Orlando

Orlando

Orlando

Originaltitel: Orlando - Regie: Sally Potter - Drehbuch: Sally Potter, nach dem Roman "Orlando" von Virginia Woolf - Kamera: Alexei Rodjonow - Schnitt: Hervé Schneid - Musik: David Motion, Fred Frith, David Motion und Sally Potter - Darsteller: Tilda Swinton, Billy Zane, Lothaire Bluteau, Charlotte Valandry, Quentin Crisp, Heathcote Williams, Billy Zane, Jessica Swinton u.a. - 1992; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Kurz vor ihrem Tod im Jahr 1600 vermacht Königin Elizabeth I. dem schönen jungen Höfling Orlando einen Landsitz unter der Bedingung, dass er niemals altern und welken dürfe. Dieser Wunsch wird zum Schicksal Orlandos. Vergeblich bemüht sich dieser Mensch – zunächst als Mann, ab dem 18. Jahrhundert dann als Frau –, Spuren zu hinterlassen. Orlando bleibt einsam, ohne Liebe, ohne Freunde und sehnt sich nach Sterblichkeit.
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Kritik

Aus dem 1928 von Virginia Woolf veröffentlichtem surrealen Roman "Orlando. Die Geschichte eines Lebens", einem feinsinnigen und ideenreichen Fantasiewerk mit Anspielungen auf den Lebenslauf ihrer Freundin Vita Sackville-West, machte Sally Potter einen ganz besonderen Film.
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1600, Tod: Orlando (Tilda Swinton) lebt mit seinen Eltern (John Bott, Elaine Banham) am Hof der englischen Königin Elisabeth I. (Quentin Crisp). Vor ihrem Tod im Jahr 1600 vermacht die greise Monarchin dem schönen jungen Aristokraten einen Landsitz unter der Bedingung, dass er niemals altern und welken dürfe.

1610, Liebe: Zehn Jahre nach dem Tod der Königin verliebt Orlando sich während eines strengen Winters in Alexandra („Sascha“) Menschikowa (Charlotte Valandry), die hübsche Tochter des Moskowiter Botschafters (Viktor Stepanov), aber die junge Frau spielt nur mit seinen Gefühlen. Als das Eis bricht und die Russen abreisen, fällt Orlando in einen tiefen Schlaf. Ratlos stehen die Ärzte an seinem Bett.

1650, Poesie: Nach sechs Tagen erwacht Orlando. Er gibt dem von ihm bewunderten Poeten Nick Greenes (Heathcote Williams) eigene Gedichte und möchte seine Meinung darüber hören. Der eitle Geck redet Orlando zunächst nach dem Mund, aber nur, bis er von ihm eine Leibrente herausgeschlagen hat. Danach verhöhnt er seinen Mäzen in einem Spottgedicht.

1700, Politik: Orlando geht für zehn Jahre als englischer Botschafter in die Türkei und befreundet sich dort mit dem Khan (Lothaire Bluteau). Gerade als ihm Erzherzog Harry (John Wood) im Auftrag von Königin Ann einen Orden überbringt, bricht in der Türkei zum Entsetzen Orlandos ein Krieg aus. Erneut fällt er in eine lange Ohnmacht, und als er erwacht und in den Spiegel schaut, stellt er fest, dass er nun eine Frau ist.

1750, Gesellschaft: Orlando befindet sich wieder in England und beteiligt sich widerstrebend an einer Konversation, bei der es darum geht, möglichst geistreiche Sotissen auszuteilen. Weil nur Männer etwas besitzen können, will man ihr das Landhaus wegnehmen. Als Erzherzog Harry ihr einen Heiratsantrag macht, flieht Orlando durch ein Labyrinth.

1850, Sex: Nach einer Liebesnacht mit Shelmerdine (Billy Zane) erhält Orlando Besuch von zwei Polizeibeamten, die ihr erklären, ein Gericht habe entschieden, dass ihr Besitz einem männlichen Nachfahren vorbehalten sei. Shelmerdine reitet allein los; er will nach Amerika und sucht nach Freiheit. Schwanger irrt Orlando in einem Krieg herum.

Geburt: Orlando fährt Motorrad. Ihre kleine Tochter (Jessica Swinton) sitzt im Beiwagen. Orlando hat einen Roman über ihr Leben geschrieben, lässt nun die Vergangenheit los und ist keine Gefangene ihres Schicksals mehr.

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Als wäre es nicht weiter verwunderlich, wacht der im 16. Jahrhundert geborene und immer jung gebliebene Edelmann Orlando zu Beginn des 18. Jahrhunderts unvermittelt als Frau aus einem Schlaf auf. Sie betrachtet sich im Spiegel und meint ruhig: „Dieselbe Person. Überhaupt kein Unterschied. Nur ein anderes Geschlecht.“ Eine einsame junge Frau bleibt Orlando auch während der folgenden Jahrhunderte. Am Ende sehnt sie sich nach Sterblichkeit.

Aus Virginia Woolfs 1928 veröffentlichtem surrealen Roman „Orlando. A Biography“ („Orlando. Eine Biografie“), einem feinsinnigen und ideenreichen Fantasiewerk mit Anspielungen auf den Lebenslauf ihrer Freundin Vita Sackville-West, machte die vielseitige Künstlerin Sally Potter einen ganz besonderen Film und führte die im Roman 1928 endende Handlung bis in die Gegenwart (1992) weiter.

„Orlando“ ist ein opulent ausgestatteter, wunderbarer Kinofilm mit episodenhafter Struktur. Die edlen Bilder sind von außergewöhnlicher Ästhetik, bleiben jedoch immer etwas distanziert, als ob Sally Potter gefühlvolle Reaktionen der Zuschauer vermeiden wollte. Tilda Swinton ist schlichtweg die Idealbesetzung der androgynen Titelrolle.

Buchausgaben von „Orlando. Eine Biografie“:

  • Übersetzung: Herberth und Marlys Herlitschka, S. Fischer Verlag,
    Frankfurt/M 1961, 291 Seiten
  • Übersetzung: Brigitte Walitzek, hg.: Klaus Reichert, Fischer Taschenbuch,
    Frankfurt/M 2007, 249 Seiten

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002-2007

Mario Vargas Llosa - Das Fest des Ziegenbocks
Geschickt verknüpft Mario Vargas Llosa in seinem spannenden, fulminanten und komplexen Politthriller "Das Fest des Ziegenbocks" mehrere parallel entwickelte Handlungsstränge, die es ihm erlauben, das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.
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