Nicht von dieser Welt

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Nicht von dieser Welt

Nicht von dieser Welt - Originaltitel: Fuori dal mondo - Regie: Giuseppe Piccioni - Drehbuch: Giuseppe Piccioni, Gualtiero Rosella und Lucia Maria Zei - Kamera: Luca Bigazzi - Schnitt: Esmeralda Giacomelli - Musik: Ludovico Einaudi - Darsteller: Margherita Buy, Silvio Orlando, Caroline Freschi, Maria Cristina Minerva, Sonia Gessner, Giuliana Lojodice, Fabio Sartor - 1999; 100 Minuten

Inhaltsangabe

In elf Monaten will die Ordensschwester Caterina ihr endgültiges Gelübde ablegen. In einem Mailänder Park übergibt ihr ein Jogger einen zwei oder drei Tage alten Säugling, den er gerade fand. Caterina bringt das ausgesetzte Baby sofort in ein Krankenhaus und besucht es dort jeden Tag. Sie fahndet nach der Mutter des Kindes und begegnet dabei dem einsamen, missmutigen Besitzer einer Reinigung ...
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Kritik

In "Nicht von dieser Welt" gibt es keine effekthascherischen Szenen, sondern nur eine leise und langsam mit unspektakulären, altmodischen Bildern erzählte Geschichte, die jedoch aufgrund dieser Zurückhaltung um so stärker berührt.
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Mailand. In elf Monaten will die Ordensschwester Caterina (Margherita Buy) ihr endgültiges Gelübde ablegen und nach Kolumbien in die Mission gehen. Die Oberin (Sonia Gessner) ermahnt Caterina und andere übereifrige Novizinnen, nicht dem unerreichbaren Ideal einer Heiligen nachzueifern, sondern sich mit der Rolle einer Nonne zu bescheiden.

In einem Park übergibt ihr ein Jogger einen zwei oder drei Tage alten Säugling, den er gerade fand. Caterina bringt das ausgesetzte Baby sofort in ein Krankenhaus. An dem Pullover, in den das Kind eingehüllt war, entdeckt sie die Marke einer Reinigung.

Die Reinigung gehört Ernesto Nitti (Silvio Orlando), der ständig über die Arbeit seiner Büglerinnen nörgelt und dabei ihre Namen verwechselt. Eine seiner Angestellten kritisiert er, weil sie einem Kunden, der seine Rechnungen nicht bezahlt, die fertige Wäsche ausgehändigt hat. Seit vielen Jahren betreibt Ernesto das ungeliebte, nur auf Wunsch seines Vaters übernommene Geschäft und ist darüber einsam und misanthropisch geworden. Der Pullover gehört ihm selbst. Er überließ ihn vor einer Zeit einer damaligen Mitarbeiterin namens Teresa, als er sie nach Hause begleitete und ihr kalt war. Widerwillig hilft er der Nonne bei der Suche nach dem Mädchen.

Teresa (Caroline Freschi) war schon lange nicht mehr zu Hause. Inzwischen hat die Mutter Sachen ihres Geliebten ins Zimmer ihrer Tochter gestellt. Das Mädchen zieht endgültig aus und sieht sich nach Bekannten um, wo sie mal für eine Nacht schlafen kann. Darunter ist auch der pflichtbewusste Polizist Gabriele (Alessandro di Natale), der hofft, dass sie bei ihm bleibt.

Ohne der Oberin etwas zu verraten, läuft Caterina täglich ins Krankenhaus, um das Kind zu sehen und auf den Arm zu nehmen. Sie hätte nie gedacht, dass sie sich nach einem Kind und einer Familie sehnen könnte.

Ihre naive Bitte, den Säugling für ein paar Tage mit ins Kloster nehmen zu dürfen, wird von der Krankenschwester abgelehnt. In etwa drei Wochen soll das Kind ohnehin Adoptiveltern übergeben werden. Caterinas wohlgeordnetes Leben droht durch die Konfrontation mit ihr bis dahin fremden Gefühlen aus der Bahn zu geraten. Das gilt auch für Ernesto, der durch die Nachforschungen der Nonne aus seiner Niedergeschlagenheit erwacht. Zuerst will er nicht wahrhaben, dass er das Kind gezeugt haben könnte, doch allmählich gewöhnt er sich an den Gedanken und beginnt es schließlich zu wünschen. Immer eifriger begleitet er die Ordensschwester bei der Suche nach Teresa. Caterina ist irritiert, nicht nur über ihre mütterlichen Gefühle, sondern auch über die menschliche Nähe zu Ernesto. Bevor sie wieder einmal zu Ernesto in den Wagen steigt, wechselt sie die Ordenstracht gegen Alltagskleidung.

Sie finden Teresa in einem Tanzlokal. Ernesto wagt nicht, das Mädchen anzusprechen. Caterina übernimmt es für ihn. Teresa ist – wie vermutet – die Mutter des ausgesetzten Kindes. Sie wollte ihre Schwangerschaft vor ihrem Freund Gabriele verheimlichen. Ernesto, so versichert sie, habe damit nichts zu tun.

Caterinas Mutter (Giuliana Lojodice) hält es für falsch, dass ihre Tochter ins Kloster gegangen ist, und beinahe hätte es so ausgesehen, als ob Caterina es sich aufgrund der neuen Erfahrungen noch einmal überlegt hätte. Doch am Ende bleibt sie bei ihrer Entscheidung, in einigen Monaten das endgültige Gelübde abzulegen. Ernesto ist wieder allein.

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„Nicht von dieser Welt“ scheint auch der Film Giuseppe Piccionis zu sein, jedenfalls setzt sich der Regisseur unbekümmert über die Gesetze des Mainstream-Kinos hinweg. Da gibt es keine effekthascherischen Szenen, sondern nur eine sehr leise und langsam mit unspektakulären, altmodischen Bildern erzählte Geschichte, die jedoch aufgrund dieser Zurückhaltung um so stärker berührt.

Auffallend ist, dass so viele der Filmfiguren Uniformen tragen: die Ordensschwestern, die Angestellten in der Reinigung, der Polizist, Teresa in ihrem Job als Bedienung. Hin und wieder unterbricht Giuseppe Piccioni sogar die Spielhandlung, um eine wie für einen Fotografen aufgestellte Gruppe Uniformierter ins Bild zu rücken. Aber es geht ihm nicht um Gruppen, sondern um Individuen, allen voran eine Ordensschwester und einen Reinigungsbesitzer.

Durch die Konfrontation mit ihr bisher unbekannten Gefühlen – Mutterliebe und menschliche Nähe – wird eine Nonne elf Monate vor dem endgültigen Gelübde irritiert und gezwungen, sich nochmals zwischen der Alltagswelt und dem Klosterleben und zu entscheiden. Die Begegnung mit dieser Klosterschwester weckt aber auch einen einsamen Misanthropen aus seiner Lethargie und lässt ihn hoffen, dass er seine selbst gewählten Einschränkungen aufbrechen kann.

„Nicht von dieser Welt“ wurde 1999 mit mehreren italienischen Filmpreisen bedacht, darunter je einen „David di Donatello“ für den Film, das Drehbuch, die Hauptdarstellerin, den Schnitt und den Produzenten. Auch international wurde der Film mehrmals prämiert.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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