Die 1000 Augen des Dr. Mabuse

Die 1000 Augen des Dr. Mabuse

Die 1000 Augen des Dr. Mabuse

Originaltitel: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse – Regie: Fritz Lang – Drehbuch: Fritz Lang und Heinz Oskar Wuttig, nach einer Idee von Jan Fethke und Figuren von Norbert Jacques – Kamera: Karl Löb – Schnitt: Walter Wischniewsky – Musik: Bert Grund – Darsteller: Dawn Addams, Peter van Eyck, Wolfgang Preiss, Gert Fröbe, Werner Peters, Andrea Checchi, Howard Vernon, Nico Pepe, David Cameron, Jean-Jacques Delbo, Marielouise Nagel, Reinhard Kolldehoff, Lotti Alberti, Albert Bessler, Manfred Grothe u.a. – 1960; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Als der Journalist Peter Barter 1960 ermordet wird, erinnern die Umstände an Dr. Mabuse, der die Weltherrschaft erobern wollte. Aber der Verbrecher starb 1932 in einer Irrenanstalt. Kommissar Kras überprüft drei Personen, die ihm verdächtig vorkommen: den blinden Hellseher Peter Cornelius, den Versicherungsvertreter Hieronymus Mistelzweig und Marion Menil, eine junge Frau, die gerade von dem amerikanischen Multimillionär Henry Travers vom Selbstmord abgehalten wurde ...
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Kritik

"Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" ist gewiss keiner der besten Filme von Fritz Lang, denn die Handlung wirkt nicht nur konstruiert, sondern in ihrer Kompliziertheit auch aufgebläht. Beachtlich sind die Optik und die Atmosphäre des durchaus spannenden Thrillers.
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1960. Der blinde Hellseher Peter Cornelius (Wolfgang Preiss) ruft Kriminalkommissar Kras (Gert Fröbe) an und weist ihn auf einen unmittelbar bevorstehenden Mord hin. Tatsächlich stirbt der Fernsehmoderator Peter Barter auf dem Weg ins Studio. Zunächst sieht es nach einem Herzschlag aus, aber bei der Obduktion findet man in seinem Schädel eine Stahlnadel, die offenbar mit einem neuartigen, in den USA entwickelten Luftdruckgewehr abgeschossen wurde. (Als Zuschauer wissen wir, dass ein Auftragsmörder mit der Nummer 12 (Howard Vernon) aus einem anderen Auto heraus schoss und dann dem „Doktor“ telefonisch Bericht erstattete.)

Die Verwendung einer Waffe, von der bisher erst ein Prototyp existiert, der jedoch gestohlen wurde, erinnert einen Mitarbeiter der Mordkommission an Dr. Mabuse, der zu ähnlichen Mitteln gegriffen hatte, um die Weltherrschaft zu erobern. Allerdings starb Dr. Mabuse 1932 in einem Irrenhaus.

Peter Barter war vor seinem Tod im Hotel Luxor. Weil dort auch die Opfer einiger unaufgeklärter Mordfälle aus den letzten beiden Jahren zu Gast waren, schleust die Polizei einen Spezialagenten ins Hotel ein, dessen Identität nur dem BKA-Chef bekannt ist.

Eine vor fünf Tagen aus Paris eingetroffene und seither im Hotel Luxor wohnende junge Frau namens Marion Menil (Dawn Addams) klettert in selbstmörderischer Absicht aus dem Fenster. Dem ebenfalls im Hotel wohnenden amerikanischen Multimillionär Henry B. Travers (Peter van Eyck) gelingt es, sie vom tödlichen Sprung abzuhalten und sie ins Zimmer zurückzuholen. Die verhinderte Selbstmörderin verlangt nach dem Arzt Professor Dr. S. Jordan (Wolfgang Preiss), bei dem sie seit einem Nervenzusammenbruch vor einem Jahr in Behandlung ist. Er kommt sofort, injiziert Marion ein Schlafmittel und lässt eine Krankenschwester (Lotti Alberti) bei ihr.

Kras findet heraus, dass Peter Barter mit Marion Menil im Hotel Luxor sprach, bevor er zum Sender fahren wollte und ermordet wurde. Bei ihrer Befragung bestätigt Marion das und sagt, der aufdringliche Journalist habe sie gedrängt, ihm ein Interview zu geben, aber sie sei nicht dazu bereit gewesen.

Am nächsten Tag explodiert in Kras‘ Büro eine Bombe. Er bleibt unverletzt, aber einer seiner Mitarbeiter kommt ums Leben.

Als Zuschauer wissen wir, dass zumindest einige der Zimmer im Hotel Luxor mit Kameras überwacht werden. Der Hoteldetektiv Berg (Andrea Checchi), dem nicht entgangen ist, wie sehr Travers sich für Marion Menil interessiert, führt den Geschäftsmann in das benachbarte Zimmer und zeigt ihm den in einem Schrank verborgenen Einwegspiegel in der Wand. Der Amerikaner findet es widerlich, Menschen heimlich zu beobachten, lässt sich jedoch das Zimmer zusätzlich geben und bezahlt das geforderte Schmiergeld.

Für den Abend hat Peter Cornelius den Kommissar zu einer Séance eingeladen, bei der er den Skeptiker von seinen übernatürlichen Fähigkeiten überzeugen möchte. Kras nimmt nicht nur seinen Assistenten Keyser (Manfred Grothe) mit, sondern lädt auch zwei Personen ein, die ihm in dem Mordfall verdächtig vorkommen: Marion Menil und der Versicherungsvertreter Hieronymus B. Mistelzweig (Werner Peters), der im Hotel Luxor seinen Geschäften nachgeht. Nachdem Kras mit dem Blinden den Sitzplatz getauscht hat, beginnt die Séance. Da wird durchs Fenster geschossen. Hätte Kras sich nicht aufgrund einer Warnung des Hellsehers zu Boden geworfen, wäre er in den Kopf getroffen worden. Aber der Mordanschlag galt möglicherweise nicht ihm, sondern Cornelius.

Henry Travers fragt Marion Menil, ob sie ihn heiraten würde, wenn sie ungebunden wäre. Sie erklärt ihm, ihr Mann Roberto (Reinhard Kolldehoff) sei durch einen Klumpfuß gehbehindert, eifersüchtig und gewalttätig; er würde sie eher töten als freigeben. Deshalb hatte sie vor einem Jahr einen Nervenzusammenbruch. Vor zehn Tagen versuchte sie ihn zu vergiften, aber er merkte es und droht ihr nun mit der Polizei. Deshalb floh sie aus Paris. Aber drei Stunden vor ihrem Selbstmordversuch erhielt sie ein Telegramm von ihm: Er hat also herausgefunden, wo sie ist.

Da ruft auch schon Dr. Jordan an und warnt Marion vor ihrem Ehemann. Roberto sei bereits im Hotel, sagt er. Während Marion in ihr Zimmer eilt, geht Travers ins benachbarte und öffnet den Wandschrank. Er sieht, dass Roberto Menil ein Messer in der Hand hat. Marion greift nach einer Damenpistole, aber Menil schlägt sie ihr aus der Hand und droht damit, ihr das Gesicht zu zerschneiden. Um ihn daran zu hindern, schlägt Travers die Scheibe des Einwegspiegels ein, hebt die Pistole vom Boden auf und erschießt Menil.

Marion ruft Dr. Jordan an. Der kommt nach wenigen Minuten und stellt Roberto Menils Tod fest. Um die Leiche beseitigen zu können, holt Travers den Hoteldetektiv. Ihm wird vorgespielt, dass Menil einen Herzanfall erlitten habe und ins Krankenhaus gebracht werden müsse. Um jedes Aufsehen zu vermeiden, soll Berg helfen, ihn unbemerkt zu einem am Seitenausgang des Hotels wartenden Krankenwagen zu bringen. Gegen entsprechendes Schmiergeld ist Berg auch bereit, den zerbrochenen Spiegel heimlich ersetzen zu lassen.

Im Krankenwagen richtet Roberto Menil sich von der Trage auf. In der Pistole waren nur Platzpatronen, wie mit dem Doktor abgesprochen. Aber der Auftragsmörder Nr. 12, der mit im Krankenwagen sitzt, erschießt Menil nun tatsächlich. Die Leiche wird wenig später in einer brennenden Dachwohnung gefunden.

Hieronymus Mistelzweig sucht Peter Cornelius auf. Als er ihm eine Zigarettenschachtel zuwirft und der angebliche Hellseher sie reflexartig auffängt, erweist sich Mistelzweigs Verdacht, dass die Blindheit vorgetäuscht sei, als richtig.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Zur gleichen Zeit wollen Henry Travers und Marion Menil abreisen. Dem Amerikaner ist inzwischen aufgefallen, dass Dr. Jordan im Hotel wohnen muss, weil er sonst nicht so rasch hätte kommen können. Marion zeigt ihm die Objektive der versteckten Kameras, mit denen die Räume überwacht werden. Der Fernsehmoderator Peter Barter hatte sie entdeckt. Kurz darauf war er tot. Im Aufzug werden Henry und Marion von Berg gestellt. Er hat eine Pistole in der Hand und bringt sie in den geheimen Kellerraum, in dem die Monitore der Überwachungskameras stehen. Dort kommt es zu einem kurzen Kampf zwischen dem Millionär und dem kriminellen Hoteldetektiv. Marion wird durch einen Schuss getroffen.

Sie gesteht Henry, dass sie die Aufgabe hatte, ihn in die USA zu lotsen und dort zu heiraten. Danach sollte er ermordet werden, und sie hätte ihn beerbt. Henry erschoss Roberto Menil nicht, denn in der Waffe waren nur Platzpatronen. Sie habe bei dem Verbrechen mitgespielt, sagt Marion, sich dann aber ungeplant in ihn verliebt.

Dr. Jordan kommt herein, aber statt sich um Marions Verletzung zu kümmern, schaltet er die Monitore ab. Ihm sei es nicht auf das Vermögen des Amerikaners angekommen, erklärt er, sondern auf dessen Atomkraftwerke. Damit wollte er die Welt in Angst und Schrecken versetzen. Bevor er den Geheimraum verlässt und von außen verriegelt, hinterlässt er eine geladene Pistole. Damit soll Henry Marion und sich erschießen, wenn sie nicht verdursten wollen.

Mistelzweig, bei dem es sich in Wirklichkeit um einen Spezialagenten der Polizei handelt, kommt mit einer Sondereinheit ins Hotel. Während Kras Dr. Jordan verfolgt, der gerade das Hotel verlässt, dringt Mistelzweig in den Keller vor und rettet die beiden Eingeschlossenen. Jordan, bei dem es sich um Dr. Mabuse handelt, der 1932 seinen Tod in der Irrenanstalt vortäuschte und sich seither mal als Arzt und dann wieder als Blinder verkleidete, kommt bei der Verfolgungsjagd mit seinem Wagen von der Straße ab und stürzt ins Wasser.

Marion schlägt im Krankenhaus die Augen auf und sieht Henry, der an ihrem Bett gewacht hat. Sie küssen sich.

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Mit „Das Testament des Dr. Mabuse“ schuf Fritz Lang 1933 eines seiner Meisterwerke. Vorausgegangen war „Dr. Mabuse, der Spieler. Ein Bild der Zeit“ (1922). 1960 drehte Fritz Lang dann das Sequel „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“, und später folgten vier weitere Filme: „Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“ (1961, Regie: Harald Reinl), „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“ (1962, Regie: Harald Reinl), „Scotland Yard jagt Dr. Mabuse“ (1963, Regie: Paul May) und „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“ (1964, Regie: Hugo Fregonese). Zwischendurch drehte Werner Klingler 1962 ein Remake des Klassikers „Das Testament des Dr. Mabuse“.

„Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ ist gewiss keiner der besten Filme von Fritz Lang, denn die Handlung wirkt nicht nur konstruiert, sondern in ihrer Kompliziertheit auch aufgebläht. Beachtlich sind die Optik und die Atmosphäre des durchaus spannenden Thrillers. Mit wenigen Ausnahmen beschränkt Fritz Lang sich auf drei Orte: das Hotel, das Polizeipräsidium und Peter Cornelius‘ Wohnung. Immer wieder kommt eine Batterie von Überwachungsmonitoren ins Bild, ohne dass wir erfahren, wo diese sich befinden und wer sie betreibt. Dadurch verstärkt sich die klaustrophobe Atmosphäre.

Als DVD gibt es „Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“ in einer Kassette mit dem unsinnigen Titel „Dr. Mabuses Meisterwerk“. Sie enthält auch die anderen fünf Dr. Mabuse-Filme aus den Sechzigerjahren.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

Fritz Lang (kurze Biografie)

Fritz Lang: Metropolis
Fritz Lang: M. Eine Stadt sucht einen Mörder

Nagib Machfus - Miramar
Mit einem Konglomerat von aus vier verschiedenen Perspektiven erzählten Geschichten vermittelt der Nobelpreisträger Nagib Machfus in "Miramar" ein ebenso realistisches wie kritisches Bild von der ägyptischen Gesellschaft unter Gamal Abd el Nasser.
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