Killing Words

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Killing Words

Killing Words - Originaltitel: Palabras encadenadas - Regie: Laura Mañá - Drehbuch: Fernando de Felipe, Jordi Galcerán, Laura Mañá - Kamera: Xavi Giménez - Schnitt: Luis De La Madrid - Darsteller: Darío Grandinetti, Goya Toledo, Fernando Guillén, Eric Bonicatto u.a. - 2003; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Ramón hält seine Exfrau Laura in einem Kellerraum gefangen. Seit der Ehescheidung habe er achtzehn Menschen umgebracht, behauptet er, und sie werde sein neunzehntes Opfer sein. Laura fürchtet um ihr Leben, bis sie zu durchschauen glaubt, dass er ihr nur einen Schreck einjagen wollte. – Zwei Kriminalbeamte vernehmen Ramón als Zeugen, weil seine frühere Frau vermisst wird. Er gibt die Entführung zu, behauptet aber, es habe sich nur um einen bösen Scherz gehandelt ...
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Kritik

"Killing Words" ist ein spannender, intelligenter und kammerspielartiger Psychothriller von Laura Mañá. Durch die raffinierte Verschachtelung der Erzählebenen ergibt sich ein raffiniertes Vexierspiel mit überraschenden Wendungen.
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Er sei zweiundvierzig Jahre alt, sagt der Mann auf dem Video. Vor sechs Jahren hatte er geheiratet, aber die Ehe war nach neunzehn Monaten wieder geschieden worden. Seither lebt er wieder bei seiner Mutter. Sein Vater war vor fünf Jahren gestorben. An diesem Morgen, so der Mann auf dem Bildschirm weiter, habe er eine seiner Mutter ähnlich sehende Frau erdrosselt.

Eine an einen Stuhl gefesselte Frau, die nicht schreien kann, weil ihr Mund mit einem Klebeband verschlossen ist, muss sich das Video ansehen. Sie trägt ein rotes Kleid und befindet sich in einer mit Neonröhren hell erleuchteten Halle. Es handelt sich um die Psychiaterin Laura (Goya Toledo). Der Mann, der sie gefangen hält und der sich auf einer ganzen Reihe von Videos als Serienmörder präsentiert, heißt Ramón (Darío Grandinetti) und war bis vor vier oder fünf Jahren mit ihr verheiratet. Heute wäre ihr sechster Hochzeitstag. Seit der Scheidung brachte Ramón achtzehn Menschen um. Laura werde sein neunzehntes Opfer sein, kündigt er an.

Zuvor reißt er Laura das Klebeband vom Mund und zwingt sie zu einem Wortkettenspiel. Dabei muss der Spieler, der an der Reihe ist, ein Wort finden, das mit der letzten Silbe des zuvor von dem anderen Spieler genannten Wortes beginnt. Wer dabei einen Fehler macht, hat verloren. Als Gewinn stellt Ramón seiner geschiedenen Frau die Freiheit in Aussicht, aber für den Fall, dass sie verliert, droht er, ihr mit einem Löffel ein Auge herauszunehmen. „Keine Angst. Daran stirbst du nicht, denn ich werde die Blutung stillen.“ Laura verliert, und Ramón holt einen Löffel, aber sie verlangt eine Revanche. Er ist einverstanden. Als Preis für sie setzt er diesmal ein einminütiges Telefongespräch aus, aber bei einer erneuten Niederlage werde er ihr beide Augen ausstechen. Laura gewinnt und will seine Mutter anrufen, aber das lässt er nicht zu. Er bindet sie los. Laura versucht zu laufen, stürzt jedoch nach einem Schritt, weil die aufgrund der Fesselung blutleeren Beine sie nicht tragen.

Ramón spielt Laura ein Video vor, auf dem er angeblich unmittelbar nach der Ermordung eines kleinen Jungen über die Tat berichtet. Laura fällt auf, dass er jetzt dasselbe Hemd trägt wie im Film und in beiden Fällen ein Fleck zu sehen ist. Daraus schließt sie, dass er das Hemd noch nicht gewechselt hat, also die Aufnahme erst unmittelbar vor ihrer Entführung machte. Ist das Ganze ein Bluff, mit dem er sich an ihr rächen will? Kleinlaut gibt Ramón zu, nicht achtzehn, sondern nur zwei Menschen umgebracht zu haben. Dann erzählt er Laura, dass er auch die Fotos der beiden Mordopfer, die er ihr zeigte, zusammen mit einem Fotomodel und einem Maskenbildner gestellt hatte. Laura fühlt sich erleichtert und ihrem früheren Mann wieder überlegen.

Sie schlägt ihm eine dritte Runde des Wortkettenspiels vor. Wenn sie gewinnt, darf sie auf der Stelle gehen, im anderen Fall gibt sie sich ihm hin. Sie verliert, zieht ihr Höschen aus und legt sich auf den Tisch, aber Ramón kriegt keine Erektion zustande. Da erklärt ihm Laura, sie habe während der Ehe von seiner Mutter von seiner Homosexualität erfahren und herausgefunden, dass er es mit einem seinen Studenten trieb. Um seine akademische Karriere nicht zu ruinieren und dennoch Vorteile aus der Scheidung zu ziehen, habe sie im Scheidungsprozess darüber geschwiegen und ihn stattdessen wahrheitswidrig als gewalttätig geschildert.

An der philosophischen Fakultät der Universität hält Ramón, der sich auf Ästhetik spezialisiert hat, eine Vorlesung über den englischen Schriftsteller Thomas De Quincey (1785 – 1859), der 1827 den Essay „On Murder Considered as One of the Fine Arts“ („Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet“, 1913) veröffentlichte. Danach wird Ramón von Polizeiinspektor Sánchez (Eric Bonicatto) gebeten, mit ins Polizeipräsidium zu kommen. Dort wird er von Kommissar Espinosa (Fernando Guillén) verhört, der zusammen mit Sánchez im Fall der vermissten früheren Ehefrau Ramóns ermittelt. Ramón, der als Hauptverdächtiger gilt, aber erst einmal nur als Zeuge vernommen wird, unterrichtet die beiden Polizeibeamten darüber, dass seine Mutter vor fünfzehn Tagen starb. Sie sprechen ihm ihr Beileid aus und spielen ihm dann das Video vor, auf dem er behauptet, eine alte Frau erdrosselt zu haben. Da gibt er die Entführung zu, behauptet jedoch, Laura sei freiwillig mitgekommen, während er sie in Wirklichkeit in einem Parkhaus von hinten niederschlug und im Kofferraum seines Autos zu seinem Haus brachte. (Das sehen wir als Zuschauer, während wir Ramón parallel dazu im Vernehmungszimmer sprechen hören.) Ramón stellt alles als bösen Streich dar. Er möchte gehen, aber Espinosa hält ihn zurück, denn es gilt noch die Frage zu klären, warum die Vermisste nicht wieder aufgetaucht ist.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Inzwischen wurde überprüft, dass auf einem sichergestellten Foto tatsächlich kein Mordopfer, sondern ein von einem Maskenbildner entsprechend hergerichtetes Model abgebildet ist. Während der Kommissar Ramón weiter verhört, fährt sein Mitarbeiter los, um das Haus des Verdächtigen zu durchsuchen. Dort findet er ein Tonband, auf dem Laura zu hören ist. Sie scheint verstanden zu haben, dass Ramón ihr nur Angst einjagen wollte und kündigt an, nach dieser Aufregung weit weg zu verreisen. (Als Zuschauer wissen wir, dass die Bandaufnahme aus einzelnen Sätzen zusammengeschnitten wurde, die Laura in ganz anderen Zusammenhängen gesagt hatte.) Sánchez spielt seinem Chef die Aufnahme übers Telefon vor, worauf Ramón freigelassen wird.

Ramón kehrt in sein Haus zurück und erinnert sich, wie er kürzlich seine Mutter mit einem Kissen erstickte. Dann legt er eine Videokassette ein und schaut sich an, wie er Laura erstach.

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„Killing Words“ ist ein intelligenter und spannender Psychothriller. Abgesehen von zwei kurzen Szenen treten nur vier Personen auf. Die Handlung des kammerspielartigen Films findet fast ausschließlich im Vernehmungszimmer des Polizeipräsidiums und einem Kellerraum in Ramóns Haus statt. Was sich an diesen beiden Orten ereignet, wird verschachtelt erzählt. Daraus ergibt sich ein Vexierspiel, bei dem man als Zuschauer mehrmals glaubt, alles durchschaut zu haben – und dann kommt es doch wieder ganz anders. Die Spannung ergibt sich aus dem raffiniert-maliziösen Spiel, das Ramón auf der einen Ebene seiner Exfrau Laura und auf der anderen den beiden Kriminalbeamten aufzwingt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

Alberto Moravia - Die Gleichgültigen
Alberto Moravia hat seinen Debüt­roman "Die Gleichgültigen" beinahe wie ein Theaterstück konzipiert. Die Szenerie wird ausführlich beschrie­ben, und das Geschehen erschließt sich vor allem aus Dialogen. Die Faschisten verboten den Roman, als sie die Kritik begriffen.
Die Gleichgültigen

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