Als das Meer verschwand

Als das Meer verschwand

Als das Meer verschwand

Als das Meer verschwand – Originaltitel: In My Father's Den – Regie: Brad McGann – Drehbuch: Maurice Gee, Brad McGann, nach dem Roman "In My Father's Den" von Maurice Gee – Kamera: Stuart Dryburgh – Schnitt: Chris Plummer – Musik: Simon Boswell – Darsteller: Matthew Macfadyen, Miranda Otto, Emily Barclay, Colin Moy, Jimmy Keen, Jodie Rimmer, Toby Alexander, Vicky Haughton, Nicholas Hayward, Liam Herbert, Vanessa Riddell, Asher Emanuel, Matthew Chamberlain, Peter Hishon, Mabel Wharekawa, Saengtip Kirk, Daniel Lucas u.a. – 2004; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Vor 17 Jahren verließ Paul seine Heimat Neuseeland und wurde Kriegsfotograf. Nach dem Tod seines Vaters kehrt er erstmals zurück. Erinnerungen stürmen auf ihn ein: Seine Mutter, die mit seinem Bruder Andrew eine Front gegen ihn und seinen Vater bildete, ertränkte sich vor seinen Augen. Er ertappte seine Jugendliebe Jackie in flagranti mit seinem Vater. Ausgerechnet in Jackies 16-jähriger Tochter Celia findet er eine Seelenverwandte ...
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Kritik

"Als das Meer verschwand" – die Verfilmung eines Romans von Maurice Gee – ist eine Mischung aus Thriller und Familiendrama. Die Erzählstruktur reflektiert Pauls Erinnerungen, in denen sich Eindrücke aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft abwechseln.
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Vor siebzehn Jahren, kurz nachdem sich seine Mutter vor seinen Augen ertränkt hatte [Suizid], war Paul Prior (Matthew Macfadyen) von Zuhause fortgegangen. Er verließ seine Heimat Neuseeland und wurde Kriegsfotograf, zunächst auf dem Balkan [Balkankriege], dann auch an anderen Brennpunkten der Welt. Der mehrfach ausgezeichnete, aber auch desillusionierte und deprimierte Reporter wohnt in London, Paris und Istanbul. Als er die Nachricht vom Tod seines Vaters Jeffrey erhält, reist er erstmals wieder nach Neuseeland.

Außer ihm hat niemand in dem Provinznest, in dem er aufgewachsen war, je die Umgebung verlassen. Sein Bruder Andrew (Colin Moy) verzeiht ihm noch immer nicht, dass er damals wegging. Andrew ist inzwischen mit Penny (Miranda Otto) verheiratet und hat einen Sohn namens Jonathan (Jimmy Keen). Pauls Jugendliebe Jacquelin („Jackie“ – Jodie Rimmer) war die Frau eines Mannes namens Benjamin Steimer geworden, der jedoch einige Jahre später bei einem Unfall ums Leben kam. Sie erzieht ihre Tochter Celia (Emily Barclay) und ihren Sohn Sam (Shannen Hirst) allein, hat aber einen jungen Geliebten.

Paul schenkt seinem Neffen seine Spiegelreflexkamera. Jonathan fotografiert damit Celia, das Mädchen, in das er heimlich verliebt ist. Doch als sein Vater die Fotos entdeckt, nimmt er sie an sich und versteckt die Kamera. Penny, die nichts davon mitbekam, findet die Bilder in einer Mappe ihres Mannes …

Eigentlich wollte Paul nur wenige Tage in Neuseeland bleiben, doch er ändert seine Pläne, quartiert sich im Elternhaus ein und verbrennt die Hinterlassenschaft seines Vaters. Die Schulleiterin (Vicky Haughton) überredet ihn, als Hilfskraft an der High School zu unterrichten. Weil er die Testaments-Eröffnung verschläft, erfährt er von seinem Bruder, dass ihnen der Verstorbene je ein Drittel seines Besitzes vermachte. Das andere Drittel gehe an eine Stiftung, berichtet Andrew. Unter der Matratze des Bettes stößt Paul auf einen Atlas, den er als Kind von seinem Vater geschenkt bekam. Zwischen den Seiten liegen Zeitungsausschnitte über den Kriegsfotografen Paul Prior. Außerdem findet er das Foto eines Säuglings. Auf der Rückseite steht „Celia 1987“. Handelt es sich um Jackies Tochter? Warum hob sein Vater das Bild auf? Was hat das zu bedeuten? Auf dem Standesamt erfährt Paul, dass Celia Beverly Steimer am 27. Februar 1987 geboren wurde – acht Monate nachdem er Neuseeland verlassen hatte.

Die Sechzehnjährige soll Paul für die Schülerzeitung interviewen. Sie treffen sich häufiger und sitzen in einer Hütte zusammen, in die sich Pauls Vater gern mit seinen Büchern und Schallplatten zurückgezogen hatte. Zwischen dem ausgebrannten Kriegsfotografen und dem aufgeschlossenen Mädchen entwickelt sich eine Freundschaft. In langen Gesprächen entdecken sie ihre Seelenverwandtschaft: Celia will mehr von der Welt sehen; sie träumt davon, einige Zeit in Spanien zu leben und als Schriftstellerin erfolgreich zu sein. Paul ermutigt sie, bei einem Schreibwettbewerb mitzumachen, und sie erhält für ihre märchenhafte Geschichte „Als das Meer verschwand“ den zweiten Preis.

Als Celia, die inzwischen weiß, dass ihre Mutter Pauls Jugendliebe war, das Kinderfoto in seiner Brieftasche entdeckt, vermutet sie, dass er ihr Vater ist und fragt Jackie, ob es so sei. „Ich wünschte, es wäre so einfach“, seufzt diese.

Paul schenkt Celia den Atlas, in den er ein Flugticket nach Spanien gelegt hat. Es soll ihr ermöglichen, ihre Träume nach dem bevorstehenden Schulabschluss wahr zu machen.

Kurz darauf vermisst Jackie ihre Tochter. Die Bewohner der Kleinstadt tun sich zusammen und durchkämmen die Gegend, aber sie finden nur einen Atlas in der Nähe von Pauls Elternhaus. Für die meisten steht fest, dass Paul das Mädchen ermordet hat. Detective Robin Farnon (Geraldine Brophy), die aus Wellington anreist, um die Ermittlungen zu leiten, hält Paul ebenfalls für verdächtig. Eines Abends zerrt ihn eine Gruppe von Männern aus dem Auto und schlägt ihn zusammen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Bei der Suche nach der versteckten Kamera findet Jonathan den Rucksack der Vermissten. Als er ihn seinem Onkel zeigt, nimmt dieser an, Andrew habe den Rucksack gefunden und vorgehabt, ihm das „Beweisstück“ unterzuschieben. In einem heftigen Streit wirft er Andrew vor, ein Abbild der Mutter geheiratet zu haben. Offenbar verlief damals durch die Familie eine Kluft zwischen Andrew und der Mutter auf der einen und Paul und dem Vater auf der anderen Seite. Andrew klärt seinen Bruder darüber auf, dass Celia die Begünstigte der mit einem Drittel der Erbschaft gegründeten Stiftung sei; ab dem achtzehnten Lebensjahr könne sie darüber verfügen. Das bestätigt Pauls Verdacht, dass Celia nicht seine Tochter, sondern seine Halbschwester sei. Kurz bevor er Neuseeland verließ, hatte er Jackie und seinen Vater in flagranti ertappt, aber niemandem davon erzählt.

Andrew wird verhaftet. Sein Sohn rief die Polizei an.

Als Celia durch Andrew von der Erbschaft erfuhr, wollte sie das Testament sehen, und er nahm sie mit nach Hause. Während er nach dem Papier suchte, wartete Celia auf der Galerie. Penny sah sie dort, und weil sie aufgrund der Fotos vermutete, ihr Mann habe seine Geliebte mit ins Haus gebracht, rannte sie zornig auf Celia zu und stieß sie vor die Brust. Dadurch kippte die Sechzehnjährige über die Brüstung und stürzte in die Tiefe. Entsetzt stellte Andrew fest, dass sie tot war. Um seine Familie zu schützen, beseitigte er die Leiche und versteckte den Rucksack.

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Der Film „Als das Meer verschwand“ basiert auf dem 1972 veröffentlichten Roman „In my Father’s Den“ – so auch der englische Filmtitel – des neuseeländischen Schriftstellers Maurice Gee (* 1931). Es blieb der einzige abendfüllende Film des neuseeländischen Regisseurs und Drehbuchautors Brad McGann, der am 2. Mai 2007 im Alter von dreiundvierzig Jahren an Darmkrebs starb.

„Als das Meer verschwand“ ist eine Mischung aus Thriller und Familiendrama. Der Film veranschaulicht, dass man vor der Vergangenheit nicht davonlaufen kann. Ohne die Distanz der Kamera ist der Kriegsfotograf Paul Prior den optischen Eindrücken seiner Erinnerungen ausgeliefert, die – assoziiert mit Personen, Gegenständen, Musik oder Gesprochenem – auf ihn einstürmen. Fragmentarisch reihen sie sich aneinander.

Dem entspricht auch die Erzählstruktur des Films „Als das Meer verschwand“: Szenen aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft wechseln sich ab; Stück für Stück entsteht ein komplexes Bild. Brad McGann erzählt die bewegende Geschichte bewusst langsam und zurückhaltend. Und das Gestrüpp, das er immer wieder ins Bild rückt, symbolisiert die psychische Situation der Figuren.

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Inhaltsangabe und Filmkritik: © Dieter Wunderlich 2008

Patrick Modiano - Aus tiefstem Vergessen
Der poetische Roman ist aus Erinne­rungen an eine kurze Liebes­ge­schich­te komponiert. Patrick Modiano deutet vieles nur an und stellt mehr Fragen, als er beantwortet. Was bei einem Thriller stören würde, verleiht "Aus tiefstem Vergessen" etwas Schwebendes.
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Patrick Modiano

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