Im Netz

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Originaltitel: Im Netz – Regie: Isabel Kleefeld – Drehbuch: Ulli Stephan – Kamera: Alexander Fischerkoesen – Schnitt: Andrea Mertens – Musik: Sven Rossenbach, Florian Van Volxem – Darsteller: Caroline Peters, Ulrike Krumbiegel, Felix Schmidt-Knopp, Wolfram Koch, Gerald Alexander Held, Stefan Ruppe, Robert Dölle, Dietrich Adam u.a. – 2013; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Terroristen beschaffen sich die virtuelle Identität einer unbescholtenen Wirtschaftsberaterin, um in deren Namen Autos und Wohnungen anzumieten. Außerdem räumen sie die Bankkonten leer. Bevor die Frau davon etwas mitbekommt, wird sie unter dem Verdacht festgenommen, an der Vorbereitung eines Terroranschlags in Köln beteiligt zu sein. Die bis dahin selbstsichere Wirtschaftsberaterin kommt zwar nach zwei Tagen wieder frei, weiß nun aber nicht mehr, wem sie trauen kann und wem nicht ...
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Kritik

In dem Psychodrama "Im Netz" geht es weniger um die Aufklärung eines Kriminalfalls, als um die psychischen Auswirkungen eines Identitäts-diebstahls im Internet auf das von Caroline Peters facettenreich und überzeugend dargestellte Opfer.
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Die 40 Jahre alte, auf den Nahen Osten spezialisierte Wirtschaftsberaterin Juliane Schubert (Caroline Peters) kehrt aus Riad nach Köln zurück. In der Nacht stürmt ein Sondereinsatzkommando der Polizei ihre Wohnung und nimmt sie und ihren Freund Philipp Kronach (Felix Schmidt-Knopp) aus dem Bett heraus fest. Die Kriminalkommissarin Sonja Theissen (Ulrike Krumbiegel) und ihr Kollege Kommissar Bodo Hinrichs (Stefan Ruppe) leiten die Ermittlungen gegen Juliane Schubert, die verdächtigt wird, bei der Vorbereitung eines in Köln geplanten Terroranschlags geholfen zu haben. Philipp Kronach wird nur als Zeuge vernommen.

Erst im Polizeipräsidium erfährt Juliane Schubert Einzelheiten. Sie soll Fahrzeuge gemietet haben und eine Wohnung, in der Waffen, Sprengstoff und Anleitungen für den Bau von Bomben sichergestellt wurden. Zuerst hält die selbstsichere Geschäftsfrau die Anschuldigungen für so grotesk, dass sie davon ausgeht, man habe sie verwechselt und das werde sich rasch aufklären. Aber Kommissarin Theissen lässt sie einsperren, und als Juliane begreift, wie ernst ihre Lage ist, ruft sie ihren Kollegen Tom Willing (Robert Dölle) an. Sie nennt ihm das Passwort für ihren Laptop im Büro, damit er einen der Rechtsanwälte in ihrem elektronischen Adressenverzeichnis zu ihr schicken kann. Statt eines Herrn kommt jedoch eine Anwältin zu Juliane in die Zelle: Mia Yirsin (Ilknur Boyraz).

Die Polizei stellt fest, dass sich auf Julianes Rechner mehrere Trojaner und andere Schadprogramme befinden. Kommissar Hinrichs hält einen Fall von Identitätsdiebstahl im Internet für möglich, aber Sonja Theissen ermittelt weiter gegen die Wirtschaftsberaterin, die häufig in arabische Länder gereist ist.

Nach zwei Nächten muss Juliane erst einmal freigelassen werden. Im Taxi fällt ihr ein, dass sie kaum Bargeld bei sich hat und auch nicht mit der Kreditkarte bezahlen kann, weil die Polizei ihre Konten sperrte. Als sie es dem Fahrer (Jürgen Schüller) gesteht, hält er in einer unbewohnten Gegend an und fordert sie rücksichtslos zum Aussteigen auf.

Als Juliane über Philipps Laptop ihre Mails prüfen will, ruft Kommissarin Theissen an und fordert sie auf, sich sofort wieder aus dem Mailsystem abzumelden, das inzwischen von Spezialisten der Polizei überwacht wird.

In der Firma Moor und Partner erhält Juliane von Tom einen neuen, bereits eingerichteten Laptop. Sie ruft ihre Bankdaten auf und stellt fest, dass ihre Konten leergeräumt wurden. Einen TAN-Brief, den die Bank kürzlich an ihre Adresse schickte, hat sie nie bekommen.

Um wieder etwas Geld zur Verfügung zu haben, bittet Juliane ihren Freund, wenigstens einen Teil der 8000 Euro zurückzuzahlen, die sie ihm lieh. Sie ahnt nicht, dass der Journalist vor einigen Wochen entlassen wurde und sich in finanziellen Schwierigkeiten befindet.

Juliane verdächtigt den erst vor zwei Monaten eingezogenen Nachbarn Jonas Schultz (Wolfram Koch), den TAN-Brief und vielleicht auch noch andere Post aus ihrem Briefkasten zu stehlen. Sie observiert ihn und beobachtet, dass er vor allem mit arabisch aussehenden Männern redet. Nachdem sie mit ihrem Handy ein paar Fotos gemacht hat, meldet sie ihren Verdacht der Polizei, die Jonas Schultz daraufhin festnimmt. Er kommt allerdings rasch wieder frei.

Kurz darauf hat Juliane in Berlin zu tun. Aber am Check-in wird sie erneut abgeführt und zu einer weiteren Vernehmung gebracht. Die Polizei weiß nämlich inzwischen, dass sie vor längerer Zeit einen arabischen Geliebten gehabt hatte, der Deutschland drei Wochen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verließ. Juliane beteuert, seit mehr als zehn Jahren nichts mehr von Achmed gehört zu haben.

Stefan Brinkmann (Gerald Alexander Held) vom Verfassungsschutz schaltet sich in die Ermittlungen gegen Juliane Schubert ein und lässt sie observieren.

Weil Felix Moor (Dietrich Adam) wegen des eventuellen Kontakts seiner Mitarbeiterin Juliane Schubert zu Terroristen um den Ruf des Unternehmens fürchtet, kündigt er ihr. Als Juliane kurz darauf ihren Nachfolger Tom Willing bei einem Kuss mit Mia Yirsin ertappt, beginnt sie ihn zu verdächtigen. Immerhin vertraute sie ihm das Passwort ihres Laptops an. Stahl er ihre Daten und räumte die Konten leer? Hat er sie bei Felix Moor in Misskredit gebracht, um beruflich aufzusteigen?

Juliane entschuldigt sich bei ihrem Nachbarn Jonas Schultz dafür, dass sie ihn bei der Polizei anschwärzte. Auf die Versöhnung stoßen sie mit Champagner an. Jonas behauptet, er habe Philipp auch während Julianes Abwesenheit in ihrer Wohnung gesehen, vor allem nachts, und zwar am PC.

Während Philipp schläft, öffnet sie seinen Laptop und findet heraus, dass er heimlich an einem Buch über ihre jüngsten Erlebnisse gearbeitet hat.

Weil sie ihm nicht mehr traut, geht sie zum Postamt und beantragt, ihre Briefe von jetzt an nicht mehr zuzustellen. Sie will sie selbst abholen. Die Mitarbeiterin am Schalter (Nadine Wrietz) weist sie darauf hin, dass sie erst vor acht Wochen einen Nachsendeantrag gestellt habe und nennt ihr eine Adresse, die Juliane nicht kennt.


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Dass sie beschattet wird, hat Juliane längst gemerkt. Deshalb überredet sie den Schlosser (Moritz Führmann), von dem sie sich das Türschloss auswechseln lässt, ihr seinen Overall und die Mütze zu überlassen. So verkleidet, verlässt sie unbemerkt das Haus und fährt zu der Adresse, die sie im Postamt erhielt.

Jonas Schultz, der für den Verfassungsschutz arbeitet und gerade erfuhr, dass Juliane ihre Beschatter austrickste und nun unbeobachtet unterwegs ist, kann sich denken, wohin sie will. Er rast mit dem Auto los. Als Juliane, von mehreren arabisch aussehenden Männern verfolgt, auf die Straße rennt, hält Jonas Schultz neben ihr und fordert sie zum Einsteigen auf. Nachdem er während der Fahrt ihr Handy aus dem Wagen geworfen hat, damit sie nicht geortet werden kann, bringt er sie in einer Waldhütte unter.

Er schleuste sich in die Gruppe von Terroristen ein, die einen Anschlag in Köln vorbereitet. Um das Vertrauen der Männer zu gewinnen, hackte er Julianes Computer und stahl ihre virtuelle Identität, die dann bespielsweise für die Anmietung der Wohnung und der Autos verwendet wurde. Er warnt Juliane: Sie werde jetzt nicht nur von der Polizei und vom Verfassungsschutz verdächtigt, sondern von den Terroristen verfolgt. Jonas will ohnehin seine Tätigkeit beim Verfassungsschutz beenden und ein neues Leben anfangen. Er schlägt Juliane vor, sich mit ihm ins Ausland abzusetzen und übergibt ihr einen gefälschten US-Pass. Sie soll es sich überlegen, während er in Köln zu tun hat.

Bald darauf stürmt eine Polizeieinheit die Waldhütte und nimmt Juliane fest. Die Terrorgruppe wurde inzwischen ausgehoben. Stefan Brinkmann verlangt von Juliane die Unterzeichnung einer Schweigeverpflichtung. Dafür bekommt sie etwas Geld und ihre Freiheit zurück. Aber sie wird auch weiterhin vom Verfassungsschutz beobachtet.

Juliane fährt zum Flughafen und checkt mit dem US-Pass nach Buenos Aires ein. Sie erschrickt, als sie Sonja Theissen in der Nähe entdeckt, aber die Kommissarin nickt ihr zu und unternimmt nichts.

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Das Psychodrama „Im Netz“ von Ulli Stephan (Drehbuch) und Isabel Kleefeld (Regie) veranschaulicht, wie gefährdet wir durch Internet-Kriminalität sind. Terroristen beschaffen sich die virtuelle Identität der unbescholtenen deutschen Wirtschaftsberaterin Juliane Schubert, um in ihrem Namen Autos und Wohnungen anzumieten. Außerdem räumen sie ihre Bankkonten leer. Bevor Juliane Schubert davon etwas mitbekommt, wird sie unter dem Verdacht festgenommen, an der Vorbereitung eines Terroranschlags in Köln beteiligt zu sein. Die bis dahin selbstsichere Wirtschaftsberaterin kommt zwar nach zwei Tagen wieder frei, weiß nun aber nicht mehr, wem sie trauen kann und wem nicht.

Ulli Stephan und Isabel Kleefeld erzählen die Geschichte vor allem aus der eingeschränkten Perspektive der Protagonistin Juliane Schubert. Es geht ihnen in dem Film „Im Netz“ weniger um die Fahndung nach den Terroristen und die Auflösung des Kriminalfalls, als um die psychischen Auswirkungen des Identitätsdiebstahls auf das Opfer, das von Caroline Peters facettenreich und überzeugend dargestellt wird.

Allerdings entwickelt sich die Handlung nicht stringent; „Im Netz“ besteht aus einer Abfolge einzelner Szenen bzw. Episoden und wirkt deshalb wie Patchwork. Darüber hinaus ist nicht jede Einzelheit plausibel, und die Rolle von Jonas Schultz wirkt arg konstruiert.

Bemerkenswert ist, dass „Im Netz“ bereits eine Woche vor der Erstausstrahlung in der Mediathek des Ersten Deutschen Fernsehens (ARD) angeschaut werden konnte. Ähnliches gab es bis dahin nur bei Privatsendern.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

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Raoul Schrott - Das schweigende Kind
Mit dem Thema Kindesentzug und väterliches Besuchsrecht setzt Raoul Schrott sich ausschließlich literarisch auseinander. Die Sprache, die er für "Das schweigende Kind" gewählt hat, ist anspruchsvoll, geschliffen und pathetisch.

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