Marion Jones


Marion Jones wurde am 12. Oktober 1975 in Los Angeles geboren. Da ihre Mutter aus Belize stammte, erhielt sie neben der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft auch die des mittelamerikanischen Landes.

Während der Schulzeit begann Marion Jones, sich als Leistungssportlerin zu profilieren. Im Alter von sechzehn Jahren nahm sie an den Junioren-Leichtathletik-Weltmeisterschaften teil. Danach verlegte sie sich stärker auf Basketball. 1996 wollte sie eigentlich bei den Olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta mitmachen, doch ihre Bewerbung scheiterte an einer Verletzung. Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 1997 in Athen erkämpfte sich Marion Jones allerdings eine Goldmedaille im 100-Meter-Lauf.

Im selben Jahr schloss sie ihr Sportstudium an der University of North Carolina in Chapel Hill ab. Neun Tage vor ihrem 23. Geburtstag heiratete Marion Jones den sieben Jahre älteren Leichtathleten Cottrell J. Hunter, der wegen seiner Beziehung mit ihr seinen Job als Leichtathletik-Trainer an der Universität verloren hatte, denn Affären zwischen Coaches und Studenten waren nicht erlaubt.

Nachdem Marion Jones 1998 100 Meter in 10,65 Sekunden gelaufen war, hätte sie 1999 in Sevilla Chancen gehabt, vier Medaillen zu gewinnen, doch sie verletzte sich bei den Wettkämpfen und kam nur zweimal aufs Siegerpodest. Ihr nächstes Ziel – fünf Goldmedaillen – erreichte die von Sportreportern umschwirrte dunkelhäutige Sprinterin bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney zwar auch nicht, aber sie gewann drei goldene und zwei bronzene Medaillen. Das hatte vor ihr noch keine Olympionikin geschafft. – Ihr Ehemann durfte in Sydney allerdings nicht antreten, weil er positiv auf das Dopingmittel Nadrolon getestet worden war. Nicht zuletzt wegen der Belastung ihrer Ehe durch den Doping-Skandal ließen sich Marion Jones und Cottrell Hunter 2001 scheiden.

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton gewann Marion Jones zwei Goldmedaillen, aber im 100-Meter-Lauf musste sie sich erstmals nach 54 Siegen in Serie mit dem zweiten Platz begnügen, denn die Ukrainerin Shanna Pintusewitsch-Block war um drei Hundertstel Sekunden schneller als sie.

An den Weltmeisterschaften im August 2003 in Paris nahm Marion Jones nicht teil, denn sie hatte am 28. Juni ihren ersten Sohn geboren. Dessen Vater war der achtundzwanzigjährige Sprinter Tim Montgomery (dem 2005 wegen Dopings alle Siege und Auszeichnungen ab 31. März 2001 aberkannt wurden).

Bei den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen errang Marion Jones zwar keine einzige Medaille, aber im Mai darauf versicherte sie, ihr Ziel sei es, bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking wieder ganz oben auf dem Siegerpodest zu stehen. Da ahnte sie noch nicht, was auf sie zukam.

In einem Fernsehinterview am 3. Dezember 2004 behauptete Victor Conte, der Gründer und Inhaber des Unternehmens »Bay Area Laboratory Co-Operative« (»BALCO«) in Burlingame, Kalifornien, er habe Marion Jones vor, während und nach den Olympischen Spielen in Sydney mit verschiedenen Dopingmittel versorgt.

»BALCO« war in die Schlagzeilen geraten, nachdem der Leichtathletik-Trainer Trevor Graham der amerikanischen Anti-Doping-Agentur im Juni 2003 die Namen von Sportlern durchgegeben hatte, die angeblich das damals noch nicht nachweisbare, von »BALCO« hergestellte Designer-Steroid Tetrahydrogestrinon (THG) verwendeten. Bei einer Durchsuchung der Geschäftsräume von »BALCO« am 3. September wurden Kundenlisten beschlagnahmt, auf denen angeblich Marion Jones, Cottrell J. Hunter, Tim Montgomery und weitere Spitzensportler standen. (Victor Conte wurde am 15. Juli 2005 aufgrund eines Deals zwischen seinen Anwälten und der Staatsanwaltschaft und eines Teilgeständnisses zu vier Monaten Haft verurteilt.)

Die Journalisten Lance Williams und Mark Fainaru-Wada fanden Belege dafür, dass Marion Jones nicht nur THG, sondern auch weitere Dopingmittel wie z. B. Erythropoietin (EPO) von »BALCO« bezogen hatte. Außerdem sagte Cottrell J. Hunter unter Eid aus, er habe seine Ex-Frau in Sydney beim Doping beobachtet. Die Leichtathletin wies jedoch auf 160 Dopingtests mit unauffälligen Ergebnissen hin, versicherte, keine verbotenen Mittel genommen zu haben und verklagte Victor Conte wegen seiner Äußerungen über sie. (Nach einigen Monaten einigten sich die Kontrahenten außergerichtlich, und Conte zahlte eine größere Geldsumme an Marion Jones, die zunächst 25 Millionen Dollar von ihm verlangt hatte.)

Aufgrund der Vorwürfe gegen Marion Jones eröffnete das Internationale Olympische Komitee im Dezember 2004 ein Untersuchungsverfahren.

Während der US-Leichtathletik-Meisterschaften im Juni 2006 in Indianapolis berichtete »The Washington Post«, man habe in einer Urinprobe von Marion Jones das Dopingmittel EPO nachgewiesen. Die Sprinterin beteuerte jedoch weiterhin ihre Unschuld und engagierte den Rechtsanwalt Howard Jacobs, der schon andere Spitzensportler gegen Doping-Vorwürfe verteidigt hatte. Er berichtete am 6. September, die B-Probe sei sauber gewesen.

Am 24. Februar 2007 heiratete Marion Jones den fünf Monate jüngeren Sprinter Obadele Thompson aus Barbados. Vier Monate später kam ihr zweiter Sohn zur Welt.

Am 5. Oktober 2007 gab Marion Jones bei einer Anhörung vor einem Gericht in White Plains, New York, zu, zwischen Frühjahr 2000 und ihrer Trennung von ihrem Trainer Trevor Graham im Juli 2001 Doping-Mittel genommen zu haben. Graham habe ihr THG verabreicht, aber behauptet, es handele sich um Leinsamenöl. Nach dem Gerichtstermin erklärte Marion Jones vor der Presse ihren Rückzug aus dem Spitzensport und brach dabei in Tränen aus.

Drei Tage später gab Marion Jones ihre fünf in Sydney gewonnen Medaillen zurück. Die »International Association of Athletics Federations« sperrte Marion Jones am 23. November 2007 für zwei Jahre, annullierte ihre Siege und Auszeichnungen ab dem 1. September 2000 und verlangte die Rückzahlung sämtlicher Prämien und Antrittsgelder – ein Betrag, der auf 700 000 Dollar geschätzt wird. Das Internationale Olympische Komitee schloss Marion Jones am 12. Dezember 2007 außerdem von den Sommerspielen 2008 in Peking aus und holte sich die Olympiamedaillen zurück.

Diese Entscheidung des IOC machte die Griechin Ekaterina Thanou nachträglich zur Anwärterin auf die Goldmedaille für den 100-Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney – ausgerechnet eine Sportlerin, deren Name im Zusammenhang mit »BALCO« genannt worden war und die im Verdacht steht, bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen einen Motorradunfall vorgetäuscht zu haben, um sich einer Doping-Kontrolle zu entziehen. Die Fragwürdigkeit des Spitzensports war unübersehbar, zumal die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Deutschland ihre Live-Berichterstattung über die 94. Tour de France im Juli 2007 am zweiten Tag wegen Doping-Skandalen abgebrochen hatten.

Marion Jones‘ Geständnis beendete nicht nur ihre sportliche Karriere, sondern brachte sie auch vor Gericht, denn sie hatte Ende 2003 vor einer Grand Jury in Kalifornien unter Eid ausgesagt, keine verbotenen Substanzen genommen zu haben. Sie gab zu, dass sie auch in einem Verfahren wegen Scheckbetrugs gelogen hatte. Dabei ging es um einen Scheck über 25 000 Dollar. Tim Montgomery hatte bei einer Vernehmung behauptet, das Geld stamme aus dem Verkauf eines Autos und er habe damit die Hälfte seiner Schulden bei Marion Jones zurückgezahlt. Tatsächlich war die Transaktion Teil einer größeren Geldwäsche gewesen. (Für die kriminellen Machenschaften wurde Marion Jones‘ früherer Trainer Steve Riddick (* 1951) am 11. Januar 2008 zu fünf Jahren und drei Monaten Haft und 375 000 Dollar Geldstrafe verurteilt.)

Die hohen Anwaltskosten und Rückforderungen ruinierten Marion Jones. Nach einem Bericht der »Los Angeles Times« vom Juni 2007 hatte die Einunddreißigjährige ihre 2,5 Millionen Dollar teure Villa in Chapel Hill, New York, ein weiteres Anwesen und das Haus ihrer Mutter verkaufen müssen und besaß nur noch 2000 Dollar. Die Medien, die Marion Jones vor einigen Jahren noch bejubelt hatten, berichteten nun hämisch über ihre Schwierigkeiten.

Am 11. Januar 2008 musste sich Marion Jones wegen ihrer Falschaussagen vor einem Gericht in White Plains, New York, verantworten. Statt der Höchststrafe von fünf Jahren beantragte die Staatsanwaltschaft nur sechs Monate Gefängnis, und Marion Jones hoffte auch wegen ihrer beiden kleinen Kinder, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Sie flehte Richter Kenneth M. Karas (* 1964) unter Tränen an: »Ich bitte Sie inständig, seien Sie so gnädig, wie ein Mensch gnädig sein kann.« Der Richter wies jedoch darauf hin, dass es sich bei ihren Straftaten nicht um eine einmalige Entgleisung gehandelt habe, sondern um jahrelang aufrechterhaltene Lügen. Außerdem seien Sportler Vorbilder vor allem für die Jugend, und dieser Verantwortung sei Marion Jones nicht gerecht geworden. Karas verurteilte sie deshalb zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung und 400 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die sie innerhalb von zwei Jahren ableisten muss. »Ich bin sehr enttäuscht«, erklärte Marion Jones nach ihrer Verurteilung. »Aber ich respektiere das Urteil und hoffe, dass die Leute aus meinen Fehlern lernen.«

Spätestens am 11. März muss sie die Strafe antreten. Marion Jones hofft, es in der Nähe von Austin, Texas, tun zu können, wo sie mit ihrem Ehemann Obadele Thompson und ihren beiden Söhnen wohnt.

Möglicherweise wird Marion Jones während der Verbüßung ihrer Haftstrafe als Zeugin in dem Prozess gegen Trevor Graham geladen werden, der für März 2008 in San Francisco angesetzt ist. Der frühere Leichtathletik-Trainer muss sich ebenfalls wegen Falschaussagen im Rahmen des »BALCO«-Skandals verantworten.

© Dieter Wunderlich 2008

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