. Gedreht wurde im Spätsommer 2007 in Freudenstadt. Bei der Premiere auf den 42. Hofer Filmtagen im Herbst 2008 gewann „Weitertanzen“ den „Eastman Förderpreis“. 2009 folgten der „achtung berlin – new berlin film award“ und der „Deutsche Filmkunstpreis“. Am 20. Oktober 2009 wurde „Weitertanzen“ erstmals im Fernsehen ausgestrahlt (SWR), und am 5. November 2009 wird der Film ins Kino kommen.

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

Voltaire - Candide
Voltaire (1694 - 1778) verspottet das optimistische Menschenbild des deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716) in einer 1759 anonym veröffentlichten ideenreichen Romansatire voller Sarkasmen.
Candide

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Sommer durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.