Frühlingssinfonie

Frühlingssinfonie

Frühlingssinfonie

Originaltitel: Frühlingssinfonie - Regie: Peter Schamoni - Drehbuch: Peter Schamoni und Hans A. Neunzig - Kamera: Gerard Vandenberg - Schnitt: Elfi Tillack - Musik: Robert Schumann - Darsteller: Nastassja Kinski, Rolf Hoppe, Herbert Grönemeyer, Christine Preussler, Edda Seipel, André Heller, Gidon Kremer, Bernhard Wicki, Gisela Rimpler, Sonja Tuchmann, Margit Geissler, Gunter Krää, Inge Marschall, Peter Schamoni, H. G. Röhrig u.a. - 1982; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Clara wird bereits als fünfjähriges Kind von ihrem Vater Friedrich Wieck im Klavierspiel unterrichtet. Als Neunjährige spielt sie am 20. Oktober 1828 im Leipziger Gewandhaus, und von 1832 an unternimmt Friedrich Wieck mit seiner Tochter Konzertreisen. Eine große Karriere als Pianistin und Komponistin steht ihr bevor ...
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Kritik

Peter Schamoni zeigt in "Frühlingssinfonie" Episoden aus Clara Schumanns Leben zwischen ihrem 9. und 21. Lebensjahr. Nicht zuletzt dank der hervorragenden Besetzung sind ihm komplexe, nuancenreiche Porträts von Friedrich Wieck, Clara und Robert Schumann gelungen.
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Clara Wieck wurde am 13. September 1819 als zweites Kind des Klavierhändlers und Musiklehrers Friedrich Wieck (Rolf Hoppe) und seiner ersten Ehefrau Marianne in Leipzig geboren. Nach der Trennung ihrer Eltern wuchs sie bei ihrem Vater auf, der sie vom fünften Lebensjahr an im Klavierspiel unterrichtete und rigoros zu einer Virtuosin erzog. Als Neunjährige (Christine Preussler) debütierte sie am 20. Oktober 1828 im Leipziger Gewandhaus.

Robert Schumann war gut neun Jahre älter als Clara Wieck. Er kam am 8. Juni 1810 als jüngstes von fünf Kindern eines Buchhändlers und Verlegers in Zwickau zur Welt. Bereits als Kind erhielt er beim Stadtorganisten Klavierstunden. Mit zwölf begann er zu komponieren. Parallel dazu begeisterte er sich für Literatur und schrieb selbst Gedichte. Als er 14 Jahre alt war, nahm seine ältere Schwester sich das Leben; zwei Jahre später starb sein Vater.

Trotz seiner künstlerischen Neigungen studierte Robert Schumann auf Wunsch seiner Mutter (Edda Seipel) Jura.

Als er in Frankfurt am Main den „Teufelsgeiger“ Niccolo Paganini (Gidon Kremer) erlebt, sagt er zu einem Freund: „Ich werde der Paganini des Klaviers.“ Robert Schumann überredet seine Mutter 1830, mit ihm zusammen Friedrich Wieck in Leipzig aufzusuchen, um dessen Urteil über seine Begabung zu hören. Wieck ist beeindruckt vom Klavierspiel des jungen Mannes und erklärt sich bereit, ihn zu unterrichten und bei sich aufzunehmen. Daraufhin bricht der 19-Jährige sein Jurastudium ab und beginnt wie besessen am Klavier zu üben, bis er die rechte Hand kaum noch bewegen kann und ihm ein Quacksalber nach dem anderen eine unwirksame Therapie verschreibt. Bald muss Robert Schumann die angestrebte Pianistenkarriere aufgeben. Stattdessen verlegt er sich aufs Komponieren.

Mit dem theoretischen Unterricht bei Musikdirektor Heinrich Dorn (H. G. Röhrig) hört Robert Schumann bald wieder auf, weil dieser die künstlerische Freiheit weniger schätzt als das disziplinierte Komponieren strenger Fugen.

Von 1832 an unternimmt Friedrich Wieck mit seiner Tochter Konzertreisen. Eine große Karriere als Pianistin und Komponistin steht ihr bevor. Ohne es sich einzugestehen, will Friedrich Wieck auf Kosten des Mädchens das Scheitern seiner eigenen künstlerischen Ambitionen kompensieren. Er vereinnahmt Clara und badet sie auch noch, als sie bereits pubertiert.

1834 gründet Robert Schumann die „Neue Zeitschrift für Musik“, in der er vorwiegend selbst schreibt, und zwar unter zwei verschiedenen Pseudonymen: als „Eusebius“ äußert er sich besonnen und sensibel, als „Florestan“ kraftvoll und enthusiastisch.

Im Haus von Henriette Voigt lernt Robert Schumann Ernestine von Fricken (Sonja Tuchmann) kennen. Sie kommt nach Leipzig, um bei Friedrich Wieck Klavierunterricht zu nehmen. Der lässt sich von Robert Schumann vertreten, wenn er mit seiner Tochter verreist. Baron von Fricken (Bernhard Wicki) macht sich Sorgen über eine Romanze zwischen Ernestine und Robert Schumann, doch Friedrich Wieck – der froh darüber ist, dass der junge Musiker von seiner Tochter Clara abgelenkt wird – beruhigt ihn. Während eines Hauskonzerts nimmt die Baronin (Gisela Rimpler) Robert Schumanns Mutter zur Seite und eröffnet ihr, dass Ernestine adoptiert sei und im Fall einer unerwünschten Heirat keinen Pfennig besitzen würde.

An Claras 16. Geburtstag küsst Robert Schumann sie. Die beiden verlieben sich. Um Clara von Schumann zu trennen, schickt Friedrich Wieck sie zum Gesangstudium nach Dresden. Als er von ihrer Zimmerwirtin erfährt, dass Schumann sie besuchte, kommt es zum Bruch zwischen dem Musikpädagogen und seinem genialen Schüler.

Ein Musikverleger (Peter Schamoni) rät Robert Schumann, leichte Sachen für Dilettanten zu schreiben, aber der Komponist ist zu keinen Kompromissen bereit: Seine Musik ist ihm wichtiger als der breite Erfolg. Der junge Felix Mendelssohn-Bartholdy (André Heller) fordert ihn auf, seine journalistisch-schriftstellerische Arbeit einzuschränken und sich aufs Komponieren zu konzentrieren, aber Schumann erklärt ihm, die Arbeit für die Zeitschrift gebe ihm Halt.

Trotz des Verbots trifft Clara sich immer wieder mit Schumann. Der schreibt 1837 an ihren Vater und ihre Stiefmutter und hält um ihre Hand an. Friedrich Wieck ist überzeugt, dass es dem unbekannten Musiker nur darauf ankomme, von Claras Ruhm zu profitieren. Er untersagt ihr weiterhin jeden Kontakt mit Robert Schumann.

Am 15. März 1838 wird Clara Wieck von Kaiser Ferdinand I. zur kaiserlichen Hofvirtuosin ernannt.

Nach der Rückkehr aus Wien sucht Friedrich Wieck Robert Schumann auf – der gerade noch rechtzeitig die halbnackte Kellnerin ins Nebenzimmer schieben kann, mit der er seit langer Zeit ein Verhältnis hat. Wieck versucht Schumann klarzumachen, dass Clara im Gegensatz zu ihm berühmt sei und er sie aufgeben müsse, wenn er sie wirklich liebe, weil er Gift für ihre Karriere sei.

Bevor Clara Anfang 1839 allein zu einem Gastspiel nach Paris reist, besucht sie heimlich Robert Schumann und gibt sich ihm hin.

Nach ihrer Rückkehr gibt Clara zu, dass es für sie allein in Paris nicht einfach war. Da schöpft ihr Vater neue Hoffnung, schlägt eine neue gemeinsame Tournee vor und versucht, seine Tochter mit den Honoraren zu ködern. Als Clara jedoch nicht darauf eingeht und an ihrer Absicht, Robert Schumann zu heiraten, festhält, verweigert er ihr einen Anteil an den Einnahmen früherer Gastspiele und überlässt ihr nicht einmal ihren Flügel.

Den Advokaten, der ihn aufsucht, um ihn für eine gütliche Einigung zu gewinnen, wirft Friedrich Wieck hinaus. Daraufhin rufen Clara und Schumann das Gericht an, um ohne seine Einwilligung heiraten zu können. Die Ehrendoktorwürde der Universität Jena verbessert Robert Schumanns Reputation vor Gericht. Friedrich Wiecks Aussage, Robert Schumann habe ein Verhältnis mit Ernestine von Fricken gehabt, wird von deren Adoptivvater entschieden zurückgewiesen. Während Wieck wegen Verleumdung zu 18 Tagen Haft verurteilt wird, heiraten Clara und Schumann am 12. September 1840, einen Tag vor Claras 21. Geburtstag, in einer Dorfkirche bei Leipzig.

Anfang 1841 komponiert Robert Schumann seine Sinfonie Nr. 1, B-dur, op. 38, die „Frühlingssinfonie“. Felix Mendelssohn-Bartholdy dirigiert die Uraufführung am 31. März im Gewandhaus.

Clara Schumann engagiert sich für die Arbeit ihres Mannes. Da bleibt nicht mehr viel Gelegenheit für eigenes Kunstschaffen.

1854 versucht Robert Schumann, sich im Rhein zu ertränken. Er wird zwar von Schiffern gerettet, muss aber die letzten beiden Jahre seines Lebens geistig umnachtet in einem Irrenhaus verbringen. Seine Ehefrau kümmert sich allein um die sieben Kinder. Nach seinem Tod am 29. Juli 1856 zieht sie zu ihrer seit 1825 von Friedrich Wieck geschiedenen Mutter nach Berlin.

Am 20. Mai 1896 stirbt Clara Schumann in Frankfurt am Main.

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Peter Schamoni zeigt in „Frühlingssinfonie“ Episoden aus Clara Schumanns Leben zwischen ihrem 9. und 21. Lebensjahr in einem einfühlsamen und hervorragend besetzten Film. Bedächtig erzählt er vor allem von dem Konflikt zwischen Friedrich Wieck, Clara und Robert Schumann. Der Film endet mit der gegen den Willen des Vaters ertrotzten Hochzeit und der Uraufführung der „Frühlingssinfonie“. Deshalb geht Peter Schamoni nicht darauf ein, wie Clara Schumann ihr eigenes Kunstschaffen aus Rücksicht auf ihren Ehemann zurückstellt.

Nicht zuletzt dank der hervorragenden Besetzung ist es Peter Schamoni in „Frühlingssinfonie“ gelungen, Robert Schumanns Schwäche und Leidenschaft, Friedrich Wiecks neurotische Bindung an seine Tochter und Claras Hin- und Hergerissensein zwischen der Loyalität gegenüber dem Vater und ihrer Liebe zu Robert Schumann eindrucksvoll darzustellen. Auf diese Weise sind komplexe, nuancenreiche Porträts dieser drei Persönlichkeiten entstanden.

2008 drehte Helma Sanders-Brahms mit Martina Gedeck, Pascal Greggory und Malik Zidi den Film „Geliebte Clara“ über Clara Schumann, Robert Schumann und Johannes Brahms.

Originaltitel: Geliebte Clara – Regie: Helma Sanders-Brahms – Drehbuch: Nicole-Lise Bernheim, Helma Sanders-Brahms, Colo Tavernier – Kamera: Jürgen Jürges – Schnitt: Isabelle Devinck – Darsteller: Martina Gedeck, Pascal Greggory, Malik Zidi, Aline Annessy, Brigitte Annessy, Marine Annessy, Jacques Breuer, Sascha Caparros, Clara Eichinger, Béla Fesztbaum, Thomas Limpinsel, Christine Osterlein, Manuel Straube, Péter Takátsy, Walter Theil u.a. – 2008; 105 Minuten

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002/2003

Peter Schamoni: Majestät brauchen Sonne

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