The Lost Son. Der Zorn des Jägers

The Lost Son. Der Zorn des Jägers

The Lost Son. Der Zorn des Jägers

The Lost Son. Der Zorn des Jägers - Originaltitel: The Lost Son - Regie: Chris Menges - Drehbuch: Mark Mills, Margaret und Eric Leclere, nach dem Roman "The Lost Son" von Margaret und Eric Leclere - Kamera: Barry Ackroyd - Schnitt: Pamela Power und Luc Barnier - Musik: Goran Bregovic - Darsteller: Daniel Auteuil, Nastassja Kinski, Marianne Denicourt, Katrin Cartlidge, Ciaran Hinds, Cyril Shaps, Billie Whitelaw, Bruce Greenwood, Hemal Pandya, Billy Smith u.a. - 1999; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Der Privatdetektiv Xavier Lombard wird damit beauftragt, nach dem 30-jährigen Sohn einer reichen Handelsfamilie zu fahnden, der verschwunden ist. Als erstes ermittelt Xavier Lombard, an welche Adresse die letzte Telefonabbrechnung geschickt wurde. In dem abgelegenen Haus trifft er auf eine junge Frau, die sofort zum Gewehr greift, als er auftaucht ...
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Kritik

"The Lost Son. Der Zorn des Jägers" ist ein unter die Haut gehender Thriller über das skrupellose Geschäft mit Päderasten, den Handel mit Kindern und deren brutale Vergewaltigung.
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Bei einem Bombenanschlag auf das Auto des französischen Polizeiagenten Xavier Lombard (Daniel Auteuil) starben seine Frau und seine Tochter. Der Mörder war Mitglied eines internationalen Drogenrings, dem die französische und die brasilianische Polizei auf der Spur waren. Weil man den Täter nicht überführen konnte, erschoss ihn Xavier. Aufgrund einer Falschaussage seines brasilianischen Kollegen Carlos (Ciaran Hinds) wurde er freigesprochen und musste nur seinen Dienst quittieren.

Seither lebt er wie ein einsamer Wolf in London und arbeitet als Privatdetektiv. Zu Beginn des Films sehen wir, wie er einer Frau im Auftrag ihres Mannes nachspioniert und sie nach einem Seitensprung mit den Fotos und Tonbandaufnahmen erpresst, um sein Honorar aufzubessern.

Carlos ruft an und verabredet sich mit ihm in einem Hotel. Sie haben sich seit Jahren nicht mehr gesehen. Der Brasilianer ist inzwischen mit einer Österreicherin verheiratet, die er beim Karneval in Rio de Janeiro kennen gelernt hat. Er macht seinen früheren Kollegen mit Deborah (Nastassja Kinski) und deren Eltern bekannt. Ihr Vater liefert für ein Viertel der in Europa hergestellten Schuhe das Leder. Herr und Frau Spitz (Cyril Shaps, Billie Whitelaw) sorgen sich um ihren 30-jährigen Sohn Leon. Vor vier Wochen bat er seine Schwester um 1000 Pfund, angeblich für eine geplante Ausstellung seiner Fotografien. Seither ist er verschwunden. Es habe sicher mit seiner Drogenabhängigkeit zu tun, meint Deborah. Xavier wird beauftragt, ihn zu suchen.

In Leons Wohnung fällt ihm eine leere Videokassettenhülle mit dem Titel „Schneewittchen“ auf. Durch einen Anruf bei der Telefongesellschaft ermittelt er, an welche Adresse die letzte Abrechnung geschickt wurde. In dem abgelegenen Haus trifft er auf eine junge Frau, die sofort zum Gewehr greift, als er auftaucht und nach Leon fragt.

Einen dunkelhäutigen Jungen fragt sie, ob es sich bei Xavier um „den Österreicher“ handele. Als Shiva (Hemal Pandya) den Kopf schüttelt, vertraut Emily (Katrin Cartlidge) dem Besucher an, dass sie seit fast zwei Jahren mit Leon befreundet ist. Seine Familie hat sie nicht kennen gelernt. „Als er im Entzug war, haben sie ihn nie besucht, nur die Rechnungen bezahlt.“ Vor vier Wochen brachte er Shiva mit, gab ihr 1000 Pfund und bat sie, auf den Jungen aufzupassen. Seither hat sie nichts mehr von ihm gehört. Eine Videokassette, die sie ebenfalls von Leon bekommen hatte, konnte sie nicht anschauen, weil sie weder Telefon noch Fernsehgerät besitzt.

Zurück in seiner Wohnung, legt Xavier die Kassette ein. Auf den Anfang von „Schneewittchen“ folgt ein Porno, in dem zu sehen ist, wie ein Erwachsener Shiva vergewaltigt. Xavier setzt sich mit der einzigen Person in Verbindung, der er in London vertraut: mit der Prostituierten Nathalie (Marianne Denicourt). (Zum ersten Mal sah er sie in Paris. Damals war sie noch fast ein Kind und saß weinend am Straßenrand, während Xavier ihren Zuhälter verhaftete.) Ihr zeigt er das Video. Sie soll ihm helfen, mit den Kinderschändern in Kontakt zu kommen. Nathalie ahnt, wie gefährlich das sein wird und ist nur widerstrebend bereit, sich umzuhören.

Schließlich rät sie ihrem Freund, so zu tun, als sei er auf der Durchreise, sich ein Hotelzimmer zu nehmen, eine bestimmte Telefonnummer anzurufen und zu sagen, er interessiere sich für Welpen. Nathalie hat 10 000 Pfund zusammengespart, um sich in Zukunft nicht mehr prostituieren zu müssen. Sie hebt das Geld ab und übergibt es Xavier, der sich nach mehreren Telefongesprächen mit verbundenen Augen in ein Hotel bringen lässt, wo er für das Geld ein schallisoliertes Zimmer bekommt, in dem ein vor Angst zitternder Junge (Billy Smith) sitzt. Im Fall von Krankheit oder Tod eines Welpens kümmere man sich gegen einen Aufpreis auch um die Entsorgung, wird Xavier versichert.

Er holt einen Schokoladenriegel aus dem Kühlschrank und schenkt ihn dem Jungen. Dann greift er zum Haustelefon und beschwert sich, es sei kein Toilettenpapier da. Den Mann, der welches bringt, überwältigt Xavier und schießt ihm in beide Knie, damit er wenigstens einen der Drahtzieher beim Namen nennt: Friedman. Einem zweiten Mann schießt Xavier bei einem Handgemenge in den Bauch. Den Sterbenden schlägt er so lange gegen die Brust, bis dieser verrät, wo Friedman zu finden ist. Es handelt sich um eine Adresse in Mexiko.

Vom Auto aus ruft Xavier bei Nathalie an und spricht auf ihren Anrufbeantworter: „Geh dorthin, wo wir letzten Sommer waren!“ Aber es ist zu spät. Er findet ihre Leiche in ihrer Wohnung. Blutergüsse im Gesicht lassen auf ein hartes Verhör vor ihrem Tod schließen. Doch Xavier ist sicher, dass sie ihn nicht verraten hat.

Die Familie Spitz zahlt Xavier aus und entbindet ihn von seinem Auftrag. Deborah hat nämlich herausgefunden, was in Paris geschah. Herr Spitz möchte wissen, wo Leons Freundin zu finden ist. Xavier gibt vor, die Telefonnummer nicht bei sich zu haben. Unter vier Augen erklärt er Deborah, ihr Bruder sei vermutlich tot. Kaum hat er die Wohnung verlassen, taucht Carlos auf und fragt, was Xavier gesagt hat.

Der bringt den Jungen aus dem Hotel zu Emily und fliegt nach Mexiko. Von einem Ganoven kauft er einen Revolver. Damit dringt er in eine Art Kindergarten ein. Hier sammelt Friedman die Kinder, die er von der Straße holen lässt, bevor er sie gruppenweise nach Los Angeles schmuggelt. Mit vorgehaltener Waffe spricht Xavier einen Mann an. Es handelt sich um Friedman (Bruce Greenwood). Ein Komplize schlägt den ungebetenen Besucher von hinten nieder. Mit Hilfe eines mexikanischen Mädchens gelingt es diesem nach einigen Tagen, sich zu befreien. Xavier zwingt Friedman, ihm in die Augen zu sehen, als er ihn erschießt. Bevor er Mexiko verlässt, bringt er die Kinder mit einem Lastwagen zu einem Pfarrer.

Obwohl er nicht mehr für sie arbeitet, berichtet Xavier in London der Familie Spitz: Leon störte offenbar die Kreise internationaler Kinderhändler und wurde deshalb ermordet. Vor seinem Tod war es ihm noch gelungen, einen der Jungen zu retten. Weiter sagt Xavier, Leons Freundin habe ihm auf seinem Anrufbeantworter hinterlassen, wo sie mit dem Jungen zu finden sei. Herr Spitz verspricht, für das Kind zu sorgen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Am Abend wartet Xavier mit Emily und den beiden Jungen. Als sich ein Mann ins Haus schleicht, überrascht Xavier ihn von hinten. Er hat richtig vermutet: Es handelt sich um Carlos. Er hat seinen Schwager umgebracht, weil dieser seine lukrativen Geschäfte störte. Beim Anblick von Carlos entfährt es einem der Jungen: „Der Österreicher!“ Carlos erinnert seinen früheren Kollegen daran, dass dieser ihm seine Freiheit verdanke. In diesem Augenblick greift einer seiner Komplizen ein. Das Handgemenge endet, als einer der Jungen Carlos erschießt.

Nach der Beerdigung beteuert Deborah, nichts von den Verbrechen ihres Mannes gewusst zu haben. Als Leon sich das Geld von ihr borgte, deutete er an, Carlos sei in eine „Sache“ verwickelt, aber sie wollte es nicht wahrhaben. Deshalb stellte sie sich auch gegen Xavier. Der verzeiht ihr nicht, denn seine Freundin Nathalie wäre vielleicht noch am Leben, wenn Deborah nicht geschwiegen hätte.

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Ein unter die Haut gehender Thriller, der unter den Titeln „The Lost Son“ im Kino bzw. „Der Zorn des Jägers“ im Fernsehen lief. Chris Menges verzichtet darauf, aus dem heiklen Thema Kinderpornografie Kapital zu schlagen. Ihm geht es nicht um die Sensation, sondern er zeigt das skrupellose Geschäft mit Päderasten, den Handel mit Kindern und deren brutale Vergewaltigung, um in menschliche Abgründe zu leuchten und zu veranschaulichen, wie vereinsamt viele Menschen in unserer Gesellschaft sind. Daniel Auteuil spielt den widersprüchlichen Antihelden mit außergewöhnlicher Intensität.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

Antonia S. Byatt - Geschichten von Feuer und Eis
In den besprochenen drei Geschichten von Feuer und Eis stehen Menschen im Mittelpunkt, die sich aufgrund außergewöhnlicher Umstände neu orientieren müssen oder wollen.
Geschichten von Feuer und Eis

Antonia S. Byatt

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